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Personalia
Zum 75-jährigen Geburtstag von Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt
Rolf Burger

 
Prof. Dr. Karlheinz
Engelhardt (Foto: Privat)
 
Im November feierte Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt seinen 75. Geburtstag, zehn Jahre nach seiner Verabschiedung in den Ruhestand. Bis zu diesem Zeitpunkt, von 1970 bis 1995, leitete er die III. Medizinische Klinik am Städtischen Krankenhaus Kiel. Wie ein roter Fa-den zieht sich durch seine klinische Tätigkeit - sie begann 1958 an der Medizinischen Universitätsklinik Kiel (Prof. Reinwein), dann ab 1962 an der II. Medizinischen Universitätsklinik (Prof. Weisbecker) - das Thema der patientenzentrierten Medizin. Nicht nur die Krankheit an sich verändert das Leben, die Situation, das Befinden des Patienten, sondern auch die Art, wie der Arzt seine besondere Lage versteht, respektiert und so Ablehnung oder Vertrauen, Resignation oder Hoffnung weckt. Diese patientenzentrierte Medizin ist eine notwendige Ergänzung zur etablierten, naturwissenschaftlich-technisch orientierten, also rein krankheitszentrierten Medizin, die Dank beispielloser Fortschritte in Wissenschaft und Technik mehr und mehr an Aufmerksamkeit gewinnt, sodass der Patient Gefahr läuft, unter der Faszination des technisch Machbaren als kranker Mensch „abhanden zu kommen“. Die Medizin selbst ist krank, so die Diagnose von Prof. Engelhardt. Sie leidet an einer Verselbstständigung vermeintlicher technischer Sachzwänge und an der Zersplitterung in oft unabhängig voneinander agierende Spezialdisziplinen und -zentren auf Kosten eines integrierenden Gesamtüberblicks, z. B. bei komplexen chronischen Krankheitsbildern älterer multimorbider Patienten, deren Zahl im Hinblick auf unsere demographische Entwicklung weiter zunehmen wird.

In seinem Buch „Kranke Medizin - das Abhandenkommen des Patienten“ und zahlreichen weiteren Veröffentlichungen zeigt Prof. Engelhardt behutsam aber konsequent (so seine Art) Wege zu einem sensiblen, am kranken Menschen und seiner Situation orientierten Arzt-Patienten-Verhältnis, etwa am Beispiel der Anamnese. Sie sollte vom behandelnden Arzt nicht delegiert werden, denn sie dient nicht nur der Diagnose und Differenzialdiagnose, vielmehr kann sie auch schon der Beginn der Therapie sein, wenn der Patient mit geduldiger Hilfe des Arztes Worte finden kann für seine Beschwerden, Ängste und Befürchtungen, wenn er sich auf diesem Wege verstanden und angenommen fühlt. Dies im Rahmen einer integrierten Versorgung in der Kernkompetenz einer allgemeinen Inneren Medizin, die als Disziplin wieder gefunden und definiert werden muss. Ergänzend hierzu, wenn Expertenleistung erforderlich, der Einsatz der speziellen naturwissenschaftlichen und technischen Möglichkeiten der modernen Medizin, die nicht in Frage gestellt werden sollen.

Großes Gewicht legte Prof. Engelhardt auf den gewissenhaften Umgang mit Medikamenten, die Kenntnis nachgewiesener Wirkung und möglicher Nebenwirkungen oder Interaktionen. Die „Disputatio pharmakologia“ (1980 bis 1995, gemeinsam mit Pharmakologen) wurde in einer Zeit industrieller Überflutung des Arztes mit Medikamenten, deren Wirkung oft überschätzt, deren Nebenwirkungen vielfach unterschätzt werden, zahlreichen klinisch tätigen und niedergelassenen Ärzten zum therapeutischen Leitfaden. In diesem Zusammenhang finden wir eine Stellungnahme zur Homöopathie, zu ihren Kritikern wie Befürwortern (Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 10/2005), ein aktuelles Thema, denn die Beliebtheit alternativer Heilmethoden (und Diagnoseverfahren) befriedigt das Bedürfnis vieler Patienten nach persönlicher Zuwendung, die sie in einer rein krankheitszentrierten und technikorientierten „Schulmedizin“ oft nicht zu finden glauben.

So profitieren wir auch jetzt noch, in den Jahren seines bisherigen Ruhestandes, und hoffentlich auch weiterhin, von zahlreichen Studien, Vorträgen und Veröffentlichungen aus dem Bereich der patientenzentrierten Medizin, von Themen zur ärztlichen Ethik, zum Umgang mit chronisch Erkrankten, zur palliativen Medizin oder geschichtlichen Themen, z. T. im Spiegel von Kunst und Literatur, Werken von Thomas Mann oder Theodor Fontane, den Lieblingsschriftstellern - musikalische Literatur, insbesondere Klavierwerke von Johann Sebastian Bach, finden wir neben dem heimischen Flügel, griffbereit zum täglichen Musizieren.

Musik als Mittlerin, Literatur als lebensfüllende Aufgabe, Reisen in die geliebten Berge, an die Nordsee, weitere, kaum noch zu überbietende Perfektion als Hobbykoch, so möge der Ruhestand weitergehen.

Dies wünschen dem Jubilar seine zahlreichen dankbaren Schüler, Patienten, Freunde und Bekannte für viele weitere Jahre im Kreise seiner wachsenden Familie.

Dr. Rolf Burger, Vigölensoll 53, 23730 Neustadt i. H.


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 12/2005

S. 21