Ursprüngliche
Entwurfsskizze 2004:
Geplanter Neubau links vom Aus-, Weiter- und Fortbildungszentrum der
Ärztekammer in der Esmarchstraße |
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Der
Neubau in der Esmarchstraße -
eine Investition in die ärztliche Fortbildung
Klaus Eggers, Karl-Werner Ratschko
Zur Vorgeschichte
Die Ärztekammer platzte aus allen Nähten, vernünftige
und wirtschaftliche Arbeit stieß insbesondere im Bereich der Akademie,
aber auch in den anderen Einrichtungen auf Einschränkungen durch
schlechte Arbeitsbedingungen und Mangel an Räumen.
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Baustelle
im April 2004: Das alte Werkstattgebäude ist abgerissen
(Fotos: rat) |
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Erst im November 2003
sah sich die Kammerversammlung der Ärztekammer in der Lage, das erstmalig
ein Jahr vorher vom Vorstand der Kammer vorgeschlagene Bauvorhaben zu
genehmigen, mit dem die Raumnot in allen Bereichen der Kammer beseitigt
und die Grundlagen für eine weitere erfolgreiche berufspolitische
Arbeit gelegt werden sollten. Mittlerweile war (fast) allen klar geworden,
dass als Folge des zum 1. Januar 2004 in Kraft tretenden Gesundheits-Modernisierungsgesetzes
(GMG) in erheblichem Umfange neue Anforderungen auf die Kammer zukommen
würden. Mit dem Neubau sollten bestehende Strukturdefizite beseitigt
und Raum für auf die Kammer neu zukommende Aufgaben geschaffen werden.
Es galt der Grundsatz, dass jegliche räumliche Erweiterung nur beitragsneutral,
also ohne Erhöhung der Kammerbeiträge erfolgen dürfte.
Das daraufhin entwickelte Konzept sah eine Zusammenfassung aller Aus-,
Weiter- und Fortbildungsmaßnahmen an der Esmarchstraße vor.
Das in der Kurhausstraße befindliche 1987 gebaute Internat sollte
später in der Esmarchstraße Platz finden. Voraussetzung hierfür
würde der kostendeckende Verkauf des bisherigen Internats sein.
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September
2004: Die Sohle ist geschüttet, die Betonpfeiler im Keller entstehen
(oben)
Januar 2005: Bauruhe im scheinbaren Chaos (unten) |
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Es stellte sich ziemlich
bald heraus, dass durch Einsparungen von Personalkosten Synergieeffekte
erreichbar sein werden, die mittelfristig zu einer weitgehenden Kostenneutralität
des Neubaus führen würden. Finanziell sprachen deswegen und
nicht zuletzt auch wegen der niedrigen Zinsen keine Gründe gegen
eine Realisierung des Bauvorhabens (s. a. Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt
1/2003, S. 23-25).
Die berufspolitische
Begründung des Bauvorhabens hatte Dr. Franz Bartmann, Präsident
der Ärztekammer, schon am 27.11.2002 gegeben:
... für Aufgaben, die wir in Zukunft in der Weiterbildung
auf uns zukommen sehen, (sind) andere räumliche Strukturen erforderlich,
als sie heute zur Verfügung stehen. Und damit schließt sich
der Kreis von der Gegenwart zur möglichen Zukunft. Eine effektive
Weiterbildung ist der beste Garant für Professionalität und
Qualität ärztlichen Handelns. Sie muss ständig aktualisiert
den Fortschritt der medizinischen Entwicklung mit vollziehen - nicht nachvollziehen
...
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| Mai
2005: Blick in den jetzt weitgehend geschlossenen Hof der Seminargebäude
der Ärztekammer in der Esmarchstraße |
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Die Grundsatzplanung
Die Ärztekammer
hatte das insgesamt etwa 7 500 Quadratmeter große Grundstück
Anfang der 90er Jahre mitsamt den auf ihm stehenden Gebäuden sehr
günstig erwerben können. Der günstige Preis (nach Aktivierung
der Gebäude ca. 28 Euro/Quadratmeter) war auch durch Belastungen
des Grundstücks bedingt, die sich bei der jetzt vorgesehenen Bebauung
der letzten ca. 3 500 Quadratmeter deutlicher bemerkbar machen würden:
Der zu bebauende Grundstücksteil war nämlich ehemals Standort
einer Ziegelei, die ihr Material aus einer eigenen Grube gewonnen hatte.
In den 30er Jahren war die Grube aufgegeben und z. T. bis zu einer Tiefe
von 7,00 m mit Segeberger Hausmüll verfüllt worden.
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Mai
2005: Der Eingang des Akademie-Neubaus auf der Hofseite |
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Mai
2005: Blick auf die Straßenfront des Akademie-Neubaus |
Aus diesen Füllstoffen
könnten sich durch Auswaschungen Beeinträchtigungen für
das Grundwasser ergeben. Da das Gelände aber im Wesentlichen durch
Gebäude und Asphaltfläche abgedeckt war, war der Niederschlagseintrag
gering geblieben. Und so sollte es auch bleiben: In Abstimmung mit der
Umweltbehörde des Kreises Segeberg wurde daher für die Baumaßnahme
vereinbart, den hohen Versiegelungsgrad des Grundstückes durch geeignete
Maßnahmen beizubehalten.
Deswegen wurden neben den (ohnehin Wasser undurchlässigen) Gebäudeflächen
versiegelte Pflaster- und Grünflächen vorgesehen. Aus der Versiegelung
der Grundflächen ergab sich ein neues Problem. Der Entwässerungskanal
in der Straße ist nicht ausreichend dimensioniert. Aus diesem Grunde
musste das gesamte Niederschlagswasser auf dem Grundstück gesammelt
und verzögert an den Kanal abgegeben werden. Der Bau einer Zisterne
für plötzlich aufkommendes Regenwasser war unvermeidlich.
Um den (aus abgesetztem, verrotteten Hausmüll bestehenden) Baugrund
tragfähig ausbilden zu können, wurden so genannte Rüttelstoffsäulen
eingesetzt, d. h. es wurden Säulen aus Kiessand mit 50 cm Durchmesser
bis auf den gewachsenen Boden eingerüttelt. Darüber wurde eine
60 cm starke Betonplatte angelegt, die die Lasten gleichmäßig
auf diese Säulen verteilt. Durch diese Maßnahmen - und im geringeren
Umfang auch schon entsprechende beim 2. Bauabschnitt der Ausbildungsstätte
des ECS im Jahre 1996/97 - entstanden zusätzliche Kosten von etwa
25 Euro pro Quadratmeter.
Die Planung durch das Architekturbüro BAS (Architekt Klaus Eggers)
sah dann nach den Vorgaben des Kammervorstandes, der Geschäftsführung,
des Akademievorstandes und nach Prüfung durch den folgende Bauausführung
vor:
Sechs Seminarräume mit zusammen 480 Quadratmeter, Büroräume
für die Akademieverwaltung mit ca. 165 Quadratmeter, ca. 300 Quadratmeter
Lagerräume, diverse Nebenräume und insgesamt etwa 150 Parkplätze,
davon 36 im Keller des Neubaus, 104 in einem unmittelbar an den Neubau
anschließendem zweistöckigen Parkdeck sowie zusätzliche
Hofplätze wurden vorgesehen. Eine kostengünstige Aufstockung
des Erdgeschosses mit einem weiteren Stockwerk, in dem - sobald möglich
- das Internat Platz finden sollte, wurde nicht nur geplant, sondern bereits
in das erforderliche Baugenehmigungsverfahren einbezogen.
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Die beiden Seminarräume im Hintergrund sind mit flexiblen Wänden
abgetrennt
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Teilanblick
des größten Seminarraumes
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Blick
in einen der beiden kleineren Seminarräume
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Die Bauausführung
Wichtiger Aspekt war die hohe Flexibilität der Nutzbarkeit neuer
Seminar- und Fortbildungsräume, anpassungsfähig an alle denkbaren
unterschiedlich großen Veranstaltungen sowie die Ausstattung der
Räume mit modernster Technik.
Aufgebaut wurde auf der Philosophie der bisherigen Seminargebäude
der Ärztekammer: Bescheidenheit durch Verwendung einfacher, klar
strukturierter Materialien und Bauformen mit hoher Flexibilität und
einem hohen Wiedererkennungswert, eben nicht Beton-Marmor-Bauten, wie
sie gelegentlich von schlecht informierten Mitgliedern der Ärztekammer
vorgeworfen wurden.
Aus diesem Konzept resultiert wie auch schon bei den bestehenden Seminargebäuden,
dass sich das Tragwerk des Gebäudes nicht versteckt,
sondern bewusst gezeigt wird. Durch das Farbkonzept, das Stützen,
Unterzüge und Pfeiler deutlich heraushebt, wird dieser Effekt noch
stärker hervorgerufen und als Thema weitergeführt. So folgt
sogar die Verlegerichtung des Parkettfußbodens der Decke wie ein
Spiegel.
Mit den gesetzten Farbakzenten dieses Gebäudes, den roten und gelben
Ziegeln, anthrazitfarbenen Dachflächen, weißen Fenstern und
Fassadenbekleidungen sowie moosgrünen Farbtupfern an den Innen- und
Außenflächen des Gebäudes wird die Farbpalette der schon
bestehenden Gebäude in der Esmarchstraße aufgenommen.
Die einheitliche Linie, die sich durch alle Gebäudeteile auf diesem
Grundstück zieht, ist deutlich erkennbar.
Ein traufständiger eingeschossiger Riegel entlang der Straße
wiederholt die Kubatur der Fortbildungswerkstatt und schließt die
Lücke in der Straßenrandbebauung. Trotz des großen Bauvolumens
gelingt es, den Maßstab der Bebauung der Esmarchstraße aufzunehmen
und zu erhalten. Zugleich wird durch die weiteren Gebäudeteile das
Gesamtbild ergänzt und aufgewertet. Es entsteht eine Hofsituation,
die die Abgrenzung zu den Gewerbebauten in der Esmarchstraße ermöglicht.
Auch bei der Realisierung der Aufstockung wird dieser Eindruck im Straßenbild
erhalten bleiben.
Einen deutlichen Abschluss findet die Baumaßnahme an der westlichen
Grundstücksgrenze. Hier fasst eine massive Betonwand die zweigeschossige
Parkpalette ein.
Dieser Bauteil kann die später vorgesehene Aufstockung ohne weitere
Maßnahmen aufnehmen, auch ist der Dachrand so konzipiert, dass er
ohne Umbauten später die Brüstung eines Obergeschosses bilden
kann. Sämtliche Treppenhäuser und Vorrichtungen für Ver-
und Entsorgungsleitungen sind für die Aufstockung bereits vorgehalten.
Für die Verwaltungsräume der Akademie und Seminarräume
zur Straße wurde aus Sonnenschutzgründen ein großer Dachüberstand
gewählt, ergänzt um eine Sonnenschutz- und Schallschutzverglasung.
Die großen Veranstaltungsräume wurden an die Nordfassade gelegt,
damit Sonnenschutzmaßnahmen nicht erforderlich werden. Für
den sommerlichen Wärmeschutz sorgt eine massive Betondecke mit ausreichender
Wärmedämmung und Dachbegrünung.
Die Parkpalette ermöglicht zusammen mit den Parkmöglichkeiten
im Keller des Neubaus und neuen sowie erhalten gebliebenen vorhandenen
Hofplätzen insgesamt 146 Stellplätzen. Sie ist direkt an den
Hauptbaukörper angegliedert und ermöglicht sowohl die behindertengerechte
Anbindung als auch die direkte Belieferung der Küche. Im Inneren
wird die Behindertengerechtigkeit durch einen Lift ergänzt.
In der Außenanlage wird straßenseitig ein Rosenstaudengarten
den Besucher begrüßen, im hinteren Bereich prägen Wildgärten
den Blick nach außen.
Der Verlauf der Bauarbeiten
Die Bauleitung hatte Architekt Klaus Eggers, seitens der Kammer hatte
der ehemalige Hauptgeschäftsführer Dr. Karl-Werner Ratschko
im Auftrage des Vorstandes die Baubetreuung übernommen. Die Bauarbeiten
begannen nach recht umfangreichen Vorbereitungen durch Planung, Genehmigungsverfahren
in der Kammerversammlung, Baugenehmigung und europaweiter Ausschreibung
im März 2004. Eine riesige Baugrube entstand, in der entsprechend
der schon oben beschriebenen Schwierigkeiten wenig spektakulär zunächst
nur Bodenarbeiten durchgeführt wurden. Die Verdichtung mit insgesamt
1 500 Rüttelstoffsäulen sparte Kosten, war aber für die
werktags stattfindenden Seminare und die Anwohner eine an die Grenzen
der Erträglichkeit gehende Belastung.
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©
BAS Büro für Architektur und Sanierung GmbH
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| Blick
auf die Hofseite des Akademie-Neubaus |
Nicht alle kalkulierten
Kosten konnten eingehalten werden, so hatte sich z. B. der Stahlpreis
extrem erhöht. Die Entwässerung des Grundstücks während
der Bauzeit und Betonarbeiten erwies sich gegenüber den Planungsvorstellungen
als kostenträchtig und zeitraubend, manche Firmen hatten Schwierigkeiten,
die zugesagten Termine einzuhalten sowie eine ausreichende Zahl von Mitarbeitern
auf die Baustelle zu schicken - wirklich keine einfache Aufgabe für
Architekt Klaus Eggers, dessen Arbeit auch noch durch einige Insolvenzen
beteiligter Gewerke und diverse, reklamationsbedürftige Schlechtleistungen
erschwert wurde. Europaweite Ausschreibung - soviel lässt sich aus
den Erfahrungen dieses Bauwerks zusammenfassen -, mag Unredlichkeiten
bei der Auftragsvergabe erschweren, führt aber nicht unbedingt in
jedem Falle zur optimalen Auswahl von leistungsfähigen und qualitativ
gut arbeitenden Firmen.
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| Stolz auf die
erweiterten Möglichkeiten: Hauptgeschäftsführerin Dr.
Cordelia Andreßen und Akademieleiter Dr. Julius Brunn (rechts)
anlässlich der Eröffnungsveranstaltung am 21. Mai 2005.
Dr. Brunn hier als Gast des Deutschen Ärzteorchesters. |
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So verzögerte
sich die Baufertigstellung um etwa zwei Monate gegenüber den Planungen.
Am 21. Mai 2005 konnte - wie im Schleswig-Holsteinischen Ärzteblatt
6/2005, S. 24 f., bereits berichtet - die Einweihung festlich begangen
werden.
Und - das interessiert ja auch - es sieht so aus (eine genaue Abrechnung
liegt zzt. noch nicht vor), als würde der kalkulierte Baupreis von
ca. 2,8 Millionen Euro trotz einiger noch während des Baus beschlossener
qualitativer Verbesserungen lediglich um etwa 100 000 Euro (etwa 3,6 Prozent)
überschritten werden. Ein in Anbetracht der vielen zusätzlichen
Schwierigkeiten, wie wir meinen, gutes Ergebnis.
Die Ärztekammer verfügt mit ihren Seminargebäuden in Bad
Segeberg nun insgesamt über Flächen von ca. 2 200 Quadratmetern,
die für Aus-, Fort- und Weiterbildung von Ärztinnen und Ärzten
sowie Arzthelferinnen zum Teil an sieben Tagen in der Woche genutzt werden.
Dr. Karl-Werner Ratschko, Ärztekammer Schleswig-Holstein, Bismarckallee
8-12, 23795 Bad Segeberg, Klaus Eggers, BAS, Büro für Architektur,
Keltingstr. 17, 23795 Bad Segeberg
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 8/2005
S. 20-25
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