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108. Deutscher Ärztetag
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Eindrücke vom 108. Deutschen Ärztetag
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drei Eröffnungsveranstaltungen fanden in einer Werft, in einer Philharmonie
und in einem Konzertsaal statt. Dieses Jahr wurde eine ganz andere Symbolik
gewählt: Dort, wo im Estrel ansonsten Imitatoren auftreten
und uns Stars in Concert bieten, traten nun zur Eröffnungsveranstaltung
die Imitatoren und die Stars im Gesundheitswesen auf. Eine nüchterne
Bühne, eine hallenartige Umgebung, eine schwüle Atmosphäre,
eine halbstündige Verzögerung des Anfanges - es war diesmal
eine etwas andere Eröffnungsveranstaltung, ob gewollt oder ungewollt.
Doch zuerst kam die Ministerin nicht durch den Berliner Verkehr, dann
kam sie nicht durch die protestierenden Ärzte vor dem Hoteleingang.
Aber dann ging die medizinische Auseinandersetzung doch los, eingerahmt
von hervorragenden Darbietungen des Berliner Saxophon-Ensembles. Zur Diagnostik
sprach Dr. Günter Jonitz, Präsident der einladenden Berliner
Ärztekammer, und beschrieb das Phänomen der Fortschrittsfalle,
der Bürokratisierung und Ökonomisierung. Vor diesem Hintergrund
sind auch die Proteste der Kolleginnen und Kollegen vor und in dem Hotel
zu sehen. Jeder möchte selbstverständlich zu jeder Zeit jede
erdenkliche medizinische Leistung erhalten und das von ausgeruhten und
erfahrenen Ärzten. Hier gelte es zu optimieren, zu systematisieren
und zu humanisieren. Doch anstatt diese Wege zu gehen, wird das Schwarze-Peter-Spiel
in der Gesundheitspolitik zum Schwarzen-Peter-Prinzip in der Versorgung.
Die Begrüßung vom Kollegen Jonitz endete mit einem Zitat von
Eugen Roth: Behandle drum den Doktor gut, damit er euch desgleichen
tut. Die Aufforderung an die Ministerin lautete demnach auch: Seien
Sie nett zu Ihren Ärztinnen und Ärzten, sonst werden sie Sie
eines Tages sehr vermissen.
Diese
Diagnostik und der therapeutische Ausblick wurden im Grußwort von
Dr. Hermann Schulte-Sasse, dem Staatssekretär für Gesundheit
und Verbraucherschutz des Senats Berlin unterstrichen. Er hob insbesondere
hervor, dass die Auswirkung der zunehmenden Ökonomisierung im Gesundheitswesen
vor allem sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen träfe und
konnte dies auch anhand von Zahlen aus Berlin belegen: In den Sozialräumen
in Berlin mit den ungünstigsten Bevölkerungsstrukturen und den
größten gesundheitlichen Problemen sind die stärksten
Rückgänge der Fallzahlen und der Arztkontakte zu verzeichnen
gewesen. Hier merkte man, dass nicht nur ein Gesundheitspolitiker, sondern
auch ein ärztlicher Kollege zu uns sprach. Nachdem nun so die Diagnostik abgeschlossen war, erwarteten wir nun den therapeutischen Befreiungsschlag. Auch was uns unsere Gesundheits-ministerin Ulla Schmidt darbot, ähnelte eher einem Siechenhaus denn einer modernen therapeutischen Einrichtung. Die Ressourcen auch für die medizinische Versorgung seien ja nun einmal endlich - als ob irgendetwas auf dieser Welt von substanziellem Wert unendlich sei. Der medizinische Fortschritt soll sinnvoll eingesetzt werden - als wenn a priori der Unsinn im Vordergrund stehen würde. Das Machbare und das Sinnvolle müsse sorgfältig gegeneinander abgewogen werden, und dies sei keine Ökonomisierung, sondern eine ethische Entscheidung im Gesundheitswesen - als wenn durch DRG und DMP uns keine ökonomischen
Das abschließende und auch letztendliche Wort hat natürlich immer der Pathologe. Wie gut, dass der Präsident der Bundesärztekammer, Prof. Dr. Jörg Dietrich Hoppe, sich auf diesem Gebiete bestens versteht und sicher das Skalpell zu ziehen weiß. Unverblümt schilderte er das Realbild des Arztes der Jetztzeit, ausgebeutet von Klinikträgern, fremdbestimmt durch staatliche Programm-Medizin und allein gelassen in seiner Verantwortung für den Patienten. Der immer wieder beschworene Paradigmenwechsel in der Medizin zeigt einen Staat, der sich seinerPflicht zur Daseinsvorsorge entzieht auf
Kosten sozial Schwacher und der Medizin administriert und entpersönlicht, um damit der Ökonomisierung und der Profitorientierung Vorschub zu leisten. Nicht mehr der Patient, sondern der Erlös aus der Behandlung des Patienten steht im Mittelpunkt. Er schilderte sein Gefühl, das es nicht mehr um die erfolgreiche Behandlung des einzelnen Patienten geht und dass wir Ärzte da gar nicht mehr wirklich gefragt sind, sondern nur noch um die effizienzsteigernde gesundheits- ökonomische Steuerung - natürlich in abstrakter Verantwortung. Dabei erinnerte er ausdrücklich daran, was eine erfolgreiche ärztliche Behandlung ausmacht: Vertrauen, Individualität und Professionalität. Hierin liege die Zukunft unseres Gesundheitswesens und nicht in einer weiter ausufernden Verbürokratisierung der Medizin, wo das Soziale in unserem Gesundheitswesen vollkommen verloren gehe. Ich kann mich diesem Gedanken des Bundesärztekammerpräsidenten voll und ganz anschließen und erlebe dies in meinem ärztlichen Alltag mit meinen Kolleginnen und Kollegen
Dr. Henrik Herrmann, Ol Dörp 17, 25791 Linden
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Schleswig-Holsteinisches
S. 45-51 |
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