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Das
Gewissen der Medizin
Ärztliche Moral von der Antike bis heute
Bibliographische
Angaben: Klaus Bergdolt, C. H. Beck, München 2004, 376
Seiten, 4 Abbildungen, 29,90 Euro, ISBN 3406521924
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Ethik ist in einer
medizinischen Ära, die naturwissenschaftlich-technisch so viel leistet,
besonders gefragt. Wechselnde Philosophien, Kulturgeschichte und Religion
prägen die Ethik in Geschichte und Gegenwart. Das Buch spannt einen
weiten Bogen von der Antike und dem frühen Christentum über
Mittelalter, Renaissance und europäische Aufklärung bis zu Medizinverbrechen
im Dritten Reich und zur Medizinethik nach 1945. Jeder, auch
ein Autor, steht in einer gewissen Tradition, die sich für den Verfasser
vorbildlich in dem Kirchenlehrer Thomas von Aquino (1225-1274) und seiner
Tugendlehre äußert. Die frühchristliche und mittelalterliche
Ethik wurden durch Mitleid und Barmherzigkeit bestimmt. Gleichzeitig nahm
man an, dass viele Krankheiten durch böse Geister und Dämonen
hervorgerufen werden. Basilius der Große forderte, auf Therapie
zu verzichten, wenn anzunehmen war, dass die Krankheiten ein Ausdruck
göttlicher Strafen waren. Im Jahre 1215 verpflichtete das vierte
Laterankonzil Ärzte bei Androhung des Kirchenausschlusses vor die
Behandlung eines Schwerkranken die Beichte zu stellen. Noch im 17. und
18. Jahrhundert wurde eine Schwangerschaftsunterbrechung mit der Exkommunikation
aus der katholischen Kirche bedroht.
Die Medizin der Aufklärung im 18. Jahrhundert wog, maß, impfte
und arbeitete empirisch, aber manchmal habe es ihr an Einfühlung
in den Patienten gefehlt. Die romantische Medizin, ein Vorläufer
der heutigen Psychosomatik, war eine Reaktion auf eine Medizin des Messens
und Zählens, aber romantische Ärzte wie Heinroth und Ringeis
verstiegen sich mit ihren Deutungen der Krankheit als Sünde. Mitte
des 19. Jahrhunderts setzte sich die naturwissenschaftliche Medizin durch,
die optimistisch den Fortschrittsgedanken vertritt und von Experiment
und Beobachtung bestimmt wird. Viktor von Weizsäcker und seine Schule
revoltierten gegen die Einseitigkeiten der naturwissenschaftlichen Medizin
und die mangelhafte Patient-Arzt-Kommunikation. Das Buch erwähnt
nicht, dass die vielen Spekulationen dieser Schule zur Psychogenese organischer
Krankheiten (Ikterus durch Neid und Eifersucht etc.) es Ärzten leicht
machten, sich von der Psychosomatik abzuwenden. Am Ende des Buches geht
der Autor auf die verbrauchende Embryonenforschung ein. Im ethischen Konflikt
zwischen dem Lebensschutz der Embryonen und neuen therapeutischen Möglichkeiten
plädiert er für den Lebensschutz und gegen einen nach seiner
Auffassung übersteigerten Forschungsoptimismus. Das Buch drückt
eine durchaus zu respektierende konservative Wertesicht aus, die z. B.
auch vom Vatikan vertreten wird. Deshalb wird gegen pränatale Diagnostik,
Präimplantationsdiagnostik und gegen einen Schwangerschaftsabbruch
argumentiert, wenn sich z. B. eine Frau nach der pränatalen Diagnose
eines Down-Syndroms im schweren Konflikt nicht zur Austragung der Schwangerschaft
entschließen kann. Der Rezensent vermisst eine Stellungnahme des
Autors zu der Tatsache, dass auf Anordnung des Papstes die katholische
Kirche aus der Beratung von Frauen, die sich in diesem Konflikt befinden,
aussteigen musste. Das Buch ist denjenigen zu empfehlen, die an Medizingeschichte
und Ethik interessiert sind. Leserin und Leser wünscht man für
die potenzielle Lektüre sowohl Toleranz als auch Freude an einem
kritischen Disputieren, um mit den Thesen des Autors in einen Dialog zu
kommen.
Rezensent: Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt, Jaegerallee 7, 24159
Kiel
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es soll das Haus die Charité heißen ...
Bibliographische
Angaben: Prof. Dr. Heinz David, 2 Bände, 1 268 Seiten,
akademos-Verlag 2004, ISBN 3-934410-56-1, 48 Euro
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Mehr als vier Jahrzehnte
hat der Autor die Charité selber erlebt, als Student, als Assistent
und letztlich als Direktor des pathologischen Institutes. Vier Amtsperioden
von 1980 bis 1990 war er Dekan der medizinischen Fakultät der Humbold-Universität.
Danach hat Prof. David in Archiven und Bibliotheken recherchiert und legt
jetzt ein schwergewichtiges Buch (1 236 Seiten in zwei Bänden) vor.
Es ist kein Lesebuch, es ist ein fundiertes wissenschaftliches
Werk, wobei nicht nur jedem Kapitel ein ausführliches Literaturverzeichnis
folgt, nein, alle beschriebenen Tatsachen und Vorfälle werden belegt
durch Dekrete, Verordnungen, Gesetze und sogar Protokolle der Fakultätssitzungen
im Originaltext.
Das Haus wurde am 14. November 1709 durch eine Kabinettsordre zunächst
als Pesthaus gegründet. Die Pest erreichte damals aber nicht mehr
Berlin, so wurde es letztendlich ein weltbekanntes Forschungs-, Lehr-
und Pflegehaus. Am 9. Januar 1727 hat König Friedrich-Wilhelm I dekretiert,
dass das Haus Charité heißen solle.
Prof. David schildert chronologisch sehr detailliert die räumlichen
und personellen Veränderungen im Laufe von 300 Jahren. (100 Jahre
nach Gründung wurde die Charité Universitätsklinik.)
Man findet letztlich alles, was man über das Haus wissen möchte
und muss: Die Namen der Dekane, der Kliniksdirektoren, ihre Gehälter,
die Studienpläne, die Unterbringung der Patienten in drei Klassen
und deren Verköstigung. Unter dem Namen findet sich eine Reihe von
Nobelpreisträgern. Viele Namen sind noch heute durch Instrumente,
Methoden oder lediglich aus der Historie bekannt.
Es ist wahrlich kein Lesebuch, sondern mehr ein Nachschlagewerk. Wobei
den Rezensenten besonders die personellen Konsequenzen der Systemwechsel
1933, 1945 und 1990 bewegt haben. Auch das Verhältnis der Charité
zur Heimatstadt und den jeweiligen Regierungen fasziniert, besonders wenn
man einige der Koryphäen der 30er bis 50er Jahre noch persönlich
erlebt hat. Kein Ruhmesblatt der Klinik ist der Umgang mit den Mitarbeitern
bei den Systemwechseln. Es ist aber anzunehmen, dass das Haus jetzt wieder
die Bedeutung erlangen wird, die es beispielsweise vor 1945 hatte.
Die Bände (leider Paperback) gehören in jede Universitätsbibliothek
und vielleicht in die Hände von Kollegen, die eine besondere Beziehung
zur Charité haben.
Rezensent: Dr. Heinz-Peter Sonntag, Niobestr. 9, 23570 Lübeck-Travemünde
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 8/2005
S. 4, 34
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