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Unsere Nachbarn
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Informationsveranstaltung
Unbefriedigende Infrastruktur,
zu alte Patienten, zu viel Verwaltung - Gründe gegen eine Praxistätigkeit
im Nachbarland gibt es einige. Eine aber wird immer wieder genannt: die
im Vergleich zum Westen schlechtere Bezahlung. Dass auch einiges für
die Niederlassung in Mecklenburg-Vorpommern spricht, machte besonders
KV-Chef Dr. Wolfgang Eckert den Studenten klar. Er schwärmte vom
maritimen Flair an der Ostsee, aber auch von den Möglichkeiten, die
einem niedergelassenen Hausarzt in Mecklenburg-Vorpommern offen stehen:
In diesen Gemeinden sind Sie der Mittelpunkt. Sie allein entscheiden,
was Sie machen, sagte Eckert. Und Gesundheitsministerin Marianne
Linke stellte fest: Mecklenburg-Vorpommern bietet sehr gute Chancen
für Allgemeinmediziner. Sie sind sehr willkommen, die Bevölkerung
wartet auf Sie.
In fünf Jahren,
wenn die Studenten vom Hörsaal in die Praxen wechseln könnten,
werden im Nordosten 443 Hausarztsitze zur freien Auswahl stehen. Jeder
dritte Hausarzt ist jetzt über 60 Jahre alt. Das zögerliche
Interesse an einer Praxisübernahme hat meist finanzielle Gründe.
Der Präsident der Landesärzte-kammer, Dr. Andreas Crusius, sah
denn auch keinen Anlass, das Problem klein zu reden, sondern schenkte
den Studenten reinen Wein ein: Nur noch zwei Banken bei uns geben
Kredite für eine Niederlassung. Die unsichere finanzielle Situation
dürfte auch für die alarmierende Abwanderung von Berufsein-steigern
ausschlaggebend sein. Crusius berichtete, dass von 123 Berufseinsteigern,
die 2003 in Mecklenburg-Vorpommern ihre Tätigkeit aufgenommen hatten,
48 bis zum Jahr 2005 das Land verlassen haben. Diese Vorzeichen gaben
auch Studenten wie Matthias Baetje und Nora Richter zu denken. Die Studentin
hat sich bereits gegen ihr Geburts- und Studienland Mecklenburg-Vorpommern
entschieden und sagt: Ich werde nicht bleiben. Baetje würde
zwar gerne wie seine Mutter als niedergelassener Arzt in Mecklenburg-Vorpommern
arbeiten - aber nur zu fairen Bedingungen, sprich: vernünftige Bezahlung
und keine ständige Rund-um-die-Uhr-Bereitschaft. Auf diese Einstellung
der jungen Ärztegeneration sollten sich auch die Klinikchefs einstellen,
mahnte Crusius: Junge Ärzte wollen zum Feierabend noch ihre
Kinder sehen. Daran müssen sich auch die Ausbilder gewöhnen.
Darüber hinaus werden die Partner der Initiative im Nordosten weiter auf die Bedürfnisse des Nachwuchses eingehen und die Kommunikation vertiefen. Weitere Informationsveranstaltungen in lockerer Atmosphäre wie in der Rostocker Uniklinik bei Musik, lockeren Gesprächen, Bier und Brause sollen folgen. Eckert erhofft sich davon auch Aufschlüsse über die Wünsche der neuen Mediziner-Generation. Sie müssen uns sagen, was für Sie wichtig ist, ermunterte er die Interessenten. Bei vielen kommt das an, Medizinstudentin Simone Weber etwa kann sich trotz der finanziellen Unsicherheit eine Praxistätigkeit in Mecklenburg-Vorpommern immerhin vorstellen. (di) |
Schleswig-Holsteinisches
S. 73-74 |
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