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Nachrichten in Kürze


Konfirmandentag zum Thema Demenz durchgeführt
Wie stell ich mir mein Altsein vor?

In Schleswig-Holstein wurde erstmalig erfolgreich ein Projekt zum Thema Alter und Demenz mit einer Konfirmandengruppe durchgeführt. In diesem Jahr soll in schleswig-holsteinischen Schulklassen eine Projektreihe starten.

Hielt einen Vortrag über die Auswirkungen einer Demenzerkrankung: Brigitte Voß (hinten rechts), Leiterin der Pflege- und Alzheimerberatungsstelle in Rendsburg (Foto: Katharina Grau)

Die Tagesveranstaltung hat im Rahmen der Initiative „Vergissmeinnicht - Alltag leben mit Demenz“ stattgefunden. In Gruppen erarbeiteten sich die Konfirmanden unter dem Motto „Ich stelle mir mein Altsein vor ...“ die Themenkomplexe demographischer Wandel, Demenz und Umgang mit demenzerkrankten Menschen.

„Ziel dieser Tagesveranstaltung war es, die jungen Menschen an die Thematik ,Alter und Demenz’ heranzuführen“, sagte Brigitte Voß, Leiterin der Pflege- und Alzheimerberatungsstelle in Rendsburg. „Die Initiative Vergissmeinnicht will die Krankheit Demenz verstärkt in der Öffentlichkeit darstellen und die Bevölkerung, ob jung oder alt, aufklären.“ Der Konfirmandentag ist von einer Projektgruppe eigens konzipiert worden, um auch jüngeren Menschen einen Zugang zu dem Thema zu verschaffen. „Uns war wichtig, für die Teilnehmenden, die verschiedenen Facetten der Krankheit erfahrbar zu machen“, sagte Katrin Biermann, Diplom Pflegewirtin und Projektleiterin. „Es ging also nicht so sehr um die biologischen Zusammenhänge einer Demenz. Vielmehr sollten krankheitsbedingte Verhaltensveränderungen deutlich gemacht und Umgangsmöglichkeiten mit der Krankheit aufgezeigt werden.“

Um Alterserscheinungen am eigenen Leib zu erfahren, wurden Brillen, Handschuhe und Knieschoner zum „Age-Simulator“ umfunktioniert. So ausgestattet wurden auch für die Jugendlichen ganz alltägliche Tätigkeiten wie Schuhe zubinden oder Lesen zur Herausforderung. Die Auswirkungen einer Demenzerkrankung auf den Alltag, am Beispiel „Einkaufen“, präsentierten die Projektleiter anhand von Bildern und Praxisbeispielen. „Die Jugendlichen zeigten großes Interesse an der Thematik und äußerten sich sehr positiv zur Veranstaltung“, sagte Katrin Biermann. „Wir werden den zeitlichen Rahmen überarbeiten und für 2007 die Fortführung dieses Projekts an schleswig-holsteinischen Schulen ins Auge fassen.“

Informationen zur Initiative Vergissmeinnicht gibt es im Netz unter www.vergissmeinnicht-sh.de oder telefonisch unter 040/ 30857987. Fragen zum Konfirmanden-/ Schulprojekt beantwortet Katrin Biermann unter 0700/46242646. (Katharina Grau)


Winterprüfung 2006/2007

Der Zentrale Prüfungsausschuss für Arzthelferinnen hat die Winterprüfung 2006/ 2007 mit den praktisch/mündlichen Prüfungen im Januar 2007 abgeschlossen. Die gesamte Prüfung wurde in der Ärztekammer Schleswig-Holstein zentral durchgeführt. Der Dank der Ärztekammer gilt auch in diesem Jahr den Mitgliedern des Zentralen Prüfungsausschusses unter Vorsitz von Beate Burmeister, Pinneberg, und Tatjana Haase, Hamburg.


Prüfungsergebnisse


64 Auszubildende haben an der Abschlussprüfung teilgenommen. Davon haben 24 Auszubildende die Abschlussprüfung aufgrund überdurchschnittlicher Leistungen vorzeitig abgelegt. Acht Auszubildende haben die Prüfung leider nicht bestanden. (Ga)


Zwischenprüfung für Arzthelferinnen 2007

Die Ärztekammer Schleswig-Holstein hat folgenden Prüfungstermin für die Arzthelferinnen-Zwischenprüfung 2007 festgelegt:

Mittwoch, 14. März 2007

Die Anmeldeformulare sind über die Berufsschulen verteilt worden oder im Internet unter www.aeksh.de/ Assistenzberufe/Verträge/Formulare zu finden. (Ga)


Sommerabschlussprüfung für Arzthelferinnen und Medizinische Fachangestellte

Die Ärztekammer Schleswig-Holstein hat folgende Termine für die Arzthelferinnen-Abschlussprüfung 2007 festgelegt:

Schriftliche Prüfung: Mittwoch, 16.05.2007

Praktisch-mündliche Prüfung:

Die Prüfung zur Medizinischen Fachangestellten findet am 30.06.2007 ebenfalls im Edmund-Christiani-Seminar statt. (Ga)


PatientenLeitlinie Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung (COPD) veröffentlicht

Ärzte und Patienten brauchen eine einheitliche Informationsbasis, um gemeinsam Entscheidungen bezüglich der Behandlung und Versorgung zu treffen. Für Ärzte spielen in diesem Zusammenhang Leitlinien eine große Rolle. Jedoch sind die Inhalte ärztlicher Leitlinien für Patienten nicht immer verständlich. Eine Lösung für dieses Problem stellen spezielle Informationen für Patienten dar, die nicht nur den Inhalt der ärztlichen Leitlinie in verständlicher Form vermitteln, sondern auch darüber hinaus gehende Informationen und Hilfestellungen bieten. Mit der PatientenLeitlinie zur Nationalen VersorgungsLeitlinie COPD, die seit dem 6. Dezember 2006 nach Abschluss einer zweimonatigen öffentlichen Konsultationsphase online ist, liegt nun eine solche Entscheidungshilfe für Patienten vor.

Die Besonderheit an dieser PatientenLeitlinie ist, dass sie nicht von Experten, sondern unter Mitarbeit von Patientenvertretern entwickelt wurde. Beteiligt waren Vertreter des Deutschen Allergie- und Asthmabundes e. V., des Forum für chronisch kranke und behinderte Menschen im Paritätischen, der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe von Menschen mit Behinderung und chronischer Erkrankung und ihren Angehörigen e. V. und der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen. Die PatientenLeitlinie zur NVL COPD „übersetzt“ die ärztliche Leitlinie für Patienten und ist Teil des Programms für Nationale VersorgungsLeitlinien. Dieses Programm steht unter der Trägerschaft von Bundesärztekammer, Arbeitsgemeinschaft der wissenschaftlichen medizinischen Fachgesellschaften und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und wird vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin koordiniert. Zu ausgewählten Krankheitsbildern arbeiten Experten verschiedener Fachgesellschaften zusammen, um im Rahmen der strukturierten Versorgung chronisch kranker Menschen die angemessene und evidenzbasierte ärztliche Versorgung darzustellen.

Anfang 2007 wird diese PatientenLeitlinie auch in gedruckter Form (Deutscher Ärzte-Verlag) über den Buchhandel zu beziehen sein. (Sylvia Sänger)


Buchtipps

Das ungenutzte Potenzial der Medizin
Für alle, die im Blick auf die „Gesundheitsreform“ grundsätzlich über die Zukunft der Medizin nachdenken wollen, bietet das neue Buch von Prof. Wehkamp (Hamburg, Bremen) und Prof. Bircher (Bern, ehemals Witten-Herdecke) wichtige Anregungen. Ausgehend vom Stand der Medizin des 21. Jahrhunderts („ein großartiges Erbe der Menschheit“) werden Schattenseiten der Medizin anhand einer bedrückenden Krankengeschichte thematisiert. Stichworte: Spardruck, Führungsmangel, unzeitgemäßes Menschenbild. Die Autoren entwickeln eine neue Definition von Gesundheit und Krankheit, aus der Gegenüberstellung von biologisch gegebenem und persönlich erworbenem Potenzial auf der einen Seite und den Ansprüchen des Lebens auf der anderen Seite.

Perspektiven für die Individualmedizin werden aufgezeigt (personorientierte Medizin, Verantwortungspartnerschaft). Aus den Lehren aus Vogelgrippe, SARS und Aids wird die wichtige Funktion von Sozialmedizin/Public Health und Forschung erörtert. Interessenkonflikte zwischen Medizin und anderen Teilen der Gesellschaft und die Lösungsmöglichkeiten sind ein weiteres wichtiges Thema. Zwei Zitate („Was die Medizin tun muss“), S. 197:

ð „Den Vertretern der Gesellschaft die Nachteile und Kosten der gegenwärtigen Ausgestaltung des wirtschaftlichen Drucks in der Arzt-Patient-Beziehung und der impliziten Rationierung aufzeigen und gleichzeitig die Hand zu Verbesserungen reichen“,
ð „Fortlaufend Glaubwürdigkeit schaffen, indem sie Interessenkonflikte ihrer Mitglieder und ihrer Institutionen transparent darstellt und im Rahmen der Delegationsprozesse dafür sorgt, dass sie vermindert werden“...

Johannes Bircher u. Karl-Heinz Wehkamp: Das ungenutzte Potenzial der Medizin. Analyse von Gesundheit und Krankheit zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Rüffer & Rub, Zürich 2006, 256 Seiten, ISBN (10) 3-907625-31-5, 29,80 Euro.

Swing & Relaxx
Eine Quintessenz seiner bisherigen hilfreichen Anleitungen zur Präventionsmedizin, vom muskulo-skelettalen Training durch Stretching über Trampolintraining bis zu Anti-Stress-Strategien durch repetitive Meditation, jetzt aber unter den Aspekten der Spiralkinetik und der Ganzheitlichkeit, legte Prof. Dr. Gerd Schnack (Allensbach, ehemals Hamburg) vor. Neu sind u. a. Aspekte von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und das Burnout-Syndrom. Seine interessante Grundthese: Da das Leben rhythmisch geprägt sei, ermögliche besonders eine Kombination von Ausdauertraining und Meditation im Wechsel, den Körper „im Takt“ und dadurch intakt zu halten.

Gerd Schnack, Swing & Relaxx, Gesundheit und Prävention durch rhythmische Spiralkinetik, Urban und Fischer München 2006, 236 Seiten, ISBN 13-978-3-437-48190-1, 29,95 Euro.

Cholesterin
Für Patienten mit Hypercholesterinämie zu empfehlen ist der übersichtliche, gut lesbare Ratgeber von Dr. Volker Schmiedel, Chefarzt der Inneren Abteilung der Habichtswald-Klinik in Kassel: Cholesterin - 99 verblüffende Tatsachen. Trias Verlag (Thieme), Stuttgart 2006, 129 Seiten, ISBN 3-8304-3323-9, 12,95 Euro. Der Autor erläutert u. a., welche Laborwerte wirklich wichtig sind, dass die Transfettsäuren besonders gefährlich sind und wie die Cholesterinwerte z. T. auch ohne Lipidsenker (Statine) auf natürliche Weise herabgesetzt werden können, z. B. durch Zuführen von Artischocken, Curcuma oder Knoblauch.

Kongress Kalender 2007
Bewährt und wieder aktuell mit über 4 000 Terminen in Deutschland, Europa und weltweit: Kongress Kalender Medizin 2007 vom Spitta Verlag, Balingen 2007, 646 Seiten und Anhang, mit Vorschau 2008 und zusätzlicher CD, für Abonnenten online täglich aktualisiert, ISBN 978-3-938509-33-3, Info Tel. 07433/952-431, 45,80 Euro. (hk)


Für Sie gehört: Medizin-Cluster Südholstein

„Ausschlaggebend für die Sicherung der sehr vielen (ca. 50 000) Arbeitsplätze in der Gesundheitswirtschaft in der Region Süd-Schleswig-Holstein ist ein starker Klinik- und Forschungsstandort Lübeck ... Bitte stellen Sie (gemeint: der anwesende Ministerpräsident Carstensen und mehrere Minister) sicher, dass der Forschungsstandort Lübeck erhalten und weiterentwickelt wird.“

(Präses Bernd Jorkisch beim Neujahrsempfang 2007 der IHK zu Lübeck vor dem Rekord-Auditorium von 1 600 Teilnehmern. Er nannte Beispiele: Dräger, UK S-H/ Univ. Lübeck, die Fachhochschule, das entstehende Fraunhofer-Institut.) (hk)


4-K-Krankenhausverbund Itzehoe, Heide, Neumünster, Bad Bramstedt

Über den aktuellen Stand der Vernetzung im 4-K-Verbund hatte bei der Medica in Düsseldorf Geschäftsführer Alfred von Dollen vom teilnehmenden Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster (FEK) berichtet. Ergänzend sagte er dem Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt, aktuell werde ein Telemetrie-Projekt bearbeitet, das unter Projektführerschaft des Westküstenklinikums Heide die Vernetzung mit Arztpraxen besonders auf den Gebieten Neurologie und Pädiatrie betreibe. Das FEK arbeitete ferner an der elektronischen Vernetzung mit niedergelassenen Ärzten. Hauptproblem sei dabei die Abstimmung der unterschiedlichen Praxissysteme. Als positiv für den Verbund sah von Dollen die regionale Verteilung der vier Kliniken (außerdem das Klinikum Itzehoe sowie seit 2005 die Rheumaklinik Bad Bramstedt), die sich keine Konkurrenz machten.

Alfred von Dollen (oben) ist Geschäftsführer im Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumünster (Fotos: FEK)

Der Verbund (zunächst 3-K) wurde 2000 gegründet, um den zunehmenden Wettbewerb unter DRG-Bedingungen bestehen zu können und die Patientenversorgung zu verbessern. Die im Kooperationsvertrag vereinbarte Nutzung von Synergieeffekten wurde bereits realisiert bei den nicht patientengebundenen Leistungen wie Einkauf, Marketing, Personal, Technik, Wirtschaftsdienste, EDV, Qualitätsmanagement). Zu nennen sei auch die Gründung des Holsteinischen Brustzentrums zusammen mit dem Krankenhaus Rendsburg. Heute verfügt der Verbund über 2 600 Betten und über 3 800 Mitarbeiter. (hk)


Perspektiven der Gesundheitswirtschaft - Gesundheitsagentur?

Die schleswig-holsteinischen Heilbäder und Kurorte wollen den „neuen Gesundheitsmarkt“ zumal mit Wellness-Angeboten stärker erschließen, ohne den klassischen Gesundheitsmarkt mit seinen Reha- und Kurdienstleistungen zu vernachlässigen. Dazu dient konzeptionell ein im Dezember 2006 der Mitgliederversammlung des Heilbäderverbandes (www.heilbaederverband-sh.de) vorgelegtes Gutachten zum Projektvorhaben „Touristische Perspektiven der Gesundheitswirtschaft in Schleswig-Holstein“. Die vom Wirtschaftsministerium geförderte Studie nennt Standortstärken des Landes wie die Kompetenzzuschreibung „Gesundheit“ durch Kunden/Patienten oder die steigende Nachfrage, aber auch entsprechende Schwächen wie den hohen infrastrukturellen Sanierungsbedarf. Anzustreben seien die Qualifizierung der Angebote, die Neuordnung der Prädikatisierung (Heilbad, Seeheilbad, Kneippkurort usw.), die Weiterentwicklung des Heilbäderverbandes zum Kompetenzzentrum „Gesundheitsagentur“, PR- und Marketingmaßnahmen.

Qualitätsstandards soll ein interdisziplinärer Fachbeirat definieren, in dem von medizinischer Seite u. a. die Ärztekammer, Kassenärztliche Vereinigung, Landesvereinigung für Gesundheitsförderung und Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein vertreten sind.

Interessant im Blick auf berufliche Chancen von Ärzten ist eine Aussage des Gutachtens: „Die medizinisch-präventive Begleitung gesundheitstouristischer Angebote wird mit zunehmender Präventionsstufe immer wichtiger und ist daher laufend und dauerhaft einzubinden.“

Im Februar 2007 soll ein Handbuch mit Anleitungen und Qualitätsstandards vorgelegt werden. (hk)


Notdienst-Anlaufpraxis im Krankenhaus

Die Neuregelung des ambulanten Notdienstes durch die Kassenärztliche Vereinigung (KV) wurde ab
1. Januar realisiert. Am Wochenende und in der Nacht stehen 30 zentrale Notdienstpraxen in den Krankenhäusern zur Verfügung. Beispielsweise im südlichsten Notdienstbezirk am Johanniter-Krankenhaus Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) sowie zusätzlich am Krankenhaus Reinbek (Stormarn). In Reinbek werden im Erdgeschoss nahe dem Haupteingang zwei Untersuchungsräume, Wartezimmer und Empfang/Büro der Hernienchirurgie mitgenutzt. Der Beauftragte der KV für den Notdienstbezirk, Allgemeinarzt Dr. Hermann Müller-Dornieden (Glinde), hat für die zusätzlich erforderliche Praxisausstattung gesorgt.

In seiner Notdienstpraxis in Reinbek: Dr. Jens Christiansen (Foto: hk)

Als erster Notdienstarzt war am 1. Januar sein Stellvertreter, der Reinbeker hausärztliche Internist Dr. Jens Christiansen, von 10:00-13:00 und 17:00-21:00 Uhr tätig. Eine fest angestellte Praxismanagerin (Martina Bonecke) und im Wechsel elf Helferinnen/Schwestern auf 400 Euro-Basis unterstützen den jeweils diensthabenden Arzt. Abends und am Wochenende tun niedergelassene Ärzte Dienst (bis 21:00 Uhr), in den übrigen Zeiten Krankenhausärzte (im täglichen Wechsel aus der medizinischen und der chirurgischen Klinik). Die Öffnungszeiten sollen je nach den kommenden Erfahrungen angepasst werden. Die erste Bewertung sei positiv, sagte Dr. Christiansen. Für die Ärzte sei ein Notdienst in der Anlaufpraxis mit fester Vergütung (50 Euro/Std.) verlässlicher als das bisherige Warten in der Praxis oder zu Hause mit einer unberechenbaren Inanspruchnahme und Honorierung. Für die nicht gehfähigen Patienten komme der fahrende Notdienst wie bisher ins Haus, aber zentral vom Krankenhaus Geesthacht aus. Auch für die Patienten zeichne sich eine Verbesserung ab, weil im Notdienst jetzt überwiegend hausärztlich erfahrene Kollegen tätig würden, die anderen sich vertreten ließen.
Auf der anderen Seite sind aus der Bevölkerung (z. B. aus Barsbüttel) Sorgen bekannt geworden, die neue Regelung bringe Verschlechterungen für die Patienten gegenüber dem eingespielten, wohnortnahen Notdienst mit sich. Insbesondere allein stehende Senioren ohne Auto zögerten, den Notdienst zu beauftragen, weil sie eine ggf. nachträgliche hohe Kostenbelastung befürchteten. Von der KVSH war eine Stellungnahme zu den Erfahrungen bis Redaktionsschluss nicht zu erhalten. (hk)


Epilepsie-Zentren

Ein Verzeichnis der Anfallsambulanzen und Schwerpunktpraxen für Epilepsie in Deutschland hat die auf Epilepsie spezialisierte Stiftung Michael in Hamburg herausgegeben. Danach gibt es in Schleswig-Holstein drei Ambulanzen für Kinder und Jugendliche, und zwar in Kiel (Klinik für Neuropädiatrie des UK S-H, Prof. Stephani), in Lübeck (UK S-H, Neuropädiatrie, Prof. Sperner) und in Raisdorf (Norddeutsches Epilepsiezentrum für Kinder und Jugendliche, PD Dr. Boor). Außerdem in Hamburg (Wilhelmstift und Werner-Otto-Institut).

Für Erwachsene und Jugendliche gibt es dem Verzeichnis zufolge hierzulande keine Ambulanzen. Schwerpunktpraxen (zwei) gibt es danach nur in Hamburg. Das Verzeichnis ist per E-Mail zu beziehen von: StiftungMichael@t-online.de oder im Internet unter www.StiftungMichael.de. (hk)


Hirnliga e. V.
Kostenlose Broschüre zum Thema Alzheimer

Zum 20-jährigen Bestehen der Hirnliga e. V. gibt die Vereinigung der Deutschen Alzheimer-Forscher einen völlig neu überarbeiteten Leitfaden für Angehörige und Pflegende heraus. „Mit neuem Mut - Demenzkranke betreuen“ heißt die Broschüre und soll als Ratgeber über die Ursachen und Auswirkungen der Krankheit informieren und Tipps für die Pflege und das Zusammenleben geben, sie zeigt aber auch Grenzen der Betreuung von Alzheimer-Kranken auf.

Der 42-seitige Ratgeber ist gegen die Einsendung von 1,45 Euro Rückporto in Briefmarken zu erhalten über die Hirnliga e. V., Postfach 13 66, 51657 Wiehl, oder kann im Internet unter www.hirnliga.de kostenlos heruntergeladen werden. (SH)


Verein „UnderDOCs“

Niedergelassene Ärzte von der Basis wollen sich in unserer Region enger zusammenschließen, um auf ihre durch die Gesundheitsreform bedrängte Lage hinzuweisen und ihre beruflichen Interessen stärker zur Geltung zu bringen. Nach Vor-Aktionen in 2005 und 2006 (Eiderstedter Manifeste) soll jetzt ein Verein gegründet werden. Die Eintragung in das Vereinsregister sei beantragt, sagte der designierte Vorsitzende, der hausärztliche Internist Dr. Svante C. Gehring, Norderstedt. Besonders Ärzte aus dem Kreis Segeberg, von der Westküste, aus Neumünster, Kiel und Lübeck seien bisher interessiert. Zumeist offenbar Hausärzte, aber auch Fachärzte aller Richtungen.

Im Einzelnen geht es den Initiatoren, darunter zumal Dr. Martin Gattermann aus St. Peter-Ording (2. Vorsitzender) um Bürokratieabbau, Deregulierung und Transparenz im Gesundheitswesen, um die kritische Analyse von weitreichenden Projekten wie der E-Card, um mehr Vernetzung zur Erhöhung der Verhandlungsmacht. Die Aktivitäten anderer ärztlicher Organisationen wie der Ärztegenossenschaft des Landes könnten durch gemeinsame Anstöße von UnderDOCs belebt werden, hoffte Dr. Gehring. Information im Internet unter www.underdocs.de. (hk)


Gesundheits-Ratgeber mit integriertem Symptom-Tagebuch

Bei der Diagnostik einer Borreliose (bakterielle Zeckeninfektion [60 000 bis 100 000 Neuerkrankungen jährlich in Deutschland/500 000 chronisch Kranke]) zählen Symptome mehr als Laborwerte.

Nicht selten vergehen Wochen und Monate, manchmal Jahre nach einem Zeckenstich, bis die teilweise allgemeinen oder auch seltsamen Beschwerden richtig diagnostiziert werden.

Wer als Patient an sich eine durch Zecken hervorgerufene Borreliose vermutet, muss oft eine wahre Ärzte-Odyssee hinter sich bringen, bis Diagnose-Klarheit entsteht. Denn auf Laborwerte kann man sich nicht verlassen. Im Vordergrund stehen die Symptome. Weil die aber kommen und gehen, dokumentiert erst die Dynamik dieser Beschwerden über einen Zeitraum den Zusammenhang mit der Bakterien-Infektion. Deshalb integrierten selbst betroffene Autoren ein Symptom-Tagebuch zum Selbstausfüllen in einem Ratgeberbuch, das die neusten Erkenntnisse aus Diagnostik, Therapie, Forschung, Gesundheitspolitik, sowie Tipps über den Umgang mit dem Arzt oder Leistungsträgern beinhaltet.

Borreliose-Jahrbuch 2007, Ute Fischer, Bernhard Siegmund, Verlag Books on Demand, Norderstedt, 180 Seiten, 17,90 Euro, ISBN 978-3-833-4-6800-1. (Redaktionsbüro Fischer + Siegmund)


Fünf neue Onkogene identifiziert

In Zusammenarbeit mit zwei Forscherteams aus England konnten Mitarbeiter des Instituts für Humangenetik und der 2. Medizinischen Klinik des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein und der Christian-Albrechts-Universität in Kiel eine Familie von gleich fünf neuen Krebsgenen, den so genannten „Onkogenen“ identifizieren. Dabei konnten sie deren Beteiligung an der Entstehung einer aggressiven Form von Blutkrebs, der akuten lymphatischen Leukämie, nachweisen. Die beschriebenen Gene werden durch Zusammenlagerung von sonst in einer Zelle getrennt liegenden Anteilen des Erbgutes in den Krebszellen aktiviert.

Die jetzt in der führenden internationalen Zeitschrift für Erkrankungen des Blutsystems, „BLOOD“ publizierten Befunde sind in zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Zum einen konnte erstmals nicht nur für ein einzelnes Gen, sondern gleich für eine ganze Familie von fünf verwandten Genen (sog. CEBP-Genfamilie) eine direkte Rolle in der Entstehung von Blutkrebs nachgewiesen werden. Zum anderen war bislang angenommen worden, dass zumindest eines der Gene dieser Familie die Entstehung von Leukämien verhindert, da es bei einer anderen Form von Blutkrebs, der akuten myeloischen Leukämie, häufig inaktiviert wird. Jetzt konnte bei der akuten lymphatischen Leukämie gefunden werden, dass es dort aktiviert wird.

Die neuen Forschungsergebnisse zeigen, dass die krebsfördernde oder -hemmende Wirkung der Gene offensichtlich davon abhängt, in welcher Zelle des Körpers die Genveränderung auftritt. Wie genau die Aktivierung der Krebsgene schließlich zur Entartung der Zellen führt, ist noch unklar und wird derzeit weiter untersucht. Es gibt erste Hinweise darauf, dass ihre Aktivierung möglicherweise eine Um- oder sogar Rückentwicklung einer bereits spezialisierten Blutzelle des Körpers zu einer Vorläufer- oder Blutstammzelle einleitet.

Die veröffentlichten Arbeiten wurden erhoben im Rahmen eines interdisziplinären Kieler Forschungsvorhabens zur systematischen Identifizierung von Krebsgenen bei Lymphomen und Leukämien, das u. a. von der Europäischen Union, der Deutschen Krebshilfe und der Lymphoma Research Foundation (New York, USA) gefördert wird und an dem neben dem Institut für Humangenetik insbesondere die 2. Medizinische Klinik und das Institut für Hämatopathologie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel beteiligt sind. (Dr. A. Aldenhoff-Zöllner)


Leserbriefe:


Zwei Leserbriefe von Prof. Dr. Carl Schirren

Zum Artikel „Es gibt natürliche Grenzen“, SHÄ 10/2006, S. 44 ff.
In dem Interview mit Prof. Diedrich wird eine „präzise, seriöse sowie einsichtige Aufklärung“ angesprochen. Das ist eine conditio sine qua non gerade auf dem Sektor der Reproduktionsmedizin. Leider wird das jedoch nicht so ernst genommen, wie es erforderlich wäre. Ich habe z. B. eine Patientin gesehen, die mit 38 Jahren schwanger wurde und ihren Gynäkologen danach fragte, ob in diesem Falle eine Amniozentese zwecks Fruchtwasseruntersuchung unternommen werden sollte. Das wurde jedoch mit dem Hinweis abgelehnt etwas Derartiges käme erst ab dem 40. Lebensjahr in Betracht. Resultat: Down-Syndrom des Neugeborenen.

Prof. Schirren (Foto: Privat)

Nicht immer geht der pathologische Kinderwunsch vom Ehemann oder der Schwiegermutter aus. Auch die Mutter der jungen Frau kann eine nicht unbedeutende Rolle spielen. Das führt dann unter Umständen dazu, dass „erfolglose Paare“ von einem Zentrum zum anderen wandern, um nach zwei bis drei Jahren bei dem ersten nachzufragen, ob „es etwas Neues“ geben würde. So erlebte ich es in Hamburg an unserem damaligen Zentrum. Dabei ist die psychologische Betreuung so sehr wichtig, obgleich die Empfehlungen nicht immer befolgt werden.

Nur eine genaue Familienanamnese kann das Risiko von genetischen Störungen herabsetzen bzw. ausschließen. Im Zweifelsfalle sollte daher - wer weiß schon, was Eltern oder Großeltern an Krankheiten gehabt haben - eine genetische Untersuchung der Frau und des Mannes erfolgen.

Schließlich sei nicht vergessen, dass die Verwendung der modernen Befruchtungstechniken nur begrenzt möglich ist. Ich habe allerdings Paare zur Beratung gehabt, bei denen sechs bis acht Mal ohne Erfolg „behandelt“ wurde und dem Ehepaar auf eine entsprechende Frage, wie es denn wohl weitergehen solle, da bisher kein Erfolg eingetreten sei, in einem renommierten Zentrum geantwortet wurde: „Seien Sie unbesorgt, wir haben alles im Griff. Sie dürfen nur den Mut nicht verlieren“.

Die Frage, ob „eine Frau, die nach IVF gezeugt wurde, ganz normal Kinder bekommen kann“ dürfte illusorisch gewesen sein.
Prof. Dr. Carl Schirren, Buurnstraat 13, 25938 Midlum/Föhr

Zur Rezension „Peter Plett“, SHÄ 10/2006, S. 52 f.
In der Rezension von Prof. Kolenda ist mir leider nicht ausführlich genug auf die Rolle der Kieler Medizinischen Fakultät eingegangen worden, die in dem Buch über Peter Plett so eingehend dargestellt worden ist und die vor allem dafür verantwortlich war, dass sie Erfahrungen von Peter Plett mit der Kuhpockenimpfung keinerlei Anerkennung fanden, bzw. nicht weiter verfolgt wurden. Daran ist maßgeblich der an der Universität Kiel als Internist tätige Direktor des Sanitätskollegiums Prof. G. H. Weber (1752-1828) beteiligt gewesen, welcher der Variolation anhing und Plett gewissermaßen unter den Tisch fallen ließ, wiewohl ihm klare ärztliche Berichte über den Erfolg der Plett’schen Methode vorlagen. Prof. Franz Hermann Hegewisch (1783-1865) ebenfalls als Internist in Kiel tätig, setzte sich sehr für Plett ein und ergriff auch öffentlich Partei für ihn.

Darüber hinaus muss man bedenken, dass damals Schleswig-Holstein zu Dänemark gehörte und in Kopenhagen durch eine Deutsche Kanzlei vertreten wurde. C. M. Rabe hat in ihrer bemerkenswerten Monographie „Lupus, Lepra Lues und andere Leiden – Edition Paul Beiersdorf No. 2, 1996“ darauf hingewiesen, dass durch Kompetenzkonflikte, Bürokratismus, lange Instanzenwege sowie die sparsame Haushaltspolitik in den Herzogtümern wirksame, seuchen-prophylaktische Maßnahmen verhindert worden sind. Also kein Ruhmesblatt für die Fakultät und ihre Vertreter.
Prof. Dr. Carl Schirren, Buurnstraat 13, 25938 Midlum/Föhr



Leserbrief von Dr. Rainer Sempell zum Artikel „Ansteigende Hautkrebsinzidenz“, SHÄ 1/2007, S. 2

Der Artikel „Ansteigende Hautkrebsinzidenz“ im SHÄ 1/2007 weist einen entscheidenden Fehler auf, der in der Nichterfassung der meisten Aktinischen Keratosen (AK) liegt.

Mittlerweile ist es Konsens, dass die AK ein Carcinoma in situ ist. Meldungen über mit flüssigem Stickstoff vereiste AKs werden vom Schleswig-Holsteinischen Krebsregister mit der Begründung der fehlenden Histologie leider nicht erfasst; sie sind schlicht unerwünscht. Ich weiß nicht, ob dies finanzielle Gründe hat, denn die Meldungen werden ja - wenn auch sehr niedrig - vergütet.

Dr. Sempell (Foto: Privat)

Wenn ich die AKs künftig statt sie zu vereisen exzidieren würde, würden deren Meldungen vom Krebsregister erfasst werden. Gleiches würde geschehen, wenn ich vor der Vereisung eine Biopsie durchführte. Die Patienten würden darunter aber in jedem Falle leiden - eine Exzision und auch eine Biopsie hinterlässt Narben, eine Biopsie vor der Vereisung zieht die Therapie zusätzlich in die Länge.

Insofern sind die vom Krebsregister publizierten Zahlen des „weißen“ Hautkrebses viel zu niedrig. Ich persönlich vereise pro Woche mindestens 40 AKs, stelle aber durch eine Probebiopsie oder eine Exzision höchstens einen AK wöchentlich fest. Insofern ist meine gemeldete Zahl an „weißem“ Hautkrebs etwa um den Faktor 30 zu niedrig (wenn man die Basaliome mit einbezieht, die eigentlich immer beprobt bzw. exzidiert werden).
Dr. Rainer Sempell, Feldschmiede 38, 25524 Itzehoe



Leserbrief von Prof. Dr. Johann O. Schröder zum Leserbrief von Dr. Thomas Thormann, SHÄ 12/2006, S. 13
In der Dezemberausgabe (2006) des Schleswig-Holsteinischen Ärzteblattes nimmt Kollege Thormann Stellung zu dem von mir initiierten und von der Geschäftsführung des Städtischen Krankenhauses (SKK) sowie der AOK Schleswig-Holstein unterstützten Projekt. Er kritisiert, dass mit dem von der AOK pro Patient bereit gestellten Geld lediglich eine Koordination organisiert werde, nicht aber eine medizinische Versorgung.

Prof. Dr. Schröder (Foto: Privat)

Hier handelt es sich um ein grundlegendes Missverständnis. Tatsächlich stellt die AOK eben dieses bereit: ein Gesamtbudget für die medizinische Versorgung von 200 Patienten mit rheumatoider Arthritis. Es umfasst Heilmittelverordnungen und Sondervergütungen für Ärzte und vor allem Medikamente, die > 85 Prozent dieses Versorgungsbudgets ausmachen. - Der Unterschied zur Standardversorgung ist, dass der Kostenträger und alle Projektteilnehmer über die Dokumentation und Kostenerfassung erfahren,

- welche Versorgungsqualität für die eingeschriebenen Patienten erreicht wird, und
- wofür das Geld ausgegeben worden ist, eben mit dem Ziel, die Mittel im Gesundheitswesen so sinnvoll wie möglich einzusetzen.

Dies wird von einer Koordinationsstelle im SKK organisiert, für deren Aufbau ein Organisationsbudget zur Verfügung gestellt wurde.

Ein weiterer Vorwurf von Dr. Thormann lautet, dass das Projekt zulasten der niedergelassenen Rheumatologen gehe. Auch dies ist sachlich unrichtig. Das Projekt sieht ausdrücklich vor,

- dass die Patienten bei ihren Hausärzten und rheumatologischen Fachärzten verbleiben,
- dass für die Einschreibung und Therapieüberwachung ein (extrabudgetäres) Honorar gezahlt wird, und
- dass die Haus- und Fachärzte in einem Projektausschuss an der Gestaltung des Projektes mitwirken.

Die Aufgabe der Koordinationsstelle am Städtischen Krankenhaus ist es nicht, den niedergelassenen Kollegen Konkurrenz zu machen, sondern ihnen Dokumentationsarbeit abzunehmen, die Zusammenarbeit der Beteiligten zu organisieren und Einspareffekte zu realisieren. So wurden z. B. mit Pharmafirmen und mit einer über öffentliche Ausschreibung ermittelten Apotheke Rabatte vereinbart, die in der Standardversorgung nicht erreichbar und üblich sind.

Ich verstehe, dass niedergelassene Kollegen angesichts fallender Punktwerte und der faktischen Entwertung ihrer Leistungen den Veränderungen im Gesundheitswesen und damit auch der Integrierten Versorgung skeptisch gegenüber stehen. Ich bitte dennoch darum, die von uns angebotenen Informationsmöglichkeiten über das Projekt zu nutzen sowie Wünsche und Verbesserungsvorschläge einzubringen. Wir sehen in solchen Projekten die Chance, den Wandel im Gesundheitswesen nicht nur zu ertragen bzw. abzuwehren, sondern ihn aktiv zu gestalten, speziell in direkten Verhandlungen mit den Kostenträgern einer blinden Sparpolitik entgegenzuwirken und sich für eine Verwendung der knappen Ressourcen nach ärztlich-medizinischen Gesichtspunkten einzusetzen.
Prof. Dr. Johann O. Schröder, 2. Medizinische Klinik des UK S-H im Städtischen Krankenhaus, Chemnitzstr. 33, 24116 Kiel


Leserbrief von Peter Frommherz zur Einschränkung der Therapiemöglichkeiten
Dies muss doch jedem wirklichen Arzt eine große Frage sein - macht doch eine Medizin ohne Therapie keinen Sinn. Wenn also Beschränkungen für Medikamente und Heilmittel, warum dann nicht nur für Laboruntersuchungen, sondern eben auch für andere Untersuchungen wie Röntgen, Endoskopie, Ultraschall, Herzkatheter usw.? Nicht zu bestreiten ist es, dass es auch übertriebene oder fragwürdige Therapien geben kann. Aber ist übertriebene Diagnostik wichtiger? Ist es wichtiger, dass wir Ärzte hier einen unsere Existenz sichernden Arbeitsplatz haben, dass sich Apparate amortisieren, der Gewinn der Apparateindustrie oder der Wirtschaftsstandort Deutschland gesichert wird? Sind uns Routineuntersuchungen und Untersuchungen zur rechtlichen Absicherung in heutigen Zeiten noch diesen arbeitsmäßigen und finanziellen Aufwand wert - insbesondere, wenn dabei die Therapie zeitlich und finanziell vernachlässigt wird? Und vor allem Therapien mit persönlicher menschlicher Zuwendung (Arzt-Patient-Gespräch, Krankengymnastik, Ergo, Logopädie, künstlerische Therapien usw.).

Peter Frommherz(Foto: Privat)

Vielleicht stelle ich diese Fragen noch zu früh - aber zumindest für die (Zwangs-) Versicherten (und Bezahler!) wird diese Frage mit jedem Jahr drängender werden. Auch die Frage nach dem Sinn von manchen Impfungen und Präventivleistungen darf meines Erachtens durchaus gestellt werden. Werden all diese Leistungen doch in einem immer mehr von staatlich-lobbyistischen oder egoistisch-wirtschaftlichen Kräften gesteuerten „Zwangskassensystem“ einen immer größeren Betrag für sich beanspruchen, sodass für eine frei verfügbare und gar individuelle Therapie nicht mehr viel übrig bleiben wird. Dazu noch die Behinderung durch DMPs, Leitlinien und entsprechende Bürokratie, die schon heute deutlich sichtbar weder für Arzt noch für Patient als sinnvolle Orientierung gedacht sind, sondern als Zwangskorsett, das unter Androhung von vor allem finanziellen Disziplinierungsmaßnahmen jedem angezogen werden soll.

Da dies anscheinend heute kaum mehr begriffen wird, sind dringend Veränderungen notwendig.
Peter Frommherz, Arzt für Allgemeinmedizin, Radkuhl 4 a, 23738 Riepsdorf



Leserbrief von Dieter Reimann zum Artikel „Win-win-win-Situation“, SHÄ 1/2007, S. 26

Betreff: Neue Notrufnummer

Für den Kreis Rendsburg-Eckernförde ist bei der Art, wie die neue Notrufnummer auf den Postern und in sonstigen Texten veröffentlicht wird, ein Desaster vorprogrammiert.

Begründung:
Bei Anwahl der Nummer 01805-11 92 92 aus dem Bereich der Vorwahlnummer 04346 (Gettorf und Umgebung) läuft der Ruf in einem Privathaushalt auf!

Damit das nicht geschieht, muss beim Wählen zwischen der Null und der 1805 eine drei Sekunden lange Pause eingehalten oder stattdessen die „Raute“-Taste rechts unten im Zahlenfeld gedrückt werden.

Ich bitte dieses Phänomen den Verantwortlichen bekannt zu geben und entsprechende Hinweise zu platzieren. Auf den Postern und sonstigen Veröffentlichungen muss die Nummer zwingend folgendermaßen dargestellt werden:

0-1805-11 92 92 oder 0#1805-11 92 92

Dieter Reimann, Arzt für Arbeitsmedizin, Sandberg 3, 24214 Gettorf
Dr. Hans-Joachim Commentz, Leiter der Notdienstorganisation der Kassenärztlichen Vereinigung, teilte dem Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt hierzu mit, dass dieser so genannte „Vorfall“ in Gettorf zumindest für die KVSH nicht nachvollziehbar sei. Ein Kontrollanruf aus dem Rathaus in Gettorf wäre vorschriftsmäßig geleitet worden. Der Anschluss des Teilnehmers müsste fehlerhaft sein, dieses hätte die KVSH dem Teilnehmer mitgeteilt.


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 1/2007

S. 2, 6-11