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hk) |
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Bei der gemeinsamen
Frühjahrstagung der Landesverbände Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern
des Verbandes der Krankenhausdirektoren (VKD) in Lübeck hielt Prof.
Dr. Fritz Beske, Kiel, einen stark beachteten Gastvortrag. Rund eine Stunde
sprach der Nestor der deutschen Gesundheitspolitik-Beratung frei zum Thema
Perspektiven der Gesundheitspolitik.
Sein rhetorischer Einstieg stimmte die gebeutelten Gesundheitsmanager
versöhnlich: Wir haben doch eines der besten Gesundheitssysteme
der Welt, wandte sich Beske (82) gegen das Schlechtreden unseres
Gesundheitswesens. So seien die Wartezeiten für medizinische Leistungen
nirgends geringer als bei uns. Es gebe allerdings eine Gruppe von Politikern,
die ein anderes System wolle. Wichtige Grundlagen dürften aber nicht
angetastet werden: die Versorgungssicherheit für alle Patienten,
unabhängig vom Einkommen und Alter, und die Planungssicherheit für
die Leistungserbringer. Problematisch sei aber, dass viele der Zukunft
nicht mehr trauten. Unsicher geworden sei zum einen die Finanzierung des
Systems, zum anderen der Leistungsumfang. Über den Leistungsumfang
werde aber in Deutschland kaum diskutiert. Daher will Beske im August
einen internationalen Vergleich der Leistungskataloge und im Winter den
Vorschlag eines Leistungskatalogs für die deutsche gesetzliche Krankenversicherung
vorlegen.
Deutliche Kritik übte der Redner an der gegenwärtigen Gesundheitspolitik.
Er halte nichts von Reformen um der Reform willen (Reformismus). Denn
das Bestehende verdiene, angesichts seiner Vorteile im Wesentlichen bewahrt
zu werden: Ich bin ein liberaler Konservativer. Wenn er an
den ersten Referentenentwurf des Gesundheitsministeriums für das
Gesundheitsmodernisierungsgesetz denke, in dem praktisch das Ende der
niedergelassenen Fachärzte vorgesehen war, komme er um den entscheidenden
Vorwurf nicht herum, die Politik evaluiere nicht einmal im Ansatz, was
die von ihr vorgeschlagenen Änderungen im Ergebnis brächten:
Das ist unvertretbar.
Mehrere schon spürbare Entwicklungstendenzen der Gesundheitsreform
zeigte Beske auf: die Konzentration und Integration (von Praxen, Kliniken),
der Machtzuwachs der Krankenkassen (etwa Steuerungsabsichten durch Morbiditätsdaten;
vgl. SHÄ 4/2005, S. 53) und der Flickenteppich der zahllosen
einzelnen Versorgungsverträge.
Spezielle Sorgen besonders im Krankenhausbereich machten ihm folgende
Punkte:
Das Investitionsdefizit mit der Folge von Einbußen bei der medizinischen
Versorgungsqualität, der Ärztemangel in Kliniken, aber auch
bei Niedergelassenen: Die Politik sollte dies sehr ernst nehmen
- ohne Ärzte gibt es keine Gesundheitsversorgung!, Schwächen
des DRG-Systems wie übermäßiger Dokumentationsaufwand,
Tendenz der Häuser zur Überspezialisierung aus Vergütungsgründen
und vor allem die Existenzgefährdung nur aus wirtschaftlichen, mit
der Landeskrankenhausplanung nicht immer übereinstimmenden Gründen.
Zum Schluss formulierte Prof. Beske zwei Botschaften für
alle:
- Jeder muss sich
auf mehr Eigenbeiträge für seine Gesunderhaltung einrichten.
- Die Politik muss
angemessene Antworten geben auf die Strukturveränderungen im Gesundheitswesen.
Nicht angemessen sei der simple Ruf nach mehr Staat, nach einer Sozialisierung,
die Mängelverwaltung bedeute.
In der Diskussion
spielte genau diese Frage in der Form der Planungssicherheit bei den Kliniken
eine besondere Rolle (VKD-Schulungsleiter H.-M. Kuhlmann, Ratzeburg/Mölln;
KGMV-Geschäftsführer Gagzow, Schwerin; Karl-Heinz Vorwig, Flensburg).
Beske sinngemäß: Ja, wir haben zu viele Gesetze, wir haben
föderalistische Probleme. Die Politik kann die notwendigen Anpassungen
aber bewältigen, wenn sie ehrlich gegenüber der Bevölkerung
ist und wieder Zutrauen gewinnt. Dabei wäre eine Politikergeneration
hilfreich, die über den Tellerrand der Legislaturperiode blickt und
die sich wieder von langfristigen Werten leiten lässt. Und: Mehr
wirkliche Gesundheitsexperten, mehr Ärzte brauchen wir in der Politik!
(hk)
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 06/2005
S. 38
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