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Rezensionen

Abgezockt und totgepflegt
Alltag in deutschen Pflegeheimen

Bibliographische Angaben: Markus Breitscheidel, Econ, Berlin 2005, 240 Seiten, kartoniert, ISBN 3430115728, 16,95 Euro


Wer nicht verdrängt, dass er auch einmal gebrechlich und pflegebedürftig werden kann, schreibt Günter Wallraff in seiner Einleitung zu diesem Buch, sollte diesen Tatsachenbericht lesen.

Markus Breitscheidel hatte eine sichere Angestelltenexistenz, die ihn nicht befriedigte. Er arbeitete später als Pflegehelfer in Heimen, um als „verdeckter Beobachter“ über seine Erfahrungen zu berichten. Sie sind in dem vorliegenden Buch wiedergegeben. In knapp anderthalb Jahren war er in fünf Pflegeheimen. Seine Erlebnisse sind, ein Berliner Pflegeheim ausgenommen, niederdrückend. Er begegnet alten Menschen in Stadien des körperlichen und geistigen Verfalls, Patienten mit Demenz, Schlaganfällen und Dekubitalgeschwüren. Die Alten „quengeln, schimpfen, schreien, nicht selten rufen sie: „Schwester, ich möchte sterben“. Eine Pflegeheimbewohnerin klagt: „Seitdem ich hier bin, komm ich mir vor wie abgemeldet.“ Heimbewohner(innen) beschweren sich über unzureichende Zuwendung und fehlende Zeit. „Wenn ich hier einen Pfleger mal antreffe und eine Frage habe, bekomme ich meistens nur die Antwort: ,Ich habe jetzt keine Zeit’.“ Die Bewohner(innen) würden oft zu „Zimmernummern“ verkommen, zu Objekten, die all das nicht haben, was den Menschen ausmacht: Gesellschaft, Anerkennung, Selbstständigkeit und Privatsphäre. Eine leitende Pflegekraft habe Breitscheidel während seiner Arbeit belehrt: „Du willst jeden Wunsch der Bewohner erfüllen. Das ist nicht möglich, gehört auch nicht zu unseren Aufgaben. Deine Aufgabe ist es, den Bewohner zu waschen und anzuziehen.“

Den Pflegekräften fehlt Zeit, weil die Unterbesetzung oft groß ist. Daraus resultieren Stress und Überlastung des Personals. In einem Heim habe die Geschäftsleitung Neueinstellungen verweigert und gleichzeitig neue Bewohner(innen) aufgenommen. Manche Geldgeber, meint der Autor, wollen mit ihren Heimen Gewinne erzielen und sparen an Pflegekräften.

Ein Tenor des Buches ist: Den Alten fehlt es in diesen Institutionen an menschlichen Beziehungen. Zurückgekommen sei er mit der Erkenntnis, „dass Leben und Arbeiten in Heimen fast immer unerträglich sind“. Der Autor schlägt deshalb ambulante Hilfssysteme vor, die Heime überflüssig machen. Wird es aber möglich sein, die Pflege völlig in Wohnungen zu verlagern? Breitscheidel schreibt die Gespräche und Dialoge nach dem Gedächtnis auf. Das ist eine suggestive Methode und ein potenzielles Instrument der Anklage. Die von ihm geschilderten Missstände sollen nicht bezweifelt werden, aber negative Einstellungen zu Niedergang, Verfallssymptomen und Auflösungserscheinungen des Alters sind auch außerhalb von Institutionen zu beobachten. Die Anklage anderer ist leichter als das eigene Verhalten zu ändern. Und gibt es nicht auch positive Entwicklungen in Heimen? Wenn z. B. Pfleger(innen) mit in ein Heim zu verlegenden Patienten und mit ihren Familien bereits in der Klinik Kontakt aufnehmen, ist ein kleiner Fortschritt erreicht.

Rezensent: Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt, Jaegerallee 7, 24159 Kiel


Haut und Alter

Bibliographische Angaben: Isaak Effendy, Martina Kerscher, Thieme Verlag Stuttgart, 2005,
108 Seiten, ISBN 3-13-133571-8, 29,95 Euro


Kurze Inhaltsangabe: Das Buch enthält eine kurze, aber sehr prägnante Zusammenstellung der häufigsten im Alter auftretenden Hauterkrankungen. Vorangestellt ist die normale Physiologie der Hautalterung.

Kritische Bewertung: Die Gliederung ist sehr übersichtlich. Wichtige grundsätzliche Informationen sind gesondert abgesetzt und mit einem Pfeil gekennzeichnet. Warnhinweise sind farbig unterlegt und gesondert gekennzeichnet. Jedem Kapitel folgt eine umfangreiche und aktuelle Literaturübersicht.
Sonstiges: Zur raschen Orientierung für den nicht fachdermatologisch tätigen Arzt eine große und sicher unentbehrliche Hilfe.

Empfehlung: Dieses Büchlein sollte in keiner Allgemeinarztpraxis fehlen.

Rezensent:
Dr. Dr. rer. nat. Heinz-Eberhard Schlaak, Stadtweg 26, 24837 Schleswig


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 9/2006

S. 4, 76