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Schleswig - Holstein

46. Seminar für ärztliche Fort- und Weiterbildung
Teilnehmerrekord in Westerland
Horst Kreussler

An die 150 Ärztinnen und Ärzte aus dem Bundesgebiet, darunter über 30 aus Schleswig-Holstein, verschafften der traditionsreichen Fortbildungswoche in Westerland/Sylt eine Rekordfrequenz wie seit langem nicht mehr. Das lag nicht nur an der Fortbildungspflicht mit „Punktesammeln“, sondern vor allem an dem reichhaltigen wissenschaftlichen Programm mit dem Schwerpunkt Innere Medizin zusammen mit benachbarten Fächern wie Neurologie und Psychiatrie. Die wissenschaftliche Leitung hatte wiederum Prof. Dr. F. R. Matthias, aus der Medizinischen Klinik I Universität Gießen und Vorstand des Veranstalters, der Nordwestdeutschen Gesellschaft für ärztliche Fortbildung e. V. (in Zusammenarbeit mit der Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung Schleswig-Holstein).

links: Prof. Dr. Andreas Thie (Fotos: hk)
rechts : Prof. Dr. F. R. Matthias

Die Seminarwoche vom 29. Mai bis 3. Juni 2005 umfasste vor- und nachmittags je vier aufeinander abgestimmte Referate mit Diskussionen sowie zwei Nachmittage für Kurse, unter anderem in der Asklepios-Klinik Westerland mit Chefarzt Prof. Dr. Hinrich Hamm (Pulmologie). Von den rund 30 Referenten und Moderatoren kamen insgesamt acht aus Schleswig-Holstein: Prof. K.-P. Bethge, Friedrich-Ebert-Krankenhaus Neumünster (Thema Elektrophysiologie), Prof. Dr. W. Gross von der Rheumaklinik Bad Bramstedt (Frühe Rheumaformen), Dr. J. Leifeld, Schmerzschwerpunkt-Zentrum Rendsburg, (Neuropathischer Schmerz), Prof. Gerd Oehler, BfA-(Bundesversicherungsanstalt für Angestellte) Klinik Föhrenkamp in Mölln (Leber), Dr. Nils-Lennart Saß, Krankenhaus Husum (Bildgebung Gastroenterologie), Prof. Dr. Andreas Thie, Neurologische Klinik des Krankenhauses Itzehoe.

Ein gutes Beispiel für die Verzahnung der Fortbildungsreferate entsprechend den inhaltlichen Überschneidungen in der ärztlichen Praxis bot schon der Eröffnungsvortrag von Dr. Rolf Saupe, Chefarzt Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der Elbe-Klinik in Stade: „Der psychiatrische und psychosomatische Patient beim Internisten: Last oder Lust?“

Last“ für Internisten seien zum Beispiel umfangreiche Medikamentenempfehlungen

von Psychiatern („budgetsprengend“). Umgekehrt belaste es den Psychiater, wenn er den Patienten erst nach jahrelangen vergeblichen Behandlungsversuchen zu spät überwiesen bekomme: „Wir konnten nichts Somatisches finden, also muss es psychosomatisch sein!“ Das sei falsch, es gebe auch Patienten, deren Diagnosen offen blieben und die gemeinsam weiter beobachtet werden müssten. Eine frühzeitige Frage an den Psychiater (nicht notwendig Überweisung oder Mitbehandlung) könne viel Mühe, Kosten und Leid ersparen und eher „Lust“ auf beiden Seiten bringen.

links: Malerin Dr. phil. Anne Bruhn
rechts: Dr. R. Saupe
Der Hintergrund: Viele neurologische und psychiatrische Erkrankungen hätten internistische Ursachen oder Begleiterkrankungen und umgekehrt. So hätten folgende psychiatrischen Diagnosen typischerweise somatische Überschneidungen: Angst/Panik (häufig zuerst somatische Symptome, etwa kardiale), Essstörungen, Suchterkrankungen, Schlafstörungen, chronischer Schmerz oder Somatisierungsstörungen (früher „psychosomatische Erkrankungen“).

Psychiatrische Patienten entwickeln nach Dr. Saupe aber auch somatische Komorbiditäten als Nebenwirkungen (UAW [unerwünschte Arzneimittelnebenwirkungen]) ihrer hochwirksamen Medikation, so kardio-vaskuläre UAW bei zahlreichen Neuroleptika, besonders bei den neuen Antipsychotika, während neue Antidepressiva häufig gastrointestinale und sexuelle Probleme bereiteten.

Auf der anderen Seite zeigten somatische Patienten häufige psychiatrische Begleiterkrankungen, so bei antihypertensiver Therapie in 30 bis über 50 Prozent (!) depressive Episoden. Nach Herzinfarkt stelle eine folgende Depression eiwissen, aber Grundverständnis der Neuroanatomie und -pathogenese, etwa Verstehen der Patientenbeschwerden (Meint er Taubheit oder Lähmung?) oder die Vermeidung vorschneller Diagnosen: „Nicht jede Schwäche ist eine Parese, nicht jeder Gesichtsschmerz eine Trigeminusneuralgie, nicht jeder Schwindel ein Vertigo“. Oder die euphorie-kritischen Hinweise von Dr. Nils-Lennart Saß, Krankenhaus Husum, zur Kapselendoskopie in der Dünndarmdiagnostik: Bei wenigen Vorteilen wie mehr Komfort für Patienten und Bildqualität zahlreiche Nachteile gegenüber den traditionellen Verfahren.

Zumal die jüngeren Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, viele Punkte auf einmal zu erwerben, etwa 24, 36 oder mehr von insgesamt 48. Abgerundet wurde die wiederum als gelungen empfundene Veranstaltung durch eine Ausstellung von Bildern der Malerin Dr. phil. Anne Bruhn, Kiel-Heikendorf, Ehefrau von Prof. Dr. Hans Dietrich Bruhn, Chefarzt Zentrallabor der 1. Med. Klinik des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel. Ihre „Sonnenuhr“ könnte nicht nur die Bedeutung der uns verbleibenden Zeitspanne unterstreichen, wie sie sagte, sondern vielleicht auch die den Patienten von der Heilkunst geschenkte Lebenszeit symbolisieren.

Im nächsten Jahr ist als Termin vorgemerkt die Zeit vom 14.-19. Mai 2006. Sekretariat: www.westerland-symposium.de, Tel. 04534/ 8202, Frau Nevermann.
Dr. jur. Horst Kreussler, An der Karlshöhe 1, 21465 Wentorf


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 07/2005

S. 28/29