zurück zur Rubrikensuche
zurück zum Inhaltsverzeichnis

Medizin und Wissenschaft

Impfschutz bei Aufnahme in den Kindergarten Schleswig-Holstein 2004
Auswertung der anonymen ärztlichen Bescheinigungen nach KitaVO
Hans-Martin Bader, Sabine Rasche

Tab. 1: Markierung des Impfstatus vor Aufnahme in eine Kindertagesstätte (Kindergarten) „vollständig geimpft“

Über die Einführung der „Ärztlichen Bescheinigung“ seit dem Jahre 2000, ihre Bedeutung (Information der Kindertagesstätten) und die Auswertung des Impfstatus bei Aufnahme von Kindern in Kindertagesstätten wurde zuletzt in Heft 12/2004 des Schleswig-Holsteinischen Ärzteblattes berichtet. Die Kriterien haben sich nicht geändert (s. Tabelle 1).

Der Impfschutz gegen neun Infektionskrankheiten (DTP, Polio, Masern, Mumps, Röteln, Hib, Hep B) wird nach vorgelegtem Impfpass oder nach ärztlichen Unterlagen in einfacher Form (Markierung des aus- oder Kinderarztes in „vollständig“ oder „unvollständig/nicht geimpft“ gemäß der STIKO-Impfempfehlung [Ständige Impfkommission]) festgehalten.

Tab. 2: Allgemeine Angaben zu den Einsendungen (Stand: 14. Nov. 2005)

Die Einsenderate der einzelnen Kreise ...
... ist sehr unterschiedlich, sie hat sich in einigen Kreisen und kreisfreien Städten deutlich verbessert (die niedrigste lag mit 60,1 Prozent in einem Landkreis). Als Anhalt konnte dieses Mal die Anzahl der Schulanfängeruntersuchungen des gleichen Jahres 2004 aus dem landesweiten Gesundheitsbericht1 verwendet werden (n = 29 476). In 2004 besuchten 93,5 Prozent der Schulanfänger vorher einen Kindergarten. Tatsächlich gingen bei diesem Maßstab 92,3 Prozent der erwarteten Einsendungen ein (einschließlich der verspäteten). Im Durchschnitt konnten von diesen 88,6 Prozent der Bögen der Vorschulkinder zur Auswertung verwendet werden. 241 Kinder der Gesamtauswertung waren bereits schulpflichtig (Kinderhort). Die Einrichtungen der dänischen Minderheit sind in den jeweiligen Kreisen mit enthalten.

Tab. 3: Impfschutz Aufnahme Kindergarten 1 bis 5 Jahre (n = 20 147) und Kindertagesstätten gesamt in Schleswig-Holstein 2004 (n = 22 850) im Vergleich zum Jahr 2000
Gesamtauswertung: Einen Überblick über alle eingegangenen „ärztlichen Bescheinigungen“ zeigt Tabelle 2: Auswertbar n = 22 850, Alter 3 Mo. bis 13 J. 2 Mo., im gewichteten Mittel 3 J. 6 Mo.

Kindergarten (1 bis 5 Jahre)

Die Ergebnisse der Altersgruppe 1 bis 5 Jahre (n = 20 147) stehen im Mittelpunkt des Interesses dieser Erhebung. Der Altersdurchschnitt (gewichteter Mittelwert) lag bei 3 J. 5 Mo. (in den Vorjahren bei 3 J. 7 Mo).

Die geringen Unterschiede der Impfschutzraten (Tab. 3) beim Vergleich dieser Kindergarten-Gruppe mit der Gesamtgruppe „Kindertageseinrichtung“ (Aufnahme 4 Mo. bis 15 J. 4 Mo.) haben sich - wie schon im Vorjahr erkennbar - fast völlig ausgeglichen: Die nachwachsenden jüngeren Kindergartenkinder sind nunmehr bereits in diesem Alter im selben Maße geschützt wie sonst der Anteil der älteren in der Gesamtgruppe.

Impfschutz gegen Masern

Die Rate für die Erst-Impfung (Abb. 1 und 2) liegt landesweit in diesem Alter bei 92,4 Prozent (Vorjahr 91,6 Prozent). Auch die Impfraten gegen Mumps und Röteln sind in der Einzeldarstellung fast gleich hoch (Tab. 3) (feste MMR-Kombination). Die Impfrate gegen Röteln liegt nur noch um 0,6 Prozent niedriger gegenüber MM (3,3 Prozent im Jahr 2000).

Abb. 1: Masern-Impfung Kindergarten (Aufnahme) Schleswig-Holstein 2000-2004
Die Zweitimpfung (Abb. 1 und 3) gegen die Kombination MMR wurde erst vier Jahre zuvor von der STIKO auf den früheren Zeitpunkt des 2. Lebensjahrs vorgezogen (STIKO-Empfehlung Jan. 2000). Für die Zweit-Impfung bei Aufnahme in den Kindergarten gegen Masern allein ist die Rate jetzt 69,8 Prozent (im Vorjahr 60,8 Prozent) (somit erneut eine deutliche Zunahme um neun Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr und fast fünf Mal höher seit der Einführung der „Ärztlichen Bescheinigung“ im Jahr 2000). Nach einer Teilauswertung des Jahres 2005 (n = 7 980) zeichnet sich derzeitig mit 72,4 Prozent ein geringer Anstieg ab (Stand 5. Nov. 2005).

Am deutlichsten zeigen sich bei der Durchführung dieser Wiederholungsimpfung die Unterschiede im Bereich der niedergelassenen Ärzteschaft: In den Landkreisen und kreisfreien Städten findet sich bei Aufnahme in die Kindertagesstätte eine regionale Spannweite für die zweite Masern-Impfung von 63,2 Prozent bis 79,4 Prozent (vor fünf Jahren 5 Prozent bis 38 Prozent)!
Tab. 4: Impfschutz bei Aufnahme Kindergarten (1 bis 5 Jahre) Schleswig-Holstein 2004 regional

Die Erhebungen der schulärztlichen Dienste in Schleswig-Holstein zeigen: 9- bis 11-Jährige (4. Schulklassen, vorgelegte Impfpässe n = 1 292) haben in 2004 bei der Zweitimpfung eine Rate von 85 Prozent erreicht, 14-Jährige 83 Prozent (8. Schulklassen, n = 5 234)2. Noch ist es nicht gelungen, diese Raten bereits durch die frühere Intervention bei Eintritt in den Kindergarten nachzuweisen. Denn es gilt, so früh wie möglich bei der Zweitimpfung gegen Masern eine Schutzrate von mindestens 80 Prozent zu erreichen (bei der Erstimpfung nunmehr von 95 Prozent) - und das bereits am Ende des 2. Lebensjahres.

Impfschutz gegen Hepatitis B (Abb. 4 und 5)

Bei Aufnahme in eine Kindertageseinrichtung sind landesweit 89,2 Prozent erreicht (im Jahr 2000: 75 Prozent). In einem Kreis impfen die Niedergelassenen unverändert sehr zurückhaltend, wenngleich auch hier die Schutzrate stieg (Spannweite landesweit 67,5 Prozent bis 93,4 Prozent). Aus der Teilauswertung des Jahres 2005 lässt sich zurzeit mit 88 Prozent kein weiterer Anstieg der Schutzrate gegen Hep B ableiten (Stand 5. Nov. 2005).

Impfschutz gegen Diphtherie, Tetanus, Polio, Pertussis und Hib, (Tab. 3 und 4)
Die Darstellung der fünf Impfungen soll in Tab. 4 zeigen, dass in den meisten Gebieten die 92 Prozent-Marge überschritten ist (die landesweiten Raten s. Tab. 3). Lediglich zwei Landkreise zeigen bei der Pertussis-Impfung eine Rate von 91,0 bzw. 91,6 Prozent.

Abb. 2: Mind. 1 x Masern-Impfung Kindergarten (Aufnahme) Schleswig-Holstein 2004 Abb. 3: 2 x Masern-Impfung Kindergarten (Aufnahme) Schleswig-Holstein 2004
Abb. 4: Hep B-Impfung Kindergarten (Aufnahme) Schleswig-Holstein 2000-2004

Zusammenfassung über den fünften Jahrgang

Die Impfempfehlungen der STIKO vom Juli 2002 haben auf diesen Kindergartenjahrgang im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs der Impfschutzraten um neun Prozent-Punkte bei der zweiten MMR-Impfung (Kombination 69,5 Prozent) und von 3,3 Prozent-Punkten bei der Hep B-Impfung gebracht (89,2 Prozent). Mit Ausnahme der 2. MMR- und der Hep B-Impfung ist im Landesdurchschnitt die 93 Prozent-Marke überschritten (93,4 Prozent Impfung gegen Pertussis bis 97,8 Prozent gegen Tetanus). Das ist wie bisher Ausdruck der Aktivität ausschließlich der niedergelassenen Ärzteschaft (meist Kinderärzte). Der öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) in Schleswig-Holstein kommt aktiv erst ab der Schuleintrittsuntersuchung ins Spiel. Der Rücklauf der anonymen Belege aller Vorschulkinder, die usgewertet werden konnten, betrug 83,8 Prozent der erwarteten Eingänge zum Auswertestichtag 6. Juni 2005. Die Anzahl der auswertbaren Beläge bei Aufnahme in eine Kindertageseinrichtung ist weiter angestiegen (jetzt n = 22 850).

Danksagung an das Gesundheitsministerium MSGV/Kiel, Firma Chiron Behring Vaccines/Marburg, Marita Harder/KJÄD im Gesundheitsamt Flensburg und Holger Harder/Jarplund-Weding.

Literatur bei der Verfasserin oder im Internet www.aerzteblatt-sh.de.

Abb. 4: Hep B-Impfung Kindergarten (Aufnahme) Schleswig-Holstein 2000-2004
Dr. Sabine Rasche, Gesundheitsamt, Norderstr. 58-60, 24939 Flensburg


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 1/2006

S. 63-66