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Unsere Nachbarn
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20 Jahre Sozialgerontologie
Und was
hat es nicht für Projekte gegeben in diesen zwei Jahrzehnten! Hausärztliche
Qualifizierung; allein in Schleswig-Holstein haben mehr als 150 niedergelassene
Hausärzte an einem gerontologischen Fortbildungsprogramm teilgenommen,
das Dr. Thomas Stamm, Chefarzt der Klinik für Frührehabilitation
und Geriatrie im Westküstenklinikum Heide, mitentwickelt hat. Es
gab die Evaluation der besonderen stationären Dementenbetreung in
Hamburg. Jetzt gerade kümmert sich die Arbeitsgruppe als Koordinatorin
um ein europaweites Projekt zum Thema pflegende Angehörige.
Wesentliche
Impulse besonders in Sachen Interdisziplinarität, so Prof. Dr. Thomas
Klie, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gerontologie
und Geriatrie, seien aus Hamburg gekommen. Dass man sich in Deutschland
überhaupt um alte Menschen - wissenschaftlich gesehen - kümmere,
sei erst seit knapp 30 Jahren der Fall, und im UKE ist damit begonnen
worden. Zunächst seien es kleine Schritte gewesen, stets aber
getragen von sehr viel Engagement; nicht zuletzt dadurch haben viele
von uns eine wissenschaftliche Heimat in der Gerontologie gefunden,
betonte Klie und fügte ironisch hinzu, nur wer sich mit älteren
Menschen beschäftige, könne sich auch mit 50 noch jung fühlen;
nicht ganz so leicht falle das demjenigen, der sich um junge Menschen
kümmere.
An wen wendet
sich dieser relativ neue Zweig der Wissenschaft?, fragte Klie. Seine
Antwort: Aufstiegsorientierte; Wiedereinsteiger; Interessierte in sozialer
Arbeit und Pflege, aber auch in den Sozial- und Geisteswissenschaften.
Thomas Klie nennt die Gerontologie eine Querschnittsdisziplin für
alle diejenigen, die in gerontologischen Feldern forschen, und: Sie
ist immens wichtig in einer Zeit, in der die Gesellschaft stetig altert.
Der fächerübergreifende Gedanke sei gut, um Einbahndenken zu
vermeiden - wenn ich mal die Ärzte ausnehme, die sich in ganz
besonderer Weise um die Versorgung alter Menschen kümmern -,
daher sei die Interdisziplinarität bedeutsam. Thomas Klies Vorhersage
für das Jahr 2030: Hinzu kommen muss eine ethische Grundhaltung,
die in jedem Menschen einen Wert sieht. Das müssen wir in der
Gerontologie in allen ihren Bereichen ernst nehmen, sonst werden wir der
genannten ethischen Forderung nicht
gerecht!
Er sei begeistert
von der Kontinuität im Hamburger Arbeitsschwerpunkt Sozialgerontologie,
erklärte PD Dr. Hans-Joachim von Kondratowitz vom Deutschen Zentrum
für Altersfragen in Berlin. Diese Kontinuität sei deshalb so
immens wichtig, weil immer noch schwer zu beurteilen sei, was gerontologische
Forschung eigentlich sei. Vielleicht sei es besser, eher das Wort multidisziplinär
zu verwenden als interdisziplinär. Als negativ empfinde er, dass
es kaum Vergleiche gebe im europäischen Kontext - dabei könnten
wir davon viel lernen. Außerdem gebe es noch immer zu wenig
Praxisforschung. Auch müsse die Arbeit in Richtung auf mehr Anwendungszusammenhänge
intensiviert werden: Aus all dem gewinne ich ein ambivalentes Bild
der Gerontologie in Deutschland - es passiert zwar ungeheuer viel, es
fehlt aber auch sehr viel, etwa in Sachen Kooperation und Vernetzung.
Nach wie vor gebe es in diesem Bereich viel zu heterogene Strategien in
Deutschland, meinte von Kondratowitz. Anders ausgedrückt: Jedes Bundesland
wurstelt in etwa vor sich hin. Große Schwierigkeiten gebe es auch
bei der Kooperation mit Osteuropa, wo stets die Altersmedizin im Vordergrund
gestanden habe, wo das Soziale aber erst langsam ins Blickfeld rücke:
Auch dies ist für mich ein Zeichen dafür, wie wichtig
es ist, europäische Vergleiche anzustellen. |
Schleswig-Holsteinisches
S. 74-76 |
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