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Laparoskopische Kolonchirurgie
Was ist gesichert?
Anja Zumschilde, Jürgen Belz
Seit Jacobs und Mitarbeiter 1991 die erste Mitteilung über erfolgreiche
laparoskopische Kolonresektionen publizierten, wurde die Methode - unterstützt
durch verbesserte Gerätetechnologie (Kamerasysteme, Ultraschalldissektion,
Endostapler usw.) - sukzessive weiterentwickelt14. Bereits
im Jahre 2000 wurden in 50 Prozent der deutschen Kliniken laparoskopische
Kolonresektionen durchgeführt, davon in 83 Prozent bei benignen Erkrankungen4.
Aktuell bieten ca. 70 bis 80 Prozent der chirurgischen Abteilungen in
Deutschland minimal-invasive Koloneingriffe an.
Auch für laparoskopische Kolonresektionen gelten die Vorteile der
minimal-invasiven Chirurgie: geringere Schmerzentwicklung und Beeinträchtigung
der Lungenfunktion, kürzere Darmatoniephase, raschere Mobilisation,
günstigere Kosmetik.
Die Nachteile
des Verfahrens betreffen im Wesentlichen technische und klinikökonomische
Gesichtspunkte: Die Eingriffe sind operationstechnisch anspruchsvoll und
benötigen eine längere Lernkurve. Durch längere
Operationszeiten (im Mittel zwischen 170 und 240 Minuten) und teure Instrumente
entstehen höhere klinikinterne Kosten. Sozioökonomisch bestehen
zwischen konventionellen und laparoskopischen Koloneingriffen im Langzeitvergleich
keine Unterschiede 3,4,5,10,11,13.
Verfahrenspezifische Komplikationen der minimal-invasiven Technik (z.
B. Läsionen durch die Erstpunktion oder Diathermie) sind mittlerweile
selten geworden und abhängig von der Erfahrung des Operateurs. In
geübter Hand besteht kein Unterschied in der Häufigkeit von
operationsspezifischen Komplikationen (z. B. Nachblutung, Anastomoseninsuffizienz,
usw.) im Vergleich zum konventionellen Vorgehen 4,9. Allerdings
ist die Lernkurve für laparoskopische Kolonresektion lang: Pro Operateur
werden 40 bis 70 Eingriffe postuliert. Erst dann lässt sich eine
Verkürzung der Operationszeit, ein Sinken der Umstiegsrate und ein
Angleichen der Komplikationsrate an die offenen Verfahren beobachten3,4,5,11,13.
Technik und Anwendungsgebiete
Günstig für den laparoskopischen Zugang sind operationspflichtige
Befunde im Bereich des Zökums und Colon ascendens sowie des linken
Colons und Rectums. Befunde im Bereich des Colon transversum sind für
das laparoskopische Vorgehen weniger geeignet. Typischerweise werden Optiktrocar
und Arbeitstrocare (2 bis 4) halbkreisförmig um den zu operierenden
Herd angeordnet. Das Resektat wird über eine Minilaparotomie vor
die Bauchdecke gebracht und abgesetzt, die Anastomosierung erfolgt bei
Resektionen am rechten Colon in der Regel extraabdominell per Handnaht,
am linken Colon intraabdominell per Klammernaht (Stapler). In Einzelfällen
kommen auch intraabdominelle (laparoskopische) Wedge-Resektionen oder
Übernähungen (z. B. bei der iatrogenen Colonperforation) zur
Anwendung. Hauptindikationen zum laparoskopischen Vorgehen sind zurzeit
benigne Erkrankungen des Colons. Im Vordergrund steht die Sigmadivertikulitis,
aber auch bei endoskopisch nicht abtragbaren Polypen, entzündlichen
Darmerkrankungen oder dem Rektumprolaps kann die minimal-invasive Technik
vorteilhaft eingesetzt werden1,2,6,9,12.
Auch bei Malignomen ist die laparoskopische Technik möglich. Umfangreiche
retrospektive Multizenterstudien zeigen auf, dass bezüglich der Morbidität,
der 30-Tage-Letalität, der drei Jahre Überlebensrate sowie der
Lokalrezidivrate keine Unterschiede zwischen laparoskopischen und offenen
Colonresektionen stehen2,7,8,15. Überraschenderweise bestehen
auch hinsichtlich der Krankenhausverweildauer keine wesentlichen Unterschiede9.
Trotz dieser gleichlautenden Daten von internationalen Spezialisten sind
die meisten Chirurgen mit dem Einsatz laparoskopischer Techniken zur kurativen
Therapie des kolorektalen Karzinoms zurückhaltend. Hauptgrund hierfür
ist die subjektiv empfundene geringere Sicherheit hinsichtlich der Radikalität.
Die neue Technik wird meist auf palliative Indikationen beschränkt.
Fazit
Zusammenfassend ist festzustellen, dass die laparoskopische Kolonresektion
heute ein sicheres und gut etabliertes Verfahren darstellt. Geringen postoperativen
Schmerzen und kürzerer Rekonvaleszenzphase stehen eine lange Lernkurve,
längere Operationszeiten und höhere krankenhausinterne Kosten
gegenüber. Auch wenn hochspezialisierte Zentren weltweit gleiche
onkologische Ergebnisse im Vergleich zur offenen Chirurgie publizieren,
favorisieren die meisten Chirurgen derzeit beim Karzinom in kurativer
Intention das konventionelle Vorgehen. Inwieweit die zukünftige Entwicklung
beeinflusst wird durch neue Studienergebnisse, neue Instrumente und Techniken,
aber auch durch den ökonomischen Druck, bleibt abzuwarten.
Dr. Anja Zumschilde, Dr. Jürgen Belz, Klinikum Nordfriesland,
Klinik Husum, Erichsenweg 16, 25813 Husum
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 5/2006
S. 39/40
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