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Medizin und Wissenschaft

Auswertung der anonymen ärztlichen Bescheinigungen nach KitaVO
Impfschutz bei Aufnahme in den Kindergarten Schleswig-Holstein 2005
Hans-Martin Bader, Sabine Rasche


Über die Einführung der „Ärztlichen Bescheinigung” seit dem Jahre 2000, ihre Bedeutung (Information der Kindertagesstätten) und die Auswertung des Impfstatus bei Aufnahme von Kindern in Kindertagesstätten wurde zuletzt in Heft 1/2006 des Schleswig-Holsteinischen Ärzteblattes berichtet. Die Kriterien haben sich nicht geändert (s. Tabelle 1).

Tab. 1: Markierung des Impfstatus vor Aufnahme in eine Kindertagesstätte (Kindergarten) „vollständig geimpft”

Der Impfschutz gegen neun Infektionskrankheiten (DTaP, Polio, Masern, Mumps, Röteln, Hib, Hep B) wird nach vorgelegtem Impfpass oder nach ärztlichen Unterlagen in einfacher Form (Markierung des Haus- oder Kinderarztes in „vollständig” oder „unvollständig/nicht geimpft” gemäß der STIKO-Impfempfehlung) festgehalten. Die Windpocken-Impfung (einmal oder zweimal) kann ab dem Kindergartenjahr 2006 im freien Feld festgehalten werden und ab Mitte 2006 in einer zugefügten Zeile, wenn die erweiterten Bescheinigungen in Umlauf kommen.

Die Einsenderate der einzelnen Kreise ist sehr unterschiedlich, sie hat sich in einigen Kreisen und kreisfreien Städten deutlich verbessert (die niedrigste lag mit 64,7 Prozent im Landkreis Rendsburg-Eckernförde wegen zu später Einsendung). Als Anhalt für die zu erwartenden Einsendungen konnte wieder die Anzahl der Schulanfängeruntersuchungen des gleichen Jahres 2005 aus dem landesweiten Gesundheitsbericht1 verwendet werden (n = 28 947). In 2005 besuchten 93,9 Prozent der Schulanfänger vorher einen Kindergarten (n = 27 303).

Tab. 2: Auswertung der Einsendungen (Stand 11. August 2006)

Tatsächlich gingen bei diesem Maßstab 89 Prozent der erwarteten Einsendungen ein (einschließlich der verspäteten und der 225 schulpflichtigen Hortkinder). Von diesen Gesamteingängen konnten 82 Prozent der Bögen aller Vorschulkinder unter sieben Jahren zur Auswertung verwendet werden. Die Einrichtungen der dänischen Minderheit sind in den jeweiligen vier Kreisen mit enthalten (erwartet: 526 Einsendungen).

Tab. 3: Impfschutz Aufnahme Kindergarten 1 bis 5 Jahre (n =
1 977) und Kindertagesstätten gesamt Schleswig-Holstein 2005
(n = 22 564) im Vergleich zum Jahr 2000 (in Prozent)

Gesamtauswertung: Einen Überblick über alle eingegangenen „Ärztlichen Bescheinigungen“ zeigt Tabelle 2: Auswertbar n = 22 564, Alter 3 Mo. bis 14 J. 4 Mo., im gewichteten Mittel 3 J. 5 Mo

Kindergarten (ein bis fünf Jahre)

Die Ergebnisse der Altersgruppe ein bis fünf Jahre (n = 19 977) stehen im Mittelpunkt dieser Erhebung. Der Altersdurchschnitt (gewichteter Mittelwert) lag bei 3 J. 4 Mo. (allmähliche Vorverlagerung um drei Monate seit dem Jahr 2000). Wie schon in den letzten drei Jahren erkennbar, haben sich die geringen Unterschiede der Impfschutzraten (Tab. 3) beim Vergleich dieser Gruppe „Kindergarten“ mit der Gesamtgruppe „Kindertageseinrichtung“ (Aufnahme 3 Mo. bis 14 J. 4 Mo.) ausgeglichen: Je nach Impfung sind nunmehr die Raten der nachwachsenden jüngeren Kinder bei Aufnahme in den Kindergarten bis 0,6 Prozent höher (Hep B) als in der Gesamtgruppe (für die zweite MMR-Impfung galt das bei Beginn der Erhebung im Jahr 2000 noch nicht).

Impfschutz gegen Masern
Die Rate für die Erst-Impfung (Abb. 1 und 2) liegt landesweit in diesem Alter bei 92,2 Prozent (Vorjahr 92,4 Prozent). Auch die Impfraten gegen Mumps und Röteln sind in der Einzeldarstellung fast gleich hoch (Tab. 3) (feste MMR-Kombination). Die Impfrate gegen Röteln liegt nur noch um 0,2 Prozent niedriger gegenüber Masern (3,3 Prozent im Jahr 2000).

Abb. 2: Mind. 1 x Masern-Impfung Kindergarten (Aufnahme) Schleswig-Holstein 2005 Abb. 3: 2 x Masern-Impfung Kindergarten (Aufnahme) Schleswig-Holstein 2005

Die Zweit-Impfung (Abb. 1 und 3) gegen die Kombination MMR wurde vor fünf Jahren von der STIKO auf den früheren Zeitpunkt des zweiten Lebensjahres vorgezogen (STIKO-Empfehlung Januar 2000). Für die Zweit-Impfung bei Aufnahme in den Kindergarten gegen Masern allein ist die Rate jetzt 74,2 Prozent (im Vorjahr 69,8 Prozent) (somit erneut eine Zunahme um 4,4 Prozentpunkte). Die Schutzrate ist jetzt fast fünfmal höher seit der Einführung der „Ärztlichen Bescheinigung“ im Jahr 2000. Nach der ersten Teilauswertung des Jahres 2006 (n = 1 165) zeichnet sich derzeitig mit 72,6 Prozent noch kein weiterer Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren ab (Stand 11.08.2006).

Abb. 1: Masern-Impfung Kindergarten (Aufnahme) Schleswig-Holstein 2000-2005

Am deutlichsten zeigen sich bei der Durchführung dieser Wiederholungsimpfung die Unterschiede im Bereich der niedergelassenen Ärzteschaft: In den Landkreisen und kreisfreien Städten findet sich bei Aufnahme in die Kindertagesstätte eine regionale Spannweite für die zweite Masern-Impfung von 66,3 Prozent bis 82,9 Prozent (vor sechs Jahren von fünf Prozent bis 38 Prozent).

Die Erhebungen der schulärztlichen Dienste in Schleswig-Holstein zeigen: Neun- bis Elfjährige (4. Schulklassen, vorgelegte Impfpässe n = 1 322) haben in 2005 bei der Zweit-Impfung eine Rate von 90 Prozent erreicht, 14-Jährige 84 Prozent (8. Schulklassen, n = 4 451). Noch ist es nicht gelungen, diese Raten bereits durch die frühere Intervention bei Eintritt in den Kindergarten nachzuweisen. Denn es gilt, so früh wie möglich bei der Zweitimpfung gegen Masern (als MMR bzw. jetzt MMR-V) eine Schutzrate von mindestens 80 Prozent zu erreichen (bei der Erstimpfung nunmehr von 95 Prozent) - und das bereits am Ende des zweiten Lebensjahres. Selbst Lernanfänger zeigen 2005 bei der Einschulung mit 77 Prozent (bei n = 27 422 vorgelegten Impfpässen) erstmals seit drei Jahren wieder höhere Raten als Kinder bei Aufnahme in den Kindergarten2.

Abb. 4: Hep B-Impfung Kindergarten (Aufnahme) Schleswig-Holstein 2000-2005 Abb. 5: Hepatitis B-Impfung Kindergarten (Aufnahme) Schleswig-Holstein 2005


 
Tab. 4: Impfschutz bei Aufnahme Kindergarten (ein bis fünf Jahre). Schleswig-Holstein 2005 regional  

Impfschutz gegen Hepatitis B (Abb. 4 und 5)
Bei Aufnahme in eine Kindertageseinrichtung sind landesweit nun 90 Prozent erreicht (im Jahr 2000: 75 Prozent). In einem Kreis impfen die Niedergelassenen unverändert sehr zurückhaltend, wenngleich auch hier die Schutzrate stieg (Spannweite landesweit 69,2 Prozent bis 93,9 Prozent).

Impfschutz gegen Diphtherie, Tetanus, Polio, Pertussis und Hib (Tab. 3 und 4)
Die Darstellung der fünf Impfungen (Tab. 4) soll zeigen, dass in den einzelnen Gebieten je nach Impfart die Schutzraten zwischen 89,2 Prozent (Pertussis) und 98,5 Prozent (Tetanus) liegen. Landesweit haben diese Impfungen jedoch alle die Marge von 93 Prozent überschritten - nur in diesem Jahr nicht die gegen Pertussis mit 92,8 Prozent (s. auch Tab. 3).

Zusammenfassung über den sechsten Jahrgang

Der Kindergartenjahrgang 2005 zeigt im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs der Impf-schutzraten um weitere vier Prozentpunkte bei der zweiten MMR-Impfung (Kombination 74 Prozent); der jährliche Anstieg bei der Hep B-Impfung hat sich verlangsamt (von 89,2 Prozent auf jetzt 90 Prozent). Mit Ausnahme der zweiten MMR-Impfung ist im Landesdurchschnitt bei allen Basisimpfungen die 90 Prozent-Marke erreicht bzw. überschritten. Das ist wie bisher Ausdruck der Aktivität ausschließlich der niedergelassenen Ärzteschaft (meist Kinderärzte). Der Öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) in Schleswig-Holstein kommt aktiv erst ab der Schuleintrittsuntersuchung ins Spiel. Zeitgleich mit der neuen Impfempfehlung der STIKO (Juli 2006), einsehbar unter www.rki.de, wird die Varicellen-Impfung (jetzt Regelimpfung) ab Herbst 2006 mit aufgenommen in die „Ärztliche Bescheinigung“ für die Kindergärten.

Danksagung an das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren des Landes Schleswig-Holstein/Kiel, Firma Novartis Behring/ Marburg, Marita Harder/Kinder- und Jugendärztlicher Dienst im Gesundheitsamt Flensburg und Holger Harder/Jarplund-Weding

Für die Verfasser: Dr. Sabine Rasche, Kinder- und Jugendärztlicher Dienst des Gesundheitsamtes, Norderstr. 58-60, 24939 Flensburg


Literatur

  1. Thyen, U., Meyer, C. und Brehm, S.: Kindergesundheitsbericht des Landes Schleswig-Holstein aus den Schuleingangs-Untersuchungen 1999 - 2005, Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Klinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, erstellt im Auftrage des MSGV des Landes Schleswig-Holstein. 2006 (im Druck)
  2. Wichterich, D. und Rasch, R.: Impfschutz bei Kindern und Jugendlichen im Jahre 2004 in Schleswig-Holstein. In: Bericht über die Untersuchungen des Kinder- und Jugendärztlichen Dienstes in Schleswig-Holstein im Jahr 2005. Klinik für Kinder- und Jugendmedizin, Klinikum Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, erstellt im Auftrage des MSGV des Landes Schleswig-Holstein (im Druck).


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 9/2006

S. 64