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Schleswig-Holstein
Ansteigen psychischer Erkrankungen
Mehr Bedeutung für Arbeitszufriedenheit

Eine bundesweit beobachtete Entwicklung macht auch vor Schleswig-Holstein nicht halt: Trotz insgesamt sinkender Krankenstände steigt die Zahl der psychischen Erkrankungen kontinuierlich. Die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) in Schleswig-Holstein appelliert an die Arbeitgeber, neben der Prävention in ihren Betrieben auch der Arbeitszufriedenheit große Bedeutung beizumessen.

 
oben links:
Walter Olgemöller

oben: Judith Berger

rechts: Dr. Wolfgang Hauck (Fotos: di)
 

Zunächst die erfreuliche Botschaft aus dem neuesten DAK-Gesundheitsreport, den die Kasse am 3. Mai in Kiel vorstellte: Der Krankenstand in den Betrieben und Verwaltungen sank im vergangenen Jahr um neun Prozent. Und: Die Aufgeschlossenheit der Arbeitgeber gegenüber der Gesundheitsförderung ist hoch, besonders in den Betrieben des Gesundheitswesens. Dort besteht allerdings auch Handlungsbedarf - zusammen mit der öffentlichen Verwaltung ist in dieser Branche der höchste Krankenstand zu verzeichnen. Judith Berger vom Berliner Institut für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES), die die Daten für die DAK erhebt, hat für beide Branchen Begründungen. In der öffentlichen Verwaltung sind überproportional viele Menschen mit Behinderungen beschäftigt - was den Krankenstand erhöht. Das Vorurteil, dass in öffentlichen Verwaltungen eher „blau gemacht“ wird, mochte Berger nicht teilen. Im Gesundheitswesen führt sie den Krankenstand u. a. auf die zugleich hohe körperliche wie seelische Belastung zurück, gepaart oft mit einer geringen Arbeitszufriedenheit. Deren Auswirkungen auf die Gesundheit wird nach Meinung von Walter Olgemöller in vielen Betrieben noch unterschätzt. „Der richtige Umgangston und Entscheidungsspielräume für Mitarbeiter wirken sich positiv aus“, riet der DAK-Vorsitzende im Norden. Zufrieden zeigte er sich besonders mit den Bemühungen größerer Betriebe um die Gesundheitsförderung.

Als Besorgnis erregend bezeichnete er dagegen die Zunahme der psychischen Erkrankungen. Seit 1997 ist die Erkrankungszahl in Schleswig-Holstein um 80 Prozent gestiegen. Dies liegt nach Ansicht Olgemöllers auch an einer größeren Aufgeschlossenheit gegenüber der Krankheit und an einer verbesserten Diagnostik - früher wurde die Krankheit seltener erkannt. Eine große Rolle bei der Zunahme spielt aber auch die anhaltende Arbeitsverdichtung und der damit verbundene Stress am Arbeitsplatz. Dort haben immer noch viele Menschen Probleme, eine psychische Erkrankung einzuräumen. Dr. Wolfgang Hauck, Arzt beim Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK), warnte deshalb in Kiel davor, psychisch Kranke als Simulanten abzustempeln. „Viele flüchten sich in vermeintliche somatische Beschwerden und manche Ärzte machen das mit“, gab Hauck zu bedenken. Nach seinen Erfahrungen kommen psychisch Erkrankte oft zu spät zum Fachmann - zum Teil wegen Hemmungen des Patienten und weil in manchen Regionen lange Wartezeiten bestehen. Zum Teil aber auch, weil manche Hausärzte zu lange „am Patienten festhalten“.

Die wichtigsten Daten aus dem Gesundheitsreport in Kürze:

  • Insgesamt belief sich der Krankenstand der erwerbstätigen DAK-Mitglieder in Schleswig-Holstein 2004 auf drei Prozent - damit lag er knapp unter den Bundesdurchschnitt (3,2 Prozent).
  • Für 44 Prozent aller DAK-Mitglieder lag im vergangenen Jahr eine Arbeitsunfähigkeitsmeldung vor.
  • Die durchschnittliche Erkrankung dauerte 11,2 Tage - 0,3 Tage kürzer als bundesweit.
  • Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes (24,8 Prozent) und des Atmungssystems waren am häufigsten. (14 Prozent). Es folgten Vergiftungen (13,9 Prozent) und psychische Erkrankungen (10,1 Prozent).
  • Den höchsten Krankenstand verzeichneten die Branchen öffentliche Verwaltung und Gesundheitswesen (jeweils 3,7 Prozent), den niedrigsten die Branchen Datenverarbeitung und Rechtsberatung (jeweils 1,8 Prozent). (di)


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 06/2005

S. 33/34