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Kooperation zwischen
Werks- und Hausärzten
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Dr.
Michael Peschke (Foto: wl)
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Wenn es um den Blick
auf den Menschen, den potenziellen Patienten geht, dann sehen Haus- und
Fachärzte die eine Seite, Betriebsärzte die andere. Daraus folgt:
Gemeinsam können wir mit einem ganzheitlichen Blick auf unsere
Patienten eine optimale Gesundheitsversorgung leisten, betont Dr.
Michael Peschke, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte
im Landesverband Hamburg und fügt hinzu, die enge Kooperation zwischen
Hausarzt und Betriebsarzt sei eine der Säulen einer ganzheitlichen
Versorgung.
Betriebsärzte und niedergelassene Kolleginnen und Kollegen sind nach
den Worten des erfahrenen Arbeitsmediziners Partner im Dienst der Patienten:
Betriebsärzte haben innerbetriebliche Kenntnisse und Einflussmöglichkeiten
- etwa wenn bestimmte Einschränkungen bei der täglichen Arbeitszeit
sinnvoll sind, wenn ein Patient vorübergehend nicht lange stehen
darf, wenn eine Medikation die Reaktionsfähigkeit beeinträchtigt,
wenn bestimmte Hilfsmittel nötig sind. Das klingt einleuchtend.
Dennoch sorgen sich deutsche Betriebsärzte landauf, landab: Wegen
mangelnder Kommunikation und Kooperation sei ihr ureigenes Aufgabengebiet,
die Prävention, gefährdet. Peschke sagt, er höre Klagen
darüber überall in Deutschland, in allen Landesverbänden
werde besorgt registriert, dass die Werks- und Betriebsärzte zunehmend
häufig keinen oder nur selten Kontakt haben zu ihren niedergelassenen
Kolleginnen und Kollegen. Zu den Gründen zähle zum einen die
knappe Zeit der Niedergelassenen, die sich immer mehr um bürokratische
Belange kümmern müssten; dazu zählt aber auch ein
gewisses Konkurrenzdenken, die Angst, dass der Kollege im Betrieb möglicherweise
Patienten abwerben möchte. Dies aber stimme so überhaupt
nicht, eher sei das Gegenteil der Fall: Nehmen Sie als Beispiel
eine Kampagne in Schleswig-Holstein (siehe Kasten), bei der die Betriebsärzte
den Impfstatus der Beschäftigten in den Betrieben komplett überprüft
haben. Sie wollten unter anderem eventuell vorhandene Impflücken
feststellen. Die Gesundheitsämter stellten Impfstoff, in diesem Fall
gegen Tetanus und Diphtherie, zur Verfügung, die Betroffenen konnten
geimpft werden. Das ist aber nicht alles: Bei allen anderen Impflücken,
die die Werksärzte entdeckt haben, verwiesen sie die Betroffenen
an deren Hausärzte - die Lücken wurden ganz schnell geschlossen.
Dies ist ein gutes Beispiel für eine gelungene Kooperation, und zwar
im Dienst der von uns immer in den Vordergrund gerückten Prävention.
Auch in einem anderen Fall gehen wir verstärkt auf die Hausärzte
zu, ich denke an die zahlreichen Berufskraftfahrer: Sie stehen unter extremem
Zeitdruck, sie schlafen wenig, sie essen meist das Falsche. Das Ergebnis
sind ansteigende Blutfett- und Blutzuckerwerte, Hypertonie und vielleicht
schon beginnende koronare Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wir als Arbeitsmediziner
prüfen solche Risikofaktoren regelmäßig und verweisen,
unterstützt von den Arbeitgebern, an die Hausärzte. An
diesen Beispielen sehe man, dass die Aufgabe der Betriebsärzte vor
allem in der Prävention liege, um die Behandlung kümmern sich
andere.
So gehen die Betriebsärzte jedem Hinweis auf einen möglicherweise
beginnenden Diabetes nach, sie regen die Betroffenen zu mehr Bewegung
und besserer Ernährung an, ehe überhaupt an eine medikamentöse
Behandlung gedacht werden muss, erklärt Michael Peschke. Er schildert
das Beispiel eines Berufskraftfahrers, Anfang 50; wegen seiner knappen
Zeit hatte er keinen Kontakt zum Hausarzt. Im Rahmen der vorgeschriebenen
Vorsorgeuntersuchung - große Speditionen achten darauf, dass hier
alle Termine eingehalten werden - kam er zu Peschke. Der Mann litt unter
leichtem Übergewicht, er aß vorwiegend an Raststätten.
Ich stellte bei ihm überhöhte Blutzucker- und Fettwerte
fest. Das habe ich ihm mitgeteilt und ihm zugleich dringend geraten, dies
alles von seinem Hausarzt abklären zu lassen. Der Kollege in der
Praxis stellte den Kraftfahrer medikamentös ein, es hat keine diabetischen
Komplikationen gegeben, der Mann ist voll einsatzfähig. Der
Hausarzt reagierte erfreut und schickte Peschke alle Untersuchungsergebnisse.
Inzwischen, so Peschke, haben wir dank intensiver Gespräche
auch die Arbeitgeber ein Stück dahin gehend bewegt, dass sie auf
solche Untersuchungen drängen, auch wenn sie selbstverständlich
in keinem Fall in die ärztlichen Belange eingreifen. Alle Erfahrung
zeigt, dass die Unternehmen interessiert sind, beispielsweise über
die Werksärzte Sicherheit feststellen zu lassen, denn: Gesunde Mitarbeiter
sind deren wichtigstes Kapital. Davon profitieren wiederum die Hausärzte,
wenn nämlich Werksangehörige sich regelmäßig untersuchen
lassen, denn die Betroffenen bekommen ebenso regelmäßig die
Empfehlung mit: Und nun wendet euch an euren Hausarzt.
Trotz solcher Beispiele für eine gelungene Kooperation scheinen dies
Einzelfälle zu sein. Woran liegt das? Michael Peschke erklärt:
Die Hausärzte haben wenig Zeit, sodass sie häufig gar
nicht an arbeitsbedingte Erkrankungen denken, was ich ihnen auch gar nicht
verdenke unter den Bedingungen, die sich für die niedergelassenen
Kollegen ja immer mehr verschlechtert haben. Ich kann nur an sie appellieren,
dass sie dem Rat suchenden Patienten auch mal den
Hinweis geben, sich an den für ihn zuständigen Betriebsarzt
zu wenden, denn: Nur der kann für andere Arbeitsbedingungen sorgen
- denken Sie an den Umgang mit Lösungsmitteln, um ein Beispiel zu
nennen -, nicht aber der Hausarzt. Oder denken Sie auch an das Wiedereingliederungs-Management.
Hier legen die Hausärzte oft etwas fest, ohne die Kooperation mit
dem zuständigen Betriebsarzt zu suchen. Ich denke in diesem Fall
etwa an Erzieherinnen in Kindertagesstätten: Bei ihnen kommt es bei
einer Wiedereingliederung oft nicht nur auf den oft beklagten Zeitfaktor
an, sondern auch darauf, die Art der Beschäftigung zu verändern.
Um Kooperation und Kommunikation zwischen niedergelassenen und Betriebsärzten
zu verbessern, gibt es in Hamburg beispielsweise die so genannten Montags-Kolloquien
in der Fortbildungsakademie der Ärztekammer, die für alle Ärztinnen
und Ärzte offen sind; zudem bieten die Betriebsärzte regelmäßig
Betriebsbegehungen an, damit gerade Niedergelassene auch mal hinter die
Mauern von Betrieben schauen können.
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Aus
einem Bericht der Arbeitsgruppe Impfungen am Ministerium für
Soziales, Gesundheit und Verbraucherschutz, Kiel, veröffentlicht
im Bundesgesundheitsblatt - Gesundheitsforschung - Gesundheitsschutz
12, 2004; einer der Autoren ist der genannte Dr. Peter Egler,
er hat die Arbeit zusammen mit Dr. Hans-Martin Bader aus Flensburg
verfasst:
Die Impfkampagne in Schleswig-Holstein hat von Februar bis
Dezember 2003 erstmals den Impfschutz von Erwachsenen in der Arbeitswelt
in den Mittelpunkt gestellt. In den routinemäßigen arbeitsmedizinischen
Vorsorgeuntersuchungen wurden sowohl der Impfschutz gegen Diphtherie,
Tetanus, Polio, Masern, Mumps, Röteln, Hepatitis A und Hepatitis
B (Vorlage des Impfpasses) als auch die Impfungen vor Ort (aktive
Leistung) dokumentiert. Wir erhielten 12 720 anonyme, auswertbare
Dokumentationsbögen, darunter von 4 167 im Gesundheitsdienst
Tätigen (mit Impfpass: 11 260 bzw. 3 776). Die Kampagne hatte
einen mehrfachen Nutzen: 1. Es gibt erstmals Erkenntnisse zum Impfstatus
der arbeitenden Bevölkerung in diesem Bundesland. 2. Die Akzeptanz
der Impfung bei den Teilnehmern wurde durch die Beratungsgespräche
erhöht und wirkte sich auch auf Familienangehörige aus.
3. Betriebsärzte können gezielt wichtige Lücken in
der Impfprävention schließen. Die Ergebnisse zeigen:
1. Besser geimpft sind Frauen, jüngere Altersgruppen und Tätige
in Bereichen des Gesundheitsdienstes. 2. Wenn ein Impfstoff vorhanden
ist, dann ist auch die Akzeptanz vorhanden. Es wird deutlich, dass
sich der bisherige Schwerpunkt der Aktivitäten in Schleswig-Holstein
(Kinder und Jugendliche) als gemeinsame Anstrengung unter dem Dach
einer kontinuierlich regionalen Impfkampagne seit 1999 nun bis in
die ersten beiden Altersgruppen der unter 20- bis Ende 20-Jährigen
hinein auswirkt.
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In Schleswig-Holstein
gibt es nach den Worten des freiberuflich tätigen Arbeitsmediziners
Dr. Peter Egler
aus Reinbek mehrere regionale Qualitätszirkel, zu denen sich Betriebsärzte
und Nieder-gelassene treffen. Betriebsbegehungen gebe es ebenfalls auf
regionaler Ebene. Diese und andere Maßnahmen sollen neben
der Information, die sie den Niedergelassenen bieten, zugleich unsere
Arbeit transparenter machen, sagt Michael Peschke.
Noch ein Wort zu den in jüngster Zeit immer wieder von Krankenkassen
und Betrieben erfreut gemeldeten niedrigen Krankenständen. Peschke
sieht das sehr differenziert: Wir beobachten eine Zunahme von psychischen
Erkrankungen, von Depressionen und Erschöpfungs- und burn-out-Zuständen
gerade bei den Leistungsstarken. Ich sehe dahinter die Angst, den Arbeitsplatz
zu verlieren und damit verbunden eine erhebliche Selbstüberforderung.
Die einen melden niedrige Krankenstände, wir entwickeln gerade Vorsorgeseminare
für Führungskräfte!
In einem Schreiben des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte
heißt es dazu, der niedrige Krankenstand sei sicher auch ein positives
Ergebnis der Präventionsleistungen in den Betrieben. Bedenklich aber
sei die Zunahme der psychischen Erkrankungen: In den letzten zehn
Jahren haben psychische Erkrankungen um das Doppelte auf insgesamt 7,5
Prozent zugenommen. Der tatsächliche Prozentsatz dürfte noch
höher sein, da sich nicht selten hinter Muskel-Skeletterkrankungen
psychische Erkrankungen verbergen. Dieser Problematik nehmen sich Arbeitsmediziner
und Betriebsärzte seit einiger Zeit intensiver an.
Auch angesichts dieser Problematik wären mehr Kooperation und Kommunikation
zwischen niedergelassenen und Betriebsärzten wünschenswert.
(wl)
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 03/2005
S. 69-71
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