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Liebe
Kolleginnen und Kollegen,
die Wirtschaften der Industrienationen leiden in unterschiedlichem Ausmaß
unter Wachstumsschwäche. Der Versuch der Kompensation belastet unter
anderem die Staatshaushalte in nicht mehr lange vertretbarem Umfang. Der
Erfolg ist - ganz besonders bei uns in Deutschland - vergleichsweise bescheiden.
Es kommt eine mehr und mehr spürbare kollektive Depression ob so
gefühlten wirtschaftlichen Abstiegs ganzer Bevölkerungsgruppen
auf. Besonders betroffen scheinen diejenigen, die ihre Zukunft noch vor
sich haben. Wie soll es einer Generation von mitunter schlecht oder gar
nicht ausgebildeten Langzeitarbeitslosen gelingen, die zum Teil exorbitante
Staatsverschuldung jemals wieder abzutragen.
Auch vor diesem Hintergrund ist unser kürzlich erfolgter Aufruf zu
verstehen, trotz eigener wirtschaftlicher Bedrängnis über die
Schaffung von Ausbildungsmöglichkeiten im eigenen Umfeld nachzudenken.
Dieser Aufruf richtet sich an alle Arbeitgeber im Gesundheitswesen, also
auch die Verantwortlichen in den Krankenhäusern. Diese sind sogar
in mehrfacher Hinsicht gefordert. Die Umstellung der Finanzierung auf
das DRG-System erfordert ein Höchstmaß an Kreativität
und Engagement, um die bereits jetzt bekannten Risiken und bisher noch
nicht kalkulierbaren Nebenwirkungen auszugleichen.
Nach wie vor findet ein großer Anteil von ärztlicher Weiterbildung
im Krankenhaus statt. Das war in der Vergangenheit auch nie ein Problem.
Weiterbildung war ein Teil, um nicht zu sagen ein Nebenprodukt, der täglichen
Arbeit. Unter DRG-Bedingungen wird sie nunmehr zum Wirtschaftsfaktor mit
negativem Vorzeichen. Wenn OP-Minuten über rote oder schwarze Zahlen
am Jahresende entscheiden, geböte es die wirtschaftliche Vernunft,
nur fertige Fachärzte, wenn man sie denn hätte oder bekäme,
zu beschäftigen, die die hinterlegten Standardzeiten einhalten oder
möglichst sogar unterbieten. Und außerdem ist das Gehalt des
Facharztes nicht wesentlich höher als das eines Weiterbildungsassistenten
bei vergleichbarem Dienstalter.
Zuschläge für das Angebot von Weiterbildungsmöglichkeiten
sind bisher von den Tarifpartnern strikt abgelehnt worden. Vermutlich
wird vorübergehend der Wettbewerb um entsprechend qualifizierte Fachärzte
auf dem Arbeitsmarkt deren Position stärken. Dieses Phänomen
wird aber rasch übergehen in einen nachhaltigen Mangel. Dabei könnte
man durchaus aus Fehlern anderer Länder in Europa rechtzeitig lernen
und entsprechende Schlüsse ziehen. Abwerbungsteams aus England und
Holland bieten momentan deutschen Fachärzten Traumkonditionen - teilweise
im Vergleich zum deutschen Niveau verdoppelte Gehälter bei kürzerer
Arbeitszeit - für die Tätigkeit in ihren Gesundheitssystemen.
Dies stimmt nicht nur nachdenklich, sondern ist in gewisser Weise nahezu
grotesk. Denn in der eingangs erwähnten wirtschaftlichen Stagnation
gibt es auch einige Wachstumssegmente. Eines davon ist die steigende Nachfrage
nach Gesundheitsleistungen!
Mit freundlich-kollegialen Grüßen
Ihre
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Dr.
med. Franz-Joseph Bartmann
Präsident |
Dr.
med. Cordelia Andreßen
Hauptgeschäftsführerin |
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt
06/2005
S. 3
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