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Rezensionen
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Schwere Gespräche,
die Ärzte mit Patienten führen, sind eine wichtige Aufgabe patientenzentrierter
Medizin. In ihnen werden unheilbare Krankheiten mit evtl. fataler Prognose
den Patienten vermittelt. Es ist besonders erfreulich, dass ein Arzt für
Allgemeinmedizin dieses Buch geschrieben hat. Es gliedert sich in drei
Teile, die elementare Kommunikation (1), das Gespräch (2) und das
schwere Gespräch (3) heißen. Man spürt, dass das Buch
aus Kursen und Vorträgen hervorgegangen ist, wo erfolgreiche Rhetorik
nicht stets mit überzeugendem Schreiben identisch ist. Kommunikation,
hebt Bucka-Lassen mit Recht hervor, ist nicht nur einseitige, Wissen erweiternde
Information, sondern ein gegenseitiger Austausch von Botschaften. Nonverbale
Signale wie Gestik und Mimik stellen einen beachtlichen Teil der Kommunikation
dar. Was der Arzt sagt, ist bedeutungsvoll, aber ebenso, wie er es sagt.
Der Ton macht die Musik. Wenn Worte und Sätze einerseits, Ton und
Mimik andererseits nicht übereinstimmen, wird die Botschaft unecht
oder unglaubwürdig. Das Arzt-Patient-Gespräch ist asymmetrisch,
weil der Arzt mehr Wissen und Macht als der Kranke hat. Dass der Kranke
in der schwächeren Position ist, sollten wir uns nach Meinung des
Autors häufiger ins Gedächtnis rufen. Eine fundamentale Voraussetzung
eines gelingenden Gesprächs ist, wie Bucka-Lassen ausführlich
begründet, Empathie, die nicht mit Sympathie als Zuneigung und Antipathie
als Abneigung zu verwechseln ist. Empathie ist die Fähigkeit, sich
in einen anderen Menschen zu versetzen. Wie sieht es in ihm aus, was empfindet
und fühlt er? Ohne solche Empathie ist auch das schwere Gespräch
zum Scheitern verurteilt, das Diagnosen von chronischen Krankheiten mit
unsicherem oder schlechtem Verlauf vermittelt. Zu ihnen gehören z.
B. Karzinome, mit oder ohne Metastasen, Multiple Sklerose, Parkinson,
rheumatoide Arthritis, Alzheimer und HIV-Infektion bzw. AIDS. Der Patient
entscheidet, ob ein Angehöriger an dem schweren Gespräch teilnimmt.
Der Autor empfiehlt, dass nicht mehr als drei Personen im Raum anwesend
sind, weil das Gespräch sonst zu diffus wird. Dabei kommt es Bucka-Lassen
darauf an, dem Patienten die Botschaft verständlich zu machen, ohne
dass er Mut und Hoffnung verliert. Selbst bei terminalen Kranken in den
letzten Monaten und Wochen ihres Lebens lindert palliative Betreuung durch
den guten Hausarzt und seine Allierten viel Leid. Der Patient sollte davon
überzeugt sein, dass er in seiner Not nicht allein gelassen wird.
Wenn auch die meisten Patienten über Diagnose, Krankheit, Behandlungsmöglichkeiten
und Nebenwirkungen der Therapie aufgeklärt werden möchten, gibt
es unterschiedliche Grade des Orientierungsbedürfnisses. Deshalb
ist die Frage sinnvoll, was und wie viel ein Kranker wissen möchte.
Bilder und Schemata dieses Buches sind nicht immer ein Gewinn. Die zusammenfassenden
Worte am breiten Textrand unterschätzen manchmal den Leser. Sprachlich
ist das Buch flott, modisch und manchmal ein wenig zu journalistisch
geschrieben, aber es kommt dem Autor wohl vor allem auf den Effekt an.
Jürgen Schwalm lebt als Dermatologe und Schriftsteller in Lübeck. Von 1985 bis 2003 gab er den Almanach deutschsprachiger Schriftsteller-Ärzte heraus. Hier legt er eine liebevoll geschriebene und kenntnisreiche Miniaturbiographie der zu Unrecht vergessenen Schriftstellerin Annette Kolb (1870-1967) vor. Annette Kolb, eine Zeitgenossin und Freundin Thomas Manns, war die Tochter einer französischen Pianistin und eines königlich-bayrischen Gartenbaudirektors, des illegitimen Sohnes des bayrischen Königs Maximilian II Joseph. Sie schrieb nicht nur Romane, Biographien (Mozart) und Essays, sondern setzte sich zeitlebens für eine Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich ein. Durch ihr Herkommen international eingestellt und pazifistisch gesinnt, floh sie 1933 bei Hitlers Machtantritt nach Paris, 1941 gelang es ihr, mit einem der letzten Flugzeuge nach Amerika zu emigrieren. Gleich nach Kriegsende kehrte sie nach Europa zurück. Jürgen Schwalm hat sich mit Einfühlungskraft in Leben und Werk Annette Kolbs vertieft, sodass der Leser spürt, welche Kraftströme für den Arzt auch heute von Kunst und Literatur ausgehen können. Es ist ein Verdienst des Autors, diese Schriftstellerin der Vergessenheit entrissen zu haben. Vielleicht dient das Büchlein als Anstoß für eine Annette Kolb-Renaissance. Es ist Lesern(innen) zu empfehlen, die an Literatur interessiert sind und eine Neuentdeckung wagen wollen. Rezensent: Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt, Jaegerallee 7, 24159 Kiel
Kurze Inhaltsangabe:
Umfassende interdisziplinäre Darstellung der Altersmedizin in acht
Kapiteln mit Einbezug ihrer physiologischen klinischen, sozialen ökonomischen
und ethischen Dimensionen. Die in Studium und Weiterbildung nicht ausgefüllte
Lücke an Grundwissen soll mit diesem Werk ausgefüllt werden.
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Schleswig-Holsteinisches S. 2, 30, 57 |
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