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Personalia
Prof. Paul Heintzen 80 Jahre
Armin Wessel, Ulla-Maija Wessel

„Der gesunde Gelehrte, der Mann bei dem Nachdenken keine Krankheit ist.”
GC Lichtenberg (1742-1799), Sudelbücher Heft D, Aphorismen [240]

Ein gesunder Gelehrter in Lichtenbergs Sinne feierte am 8. Mai 2005 seinen 80. Geburtstag: unser verehrter Chef Prof. Dr. Paul Heintzen; emeritierter Professor und Direktor der Klinik für Kinderkardiologie und Biomedizinische Technik an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Wir wünschen ihm alles Gute und noch viele glückliche Jahre im Kreise seiner großen Familie.

Prof. Dr. Heintzen studierte in Bonn, promovierte 1952 in Düsseldorf, war dann zwei Jahre Stipendiat am Physiologischen Institut der Universität Münster und habilitierte sich 1959 an der Universität Kiel mit dem Thema „Quantitative Phonokardiographie“. An der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel etablierte er eine der ersten eigenständigen kinderkardiologischen Abteilungen und begann bereits 1966 mit dem Aufbau einer interdisziplinären Forschergruppe, deren Bereiche Biomedizinische Technik und experimentelle Kardiologie er von Anfang an in die Klinik integrierte.

Die damaligen Forschungsaktivitäten an seiner Abteilung umfassten ein breites Spektrum grundlagenorientierter und klinischer Themen. Bedeutende Neuentwicklungen entstanden auf den Gebieten der digitalen Verarbeitung physiologischer Daten und der digitalen Bildverarbeitung. So gab es in seiner Abteilung schon Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts das erste computergestützte Herzkatheterlabor in Europa, in dem die physiologischen Messwerte der Herzkatheteruntersuchung online digital aufgezeichnet und ausgewertet wurden. Wenig später war auch die Entwicklung einer digitalen Bildverarbeitungsanlage so weit fortgeschritten, dass sie klinisch anwendbar war.

 
  Prof. Dr. Paul Heintzen
(Foto: Armin Wessel)
Für seine herausragenden wissenschaftlichen Leistungen wurde Prof. Dr. Heintzen vielfach ausgezeichnet; unter anderem erhielt er 1976 den Paul-Morawitz-Preis der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung und 1984 den Edgar-Mannheimer-Preis der Europäischen Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie. Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung sowie die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Kardiologie haben ihm die Ehrenmitgliedschaft verliehen. Im März 2003 wurde er durch den damaligen Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Johannes Rau, mit dem Bundesverdienstkreuz für seine Leistungen in der Kinderkardiologie geehrt.

Es versteht sich von selbst, dass Prof. Heintzen zahlreiche wissenschaftliche Kongresse ausgerichtet hat, unter denen die Präsidentschaft der 55. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie 1989 in Mannheim einen Höhepunkt darstellte, indem er sein Anliegen, Maß und Zahl in der Kardiologie heimisch zu machen, eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat.

Sein akademisches Engagement hat seine Emeritierung um mehr als ein Jahrzehnt überdauert: Im Sommersemester 2004 hielt er seine legendäre EKG-Vorlesung im 90. Semester. Aber nicht nur die Medizinstudenten profitieren von seinen profunden Kenntnissen, auch seine Mitarbeiter hat er stets mit kritischer Unterstützung so gefördert, dass aus seiner Schule die Direktoren dreier großer kinderkardiologischer Abteilungen an Universitätskliniken in Deutschland hervorgegangen sind.

Prof. Heintzen war, das darf nach 15-jähriger Zusammenarbeit gesagt werden, stets ein kritischer wie verständnisvoller „Vater“, der uns, seinen „Zöglingen“, lehrte, dass die naturwissenschaftlichen Grundlagen der Kardiologie, nämlich „Maß und Zahl“, zu nutzen waren, um das Wohl der herzkranken Kinder zu verbessern.

Wir danken ihm für viele lehrreiche und schöne Jahre im Kieler Team, das er gern mit Zitaten von Goethe und Nietzsche anspornte.

Prof. Dr. Armin Wessel, Pädiatrische Kardiologie und Intensivmedizin, Med. Hochschule Hannover,
Ulla-Maija Wessel, Kinderärztin, Nachtigallshof 13, 37077 Göttingen


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 06/2005

S. 23