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Schleswig-Holstein
Ärztegenossenschaft
„Ärzte abholen, wo sie stehen“

Die beiden großen Parallelorganisationen für niedergelassene Ärzte bewegen sich aufeinander zu: Die Ärztegenossenschaften und der Medi-Verbund haben ihr Interesse an einer bundesweiten Kooperation deutlich gemacht. Beide erwarten durch einen Schulterschluss mittelfristig bessere Perspektiven für eine schlagkräftige Vertretung der niedergelassenen Ärzte.

„Wir müssen die Ärzte dort abholen, wo sie stehen. Viele Ärzte sind überzeugte Anhänger von Genossenschaften, andere der Medi-Idee. Dabei sollten wir es belassen“, stellt der Chef von Medi-Deutschland, Dr. Werner Baumgärtner, klar.

 
Nähern sich an: Dr. Klaus Bittmann (links), Sprecher der Ärztegenossenschaften, und Medi-Deutschland-Chef Dr. Werner Baumgärtner
(Foto: di)
 
Aus seiner Sicht spricht deshalb aber nichts dagegen, die Anhänger der beiden Konzepte bei gleichen Auffassungen an einem Strang ziehen zu lassen. Baumgärtner sieht sogar wichtige Gemeinsamkeiten zwischen Medi und den Ärztegenossenschaften. Zum Beispiel den „riesengroßen Druck, sich zu organisieren“. Beide Verbünde arbeiten daran, die niedergelassenen Ärzte fachübergreifend so zu organisieren, dass sie im Wettbewerb nicht weiter auseinander gedrängt werden.

Oder das gemeinsame Eintreten für die Kostenerstattung, die beide Organisationen etablieren wollen und für die beide Verbünde seit Monaten an Konzepten feilen. Baumgärtner verspricht sich davon beispielsweise größere Planungssicherheit für die niedergelassenen Ärzte und zugleich weniger Bürokratie.

Die Signale für eine engere Zusammenarbeit hatten in den vergangenen Monaten in beiden Lagern zugenommen und waren auch auf der jüngsten Generalversammlung der Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein (nach Redaktionsschluss am 1. Juni in Rendsburg) Diskussionsgegenstand. Zur Erinnerung: Die Ärztegenossenschaften hatten im April in Baunatal ihren Bundesverband gegründet und dort verkündet: „Der Bundesverband der Ärztegenossenschaften wird sich gleich gesinnten Bündnissen öffnen oder durch Kooperation strategische Allianzen bilden“ - eine eindeutige Offerte an Medi.

Baumgärtner reagierte umgehend und machte ein Angebot für einen „Schulterschluss mit den Genossenschaften“. Er sagte: „Wir sollten ein gemeinsames Dach zwischen Medi Deutschland und dem Dachverband der Ärztegenossenschaften anstreben.“ Als wichtigstes Ziel für Medi und Genossenschaften sieht er einen möglichst hohen Organisationsgrad. Medi hat bundesweit rund 12 000 Mitglieder, die Genossenschaften rund 10 000. Damit können nach Baumgärtners Auffassung beide Verbünde nicht zufrieden sein. „Eigentlich müssten wir einen Run auf unsere Organisationen erleben“, sagt er angesichts des gesundheitspolitischen Umfelds in Deutschland. Ähnlich sieht es Dr. Rainer Woltmann von der Ärztegenossenschaft Nordwest. Der neben Dr. Klaus Bittmann zweite Sprecher der Ärztegenossenschaften hält ein gemeinsames Mitgliedervolumen von 30 000 bis 40 000 Ärzten für realistisch. Optimistisch stimmt ihn besonders der Zulauf zu einigen regionalen Verbünden wie etwa in Hessen und Süd-Württemberg. Zugleich weiß er aber, dass die Parallelorganisationen in vielen Regionen spät dran sind. „Die Zeit drängt, das hat der Barmer-Hausärztevertrag gezeigt. Solche Verträge lassen sich mit lokalen Bündnissen nicht mehr wirksam bekämpfen“, sagt der niedersächsische Neurologe und Psychiater. An die Stelle der Kassenärztlichen Vereinigungen als fachübergreifende Vertretungen müssten nun die Parallelorganisationen treten - deshalb das Ziel der „strategischen Allianz“. Von der ärztlichen Basis hat Woltmann zu diesen Bestrebungen bislang ausschließlich positive Signale empfangen. „Es geht ja schließlich nicht um eine Vereinigung, sondern um ein Zusammenwirken. Keine Organisation soll ihre Identität aufgeben.“ Auch Bittmann und Baumgärtner halten eine über ein gemeinsames Dach hinausgehende Verschmelzung von Medi und Genossenschaften zurzeit nicht für sinnvoll. Bittmann sieht dafür noch zu viele Unterschiede zwischen den Verbünden - das Ziel strategischer Bündnisse sei „reine Vernunft“. Wie stark die Annäherung von Medi-Ärzten und Genossen ausfallen wird, wurde ebenfalls nach Redaktionsschluss bei einem Spitzentreffen der beiden Verbünde am 11. Juni in Göttingen ausgelotet. (di)


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 06/2005

S. 35/36