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Rezension
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Der Autor kritisiert
den Machbarkeitswahn der Medizin, die oft vollständige
Gesundheit verspreche und zu einer neuen Form der Abhängigkeit von
Experten führe. Die Gesundheitsfalle besteht nach Klaus
Dörner darin, dass am liebsten nur noch Gesundheit, kaum noch von
Krankheit gesprochen wird. Das Herstellenwollen von Gesundheit kann zum
Zwang werden, sodass wir hypochondrisch um unsere Gesundheit kreisen.
Die Medikalisierung des Lebens, Überdiagnostik und -therapie werden
kritisiert. Der Autor fürchtet, dass die Medizin immer mehr von der
Marktmacht der Gerätehersteller und Arzneimittelindustrie bestimmt
wird, die Produkte erfinden, für die Krankheiten wie Jetlag,
Haarausfall, Reizmagen, Alter und soziale Phobie mit erdacht werden.
Allerdings werden konkrete Probleme der Prävention, z. B. Hyperlipidämie,
Screeningtests auf Mamma- und Prostatakarzinom, in dem vorliegenden Buch
ausgespart, dessen Polemik nicht selten die nötige Balance und das
sorgfältige Abwägen von Pro und Contra vermissen lässt.
Der rote Faden des Buches ist die beschworene Gefahr der Medikalisierung.
In Deutschland sind 4,2 von 80 Millionen Menschen im Gesundheitssystem
beschäftigt. Da sie ihren Arbeitsplatz sichern wollen, müssen
sie anstreben, dass möglichst alle anderen Menschen lebenslang
behandlungsbedürftige Kranke sind ... Die Medizin werde zunehmend
von der Wirtschaft bestimmt. Wissenschaftler beraten die Industrie, referieren
auf firmengesponserten Fortbildungen, erhalten großzügige Zuwendungen
und erwerben Firmenanteile. Das alles führt zu finanziellen Konflikten
der Interessen. Es ist auch bedenklich, dass heute die Fähigkeit
zur Erwerbung von Drittmitteln für Führungspositionen qualifiziert.
Den Fortschritten der Medizin ist es zu danken, dass viele akut Kranke
weiterleben. Deshalb heißt heute eine der wichtigsten Aufgaben die
Betreuung und Begleitung chronisch Kranker durch einen guten Hausarzt.
Die Medizin hält immer noch viel zu sehr am alten Fortschrittstraum
fest, was sich an der Bevorzugung akut Kranker und an der Aversion
gegen chronisch Kranke zeige. |
Schleswig-Holsteinisches S. 96 |
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