zurück zur Rubrikensuche
zurück zum Inhaltsverzeichnis

Schleswig-Holstein
Universität, Campus Kiel
200 Jahre Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
Sylvia Hajduk

 

oben: Das Team der Tumorrisikosprechstunde
(v. l. n. r.): Dr. Dipl.-Psych. Ellen Kirsch,
Dr. rer. nat. Simone Heidemann, Renate Hamann

unten: Im Geburtszimmer: Dr. Sandra Schemm und Dr. Felix Hilpert (Fotos: SH)

 
 
Zum Tag der offenen Tür lud die Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Campus Kiel, am 23.04.2005 ein. Einen so regen Ansturm an Gästen hatte die Klinik nicht erwartet. Es wurden Führungen vom Klinikpersonal durch einen Operationssaal, das Mammazentrum, den Kreißsaal und die Neugeborenen-Intensivstation angeboten. Aufgrund des Andrangs wurden sie kurzfristig und flexibel organisiert. Man konnte überall Informationen einholen auch zum Risiko einer Tumorerkrankung. (Werdende) Eltern informierten sich, während es für die Kleinen Möglichkeiten zum Spielen gab. Man begegnete kleinen Grüppchen von ehemaligen Hebammenschülerinnen, die sich an ihre Ausbildungszeit in der Klinik erinnerten. Es gab Einblicke in die Ausbildung von Hebammen im Wandel der Zeit, Informationen zur Ausbildung von Schwestern und historische Exponate der Frauenheilkunde. Erste Hilfe konnte an einer lebensgroßen Puppe praktiziert werden, außerdem konnte man endoskopische Übungen an einem Schaumstoffball mit Übertragung auf den Monitor machen.

Rückblick in Kürze
Am 1. Mai 1805 wurde die Universitäts-Frauenklinik und Hebammenlehranstalt eröffnet. Erster Professor der Mäeutik (Fragemethode des Sokrates) und Direktor der Anstalt wurde Christian Rudolf Wilhelm Wiedemann, geb. 1770. Aufgrund seiner Bekanntheit und Beliebtheit wurde die Klinik von Schwangeren gern in Anspruch genommen. Damals war Platz für 32 Schwangere. Gustav Adolf Michaelis folgte Wiedemann im Jahre 1835.

1844 wurde eine neue Hebammenordnung herausgegeben. Das Heftchen umfasste 15 Seiten. Durch Puerperalfieber starben im Jahre 1847 dreizehn Wöchnerinnen in weniger als sechs Wochen.

Michaelis schloss damals die Anstalt und beschloss, eine völlig neue in Kiel aufzubauen. Nach dem Tode von Michaelis übernahm Carl Conrad Theodor Litzmann die Leitung von 1849 bis 1885. Er war der Arzt, der bisher am längsten Leiter der Klinik gewesen ist. Unter Litzmann begann der Bau der neuen Anstalt im Jahre 1860. Seine Forschungsschwerpunkte waren die geburtsrelevanten Veränderungen des weiblichen Beckens. 1885 bis 1907 war Richard Werth Leiter. Ihm gelang es, einen Hörsaal, einen Gebärsaal und eine gynäkologische Abteilung zu errichten.
 
  Dr. Thoralf Schollmeyer, Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe


 
Neubau der Kieler Gebäranstalt auf dem Klinikhügel, Sommer 1862  
Chirurgische Neuerungen brachte Hermann Johannes Pfannenstiel mit seinem heute noch bekannten „Pfannenstiel-Querschnitt“ nach Kiel, als er dort 1907 bis 1909 Direktor wurde. Bei einer Operation zog er sich eine Infektion zu und starb daran nach einigen Tagen. Noch heute wird in dem allerdings auf dem neuesten Stand der Technik befindlichen Operationssaal operiert, wo Pfannenstiel einst das Missgeschick widerfuhr. Karl Franz folgte im Jahre 1910 als Direktor und wurde im gleichen Jahr noch durch Walter Stoeckel von 1910-1922 abgelöst. Stoeckel setzte sich besonders für die septische Station ein. Gerade mal mit 38 Jahren wurde anschließend Robert Schröder von 1922 bis 1936 Nachfolger von Stoeckel. 1937 bis 1961 übernahm Ernst Philipp die Klinikleitung und führte durch die schwierigen Bedingungen der Kriegs- und Nachkriegszeit.

 
  Eine nachgestellte Operation mit Puppen: Das Klinikpersonal scheute keine Mühen, die Arbeit der Frauenklinik anschaulich vorzustellen
 
Acht Plätze für Säuglinge: Neonatal-Intensivstation am Universitätsklinikum, Campus Kiel
 
Mit fast 4 000 Geburten waren unter Herbert Huber die höchsten Geburtenzahlen in der Geschichte der Klinik festzustellen. Ihm folgte 1970 Kurt Semm, der aufgrund seiner wissenschaftlichen Verdienste weltweit bekannt wurde. Er entwickelte die operative Laparoskopie als Routinemethode. Seit 1995 leitet Walter Jonat die Uni-Frauenklinik. Mit Schwerpunkt in der gynäkologischen Onkologie hat er sich auf dem Gebiet der Diagnostik und Therapie internationale Anerkennung erworben.

Die gesamte und ausführliche Chronik ist nachlesbar in einem allerdings nicht ganz billigen Buch: „Universitäts-Frauenklinik Kiel und Michaelis-Hebammenschule 1805-2005“, von den Autoren Walter Jonat, Thoralf Schollmeyer und Christian Andree, erschienen im Thieme Verlag, ISBN 3-13-142031-6, für 49,95 Euro.

Sylvia Hajduk, Ärztekammer Schleswig-Holstein, Bismarckallee 8-12, 23795 Bad Segeberg


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 06/2005

S. 28/29