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108. Deutscher Ärztetag
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Necesse
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Nein,
wir sprechen nicht über die Musik zum Film Der Kongress tanzt,
sondern über die Plenarsitzung des Deutschen Ärztetages, auf
der hart gearbeitet wurde. Doch die Debatte zu einem der drei wichtigen
Leitthemen ließ die eingangs zitierte Assoziation durchaus aufkommen.
Es gibt
beredte Beispiele für die Notwendigkeit eines solchen Vorgehens: Ebenso
beispielhaft ist auch das WHO Ranking 2000 der Leistungsfähigkeit
von Gesundheitssystemen einzuordnen, das Deutschland auf Platz 25, hinter
Ländern wie z. B. Malta oder Kolumbien sah. Die fundierte wissenschaftliche
Aufarbeitung der WHO Vorgehensweise durch das Institut von Prof. Beske
konnte eindrücklich nachweisen, dass die gemessenen Parameter völlig
ungeeignet waren - inzwischen ist selbst die WHO von ihren Aussagen abgerückt. Der Aufruf
des Vorstandes der Bundesärztekammer lautete deshalb: Wir selbst
müssen dafür bürgen, dass Daten möglichst fehlerfrei
erhoben werden! Zurzeit reagieren wir auf Vorgaben, z. B. des Gemeinsamen
Bundesausschusses und des Institutes für das Entgeltsystem im Krankenhaus.
Wir müssen aus der Passivrolle heraus zum Agieren kommen. Nachdem bereits 2003 und 2004 auf den Ärztetagen die Weichen gestellt wurden, sollte der 108. Deutsche Ärztetag nunmehr die eigene Versorgungsforschung beschließen - so der Antrag des Bundesvorstandes mit folgenden Zielen:
Das Rahmenkonzept
des Arbeitskreises beim Wissenschaftlichen Beirat der Bundesärztekammer
sieht dafür drei Schwerpunktthemen vor:
Die Konzepte seien
zu universitär und realitätsfern. Das konnte durch Dr.
Windau sehr klar entkräftet werden: Natürlich werden Fachleute
von der Front, also in der unmittelbaren Patientenversorgung
Tätige einbezogen, wenn es darum gehen wird, in einem zukünftigen
Auswahlgremium über förderungswürdige Studien zu entscheiden.
Natürlich findet die Umsetzung in enger Abstimmung mit der Vertragsärzteschaft
statt - die Kassenärztliche Bundesvereinigung begrüßt
das Projekt.
Bester Beleg dafür
waren die offenen und klaren Ausführungen von Prof. Dr. Bärbel-Maria
Kurth vom Robert Koch-Institut. Sie beschrieb den Kreislauf der Aufgaben
der Versorgungsforschung zur Kranken- und Gesundheitsversorgung aus beschreiben
- erklären - gestalten - begleiten - bewerten und konnte aufzeigen,
dass schon heute eine gute Zahl verwertbarer Datenquellen für diese
Aufgaben zur Verfügung stehen. Dazu gehören beispielsweise die
Krebsregister der Länder, mit denen die Wirksamkeit von Früherkennungsmaßnahmen
geprüft werden kann oder die Daten über meldepflichtige Erkrankungen
nach dem Infektionsschutzgesetz, die eine Prognose für Versorgungsbedarf
z. B. bei Tuberkulose ermöglichen.
Dr. Munte, Bayern,
berichtet, dass die Kassenärztliche Vereinigung Bayern eine Basisversorgungsforschung
mit vier Millionen Euro pro Jahr aufgebaut habe. Er bot deren Ergebnisse
als Sachbeitrag anstelle des geplanten finanziellen Aufwandes an. Auch
zweifelte er an, dass zukünftige Forschungsergebnisse aus dem Bundesärztekammerprojekt
mehr gehört würden als die bisherigen Einlassungen. In seinem
Plädoyer für verstärkte Öffentlichkeitsarbeit forderte
er: Unsere Anliegen müssen an die Bevölkerung herangebracht
werden. Dies war eine Steilvorlage
für den Kammerpräsidenten der Ärztekammer Schleswig-Holstein,
der auf diesem Ärztetag mit großer Mehrheit zum Vorstandsmitglied
der Deutschen Akademie der Gebietsärzte gewählt worden war:
Dr. Bartmann fasste aus seinem eigenen Erleben im klinischen Alltag ärztliches
Selbstverständnis so zusammen: Was wollen wir denn? Wir wollen
unsere Patienten gut versorgen und dabei die Freude an unserem Beruf behalten.
Unser Einkommen muss so gerecht sein, dass wir davon unsere Familien ernähren
können. Wir müssen angesichts der gesamtwirtschaftlichen Situation
in den westlichen Industriestaaten akzeptieren, dass die Ressourcen begrenzt
sind. Deshalb findet Rationierung statt. Ärzteschaft ist also aufgefordert,
die medizinischen Notwendigkeiten aus dem Stand des jeweils aktuellen
Fachwissens zu definieren. Und dann kann an Politiker, die Bevölkerung
und auch an die Ärzteschaft die Frage gestellt werden, was uns das
wert ist.
Prof. Scriba, neben
Prof. Schwartz und Dr. Kurth einer der drei Referenten zum Thema Versorgungsforschung,
fasste zusammen: Wir werden Netzwerke mit anderen unabhängigen
Forschern bilden. Wir sind uns im Klaren, dass es sich bei der Versorgungsforschung
um ein Riesengebiet handelt. Aber haben Sie Vertrauen auf ein sauberes
wissenschaftliches Vorgehen. Wir haben ganz bewusst kein fertiges Konzept
geliefert, sondern ein an dem Bedarf der Ärzteschaft ausgerichtetes
flexibles Vorgehen geplant. Die große Chance dieses Projektes besteht
in der Allianz wissenschaftlicher Kompetenz und Unabhängigkeit mit
der berufspolitischen Zielsetzung der Bundesärztekammer. Das Motto
lautet: Offensive statt Verfolgungsforschung. |
Schleswig-Holsteinisches
S. 52-55 |
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