Gesundheitsberichterstattung
des Bundes
Gesundheit von Frauen und Männern im mittleren Lebensalter
Die Aussage, dass Frauen häufiger zum Arzt gehen als Männer, relat
iviert sich, wenn die Besuche bei Gynäkologen(innen) berücksichtigt
werden. Ein Vergleich der häufigsten Krankenhausentlassungsdiagnosen
zeigt eindrücklich, dass sich die Diagnoseprofile von Frauen und Männern
deutlich unterscheiden, wobei der überwiegende Teil der jüngeren
Frauen nicht aufgrund einer Erkrankung, sondern im Zusammenhang mit Schwangerschaft,
Geburt und Wochenbett stationär versorgt wird. Maßnahmen der
medizinischen Rehabilitation dienen in erster Linie zur Aufrechterhaltung
und Wiedergewinnung der Arbeitsfähigkeit der Erwerbstätigen und
kommen damit häufiger Männern zugute.
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| Tab.
7.1.: Letzte Inanspruchnahme eines Arztbesuches durch Frauen und Männer,
Altersgruppe 30 bis 44 und 45 bis 64 Jahre (Quelle: BGS 98) |
Arztbesuche
Mehr als 80 Prozent der Bevölkerung zwischen 30 und 64 Jahren gehen
im Laufe eines Jahres zu einem Arzt oder einer Ärztin (vgl. Tabelle
7.1). Der Anteil ist dabei in der Altersgruppe 45 bis 64 Jahre etwas höher
als in der Altersgruppe 30 bis 44 Jahre. Für beide Altersgruppen lässt
sich ein Geschlechtsunterschied in der erwarteten Richtung aufzeigen: Frauen
suchen häufiger eine Arztpraxis auf als Männer. Dieser Befund
relativiert sich allerdings, wenn die beim letzten Arztbesuch aufgesuchte
Facharztgruppe betrachtet wird (vgl. Tabelle 7.2): 29,6 Prozent der Arztbesuche
der jüngeren Frauen und 12,1 Prozent jener der älteren Frauen
erfolgten bei Gynäkologen(innen). Sie dürften überwiegend
im Zusammenhang mit der reproduktiven Gesundheit, also Verhütung, Schwangerschaft
und Geburt stehen. Praktische Ärztinnen und Ärzte bzw. Allgemeinmediziner(innen)
werden von Frauen seltener aufgesucht als von Männern - in der jüngeren
Altersgruppe beträgt die Differenz 16 Prozentpunkte, in der höheren
Altersgruppe ist sie allerdings gering. Auch hinsichtlich der Inanspruchnahme
von Internisten(innen) unterscheiden sich Frauen und Männer nur geringfügig.
Allein aus der Tatsache, dass Frauen häufiger eine Arztpraxis aufsuchen
als Männer, kann nicht geschlossen werden, dass sie auch tatsächlich
kranker sind. Frauen sind es im Unterschied zu Männern durch frühzeitige
Besuche bereits ab der Pubertät bei Gynäkologen(innen) gewohnt,
regelmäßige ärztliche Kontrolluntersuchungen durchführen
zu lassen. Dass Frauen und Männer das gesundheitliche Versorgungssystem
unterschiedlich in Anspruch nehmen, liegt demnach nicht nur daran, dass
sie einen spezifischen Versorgungsbedarf haben. Vieles spricht dafür,
dass bei Frauen die Schwelle für das Aufsuchen einer ärztlichen
Praxis niedriger ist (vgl. Kapitel 8) und sie auch Früherkennungsuntersuchungen
häufiger wahrnehmen als Männer (vgl. 5.3.6).
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| Tab.
7.2.: Beim letzten Arztbesuch aufgesuchte Facharztgruppe durch Frauen
und Männer, Altersgruppe 30 bis 44 und 45 bis 64 Jahre (nur häufigste
Facharztgruppen) (Quelle: BGS 98) |
Die Daten zur Inanspruchnahme
verweisen auf geschlechtsspezifische Muster der Nutzung des Versorgungssystems.
Darüber hinaus darf nicht aus dem Blick geraten, dass jenseits des
Geschlechtervergleiches jene Gruppen ein besonderes Augenmerk verdienen,
die einen erschwerten Zugang zum Gesundheitssystem haben. Hierzu gehören
z. B. Migranten und Migrantinnen, aber auch Menschen mit körperlichen,
geistigen oder seelischen Behinderungen. Es sind nach wie vor besondere
Anstrengungen erforderlich, vorhandene Barrieren abzubauen und eine umfassende
gesundheitliche Versorgung sicherzustellen.
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Tab.
7.3.: Die sechs häufigsten Krankenhausentlassungsdiagnosen bei
Frauen und Männern, Altersgruppe 30 bis 44 und 45 bis 64 Jahre
im Jahr 2000 (Anzahl der Krankenhausfälle und Anteil) (Quelle:
162)
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Krankenhausentlassungsdiagnosen
Von insgesamt 17,2 Millionen Krankenhausfällen1 im Jahr 2000 machen
3,7 Millionen Männer und 3,9 Millionen Frauen im mittleren Lebensalter
44 Prozent aller Krankenhausfälle aus. Ein Vergleich der Krankenhausdiagnosen
lässt erkennen, dass sowohl Männer und Frauen als auch die Altersgruppen
der 30- bis 44- und 45- bis 64-Jährigen unterschiedliche Diagnoseprofile
aufzeigen (vgl. Tabelle 7.3).
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| Abb.
7.1: Die häufigsten Krankenhausentlassungsdiagnosen (nur Hauptdiagnosegruppen,
Anteil unter allen Diagnosen) bei 30- bis 44-jährigen Frauen
und Männern (Krankenhausfälle im Jahr 2000) (Quelle: 162) |
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| Abb.
7.2: Die häufigsten Krankenhausentlassungsdiagnosen (nur Hauptdiagnosegruppen,
Anteil unter allen Diagnosen) bei 45- bis 64-jährigen Frauen
und Männern (Krankenhausfälle im Jahr 2000) (Quelle: 162) |
Für die meisten
30- bis 44-jährigen Frauen, die im Krankenhaus betreut werden, bestreitet
eine Diagnose, die keine Erkrankung darstellt - nämlich Schwangerschaft
und Geburt - mit 31 Prozent den weitaus größten Anteil der
Krankenhausdiagnosen. Bei den Männern dieser Altersgruppe stehen
Diagnosen im Zusammenhang mit Verletzungen und Vergiftungen mit fast 17
Prozent an erster Stelle - knapp gefolgt von psychischen und Verhaltensstörungen,
die 16 Prozent ihrer Diagnosen ausmachen. In der zweiten Hälfte der
mittleren Lebensjahre stehen bei den 45- bis 64-jährigen Frauen Diagnosen
im Zusammenhang mit bösartigen Neubildungen an erster Stelle, die
etwa 16 Prozent aller Diagnosen dieser Altersgruppe ausmachen (davon Brustkrebs:
sechs Prozent), es folgen die Krankheiten des Kreislaufsystems mit 15
Prozent (davon ischämische Herzkrankheiten: vier Prozent). Bei den
Männern dieser Altersgruppe verhält es sich ähnlich, auch
hier nehmen diese beiden Diagnosegruppen die Spitzenpositionen ein, allerdings
schlagen bei den Männern die Krankheiten des Kreislaufsystems mit
23 Prozent (davon ischämische Herzkrankheiten: elf Prozent) deutlicher
zu Buche als bei den Frauen - die bösartigen Neubildungen machen
bei den 45- bis 64-jährigen Männern 14 Prozent aller Diagnosen
aus (davon Lungenkrebs: drei Prozent). Die Unterschiede im Diagnoseprofil
von Frauen und Männern werden in der jüngeren Altersgruppe über
alle relevanten Krankenhausdiagnosen deutlich, während bei den 45-
bis 64-Jährigen die Unterschiede lediglich noch bei den Krankheiten
des Kreislaufsystems und des Urogenitalsystems prägnant erscheinen
(vgl. Abb. 7.1 und 7.2).
Diese Daten bekräftigen die schon an anderer Stelle dargestellten
Morbiditätsunterschiede von Frauen und Männern: Die hohe Bedeutung
von Verletzungen und Vergiftungen sowie von psychischen Erkrankungen bei
30- bis 44-jährigen Männern - die auf die häufige Diagnose
psychische und Verhaltensstörungen durch Alkohol zurückzuführen
ist - und Herzkreislauferkrankungen in der älteren Gruppe, während
bei den jüngeren Frauen Krankheiten des Urogenitalsystems bedeutsam
sind und in der zweiten Hälfte der mittleren Lebensjahre bösartige
Neubildungen und Herzkreislauferkrankungen eine wichtige Rolle spielen.
Rehabilitationsmaßnahmen
Der Großteil stationärer Leistungen zur medizinischen Rehabilitation
wird bei Frauen und Männern im mittleren Lebensalter erbracht, da
diese in der Regel dem Ziel der Wiedereingliederung in das Erwerbsleben
dienen. Das durchschnittliche Lebensalter bei einer Rehabilitation in
der gesetzlichen Rentenversicherung2 unterscheidet sich zwischen Männern
und Frauen kaum: Es liegt im Jahr 2002 bei 49,4 respektive 49,7 Jahren.
Unterschiede lassen sich dagegen beim Vergleich der Arbeiterrenten- und
Angestelltenversicherung ausmachen: Das durchschnittliche Alter bei einer
Rehabilitation von Arbeitern liegt bei 47,8 Jahren, während das der
Arbeiterinnen 50,0 Jahre beträgt; umgekehrt liegt das durchschnittliche
Alter weiblicher Angestellter mit 49,5 Jahren deutlich unter dem der männlichen
Angestellten, die im Durchschnitt 52,3 Jahre alt sind163.
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| Abb.
7.3: Verteilung der stationären Leistungen zur medizinischen
Rehabilitation nach Geschlecht und Diagnosegruppen im Jahr 2002 (alle
Altersgruppen) (Quelle: 163) |
Die meisten medizinischen
Rehabilitationsleistungen werden sowohl von Männern als auch von
Frauen aufgrund von Krankheiten des Muskel- und Skelett-Systems in Anspruch
genommen - sie machen 40 Prozent aller Rehabilitationsmaßnahmen
aus (vgl. Abbildung 7.3). Bei Frauen sind Krebserkrankungen sowie psychische
Störungen mit jeweils knapp 20 Prozent weitere häufige Diagnosen
für eine medizinische Rehabilitation, während Männer mit
jeweils sieben bzw. vier Prozentpunkten darunter liegen - bei ihnen stellen
Krankheiten des Herzkreislaufsystems mit 14 Prozent eine weitere bedeutende
Diagnosegruppe dar. Diese Daten bestätigen die unterschiedlichen
Morbiditätsprofile, die auf eine hohe Bedeutung psychischer Erkrankungen
bei Frauen und Herzkreislauferkrankungen bei Männern im mittleren
Lebensalter hinweisen.
Das Durchschnittsalter für die Inanspruchnahme von Rehabilitationsmaßnahmen
variiert mit der Hauptdiagnose. Es liegt zwischen 48 und 63 Jahren. Männer
und Frauen befinden sich damit in der zweiten Hälfte der mittleren
Lebensjahre (vgl. Tabelle 7.4). Eine Ausnahme zeigt sich für das
Durchschnittsalter bei Rehabilitationsmaßnahmen wegen psychischer
Erkrankungen, dieses liegt um einige Jahre unter dem Durchschnittsalter:
Männer sind im Schnitt 41 bis 47 Jahre, Frauen ca. 45 Jahre alt.
Vergleicht man das Durchschnittsalter aller Hauptdiagnosen innerhalb der
verschiedenen Versicherungszweige, so fällt auf, dass Männer
aus der Arbeiterrentenversicherung im Schnitt vier Jahre jünger sind
als die aus der Angestelltenversicherung, während sich bei Frauen
kein Unterschied nach Rentenversicherungsart darstellt.
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| Tab.
7.4: Durchschnittsalter von Männern und Frauen bei der Inanspruchnahme
von Rehabilitationsmaßnahmen in den Hauptdiagnosen (Erstdiagnose)
nach Versicherungszweig im Jahr 2002 (Quelle: 163) |
Eine Interpretation
dieser Altersunterschiede - sowohl zwischen Männern und Frauen als
auch zwischen den verschiedenen Diagnosegruppen und Versicherungszweigen
- ist allein mithilfe der hier vorliegenden Daten nur beschränkt
möglich. Zunächst muss davon ausgegangen werden, dass die Unterschiede
Ausdruck dafür sind, dass der Bedarf an Rehabilitation bei Männern
und bei Frauen in unterschiedlichen Berufszweigen und bei verschiedenen
Anlässen in jeweils anderen Altersklassen auftritt. So könnte
der deutliche Unterschied im Altersdurchschnitt der Männer als Arbeiter
und Angestellte darauf hinweisen, dass Männer in Berufen als Angestellte
im Schnitt länger gesund bleiben und daher erst später eine
Rehabilitation in Anspruch nehmen (müssen) als Arbeiter, die in gesundheitlich
stärker belastenden Berufen arbeiten. Warum dies für Frauen
als Arbeiterinnen und Angestellte nicht gilt, muss allerdings offen bleiben.
Zusammenhänge zwischen der Inanspruchnahme von Rehabilitationsmaßnahmen,
der Lebensform und dem Erwerbsstatus von Frauen und Männern lassen
sich aufgrund mangelnder Datenlage bzw. einer für Geschlecht bislang
unsensiblen Forschungstradition nur unzureichend beschreiben164,165. Obwohl
Rehabilitation nicht nur der Erhaltung und Wiederherstellung der Funktionsfähigkeit
für das Erwerbsleben, sondern auch für das Alltagsleben dienen
soll, fokussiert sie doch in erster Linie auf die Erwerbsfähigkeit.
Da Frauen eher mit Haus- und Familienarbeit bzw. der Vereinbarkeit dieser
mit Erwerbsarbeit beschäftigt sind, kann davon ausgegangen werden,
dass der Bedarf sowie die Möglichkeiten zur Inanspruchnahme einer
Rehabilitation für Frauen und Männer unterschiedlich ist 164.
So zeigt sich für den Bereich der beruflichen Rehabilitation eine
deutlich niedrigere Inanspruchnahme von Rehabilitationsleistungen durch
Frauen, die im Vergleich zu Männern nicht vier, sondern lediglich
zwei Rehabilitationsleistungen pro 1 000 pflichtversicherte Frauen bzw.
Männer im Jahr 1997 beanspruchten166.
Erkenntnisse über geschlechtsspezifische Unterschiede, die bereits
im Vorfeld zur Beantragung einer Rehabilitationsmaßnahme wirksam
werden, weisen darauf hin, dass Frauen in erster Linie partnerschaftliche
und familiäre Aspekte bei ihrer Entscheidung für oder gegen
eine Beantragung berücksichtigen, während Männer eher arbeitsplatzbezogene
und finanzielle Aspekte berücksichtigen167. Ob Frauen
und Männer eine Rehabilitationsmaßnahme in Anspruch nehmen
oder nicht, hängt also nicht nur von ihrem speziellen medizinischen
Bedarf ab, sondern auch davon, inwieweit die Rahmenbedingungen für
unterschiedliche Lebensformen passend sind
(z. B. die Möglichkeit einer Mitaufnahme von Kindern in Rehabilitationskliniken165)
und welche Bedeutung der Erwerbstätigkeit innerhalb der Rehabilitationsmaßnahme
und von den Betroffenen selbst zugeschrieben wird.
Medizinische Vorsorge und Rehabilitation für Mütter und Väter
Mütter - und seit einigen Jahren auch Väter - können seit
vielen Jahren medizinische Vorsorgeleistungen oder Rehabilitationen in
einer Einrichtung des Müttergenesungswerks oder einer vergleichbaren
Einrichtung in Anspruch nehmen. Diese Mütter- (bzw. Väter-)Genesungskuren
können sowohl mit als auch ohne Kinder durchgeführt werden,
die Kosten tragen die gesetzlichen Krankenkassen (§ 24 und §
41 SGB V).
Die Zahl der finanzierten Maßnahmen und die dafür aufgewendeten
finanziellen Ressourcen sind seit 1999 rückläufig: Wurden 1999
noch gut 420 000 Euro von den Sozialversicherungsträgern für
Vorsorge- und Rehabilitationsmaßnahmen für Mütter und
Mütter mit Kindern ausgegeben, waren es 2003 noch knapp 360 000 Euro
(Ausgabenentwicklung in Zahlen, www.muettergenesungswerk.de). Die Zahl
der durch die Krankenkassen abgelehnten Anträge ist ebenfalls gestiegen
und lag 2003 bei 34 Prozent.
Frauen, die die Mutter- bzw. Mutter-Kind-Kuren in Anspruch nehmen, sind
durch ein komplexes Beschwerdebild beeinträchtigt und durch Mehrfachanforderungen
in Familie und teilweise Beruf (über die Hälfte ist erwerbstätig)
belastet168,169,170. Es nehmen überproportional viele
allein Erziehende und Frauen mit drei oder mehr Kindern teil, auch Sozialhilfeempfängerinnen
sind überproportional unter den Teilnehmerinnen vertreten. Teilnehmende
Frauen leiden vor allem unter Krankheiten des Bewegungsapparates, psychosomatischen
Erkrankungen, Atemwegserkrankungen sowie Herz-Kreislaufkrankheiten. Die
Bewertung der Kuren belegt den Erfolg der Maßnahmen: Der ganzheitliche
Ansatz trägt zu einer Verringerung der Schmerzen, zu einer reduzierten
Medikamenteneinnahme und zu einem Rückgang krankheitsbedingter Ausfalltage
bei. Die Effekte lassen sich auch noch sechs Monate nach Abschluss der
Kur nachweisen. Die Müttergenesungskuren können damit als ein
Beleg für die Wirksamkeit geschlechtsspezifischer Maßnahmen
herangezogen werden: Durch eine zielgruppengerechte Angebotsentwicklung
lassen sich nachhaltige Effekte erreichen.
Kosten der Inanspruchnahme gesundheitlicher Versorgung
Die Krankheitskostenrechnung des Statistischen Bundesamtes zeigt, dass
sich die Krankenbehandlungskosten unterschiedlich auf die Geschlechter
verteilen: In der Altersgruppe 30 bis 45 Jahre fielen im Jahr 2002 bei
den Männern 1 250 Euro, bei den Frauen 2 150 Euro an (durchschnittliche
Krankheitskosten pro Kopf der Bevölkerung48). Ursachen
für die höheren Kosten der Frauen sind im Zusammenhang mit Schwangerschaft
und Geburt - einschließlich der Kosten für reproduktive Maßnahmen
- sowie in den in dieser Altersgruppe anfallenden höheren Kosten
für die Behandlung von urogenitalen Erkrankungen zu sehen. In der
Altersgruppe 45 bis 65 Jahre verringert sich der Geschlechtsunterschied,
allerdings liegen die Behandlungskosten von Frauen mit 3 160 Euro immer
noch höher als jene der Männer (2 760 Euro); Hintergrund sind
hier die höheren Behandlungskosten für Frauen bei Muskel- und
Skeletterkrankungen sowie den psychischen und Verhaltensstörungen.
Spezielle Untersuchungen zu den Gründen der unterschiedlich hohen
Krankheitskosten für Frauen und Männer zeigen, dass nach Bereinigung
der Krankheitskosten um den Altersfaktor, das Leistungsgeschehen im Zusammenhang
mit Schwangerschaft und Geburt sowie aller geschlechtsspezifischen Diagnosen
sich die dann ergebenden standardisierten durchschnittlichen
Krankheitskosten von Frauen und Männern in starkem Maße angleichen171.
Wie eine vergleichbare Schweizer Studie mit Daten des Gesundheitsobservatoriums
zeigt, steht den höheren Krankenbehandlungskosten der Frauen auch
gegenüber, dass sie einen wesentlich höheren Anteil an - unbezahlten
- Pflegeleistungen in der Familie übernehmen172.
1): Aus
dem Krankenhaus entlassene vollstationäre Patienten(innen) einschließlich
Stunden- und Sterbefälle162
2): Der
Hauptträger von Rehabilitationsmaßnahmen ist die gesetzliche
Rentenversicherung, die mit mehr als 60 Prozent den größten
Anteil aller Maßnahmen trägt, die gesetzliche Krankenversicherung
trägt etwa 30 Prozent, die gesetzliche Unfallversicherung etwa sechs
Prozent5; im Folgenden werden die Daten des Hauptträgers, der gesetzlichen
Rentenversicherung, dargestellt und analysiert.
Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung des Heftes Gesundheitsberichterstattung
des Bundes vom Februar 2006
Literatur beim Verfasser
Robert Koch-Institut, Nordufer 20, 13353 Berlin
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 6/2006
S. 57-62
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