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Personalia
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Leben als Hausarzt Prof. Dr. med. habil. Diedrich Dieckhoff - ein Gespräch zu seinem 70. Geburtstag Joachim Bloem
Dann kommen die Erinnerungen an die 70 Lebensjahre, in denen Lebens- und Überlebensglück ein paar Mal vom Geschick gütig entschieden wurden. Seinen Entschluss, Arzt zu werden, fasste Prof. Dieckhoff schon im Alter von sieben Jahren - damals, als ich gerade lesen lernte. Er musste wegen einer akuten Appendicitis operiert werden und war von der Persönlichkeit seines Chirurgen, eines Sauerbruch-Schülers, nachhaltig beeindruckt. Familie Dieckhoff lebte damals in Danzig. Als der Kanonendonner der heranrückenden russischen Truppen schon zu hören war sollte Familie Dieckhoff mit der Wilhelm Gustloff evakuiert werden. Nur wenige Tage vor Betreten dieses Schiffes wurde der junge Diedrich Dieckhoff ausgerechnet von einem Sanitätsfahrzeug angefahren, erlitt einen Schädelbasisbruch und wurde dann zusammen mit seiner Mutter und seinen beiden Brüdern mit einem Hilfskreuzer nach Dänemark gebracht, wo er fast zwei Jahre lang die Schule besuchte, eine Zeit, die Diedrich Dieckhoff nicht missen möchte. In Dänemark wurde ihm sein Leben sozusagen das dritte Mal geschenkt. Er bekam Diphtherie und ein Arzt aus dem Widerstand gegen Hitler gab ihm das heilende Serum. Das Abitur legte Dieckhoff in Hannover ab. Er studierte Medizin in Berlin, München und Göttingen, obwohl ihm damals wegen der drohenden Ärzteschwemme abgeraten worden war. Er engagierte sich in vielen Arbeitsgruppen und im Studentenparlament. Nach dem Staatsexamen folgte die Assistentenzeit und damit die Ausbildung zum Internisten. Besonders prägend erlebte Dieckhoff die Zeit am Husumer Krankenhaus, da hier eine besonders enge Beziehung zwischen Krankenhausärzten und Niedergelassenen gepflegt wurde, man kannte sich und der Patient als Mensch stand hier im Vordergrund. Nach Husum ging es über die Physiologie in Göttingen zu Prof. Ritter an das Krankenhaus Süd in Lübeck, wo auch die Habilitationsschrift Die Teilnahme der Piaarterien und des rückwärtigen Gefäßabschnitts bis zur Aorta ascendens an der Widerstandsregulation des Hirnkreislaufs entstand. 1970 erwarb Prof. Dieckhoff den Facharzt für Innere Medizin, dann die Zusatzbezeichnungen Sportmedizin und Psychotherapie, 1978 wurde er Arzt für Allgemeinmedizin; er hatte bereits seit 1974 in Lübeck in eigener Praxis hausärztlich gearbeitet. Der Praxistag begann um sieben Uhr mit Hausbesuchen, die tägliche Arbeitszeit erforderte mehr als zehn Stunden, Samstagssprechstunden wurden regelmäßig abgehalten. Oft kam es auch vor, dass Patienten, die täglich zur Arbeit nach Hamburg fahren mussten, frühmorgens vor ihrer Abfahrt zum Hausarzt gingen. Das war für mich selbstverständlich, sagt Prof. Dieckhoff in seiner bescheidenen Art. Auch heute hat er noch engen Kontakt zu seinen Patienten; sie rufen an und fragen ihn um Rat. Neben der Praxisarbeit, bei der Dieckhoff mit vollem Herzen dabei war und bei der er von seiner Ehefrau intensiv unterstützt wurde, gab es vielfältige andere Aufgaben, von denen hier nur einige genannt werden können: Betreuung von acht Doktoranden, Autor des Buches Beruf Allgemeinarzt, Mitautor und Mitherausgeber von vielen Lehrbüchern, Initiator eines Arbeitskreises für Sterbebegleitung in Lübeck, Erarbeitung des ersten Nachsorgepasses für an Coloncarcinom Erkrankte, Gründungsmitglied des Krebsregisters, der Lübecker Pflegekonferenz, Gründungsmitglied und jetzt Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Anthropologische Medizin und Herausgeber ihrer Zeitschrift, Mitglied im Weiterbildungsausschuss des Bundesverbandes der praktischen Ärzte und Ärzte für Allgemeinmedizin Deutschlands und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Sozialmedizin und Allgemeinmedizin in der Deutschen Gesellschaft für Sozialmedizin und Prävention. Als 1994 für angehende Allgemeinärzte die Kursweiterbildung Pflicht wurde, beteiligte sich Dieckhoff maßgeblich an der Ausarbeitung des Kursbuches. Als Leiter dieser Kursweiterbildung führte er an der Akademie für ärztliche Fort- und Weiterbildung der Ärztekammer Schleswig-Holstein den Kleingruppenunterricht und - für damalige Verhältnisse absolut neu - das problemorientierte Lernen ein. Zu allen Dozenten pflegte er engen Kontakt und gab aus seiner Erfahrung heraus praxisbezogene Anregungen zur Verbesserung der Unterrichtseinheiten. Die Themen Sozialmedizin und Praxisführung erhielten durch ihn das erforderliche Gewicht. Ihm ist der Aufbau einer Bibliothek mit Schwerpunkt Allgemeinmedizin zu verdanken. 1978 wurde Prof. Dieckhoff neben seiner Tätigkeit als Hausarzt Lehrbeauftragter für Allgemeinmedizin an der Universität Lübeck. Hier führte er den Gruppenunterricht und auch Hospitationen in Hausarztpraxen ein. Studierende konnten ihre Gesprächsführung und ihre eigenen Reaktionen im Gespräch mit dem Patienten mithilfe von Videoaufzeichnungen verbessern. Jetzt im Ruhestand ist Prof. Dieckhoff Vorsitzender der Alumni (Vereinigung ehemaliger Studenten und Mitglieder der Universität zu Lübeck). Neben dieser Tätigkeit ist ihm ein besonderes Anliegen, der nachfolgenden Generation praktische Hilfestellung zu geben. So hat er z. B. an der Lübecker Universität ein Seminar organisiert Quo vadis - berufliche Alternative nach dem Medizinstudium. Die Problematik der Doppelbelastung ist ihm auch aus der Erfahrung seiner ältesten Tochter, die mit vier Kindern ärztlich tätig ist, vertraut. In der knappen freien Zeit in diesem Unruhezustand finden wir Dieckhoffs auf einer Kreuzfahrt über Island bis zum Nordkap oder bei Opernfestivals wie z. B. in Savonlinna/Finnland und Verona. Der zentrale Gedanke, der Diedrich Dieckhoff ständig bewegt, ist wie der Mensch im Zentrum der Allgemeinmedizin bleiben kann - der Patient und der Arzt als Mensch. Dr. Joachim Bloem, Preetzer Chaussee 130, 24146 Kiel |
Schleswig-Holsteinisches
S. 17 |
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