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Nachrichten in Kürze

Notfallpläne für Arztpraxis

Zu den Themen „Verhalten bei Unfällen“, „Verhalten im Brandfall“, „Verhalten bei Nadelstichverletzungen“ sowie „Alarmplan“ (für lokale Rufnummern) hat der NAV-Virchow-Bund vier Merkblätter herausgegeben, die als Aushang oder schnell greifbare Information für die Arztpraxis empfohlen werden. Der komplette Satz ist für zwei Euro (Nichtmitglieder) beim NAV erhältlich (Fax 0221/ 7391239). (hk)



25 Jahre im Dienst

 
  Regina Neumann
(Foto: Dr. Engelke)

Ein ungewöhnliches 25-jähriges Dienstjubiläum als Arzthelferin feierte am 01.08.2005 Regina Neumann, geb. Dorr, in der Praxis Drs. Sievers-Sommerschuh, Wortmann und Wendt in der Gneisenaustr. 12 in Kiel. Dieses Jubiläum ist deshalb so ungewöhnlich, weil Regina Neumann erst 40 Jahre alt ist. Als sie am 1. August 1980 als auszubildende Arzthelferin in der damaligen Praxis Dr. Engelke ihre Ausbildung begann, war sie erst 15 Jahre alt. Erst am 3. November 1980 wurde sie 16 Jahre alt. Ihre Ausbildung konnte sie nur mit einer Sondergenehmigung beginnen. Inzwischen ist sie allgemein beliebte und respektierte „erste Kraft“. Ganz theoretisch könnte sie mit 65 Jahren ihr 50-jähriges Jubiläum feiern.

Regina Neumann war die ganze Zeit in der gleichen Praxis beschäftigt, nur der Name der Praxis hat sich geändert. (Dr. Kurt Engelke)


 
  Bleischutzkleidung (Foto: SH)


Bleifreie Schutzkleidung

Das Ministerium für Soziales, Gesundheit, Familie, Jugend und Senioren teilt mit, dass die in jüngster Zeit angebotene bleiarme und bleifreie Strahlenschutzkleidung, die angeblich bei deutlich geringerem Gewicht einen gleichen Schutz bieten soll wie die bisher verwendeten Bleischürzen, den geforderten Schutz bei weitem nicht erreicht. Eine Prüfung hat ergeben, dass bei Röntgenstrahlung in der medizinischen Diagnostik nur etwa die Hälfte der Schwächung konventioneller Bleischürzen erreicht wird. Damit widerspricht die Verwendung dieser Schutzkleidung dem Gebot der Vermeidung unnötiger Strahlenexposition und Dosisreduzierung. (IV)





Neurostimulation Cluster-Kopfschmerz

In der Neurochirurgischen Klinik (Ärztlicher Direktor: Prof. Dr. Volker Tronnier) des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Lübeck, wurde zum ersten Mal in Deutschland eine Tiefenhirnstimulation zur Behandlung eines chronischen so genannten Cluster-Kopfschmerzes eingesetzt.

Diese besonders schwere Form der Kopfschmerzen mit täglich mehrfach auftretenden einseitigen Schmerzattacken ist häufig auch mit schweren Schmerzmitteln nicht ausreichend zu lindern. Durch die Schwere der Erkrankung sind die Patienten in allen Dingen des täglichen Lebens sehr stark behindert. Basierend auf Forschungsergebnissen mit Messungen der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) konnte eine verstärkte Gehirnaktivität in einem bestimmten Bereich des Zwischenhirns, des Hypothalamus, bei solchen Schmerzattacken dargestellt werden.

Aus diesem Grund wird erst seit ca. drei bis vier Jahren in einzelnen Zentren auf der Welt die Implantation einer Stimulationselektrode in diesen Hirnbereich durchgeführt. Über die Elektrode werden Stromimpulse von einem kleinen Neurostimulator in das Gehirn geleitet, die zu einer Besserung oder einem völligen Verschwinden der Schmerzattacken führen können. Bisher sind bei ca. 20 Patienten weltweit Elektroden implantiert worden.

Die 39-jährige Patientin leidet seit über einem Jahr an chronischem Cluster-Kopfschmerz mit täglich bis zu acht Schmerzattacken mit einer Dauer von einer halben bis zu drei Stunden. Alle bisher durchgeführten Behandlungsverfahren und Medikamente waren auf Dauer erfolglos. Bei den tags und nachts auftretenden Schmerzanfällen führte nur Einatmung von reinem Sauerstoff zu einer Linderung. Die Implantation der Elektrode in den Hypothalamus wurde in örtlicher Betäubung und spezieller zielgerichteter Technik (stereotaktisch) komplikationslos durchgeführt. Durch die Tiefenhirnstimulation sind bei der Patientin die Schmerzattacken beseitigt; auch die Inhalation von Sauerstoff wird nicht mehr benötigt.

Die Ergebnisse zur Langzeitbehandlung mit dieser Methode sind derzeit noch nicht bekannt und müssen abgewartet werden. (Dr. Anja Aldenhoff-Zöllner)


Bundessozialgerichtsurteil zu Werbung mit Naturheilkunde

Das Bundessozialgericht (BSG) hat Ende Juli sein am 22. März 2005 ergangenes Revisionsurteil (B 1 A 1/03 R) zur alternativmedizinischen Leistungs- und Werbeaktivität der Betriebskrankenkasse Securvita in Grundzügen bekannt gegeben. Im Wesentlichen (drei Viertel der außergerichtlichen Kosten) bestätigte es das Berufungsurteil des Landessozialgerichtes Schleswig (anders Vorinstanz Sozialgericht Lübeck), wonach die leistungskatalogmäßige Erstattung alternativmedizinischer Leistungen und die betonte Werbung dafür gegen Richtlinien des Bundesausschusses verstoßen könne. Allerdings müsse die Aufsichtsbehörde der Kasse einen Beurteilungsspielraum zubilligen, wenn noch nicht sicher geklärt sei, wieweit die Grundsätze für neue Untersuchungs- und Behandlungsmethoden auf Leistungen der besonderen Therapierichtungen wie die anthroposophische Medizin anwendbar seien. Es ist somit zurzeit vertretbar, Leistungen der anthroposophischen Medizin als „erstattungsfähige besondere Therapierichtungen“ anzusehen. Insoweit wurden die Verbotsbescheide der Aufsichtsbehörde aufgehoben. Damit scheint weiter Klärungsbedarf zu bestehen - ob sich der Gesetzgeber dazu einmal äußert? (hk)


Kardiologische Intervention als „Weltpremiere“ am UKE


Nach jahrelangen Vorarbeiten ist weltweit erstmals eine Herzklappe ohne Operation nur per Katheter repariert worden. Am 12. Juli setzte Prof. Schofer (Praxis Schofer, Mathey und Partner) in Kooperation mit Prof. Meinertz und Prof. Reichenspurner vom Universitären Herzzentrum gGmbH (UHZ) im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) einem 62-jährigen Patienten über die rechte Halsvene eine sechs cm lange Metallspange um den Mitralklappenring ein. Die hochgradige sekundäre Mitralklappeninsuffizienz war damit entscheidend gebessert. Das interventionelle Verfahren gilt nun als Operationsalternative für ausgesuchte Patienten mit schweren Begleiterkrankungen. Die Kosten liegen nur bei einem Drittel der Herz-Operation mit bis zu 20 000 Euro.

Das UHZ hat im UKE am 1. Januar 2005 seinen Betrieb als selbstständiges Zentrum aufgenommen. Dazu gehören die Kliniken und Polikliniken für Kardiologie/Angiologie, Herz- und Gefäßchirurgie, Kinderherzchirurgie und Kinderkardiologie. Anfang 2006 soll ein völlig umgebautes Gebäude bezogen werden. (hk)


Buchtipps:


Innovationsfaktor Gesundheitswirtschaft
Ohne die „Gesundheitswirtschaft“ geht kaum noch etwas in der Medizin. Und selbst wenn die Gesundheitswirtschaft, also die medizinnahe Industrie plus Handel, Banken und Versicherungen, Krankenhäuser und andere „Gesundheitsunternehmen“ und -dienstleister „kein Heilsbringer“ (Heinz Lohmann) ist, wohl auch kaum „der“ Wachstumsmotor, verändert sich doch die alte Welt des Gesundheitssektors mit ihrer ehemals nur untergeordneten ökonomischen Seite. Diese Veränderungen sind für verantwortliche Ärzte und Ärztefunktionäre bedeutsam. Ein Beispiel aus Schleswig-Holstein: Die Portal-Klinik als neue Konzeption wohnortnaher Akutversorgung (Beitrag von Prof. Dr. Hans-Heinrich Rüschmann, Dr. Christian Rotering, Dr. Andrea Roth und Jan Zabel).

Nützliche Hinweise zu Veränderungen in vielen Bereichen bietet der kürzlich zugegangene Band 5 in der Reihe „Vision Gesundheit“ von Prof. Heinz Lohmann und Prof. Dr. Dr. Karl-Heinz Wehkamp: Innovationsfaktor Gesundheitswirtschaft: Die Branche mit Zukunft, WIKOM-Verlag Wegscheid 2004, 239 Seiten, ISBN 3-9808398-6-9. (hk)

Gut klingen - gut ankommen

Mit der Bedeutung der verbalen Kommunikation könnte auch der Stellenwert von Stimmtraining eher zunehmen - nicht nur bei der logopädischen Rehabilitation etwa nach Schlaganfall oder bei der Stimmkorrektur von Kindern und Jugendlichen, auch bei „normalen Erwachsenen“ durch Verbesserung der Stimmqualität und damit der rhetorisch-kommunikativen Fähigkeiten und zugleich der psychischen Befindlichkeit.

Eine wie es scheint neuartige, auf den ganzen Körper bezogene Methode auch zum Selbstüben stellt die Münchner Logopädin und ehemalige Sängerin Eva Loschky vor: Gut klingen - gut ankommen. Effektives Stimmtraining mit der Loschky-Methode, Kösel Verlag 2005, ISBN 3-466-30697-3, 150 Seiten. (hk)

Onkologische Pharmazie
„Die ärztliche Kunst ... braucht den Widerpart der (pharmazeutischen) Therapieunterstützung. Die Pharmazie war seit ihrer Geburt das Mittel zum Zweck.“ (Klaus Meier, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Onkologische Pharmazie, DGOP, Hamburg)

Mit diesem Zitat wird der Kongressband des 13. Onkologisch-pharmazeutischen Fachkongresses 2005 eingeleitet - siehe SHÄ 3/2005, S. 8. Er ist auf Anregung von Teilnehmern und Berichterstattern nachträglich erstellt worden (DIN A 4-Heft mit 68 Seiten). Herausgeber im Auftrag der DGOP ist das Institute for Applied Healthcare Sciences (IFAHS e. V.) c/o Krankenhausapotheke St. Franziskus Hospital, Flensburg (Leiter Claus Roland). Es ist vorgesehen, einzelne Beiträge im Internet zu veröffentlichen (www. dgop.org). (hk)

Handbuch Schmerz
Für Ärzte, die noch nicht soviel Erfahrung mit chronischen Schmerzpatienten haben, hat die (offenbar niedergelassene) Anästhesistin und Schmerztherapeutin Magdalene Brons aus Leer zusammen mit drei Co-Autoren ihr einfach gehaltenes Handbuch aus der Praxis für die Praxis nunmehr in dritter erweiterter Auflage vorgelegt. Es sei bewusst nicht das wissenschaftliche Vollprogramm, sondern eine Art „Kochbuch für den kleinen Schmerztherapeuten“, schreibt die Autorin. Wenn die Schmerzregion feststeht, kann der (typischerweise jüngere Haus-)Arzt in rund 20 Kapiteln von Kopfschmerz über Mixed Pain bis Fibromyalgie jeweils das Wichtigste zu Diagnostik, medikamentöser und nicht medikamentöser Therapie und zur Überweisungsnotwendigkeit erfahren. Verzeichnisse von Schmerztherapeuten, zertifizierten Kliniken, Schmerzkonferenzen und Selbsthilfegruppen runden das Buch ab.

M. Brons et al., Handbuch Schmerz - Schmerztherapie für die tägliche Praxis. Verlag mmi, Neu-Isenburg, 3. Auflage (2005), 360 Seiten, ISSN 1611-7387. Erhältlich beim Verlag, Tel. 06102/502-0, Fax 06102/ 53779, durch Industriewerbung kostenfrei. (hk)

Mammakarzinom
Das Mammakarzinom ist die häufigste maligne Erkrankung der Frau. In Deutschland erkranken jährlich ca. 50 000 Frauen an Brustkrebs. Dieses Manual wurde in Kooperation mit den operativen und strahlentherapeutischen Abteilungen zunächst für den klinischen Alltag konzipiert. Es hat sich im Klinikalltag sehr bewährt. Nun steht es auch Ihnen zur Verfügung.

Optimal komprimiert, klar strukturiert, reich bebildert. Das Werk enthält: alle relevanten Aspekte des Mammakarzinoms, konkrete Hinweise zu Diagnostik, Therapie und Nachsorge, Behandlungsschemata, verständliche Darlegung der Therapiestrategien, Kriterien der Erfolgsbeurteilung, Hinweise auf die aktuellen klinischen Studien.

Mammakarzinom, Manual Diagnostik und Therapie, Anne C. Regierer/Kurt Possinger, Deutscher Ärzte-Verlag 2005, 137 Seiten, mit 71 vierfarbigen Abbildungen in 115 Einzeldarstellungen und 69 Tabellen, broschiert, ISBN 3-7691-0487-0, 49,95 Euro. (Dr. Henning Eisenlohr)


Bundesweite Organspendezahlen im Aufwärtstrend

 

Die Zahl der Menschen in Deutschland, die nach ihrem Tod ihre Organe gespendet haben, stieg bundesweit im ersten Halbjahr um über 15 Prozent gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum. „Wir verzeichnen damit im ersten Halbjahr die höchste Zahl an Organspendern seit über zehn Jahren“, erklärt Prof. Dr. Günter Kirste, Vorstand der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO), der bundesweiten Koordinierungsstelle für Organspende.

Im ersten Halbjahr 2005 haben bundesweit 610 Menschen nach ihrem Tod ihre Organe gespendet (2004: 530). Das sind 80 Organspender mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Zahl der Organspenden stieg in der ersten Jahreshälfte des Jahres 2005 auf insgesamt 1 882 Organe (2004: 1 699). Entsprechend erhöhte sich auch die Anzahl der durchgeführten Transplantationen um 213 auf 1 970 (2004: 1 757).

Informationen zur Organspende und Organspendeausweisen sind am Infotelefon Organspende - ein Gemeinschaftsprojekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BzgA) und der DSO - erhältlich unter der Tel. 06102/883600. (DSO)


Winterprüfung für Arzthelferinnen 2005/2006

Die Ärztekammer Schleswig-Holstein hat folgende Termine für die Arzthelferinnen-Abschlussprüfung im Winter festgelegt:
Schriftliche Prüfung:
Mittwoch, 07.12.2005
Praktisch-mündliche Prüfung:
Montag, 02.01.2006 bis Donnerstag, 05.01.2006

Die Anmeldeformulare können ab sofort unter Tel. 04551/803-135 (Christine Gardner) angefordert werden oder sie stehen auf der Homepage der Ärztekammer www.aeksh.de unter Arzthelferinnen/OTA im Bereich Verträge/Formulare als Download zur Verfügung. Die Anmeldefrist für die Winterprüfung endet am 01.10.2005. (Ga)


APO-Bank weiter auf Erfolgskurs

Vorstand mit Halbjahresergebnis zufrieden - Ambitionierte Jahresplanung wird umgesetzt
Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (APO-Bank), Düsseldorf, hat die ersten sechs Monate des Jahres 2005 erfolgreich abgeschlossen. Der Vorstand zeigte sich bei Vorlage des Halbjahresergebnisses erfreut über die weitere Ertragsverbesserung bei anhaltend stabilem Wachstum. Die positive Resonanz der Bank im Heilberufssektor komme zudem im weiteren Anstieg der Kundenzahl um 4 400 seit Jahresbeginn auf nun 281 900 zum Ausdruck.

Die vor allem von den zahlreichen neuen Kunden ausgehende Nachfrage nach dem Finanzierungs-Know-how trug wesentlich zur Steigerung des Zinsüberschusses auf 237 Millionen Euro per 30. Juni 2005 (6/12 des Vorjahres: 223 Millionen Euro) bei. Der Provisionsüberschuss verbesserte sich insbesondere im klassischen Wertpapiergeschäft; er stand mit 59 (45) Millionen Euro zu Buche. Beim Anstieg des Verwaltungsaufwands auf 160 (155) Millionen Euro fand die durch strategische Projekte bedingte Ausweitung der Sachkosten ihren Niederschlag. Das Teilbetriebsergebnis vor Risikovorsorge wurde per 30. Juni 2005 mit 136 (117) Millionen Euro ausgewiesen; der Jahresüberschuss nach Steuern belief sich auf 62 (45) Millionen Euro.

Die Bilanzsumme der größten deutschen Genossenschaftsbank expandierte im Vergleich mit dem Jahresabschluss 2004 um acht Prozent auf 29,5 (27,3) Milliarden Euro. Die Forderungen an Kunden stellten sich auf 18,9 (18,2) Milliarden Euro. Die Kundeneinlagen erhöhten sich auf 11,4 (10,9) Milliarden Euro. Die verbrieften Verbindlichkeiten wurden leicht auf 7,4 (7,5) Milliarden Euro reduziert.

Vorstandssprecher Günter Preuß zeigte sich mit Blick auf den weiteren Verlauf des Jahres sehr zuversichtlich: „Wir haben uns in der Geschäftsplanung auch für 2005 ambitionierte Ziele gesetzt. Wir sind auf gutem Wege, diese Pläne in die Realität umzusetzen. Ich bin sicher, dass wir nach dem Rekordergebnis des Vorjahres erneut ein Betriebsergebnis von dieser Qualität erzielen werden.“ (APO-Bank)


Landes-Innovationsfonds fördert vier Lübecker Forschungsprojekte

Mit insgesamt über 700 000 Euro fördert der Innovationsfonds des Landes Schleswig-Holstein vier Forschungsprojekte der Universität zu Lübeck. Am 10. August 2005 übergab Minister Dietrich Austermann die Bewilligungsbescheide an die erfolgreichen Projektleiter.

Die Fördersummen gehen an Prof. Dr. rer. nat. Thomas Peters, Institut für Chemie (Cryoprobenkopf für die Strukturmedizin), Prof. Dr. Werner Solbach, Institut für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene (Entzündungsdynamik in Biokompartimenten), Prof. Dr. Peter Lamprecht, Poliklinik für Rheumatologie (T-Zell-Epitope-Mapping bei der Wegener’schen Granulomatose), sowie an Prof. Dr. rer. nat. Stefan Uhlig, Forschungszentrum Borstel, und Dr. rer. nat. Gereon Hüttmann, Institut für Biomedizinische Optik der Universität Lübeck (Multiphotonen-Fluoreszenzmikroskopie in der biomedizinischen Forschung und der Medizin). (hk)


GKSS 2005: Forschung für die regenerative Medizin

Das GKSS-Forschungszentrum in Geesthacht berichtet im aktuellen Jahresbericht 2004/2005 über Fortschritte in der Grundlagenforschung zur Verträglichkeit von künstlichen Materialien (wie Stents, Herzklappen, Augenlinsen, Kunsthaut) mit natürlichem Körpergewebe. Das GKSS-Institut für Chemie in Teltow/Berlin habe die Sonderstellung kurzkettiger Polyethylenimine als Substrat für Zellkulturen bestätigt. In Kooperation mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg müssten sich die künstlichen Zellschichten in weiteren Kultur- und Mausexperimenten bewähren. (hk)


„QuaMaDi“ jetzt für alle: Schleswig-Holstein vorn bei der Mamma-Diagnostik

Das erfolgreiche Modell QuaMaDi (Qualitätsgesicherte Mamma-Diagnostik) wird ab sofort auf ganz Schleswig-Holstein ausgedehnt. Nunmehr haben alle gesetzlich krankenversicherten Frauen im Land, bei denen Verdacht auf Brustkrebs besteht, die Möglichkeit, an QuaMaDi teilzunehmen. Dies teilten auf einer Pressekonferenz am 9. August in Kiel Vertreter der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH), AOK und AEV/ VdAK mit.

Der Modellversuch lief seit 2001 in der Kernregion mit Kiel, Neumünster, der Kreise Rendsburg und Plön, zuerst mit Beteiligung der Landwirtschaftlichen Krankenkasse, Innungskrankenkasse und einiger Betriebskrankenkassen. Die Zweitbefundung der Mammographie (und bei widersprüchlicher Bewertung die Drittbefundung in einem Mamma-Zentrum) habe sich bewährt, sagte KVSH-Vorsitzender Dr. Klaus Bittmann. Knapp 300 Radiologen und Gynäkologen hätten sich beteiligt und in den ersten Modellphasen 190 000 Erst- und Zweitbefunde geliefert und: „Nebenbei hat sich auch eine bessere Kommunikation unter den Ärzten entwickelt.“

Epidemiologisch seien Fortschritte zu verzeichnen, lobte Prof. Dr. Ingrid Schreer (Kiel): „Im QuaMaDi-Projekt wurden 70 Prozent der Brustkrebsfälle in günstigen Stadien diagnostiziert, außerhalb der Modellregion nur bei 50 Prozent.“ Den bemerkenswerten Anstieg einheitlicher Bewertungen bei Erst- und Zweitbefundern von 70 auf 80 Prozent führte sie auf verstärkte Fortbildung zurück.

Finanziell wird mit Mehrkosten von jährlich drei Millionen Euro gerechnet, so VdAK-Landesleiter Dietmar Katzer. Man habe sich nun im (wohl ersten) Vertrag zur Förderung der Qualität in der ärztlichen Versorgung, vgl. § 73 c SGB V, geeinigt, die für 2006 geplante Einführung des Mammographie-Screenings zu berücksichtigen, damit für die aufgeforderten über 50-jährigen Frauen keine doppelte Untersuchung anstehe. (hk)



Master of Hospital Management

Neuer berufsbegleitender Studiengang am Multimedia Campus Kiel (MMC)
Ab Oktober können sich Ärzte am Multimedia Campus für Führungs- und Managementaufgaben im Krankenhaus qualifizieren. Das Studienprogramm erlaubt neben den Vorlesungen die volle Berufstätigkeit.

Der ökonomische Druck im Gesundheitswesen steigt. Krankenhäuser müssen wie Wirtschaftsunternehmen geführt werden. Von Ärzten werden Managementfähigkeiten verlangt, die kein Medizinstudium vermittelt.

Hier setzt das Angebot des MMC an. Das Studienprogramm ist berufsbegleitend ausgerichtet und speziell auf die Fragestellungen des Krankenhausmanagements abgestellt. Es ermöglicht eine kontinuierliche personelle Weiterentwicklung sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Arbeitgeber.

In den ersten drei Semestern werden die angehenden Krankenhausmanager in den Fachgebieten Organisation im Gesundheitssektor, Controlling, Qualitätsmanagement, IT und Multimedia sowie in politischen und gesundheitsrechtlichen Aspekten weiterqualifiziert. Das Studium wird im vierten Semester mit einer Master-Thesis abgeschlossen. Die Studierenden erhalten den international und staatlich anerkannten Titel eines Master of Hospital Management. (Eike Zell, MMC)


„Ärzte können auch von Patienten lernen“
 
  Dr. Ulrich Fritz
(Fotos: hk)


„In der terminalen Lebensphase können Tumorpatienten durchaus noch in einen Schwebezustand geraten und Glücksmomente empfinden, die weit entfernt sind vom konsumorientierten Glück - das können wir Ärzte von ihnen lernen“, sagte Dr. Ulrich Fritz, Seniorpartner der hämatologisch-onkologischen Gemeinschaftspraxis Sophienstraße in Reinbek. Diese Patienten hätten eher das Problem, dass sie Projektionsfläche für die Ängste ihrer U mgebung seien. Einmal im Jahr lädt die Praxis zusammen mit einer kooperierenden Hamburger Praxis in der Reihe ihrer hämato-onkologischen Abende ein zu einem Vortrag mit einem nicht nur medizinischen (interdisziplinären) Thema. PD Dr. theol
 
  PD Dr. theol. Johann Hinrich Claussen
. Johann Hinrich Claussen, Reinbek und Uni Hamburg, sprach kenntnisreich über „Glück und Gegenglück - philosophische und theologische Variationen über einen alltäglichen Begriff“. Viel Zustimmung der zahlreich erschienenen Ärzte und Freunde fand seine These: Wer einmal aus dem Hamsterrad des gängigen Glücksstrebens aussteigt und auch Brüche und Lücken seines Lebensweges wie etwa eine ernste Krankheit annimmt im Sinne eines Innehaltens, eines Ausstiegs, einer Chance zur Neuorientierung, kann wahres Glück zum Beispiel durch Dankbarkeit erfahren. Ein Arzt in der Diskussion: Nach Verkehrsunfällen haben Patienten erfahren, dass aus Unglück Glück werden kann. Ein anderer: Einzelne Glücksmomente auch bei Schwerstkranken freuen den Arzt mehr als kleine medizinische Erfolge.

Es gehe nicht an, so Dr. Fritz, Ärzte zu „gutem Handeln“ zu zwingen und sie dadurch (statt in glückliche Zufriedenheit) womöglich in ein Helfersyndrom zu bringen. Aber ein guter Arzt, ein guter Onkologe müsse wissen, ab wann ein Therapieverzicht angesagt sei und wo die Seelsorge beginne. - Buchhinweis: Im September soll das profunde Werk von Dr. Claussen etwa unter obigem Titel im Verlag Mohr/Siebeck, Tübingen, erscheinen. (hk)

 
  Geschäftsführer Dipl. oec Manfred Schmid gratuliert Dr. Claus Hudemann (li.) zur Ernennung zum Ärztlichen Direktor (Foto: Lubinus Clinicum)

Lubinus Clinicum: Neuer Ärztlicher Direktor


Dr. Claus Hudemann, Leitender Arzt der Abteilung Anästhesie, Intensivmedizin und Hämotherapie, hat die Position des Ärztlichen Direktors des Lubinus Clinicums in Kiel übernommen.

Seit dem über 110-jährigen Bestehen der „Lubinus Klinik“ ist es das erste Mal, dass ein „Nicht-Lubinus“ Ärztlicher Direktor des Hauses wird. Hintergrund für diese Entwicklung ist letztendlich die Umwandlung des Lubinus Clinicums in eine GmbH & Co. KG verbunden mit der Einsetzung einer Geschäftsführung, die Dr. Philipp Lubinus, der bisherige Ärztliche Direktor, neben Dipl. oec. Manfred Schmid wahrnimmt. (Lubinus Clinicum)


Impfaktionstag - am 20. Oktober 2005


Im Rahmen der seit 1999 laufenden Impfkampagne des Landes Schleswig-Holstein findet er regelmäßig statt: der Impfaktionstag. In diesem Jahr wegen des thematischen Schwerpunktes „Grippeschutzimpfung“ vor Beginn der grippeträchtigen Winterzeit am Donnerstag, den 20. Oktober 2005.

Alle Ärztinnen, Ärzte und ihre Teams werden hiermit gebeten, an diesem Tag dem Thema „Schutzimpfung“ besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Vielleicht, indem jeder Patient schon am Empfangstresen den Flyer „Schietwedder - impfen gegen Grippe, Pneumokokken ...“ überreicht bekommt. Vielleicht auch durch eine besondere „Impf-Sprechstunde“ oder vielleicht auch durch ganz andere Ideen, die Sie mit Ihrem Team entwickeln und umsetzen ...

Dieser Tag wird stets dafür genutzt, landesweit das Thema „Schutzimpfungen“ öffentlichkeitswirksam zu präsentieren. Daher wird auch wieder eine Telefonaktion in Zusammenarbeit mit einer großen schleswig-holsteinischen Tageszeitung vorgesehen, bei der Impffachleute für Fragen aus der Bevölkerung zur Verfügung stehen.

Da in diesem Jahr ein besonderer Fokus auf die Problematik von Impflücken auch bei medizinischem Fachpersonal gelegt werden soll, ist eine Impfaktion für das Pflegepersonal in einem ausgewählten Kieler Altenheim geplant. Diese soll als „vorbildliches Beispiel“ medienwirksam in Szene gesetzt werden.
Vielleicht können auch Sie in Ihrer Region auf Ihre Vorbildfunktion und die Ihres Teams aufmerksam machen? (LVGF)

Zur Unterstützung aller Aktivitäten steht der neue Flyer „Schietwedder - impfen gegen Grippe ...“ ab sofort zur Verfügung. Er ist in diesem Heft als Einleger zu finden und kann in der von Ihnen benötigten Anzahl bestellt werden bei der Landesvereinigung für Gesundheitsförderung e. V. in Schleswig-Holstein, Flämische Straße 6-10, 24103 Kiel, Tel. 0431/ 794294, Fax 0431/794871,
E-Mail lv.gesundheit@t-online.de, Internet www.lv-gesundheit-sh.de



Neuer Chefarzt der ENDO-Klinik
 
  Dr. Christoph Goetz (Foto: Damp Holding)

Dr. Christoph Goetz (45) ist neuer Chefarzt der Abteilung Neurochirurgie der ENDO-Klinik Hamburg. Zuvor baute er als leitender Oberarzt die Abteilung Neurochiurgie im Städtischen Klinikum Braunschweig auf. „Mit Dr. Goetz konnte ein ausgewiesener Experte für die operative Behandlung bei Wirbelsäulenerkrankungen für unsere hoch spezialisierte Abteilung gewonnen werden,“ so Frank Wilde (Geschäftsführer der ENDO-Klinik Hamburg).

Dr. Goetz tritt die Nachfolge des in den Ruhestand verabschiedeten Dr. Friedrich Schönberg an. Schönberg entwickelte durch seine Arbeit die Hamburger Klinik zu einer der führenden Einrichtungen auf dem Gebiet der Wirbelsäulenchirurgie in Norddeutschland. Unter seiner Leitung wurden jährlich rund 850 zumeist schwierige Eingriffe in den Bereichen Bandscheibenprothetik, Stabilisierungen und Mikrochirurgie durchgeführt. Insbesondere auf dem Gebiet der Bandscheibenprothetik und bei innovativen Operationserfahren möchte der neue Chefarzt die Arbeit seines Vorgängers noch verstärken. (Jana Nahlik, Damp Holding AG)


Ärztekammer-Mitarbeiter
 
  Kerstin Schon
(Foto: Privat)


Nicht alltäglich

Ein nicht alltägliches Jubiläum konnte Kerstin Schon am 1. August 2005 feiern: 25 Jahre Ärztekammer. Ihre Tätigkeit begann zunächst im Vorzimmer vom damaligen Präsidenten der Ärztekammer, Dr. Gerd Iversen. Nachdem Kerstin Schon anschließend viele Jahre in der Telefonzentrale gearbeitet hat, wechselte sie schließlich in das Ärzteverzeichnis, wo ihr die Arbeit auch heute noch Freude bereitet. (Dav)



Prüfung bestanden

 
Ausbildung erfolgreich abgeschlossen: Patrizia Hradetzky, Stephanie Wenzel, Janina Lohse (v. l. n. r.) (Foto: SH)   Dennis Stüber
(Foto: mö)
Eva Hinrichsen
(Foto: SH)
Alle vier Auszubildenden der Ärztekammer Schleswig-Holstein haben ihre Abschlussprüfung nach dreijähriger Ausbildung erfolgreich bestanden. Patrizia Hradetzky und Stephanie Wenzel, beide Kauffrau für Bürokommunikation, sind noch bis zum 31. März 2006 und 30. September 2005 mit einem Zeitvertrag bei der Ärztekammer beschäftigt. Janina Lohse, ebenfalls Kauffrau für Bürokommunikation, konnte für die ausgeschiedene Eva Hinrichsen den Posten des Ombudsmann/-frau-Vereins besetzen und wurde von der Ärztekammer übernommen. Dennis Stüber hat sich nach seiner Abschlussprüfung zum Fachinformatiker für Systemintegration einen neuen Arbeitsplatz in Hamburg gesucht. (SH)

 
  Neu dabei: (v. l. n. r.) Bettina Karstens, Alexander Gohle, Swetlana Schledewitz (Foto: SH)

Neue Azubis 2005
Die Ärztekammer Schleswig-Holstein bildet auch im Jahr 2005 wieder aus. Die beiden Auszubildenden Bettina Karstens und Swetlana Schledewitz wurden für den Bereich Bürokommunikation eingestellt, der Auszubildende Alexander Gohle wird im EDV-Bereich zum Fachinformatiker ausgebildet. (SH)







Leserbrief


Leserbrief von Dr. Andreas Rinck zum Artikel „Erste überörtliche Gemeinschaftspraxis in Schleswig-Holstein“, SHÄ 6/2005, S. 30

 
  Dr. Rinck (Foto: Privat)

Aufgrund mehrerer Anfragen sowie kritischer Stellungnahmen zu dem Artikel im Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt 6/2005 besteht die Notwendigkeit zur Richtigstellung von unverständlichen bzw. auch nicht eindeutigen Aussagen.

Bei der Gemeinschaftspraxis der Anästhesisten Dr. Engel und Partner handelt es sich nicht um die erste überörtliche Gemeinschaftspraxis in Schleswig-Holstein. Bei ihrer Gründung handelte es sich lediglich um die erste überörtliche Gemeinschaftspraxis von Anästhesisten in Schleswig-Holstein.

Es soll keinesfalls der Eindruck erweckt werden, dass bei der Gestaltung des Gemeinschaftspraxisvertrages versucht wurde, die Grenzen des Erlaubten auszuloten. Insbesondere ist keiner der K
olleginnen und Kollegen angestellt oder ist in einem Vertragsverhältnis tätig, welches dem eines Angestellten entspricht. Ausdrücklich klarzustellen ist, dass sämtliche Kolleginnen und Kollegen ausnahmslos freiberuflich tätige Partnerinnen bzw. Partner der Praxis sind. Jeder einzelne hält eine Beteiligung an der Praxis, wobei deren Höhe - wie in vielen anderen Gemeinschaftspraxen auch - nicht bei allen Partnern gleich ist. Entsprechend der Höhe dieser Geschäftsanteile fällt auch die Beteiligung an Gewinn und Verlust der Praxis aus. Diese Regelungen wurden individuell und einvernehmlich - und unter maßgeblicher Beteiligung eines unabhängigen Rechtsanwaltes und Wirtschaftsprüfers - getroffen und haben ihre „Geschichte“ in den unterschiedlichen persönlichen Wünschen, Bedürfnissen und Möglichkeiten jedes einzelnen Praxispartners.

Dr. Andreas Rinck, Schönberger Str. 11, 24148 Kiel



Leserbrief von Dr. Wolfgang Zachgo zum Artikel „Diskussion ums Rauchen“, SHÄ 8/2005, S. 69

 
  Dr. Zachgo (Foto: Privat)

Mit großer Sorge habe ich den Artikel von Werner Loosen zur Kenntnis genommen, der ohne weitere Quellenangaben Zitate zweier angeblicher Bremer Wissenschaftler(innen) aus einem populärwissenschaftlichen Buch „Kontrolliertes Rauchen - Tabakkonsum zwischen Verbot und Vergnügen“ zitiert.

Alle Kollegen, die sich wie wir uns regelmäßig mit den katastrophalen Folgen des Nikotinkonsums auseinandersetzen müssen, können nur geschockt sein von der Oberflächlichkeit der Darstellung der angeblich folgenlosen und auch angeblich so erfolgreichen Therapieform des „kontrollierten Rauchens“.

Die fehlende wissenschaftliche Substanz ergibt sich schon aus dem Ergebnis einer Abstinenzrate von 45 Prozent nach einem Jahr, die hier wiedergegeben wird. In den qualitativ hochwertigen internationalen wissenschaftlichen Publikationen werden bei Kombination verschiedenster Interventionsstrategien keine Abstinenzraten über 25 Prozent pro Jahr beschrieben.
Die angebliche Verdoppelung der Erfolgsraten durch „kontrolliertes Rauchen“ spricht für sich. Sie widerspricht zudem jeder Erfahrung von Kollegen, die sich intensiv mit „Entwöhnungsstrategien“ und Patienten (!) in ausreichend großer Zahl beschäftigen.

Der erste Absatz ist auch deshalb vom Inhalt sehr problematisch, da weder Werner Lossen noch die beiden Wissenschaftler(innen) ernsthaft behaupten werden, dass die unkritische Exposition von Jugendlichen gegenüber Tabakprodukten und Werbung zu keiner Zunahme des Tabakkonsums in dieser Altersgruppe geführt habe und Tabakrauchen gesellschaftlich wünschenswert ist.

Zusammenfassend ist zu Ihrem Artikel also anzumerken, dass es ausreichende nationale und internationale Quellen zu Interventionsstrategien gibt, die in verlässlichen und unabhängigen Publikationsorganen nachgeschlagen werden können. Das unkritische, pseudowissenschaftliche Bagatellisieren des Tabakkonsums, der letztendlich nur dem Profit einiger bekannter, internationaler Konzerne dient, gehört nicht in ein Publikationsorgan wie das Schleswig-Holsteinische Ärzteblatt.

Dr. Wolfgang Zachgo, Norderstraße 12, 21502 Geesthacht



Abschließender Kommentar von Dr. Harald Lucius zur Berichterstattung und Stellungnahme von Werner Loosen, SHÄ 12/2004 - zuletzt 8/2005, S. 15

 
  Dr. Lucius (Foto: Privat)

Jenseits aller Polemik:

1. Am 31.03.2005 waren in Schleswig-Holstein 28 Schmerztherapeuten berechtigt, an der so genannten (alten) Schmerztherapievereinbarung teilzunehmen, darunter neun Ermächtigte. Unter diesen befanden sich mindestens fünf ausschließlich schmerztherapeutische tätige Kollegen(innen), d. h. fünf Schmerzpraxen/Einrichtungen.

2. Am 01.04.2005 war die alte Schmerztherapievereinbarung tot, im Rahmen des neuen EBM galt die so genannte Qualitätssicherungsvereinbarung.

3. Am 22.06.2005 gab es in der Tat nur zwei Teilnehmer an der neuen Vereinbarung, da zu diesem Zeitpunkt der Rest von uns noch nicht unterschrieben hatte (Werner Loosens einzige korrekte Zahl, aber überholt).

4. Am heutigen 18.08.2005 - seit 01.07.05 - nehmen erneut 28 Kollegen(innen) an der neuen Qualitätssicherungsvereinbarung teil. Nach zähen Verhandlungen ist es gelungen, mit den Kassen (außer der AOK) eine Fortgeltung der alten Schmerztherapievereinbarung bis zum 31.12.2005 auszuhandeln.

5. Es gibt nach wie vor mindestens vier bis fünf ausschließlich schmerztherapeutisch tätige Einrichtungen/Praxen (vgl. auch Wabbel in Nordlicht aktuell 6/2005), z. B. die Ambulanz der Fachklinik Schleswig.

6. Auch Kassenärztliche Vereinigung und Ärztekammer können sich mal irren und sind nicht immer sofort auf dem neuesten Stand, man sollte daher wissen, von wem man welche Informationen erfragt.
Das sind die Fakten. Noch konkreter kann ich beim besten Willen nicht werden und in der Tat hätte sich Werner Loosen vielleicht bei mir erkundigen sollen, wir hätten uns etliche Diskussionen hier erspart.

War’s das?

Dr. Harald Lucius, Fachklinik Schleswig, Am Damm 1, 24837 Schleswig


Leserbrief von Prof. Dr. Peter Rob zum Artikel „Bauchfell-Dialyse im nephrologischen Zentrum in Lübeck“, SHÄ 6/2005, S. 12

 
  Prof. Rob (Foto: hk)


Im Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt war von Dr. jur. Horst Kreussler der Beitrag „Bauchfell-Dialyse im nephrologischen Zentrum in Lübeck" erschienen, auf den mit zwei Leserbriefen reagiert wurde. Ich halte diesen Titel für unglücklich, da ich nicht über diese Therapieoption in unserem Zentrum gesprochen habe. Grundlage der Berichterstattung von Dr. Kreussler war mein Vortrag anlässlich eines Medienseminars in Hamburg mit dem Titel: „Mehr Unabhängigkeit für Menschen mit chronischem Nierenversagen", zu dem Journalisten aus ganz Deutschland zusammenkamen. Der Vortrag steht im Internet unter www.aktion-
meditech.de teilweise zur Verfügung. Mein Anliegen war es, die methodischen Unterschiede von Hämo- und Peritonealdialyse zu verdeutlichen, zu zeigen, dass die Überlebenszahlen nicht verschieden sind und einen individuellen (Fallbeispiele) und betriebswirtschaftlichen Vergleich (Daten vom Institut für Gesundheitsökonomik, Ergebnisbericht 2003) anzustellen. Im Internet verfügbare Daten des Marktforschungsinstituts MARIS aus 2004 gehen der Frage nach den Gründen des in Deutschland fraglos weltweit niedrigsten Anteils von Peritonealdialyse-Patienten unter der Gesamtheit von Menschen mit terminalem Nierenversagen nach. Es wird dort gezeigt, dass die unzureichende Ausbildung der am häufigsten genannte Grund war.

Das Konzept der integrierten Behandlung, das unglücklicherweise „Stufenschema" genannt wird und die Nierentransplantation als letzte Möglichkeit in der Nierenersatztherapie nennt, fordert Kritik heraus. Es ist aber die übliche Reihenfolge bei der Behandlung des chronischen, terminalen Nierenversagens, zunächst mit Hämo- oder Bauchfelldialyse zu beginnen. Die Patienten werden dann, falls möglich, für die Transplantation angemeldet und erhalten nach Ablauf der Wartezeit von einigen Jahren ein Nierentransplantat. Außerdem gibt es Daten, die im Journal American Society Nephrology 2000 und in den kanadischen Registerdaten (CORR) in 2001 veröffentlicht wurden, die zeigen, dass die zeitlich nacheinander folgende Behandlung von Peritoneal und Hämodialyse eine günstigere Mortalität hat, als eines der beiden Verfahren allein. Schließlich heißt der Titel eines Vorsymposiums des kommenden „Kongress für Nephrologie" 2005 in Saarbrücken auch: Peritonealdialyse als Teil der integrierten Therapie.

Unstreitig ist, dass die Nierentransplantation die beste Möglichkeit unter den Nierenersatzverfahren ist bezüglich der Lebensqualität und der Überlebensraten. Darauf wird in einem Leserbrief zu Recht hingewiesen. Es stand für mich nie in Frage, dass die Nierentransplantation die wünschenswerteste Form der Nierenersatztherapie ist. Leider aber fehlen uns genügend Organe zur Transplantation. Dies ist seit dem nicht mehr neuen Transplantationsgesetz keinesfalls besser geworden. Daher sind die anderen Verfahren zur Nierenersatztherapie für die Menschen auf der Warteliste, oder jene, die gar nicht transplantiert werden können, unverzichtbar.

Es muss das Anliegen aller Nephrologen sein, die bestmögliche individuelle Therapieform mit den Betroffenen in ihrem Umfeld zu suchen. Da die Bauchfelldialyse zweifelsfrei in Deutschland so selten wie in keinem anderen Land weltweit angewendet wird, ist es mein Anliegen, daran mitzuwirken, dies zu ändern. Ich bin dankbar für die Lesebriefe, die es mir ermöglichen, noch einmal darauf zu antworten, um bei den aufmerksamen Lesern das Engramm für die Bauchfelldialyse zu vertiefen.

Prof. Dr. Peter Rob, Nephrologisches Zentrum am Sana Klinikum Lübeck, Kahlhorststr. 31, 23562 Lübeck


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 9/2005

S. 6-15