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Rezensionen

Das schwere Gespräch
Einschneidende Diagnosen menschlich vermitteln

Bibliographische Angaben: Edlef Bucka-Lassen, Deutscher Ärzte-Verlag, Köln, 2005, 152 Seiten, 13 Abbildungen, 13 Tabellen, broschiert, 19,95 Euro, ISBN 3-7691-0501-X


Schwere Gespräche, die Ärzte mit Patienten führen, sind eine wichtige Aufgabe patientenzentrierter Medizin. In ihnen werden unheilbare Krankheiten mit evtl. fataler Prognose den Patienten vermittelt. Es ist besonders erfreulich, dass ein Arzt für Allgemeinmedizin dieses Buch geschrieben hat. Es gliedert sich in drei Teile, die elementare Kommunikation (1), das Gespräch (2) und das schwere Gespräch (3) heißen. Man spürt, dass das Buch aus Kursen und Vorträgen hervorgegangen ist, wo erfolgreiche Rhetorik nicht stets mit überzeugendem Schreiben identisch ist. Kommunikation, hebt Bucka-Lassen mit Recht hervor, ist nicht nur einseitige, Wissen erweiternde Information, sondern ein gegenseitiger Austausch von Botschaften. Nonverbale Signale wie Gestik und Mimik stellen einen beachtlichen Teil der Kommunikation dar. Was der Arzt sagt, ist bedeutungsvoll, aber ebenso, wie er es sagt. Der Ton macht die Musik. Wenn Worte und Sätze einerseits, Ton und Mimik andererseits nicht übereinstimmen, wird die Botschaft unecht oder unglaubwürdig. Das Arzt-Patient-Gespräch ist asymmetrisch, weil der Arzt mehr Wissen und Macht als der Kranke hat. Dass der Kranke in der schwächeren Position ist, sollten wir uns nach Meinung des Autors häufiger ins Gedächtnis rufen. Eine fundamentale Voraussetzung eines gelingenden Gesprächs ist, wie Bucka-Lassen ausführlich begründet, Empathie, die nicht mit Sympathie als Zuneigung und Antipathie als Abneigung zu verwechseln ist. Empathie ist die Fähigkeit, sich in einen anderen Menschen zu versetzen. Wie sieht es in ihm aus, was empfindet und fühlt er? Ohne solche Empathie ist auch das schwere Gespräch zum Scheitern verurteilt, das Diagnosen von chronischen Krankheiten mit unsicherem oder schlechtem Verlauf vermittelt. Zu ihnen gehören z. B. Karzinome, mit oder ohne Metastasen, Multiple Sklerose, Parkinson, rheumatoide Arthritis, Alzheimer und HIV-Infektion bzw. AIDS. Der Patient entscheidet, ob ein Angehöriger an dem schweren Gespräch teilnimmt. Der Autor empfiehlt, dass nicht mehr als drei Personen im Raum anwesend sind, weil das Gespräch sonst zu diffus wird. Dabei kommt es Bucka-Lassen darauf an, dem Patienten die Botschaft verständlich zu machen, ohne dass er Mut und Hoffnung verliert. Selbst bei terminalen Kranken in den letzten Monaten und Wochen ihres Lebens lindert palliative Betreuung durch den guten Hausarzt und seine Allierten viel Leid. Der Patient sollte davon überzeugt sein, dass er in seiner Not nicht allein gelassen wird. Wenn auch die meisten Patienten über Diagnose, Krankheit, Behandlungsmöglichkeiten und Nebenwirkungen der Therapie aufgeklärt werden möchten, gibt es unterschiedliche Grade des Orientierungsbedürfnisses. Deshalb ist die Frage sinnvoll, was und wie viel ein Kranker wissen möchte. Bilder und Schemata dieses Buches sind nicht immer ein Gewinn. Die zusammenfassenden Worte am breiten Textrand unterschätzen manchmal den Leser. Sprachlich ist das Buch flott, modisch und manchmal ein wenig zu „journalistisch“ geschrieben, aber es kommt dem Autor wohl vor allem auf den Effekt an.

Rezensent: Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt, Jaegerallee 7, 24159 Kiel




„Ich musste es auf meine Weise sagen“
Annette Kolb - Leben und Werk


Bibliographische Angaben: Jürgen Schwalm, WFB Verlagsgruppe, Bad Schwartau 2006, 56 Seiten, broschiert, 5,95 Euro, ISBN 3-86672-019-X


Jürgen Schwalm lebt als Dermatologe und Schriftsteller in Lübeck. Von 1985 bis 2003 gab er den Almanach deutschsprachiger Schriftsteller-Ärzte heraus.

Hier legt er eine liebevoll geschriebene und kenntnisreiche Miniaturbiographie der zu Unrecht vergessenen Schriftstellerin Annette Kolb (1870-1967) vor. Annette Kolb, eine Zeitgenossin und Freundin Thomas Manns, war die Tochter einer französischen Pianistin und eines königlich-bayrischen Gartenbaudirektors, des „illegitimen“ Sohnes des bayrischen Königs Maximilian II Joseph. Sie schrieb nicht nur Romane, Biographien (Mozart) und Essays, sondern setzte sich zeitlebens für eine Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich ein. Durch ihr Herkommen international eingestellt und pazifistisch gesinnt, floh sie 1933 bei Hitlers Machtantritt nach Paris, 1941 gelang es ihr, mit einem der letzten Flugzeuge nach Amerika zu emigrieren. Gleich nach Kriegsende kehrte sie nach Europa zurück. Jürgen Schwalm hat sich mit Einfühlungskraft in Leben und Werk Annette Kolbs vertieft, sodass der Leser spürt, welche Kraftströme für den Arzt auch heute von Kunst und Literatur ausgehen können. Es ist ein Verdienst des Autors, diese Schriftstellerin der Vergessenheit entrissen zu haben. Vielleicht dient das Büchlein als Anstoß für eine Annette Kolb-Renaissance. Es ist Lesern(innen) zu empfehlen, die an Literatur interessiert sind und eine Neuentdeckung wagen wollen.

Rezensent: Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt, Jaegerallee 7, 24159 Kiel





Altersmedizin aktuell


Bibliographische Angaben: H. W. Heiß (Hrsg.) mit 49 Fachautoren, Loseblattsammlung in Ordner mit festem Deckel und Hebelverschluss, Aktualisierung 3-4 mal jährlich, Format DIN A5, 2005 ecomed-Medizin Verlagsgruppe, ISBN 3-609-10370-1, 79 Euro

Kurze Inhaltsangabe: Umfassende interdisziplinäre Darstellung der Altersmedizin in acht Kapiteln mit Einbezug ihrer physiologischen klinischen, sozialen ökonomischen und ethischen Dimensionen. Die in Studium und Weiterbildung nicht ausgefüllte Lücke an Grundwissen soll mit diesem Werk ausgefüllt werden.

Kritische Bewertung: Der praktische Nutzen der Kapitel ist uneinheitlich, z. B. werden im Kapitel „Trainingseffekte auf altersbedingte kardiovaskuläre und muskuläre Veränderungen“ die im Vorwort genannten Ziele der Herausgeber, die Aussagen nach unterschiedlichen Altersgruppen zu differenzieren, ignoriert. Im Kapitel „Geriatrietypische Diagnostik“ wird in der Basisausgabe nur die Labordiagnostik behandelt, während die Methoden der geriatrischen Untersuchung und das geriatrische Assessment späteren Ergänzungen vorbehalten sind.

Sonstiges: Übersichtliche Gliederung des Stoffs mit reichlich Tabellen und einzelnen farbigen Abbildungen. Ausführliche Literaturverzeichnisse mit Editionen einschließlich 2003.

Empfehlung: Trotz o. g. Einschränkungen ist das Buch als Nachschlagewerk und synoptische Darstellung der Altersmedizin allen ärztlichen Kollegen, die ältere Patienten behandeln, zu empfehlen.

Rezensent: Prof. Dr. Diedrich Dieckhoff, Lindenstr. 56 a, 23558 Lübeck


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 4/2006

S. 2, 30, 57