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Primäre und
sekundäre alloplastische Brustrekonstruktion
Michael Friedrich, Klaus Diedrich, Walter Jonat, Nicolai Maass
Einleitung
Die Rekonstruktion der weiblichen Brust nach Mastektomie stellt heute
einen integralen Bestandteil innerhalb des operativen Behandlungsspektrums
beim Mammakarzinom dar. Bei onkologischen Erfordernissen und bestehenden
Kontraindikationen zur brusterhaltenden Therapie können die Methoden
der Brustrekonstruktion einen wichtigen Beitrag zur Wiederherstellung
der körperlichen Integrität mit Verbesserung der Lebensqualität
für die betroffenen Patientinnen leisten. Neben einer Verbesserung
oder Wiederherstellung des Körperbildes und des Selbstwertgefühls
führt die Brustrekonstruktion unter psychoonkologischen und rehabilitativen
Aspekten zu einer Verarbeitung einer aus onkologischer Sicht notwendigen
Mastektomie1.
Zur Brustrekonstruktion werden verschiedene Methoden zu unterschiedlichen
Zeitpunkten eingesetzt. Prinzipiell unterscheiden wir die Brustrekonstruktion
mit Fremdmaterial (alloplastische oder heterologe Rekonstruktion) von
einer Brustrekonstruktion mit Eigengewebe (autologe Rekonstruktion). Wie
die autologe Brustrekonstruktion kann auch die alloplastische Brustrekonstruktion
als Sofortrekonstruktion (primär) oder Intervallrekonstruktion (sekundär),
d. h. nach Abschluss der primären operativen und adjuvanten Brustkrebsbehandlung
durchgeführt werden. Die alloplastische Brustrekonstruktion kann
bei entsprechender Indikationsstellung als einzeitige Implantatrekonstruktion
(one-stage) oder als zweizeitige, kombinierte Expander-Implantat-Rekonstruktion
(two-stage) erfolgen. In ausgewählten Fällen kommen auch kombinierte
autolog-alloplastische Methoden der Brustrekonstruktion wie die Kombination
aus Latissimus dorsi Lappen und Implantat zum Einsatz2,3,4.
Die Silikondiskussion Ende der achtziger Jahre, die Langzeitkomplikationen
und die Limitationen des ästhetischen Gesamtresultates haben parallel
zur Entwicklung neuer autologer Techniken (TRAM-Lappen, freier TRAM und
DIEP-Lappen) zu einem Rückgang alloplastischer Brustrekonstruktionen
geführt5.
Verbesserungen in den Bereichen Expander- und Implantattechnologie in
Kombination mit erfahrenem operativem Vorgehen haben die alloplastische
Brustrekonstruktion in den letzten Jahren wieder vermehrt in die wissenschaftliche
Diskussion und klinische Anwendung gebracht6.
Die anatomische Brustform wird durch drei Parameter bestimmt: Basisbreite
der Brust, Höhe der Brust, Projektion der Brust. Moderne anatomische
Implantate sind in einer breiten Variation hinsichtlich Basisbreite, Höhe
und Projektion erhältlich. Dies erlaubt dem Operateur eine präzise
Planung einer dreidimensionalen, individualisierten, der Anatomie der
Patientin angepassten Rekonstruktion der Brust.
Entwicklung der Implantat- und Expandertechnologie
Die Ära der modernen Brustrekonstruktion begann in den frühen
60er Jahren des letzten Jahrhunderts mit der Einführung silikongelgefüllter
Implantate. Die Implantate der alten Generation haben eine runde Form
und eine glatte Oberfläche. Die glatten Implantate neigen zu einer
erhöhten Rate an ausgeprägten Kapselkontrakturen, Dislokationen
und einem damit verbundenen oftmals schlechtem, asymmetrischem Gesamtergebnis
mit der häufigen Notwendigkeit von Korrekturoperationen wie Kapsulotomie,
Kapsulektomie, Implantatwechsel, Explantationschirurgie und autologe Konversion.
Die runde Implantatform eignet sich darüber hinaus ausschließlich
zur symmetrischen Rekonstruktion einer kleinen Brust bis 300 g ohne kontralaterale
Ptose und wenig Projektion, eine Brustform, die vorwiegend im asiatischen
Raum dominiert7,8.
Die heute überwiegend eingesetzten Implantate der neuen Generation
spiegeln die Entwicklungen in der Implantattechnologie der letzten Jahre
wieder und führen bei entsprechender Indikationsstellung zu sehr
guten, symmetrischen Rekonstruktionssergebnissen mit Langzeitstabilität
des ästhetischen Resultates. Durch die Texturierung der Implantatoberfläche
konnte die Rate an Kapselkontrakturen und die Notwendigkeit von Korrekturoperationen
deutlich gesenkt werden. Ob eine Polyurethanbeschichtung der Implantatoberfläche
zu gleichen Langzeitresultaten führt, kann heute nicht abschließend
beurteilt werden. Bei dünnen Weichteilverhältnissen können
durch die Verbindung von Polyurethanbeschichtung und umgebendem Gewebe
operationstechnische Schwierigkeiten bei einem notwendigen Implantatwechsel
auftreten oder eine Kontraindikation zur Reimplantation darstellen. Die
Füllung der Implantate durch kohäsives Silikongel in Kombination
mit einer Verstärkung der Implantathülle hat zur deutlich erhöhten
Implantatsicherheit in den letzten Jahren geführt. Kochsalzgefüllte
Implantate können aufgrund ihrer flüssigen Konsistenz und Forminstabilität
in Bezug auf das ästhetische Gesamtresultat nur eingeschränkt
empfohlen werden. Der entscheidende Fortschritt in der alloplastischen
Brustrekonstruktion ist auf die Entwicklung und Einführung anatomisch
geformter Implantate zurückzuführen. Diese Implantatform ermöglicht
in einer entsprechenden Größenvielfalt die Rekonstruktion einer
natürlichen, symmetrischen Brust wie sie im europäischen und
amerikanischen Raum zumeist angetroffen wird9,10.
Die Expandertechnologie wurde durch Radovan in den 1970er Jahren in die
Brustrekonstruktion eingeführt11. Verschiedenste Fortschritte im
Expanderdesign und der Expandertechnologie haben zu konsistenteren und
besseren Expansionsergebnissen geführt und machen die alloplastische
Brustrekonstruktion somit vorhersagbarer und sicherer. Die Texturierung
der Expanderoberfläche vereinfacht den Expansionsprozess, führt
zu weniger Kapselkontrakturen (insbesondere in Kombination mit texturierten
Implantaten), Dislokationen und Thoraxwanddeformitäten. Die Einführung
anatomisch geformter Expander ermöglicht die in den meisten Fällen
präferierte Expansion des unteren Brustpols zur Vorbereitung einer
symmetrischen Rekonstruktion. Die Integration des Auffüllventils
in den Expander selbst macht die Platzierung eines distanten Füllungsports
überflüssig und erhöht den Komfort für Patientin und
Arzt während der Expansionsphase. Diese Fortschritte in der Expandertechnologie
vereinigte erstmals Maxwell 1990 in dem von ihm entwickelten McGhan Bio-Dimensional
System6.
Die besten Ergebnisse im Rahmen der alloplastischen Brustrekonstruktion
ergeben sich in unserer Hand unter Beachtung von Indikationen und Kontraindikationen
durch den Einsatz anatomisch geformter, texturierter, kohäsivgelgefüllter
Implantate - bei Notwendigkeit zur Gewebeexpansion in Kombination mit
anatomisch geformten, texturierten Expandern.
Grundlagen der alloplastischen Brustrekonstruktion
Zur Erzielung eines möglichst optimalen kosmetischen Resultats im
Rahmen der alloplastischen Brustrekonstruktion sind anatomische Voraussetzungen
zu berücksichtigen12,13:
-
Erhalt der Inframammärfalte
-
Integrität des M. pectoralis major
-
Qualität und Spannung des Hautmantels
Der Erhalt der Inframammärfalte
im Rahmen der Mastektomie ist aus onkologischen Gesichtspunkten als sicher
zu betrachten, da nur in seltenen Fällen Brustdrüsenparenchym
distal der Inframammärfalte aufzufinden ist. Die Inframammärfalte
wird durch die Fusion zwischen der superfiziellen und der mammären
Faszie gebildet, während die Kontur der Inframammärfalte durch
die Verteilung von feinen fibrösen Retinaculae bestimmt wird, die
sowohl die dermale als auch die musculofaszialen Schichten zu einer superfizellen
Faszie verbinden. Die mammäre Faszie stellt die natürliche Hülle
des Brustdrüsenkörpers dar. Der Verlust dieses strukturellen
Netzwerkwerkes zum Zeitpunkt der Mastektomie wird zu einem schlechteren
kosmetischen Ergebnis führen (Abb. 1).
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| Abb. 1: Fascia
superficialis im Bereich der Inframammärfalte (modifiziert nach
Nava et al.32) |
Geringe Läsionen
des M. pectoralis major stellen keine Probleme für eine alloplastische
Brustrekonstruktion dar. Dennoch sollten größere Dehiszenzen
innerhalb des Muskels durch resorbierbare Nähte versorgt werden.
Die alloplastische Brustrekonstruktion wird geometrisch anhand drei Parametern
geplant: Brustbreite (Brustbasis), Brusthöhe und Projektion. Sowohl
Brustbreite als auch Brusthöhe werden anhand der Ausmaße der
kontralateralen Brust bestimmt und an der zu rekonstruierenden Seite exakt
auf die Thoraxwand entsprechend der geplanten Expanderlokalisation eingezeichnet.
Die Projektion der Brust kann bis zu einem gewissen Maße durch die
Dimension des Expanders vorhergesagt werden. In Abhängigkeit des
endgültigen Volumens kann ein permanentes anatomisches Implantat
mit entsprechender Breite, Höhe und Projektion ausgewählt werden14.
Indikation zur alloplastischen Brustrekonstruktion
Die sekundäre, kombinierte Expander-Implantat-Rekonstruktion stellt
heute die weltweit häufigste Methode zur Rekonstruktion der weiblichen
Brust nach Mastektomie dar. Die Methode besitzt bei Einsatz der zurzeit
modernsten Expander- und Implantattechnologie zahlreiche Vorteile15:
-
Sie ist eine relativ einfache und sichere chirurgische Technik, die
gut lehrbar, standardisierbar, lernbar und auch in nicht hoch spezialisierten
Zentren gut anwendbar ist.
-
Zur Brustrekonstruktion kommt ausschließlich Gewebe gleicher Textur,
Farbe und Sensitivität zum Einsatz.
-
Im Vergleich zur autologen Rekonstruktion mit Gewinnung distanter Lappen
tritt keine Hebedefektmorbidität auf.
-
Es ist nur eine kleine Inzision mit konsekutiv geringer Narbenbildung
erforderlich.
- Die
Operationszeit ist im Vergleich zu autologen Rekonstruktionen deutlich
reduziert. Die postoperative Rekonvaleszenz ist rasch.
Generell eignet sich
eine kleinere, nicht ptotische kontralaterale Brust zur alloplastischen
Brustrekonstruktion nach Mastektomie. Die Patientinnen müssen darauf
hingewiesen werden, dass zur Symmetrie- und Formangleichung gegebenenfalls
eine Mastopexie oder Reduktionsmastopexie kontralateral erforderlich sein
kann. Die Wahrscheinlichkeit für sekundär notwendige, angleichende
Reduktionsmastopexien steigt mit zunehmender Größe und Ptose
der kontralateralen Brust.
Makromastie und ausgeprägte Ptosis der kontralateralen Brust stellen
relative Kontraindikationen zur Expander-Implantat Rekonstruktion dar.
Die wichtigste relative Kontraindikation zur alloplastischen Brustrekonstruktion
stellt die Radiotherapie der Thoraxwand dar16,17,18,19. Da
die Indikation zur Thoraxwandbestrahlung in den letzten Jahren eine Ausweitung
erfahren hat und primär von histopathologischen Parametern (Tumorgröße,
Lymphangiosis, Lymphknotenbefall) abhängig ist, muss die Indikation
zur primären Implantatrekonstruktion oder zur primären Expander-Implantat
Rekonstruktion äußerst streng und gut überlegt gestellt
werden. Nach Strahlentherapie erhöhen Fibrosierungsprozesse und Interaktionen
mit der Durchblutung des Hautweichteilmantels die Komplikationsrate bei
einer alloplastischen Rekonstruktion mit Kapselkontrakturen, Nekrosen
und insuffizientem ästhetischem Ergebnis beträchtlich. Die primäre
Implantatrekonstruktion eignet sich zur Rekonstruktion einer kleineren
bis ca. 300 g schweren Brust ohne stärkergradige kontralaterale Ptose
bei ausreichendem Hautmantel. Der Verzicht auf eine Expanderrekonstruktion
ist insbesondere bei der hautsparenden Mastektomie (skin-sparing mastectomy,
SSM) möglich. Insbesondere beim ausgedehnten duktalen Carcinoma in
situ (DCIS) stellt die SSM eine zunehmend eingesetzte operative Alternative
gegenüber der modifiziert radikalen Mastektomie dar20.
Besonderer Wert muss auf die umfassende Aufklärung der Patientin
über die generellen Methoden zur Brustrekonstruktion gelegt werden.
Hierzu sind Informationen zu Vor- und Nachteilen der alloplastischen Rekonstruktion
gegenüber der autologen Rekonstruktion inklusive der mikrochirurgischen
Techniken (DIEP-Lappen) erforderlich. Eine spezielle Sprechstunde bietet
hierzu das beste Forum, idealerweise interdisziplinär durchgeführt.
Bei der Indikation zur alloplastischen Rekonstruktion ist auch der Wunsch
der Patientin nach umfangreicher Aufklärung besonders zu berücksichtigen.
Voroperationen insbesondere im Abdominalbereich, Alter und Begleitmorbidität
der Patientin, bereits erfolgte oder postoperativ geplante Radiotherapie,
Brustgröße, Brustform und Symmetrie, die persönlichen
Erfahrungen des Operateurs und nicht zuletzt der Wunsch der Patientin
stellen wesentliche Parameter für die Wahl der optimalen Methode
zur Brustrekonstruktion dar21,22.
Primäre Implantatrekonstruktion
Die primäre Implantatrekonstruktion eignet sich zur Rekonstruktion
einer kleineren, nicht-ptotischen Brust bei ausreichendem Hautweichteilmantel
nach Mastektomie. Insbesondere nach hautsparender Mastektomie ist die
Implantatrekonstruktion nach entsprechender präoperativer Planung
gut möglich. Eine postoperative Strahlentherapie sollte im Hinblick
auf das Langzeitergebnis möglichst ausgeschlossen sein. Die Implantationsebene
liegt in den oberen zwei Dritteln des Implantates subpectoral. Die kaudalen
und medialen Pectoralisfasern werden unter Sicht durchtrennt. Das Implantat
ist im unteren Drittel subcutan platziert. Um Hautnekrosen zu vermeiden
muss auf eine ausreichende Schonung des Hautweichteilmantels in diesem
Areal im Rahmen der Mastektomie besonders geachtet werden23.
Expander-Implantat Rekonstruktion
Eine primäre Expander-Implantat Rekonstruktion kann einer Patientin
angeboten werden, die sich einer einfachen bzw. modifiziert radikalen
Mastektomie unterziehen muss - sofern die Notwendigkeit einer postoperativen
Radiotherapie ausgeschlossen oder unwahrscheinlich ist. Eine primär
systemische Chemotherapie stellt keine absolute Kontraindikation zu einer
Sofortrekonstruktion dar. Die alloplastische Sofortrekonstruktion ist
onkologisch sicher und verschleiert nicht die Detektion von Lokalrezidiven.
Eine adjuvante Chemotherapie kann nach Beendigung der Wundheilung begonnen
werden. Hierbei ist allerdings zu beachten, dass ein erhöhtes Risiko
für sämtliche Komplikationen, die zur Entfernung eines Expanders
oder Implantates führen können, besteht. Sollte eine alloplastische
Sofortrekonstruktion erfolgt sein und eine Thoraxwandbestrahlung notwendig
sein, ist ein hypofraktioniertes Schema empfehlenswert um so die Beeinträchtigung
des kosmetischen Ergebnisses so gering wie möglich zu halten. Bei
deutlicher Hautreaktion auf die Strahlentherapie sollte das Auffüllen
des Expanders über größere Zeitintervalle erfolgen. Eine
schlechte Prognose stellt per se keine Kontraindikation zur Sofortrekonstruktion
dar, obwohl in dieser Situation das deutlich erhöhte Lokalrezidivrisiko
beachtet werden sollte. Die Nachteile der alloplastischen Sofortrekonstruktion
insbesondere bei onkologisch unklarer Situation aber auch der postoperativ
verstärkte Wundschmerz und die, wenn auch nur leicht erhöhte
Komplikationsrate bei der Wundheilung (Infektionen) müssen bei der
Indikationsstellung besonders berücksichtigt werden. Die besten postoperativen
Ergebnisse mit der alloplastischen Sofortrekonstruktion erzielen wir nach
Mastektomie bei kleiner, nicht ptotischen kontralateralen Brust ohne notwendige
Thoraxwandbestrahlung und ohne notwendige adjuvante Chemotherapie. Diese
onkologische Gesamtsituation ist in den letzten Jahren deutlich rückläufig,
sodass die Indikation zur primären Expander-Implantat Rekonstruktion
zunehmend seltener gestellt wird24.
Aufgrund der erhöhten Gesamtkomplikationsrate bei primärer Expander-Implantat
Rekonstruktion sollte der sekundären Expander-Implantat Rekonstruktion
bei Indikation zur alloplastischen Rekonstruktion der Vorzug gegeben werden.
Zur Rekonstruktion einer kleineren, nicht ptotischen Brust nach Mastektomie
ohne Thoraxwandbestrahlung eignet sich die sekundäre Expander-Implantat
Rekonstruktion unter Berücksichtigung einer subtilen Planungs- und
Operationstechnik zur Erzielung eines guten kosmetischen Ergebnisses25,26.
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| Abb.
2: Prinzip der Rekonstruktion der Inframammärfalte (modifiziert
nach Nava et al.32) |
Planung und Durchführung der Expander-Implantat Rekonstruktion
Im Rahmen der operativen Strategie müssen Schnittführung und
Ausmaß des zu resizierenden Hautmantels zum Zeitpunkt der Mastektomie
sowohl unter onkologischen als auch plastisch-rekonstruktiven Gesichtspunkten
berücksichtigt werden. Die Dimension der kontralateralen Brust, insbesondere
die Brustbasis bestimmt die Größe des Expanders. Die präoperative
Anzeichnungsfigur der subpectoralen Expander-Implantat Loge erfolgt auf
der Thoraxwand durch Markierung und kann durch so genannte Templates unterstützt
werden. Die untere Grenze der Loge sollte gerade unterhalb der Submammärfalte
allerdings nicht mehr als 1 cm liegen. Die submuskuläre, im caudolateralen
Bereich subkutane Loge sollte die gleichen Ausmaße haben wie der
ausgewählte Expander und sollte der Brustbasis und -höhe der
kontralateralen Brust entsprechen. Im Rahmen der Präparation der
submuskulären Loge erfolgt eine konsequente Dissektion unter Sicht
nach cranial, caudal und medial. Die caudalen und medialenInsertionen
des M. pectoralis major werden unter Sicht von subpectoral aus durchtrennt.
Die Expanderloge im caudolateralen Bereich der Thoraxwand liegt subcutan.
Dies gilt insbesondere für die sekundäre Expander-Implantat
Rekonstruktion. Die Expansion beginnt zwei Wochen nach Implantation in
zweiwöchigen Intervallen in 50 bis 100 ml Schritten. Das Auffüllungsvolumen
sollte mindestens 70-80 Prozent des möglichen Expandervolumens betragen.
Nach weiteren drei bis sechs Monaten kann der Expander durch das subtil
geplante und ausgewählte Implantat ersetzt werden. Form und Größe
des ausgesuchten Implantates bestimmen die Qualität des Rekonstruktionsergebnisses.
Die Implantatloge kann durch gezielte Kapsulotomien optimiert werden.
Eine zu hoch liegende Inframammärfalte kann durch caudale Kapsulotomie
tiefer gelegt werden. Eine zu tief liegende Inframammärfalte wird
nach caudaler Kapsulotomie und elipsoider Kapsulektomie durch Adaptation
der anterioren an die posteriore Kapsel mit nicht-resorbierbaren Nähten
neu gestaltet und nach oben verlagert (Abb. 2). Nach Einlage einer Drainage
wird das endgültige anatomische Implantat nach entsprechender Orientierung
eingelegt und die Wunde mehrschichtig verschlossen. Die Positionierung
des Implantates wird innerhalb der ersten beiden postoperativen Wochen
durch einen Tapeverband gesichert (Abb. 3)27,28.
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| Abb.
3: Postoperatives Ergebnis nach sekundärer Rekonstruktion (Quelle:
Prof. Dr. Friedrich) |
Komplikationen
Die Inzidenz der Lokalkomplikationen ist nach Implantat- bzw. sekundärer
Expander-Implantat
Rekonstruktion bei Beachtung der Indikationsstellung geringer als nach
autologen Sekundärrekonstruktionen29,30. Sofortkomplikationen
umfassen Hämatome, Hautnekrosen, Infektionen und Schmerzen. Adjuvante
Behandlungstherapien einschließlich Chemo- und Strahlentherapie
können zu einer Verzögerung der Wundheilung führen. Zu
den Spätkomplikationen gehören Infektionen, Implantatextrusion
und Kapselkontraktur. Komplikationen sind generell häufiger nach
Sofortrekonstruktion als nach Sekundärrekonstruktion. Dies ist mit
der Applikation von adjuvanten Therapiemaßnahmen zum Zeitpunkt der
Sofortrekonstruktion in Einklang zu bringen. Die Chemotherapie beeinträchtigt
das Immunsystem und beeinflusst somit Prozesse der Regeneration und Wundheilung.
Die Strahlentherapie verschlechtert die Dehnungskapazität der Haut
und führt zur exzessiven Fibrose und reduziert die Oxygenierung des
Gewebes, sodass exzessive kapsuläre Reaktionen induziert werden.
Persistierende Infektionen führen häufig zu einer Entfernung
der Implantate, sodass weitere rekonstruktive Maßnahmen erst nach
definitiver Ausheilung von Infektionen erfolgen können31.
Fazit für die Praxis
Alloplastische Methoden zur Brustrekonstruktion stellen die häufigste
Form der Wiederherstellung der weiblichen Brust nach Mastektomie dar.
Zur Erzielung optimierter Rekonstruktionsergebnisse wird die Verwendung
texturierter, anatomisch geformter Expander-Implantatsysteme empfohlen.
Unter besonderer Beachtung der Indikationsstellung kann eine reine Implantatrekonstruktionen
insbesondere nach skin-sparing mastectomy (SSM) eingesetzt werden. Nach
modifiziert radikaler Mastekomie kann eine kombinierte Expander-Implantat
Rekonstruktion zur Wiederherstellung einer kleineren, nicht-ptotischen
Brust mit präformierender Dehnung des Hautweichteilmantels beim Wunsch
nach Rekonstruktion indiziert sein. Diese kombinierte Expander-Implantat
Rekonstruktion kann primär im Rahmen der Mastektomie als auch sekundär
erfolgen. Bei notwendiger adjuvanter Therapie insbesondere der Strahlentherapie
oder bereits erfolgter Radiotherapie der Thoraxwand ist eine Implantat-
oder Expander-Implantat Rekonstruktion aufgrund einer unzureichend hohen
Komplikationsrate als relativ kontraindiziert anzusehen. Die Patientin
ist auf eine sehr häufig notwendige angleichende Mastopexie oder
Reduktionsmastopexie der kontralateralen Brust und auf mögliche autologe
Rekonstruktionsmethoden im Rahmen der Aufklärung hinzuweisen. Wir
empfehlen die alloplastische Brustrekonstruktion zur Wiederherstellung
einer kleineren, nicht-ptotischen Brust im Rahmen einer reinen Implantatrekonstruktion
nach SSM oder als sekundäre Expander-Implantat Rekonstruktion. Die
adjuvante Radiotherapie stellt aufgrund einer inakzeptablen Komplikationsrate
aus unserer Sicht eine Kontraindikation zur alloplastischen Rekonstruktion
insbesondere im Vergleich zu möglichen autologen Rekonstruktionsmethoden
dar. Insofern sollte die Indikation zur primären alloplastischen
Rekonstruktion besonders kritisch gestellt werden. Bei der alloplastischen
und natürlich auch autologen Brustrekonstruktion muss die onkologische
Gesamtsituation der Patientin unbedingt berücksichtigt werden. Zur
Vermeidung von prognostischen und ästhetischen Nachteilen sollte
die Differenzialindikation zur Methodik der Brustrekonstruktion idealerweise
in spezialisierten Brustzentren mit Erfahrung in allen Methoden der Rekonstruktion
erfolgen.
Literatur beim Verfasser
Autoren: Prof. Dr. Michael Friedrich, Prof. Dr. Klaus Diedrich, Frauenklinik
des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck,
Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck; Prof. Dr. Walter Jonat, PD Dr.
Nicolai Maass, Frauenklinik des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein,
Campus Kiel, Michaelisstraße 16, 24105 Kiel
Korrespondent: Prof. Dr. Michael Friedrich, Frauenklinik des Universitätsklinikums
Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 3/2006
S. 59-65
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