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Rezensionen
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Alice Miller, Autorin des Bestsellers Das Drama des begabten Kindes, hat ein neues Buch geschrieben, das körperliche Krankheiten des Erwachsenen zur Folge von Misshandlungen macht, die er in der Kindheit von seinen Eltern erfahren hat. Die Autorin ist eine Schweizer Psychoanalytikerin, nach deren Meinung körperliche Krankheiten dann entstehen, wenn uns das Vierte Gebot des Dekalogs (Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren) dazu bringt, psychischen, körperlichen und sexuellen Missbrauch durch die Eltern zu verdrängen. Diese These sucht Alice Miller zunächst anhand der Lebensläufe zahlreicher Schriftsteller zu erhärten. Die Epilepsie Dostojewskis sei durch seinen brutalen Vater verursacht worden. Der frühe Tod Anton Tschechows und Franz Kafkas durch Tuberkulose wird in Beziehung zu ihren strengen Vätern gesetzt. Nietzsche sei geisteskrank geworden, weil er verdrängte, dass er als Kind ausgebeutet worden sei. Hätte jemand Nietzsche geholfen, das Wissen seines Körpers zuzulassen, hätte dieser nicht den Verstand verlieren müssen, um bis an sein Lebensende für seine eigene Wahrheit blind bleiben zu können. Auch die schweren Krankheiten Friedrich Schillers seien eine Konsequenz häufiger körperlicher Strafen in seiner Kindheit. Der Abschnitt über Marcel Proust ist mit Erstickt an der Mutterliebe überschrieben. Bedenkenlos führt die Autorin das Asthma des französischen Schriftstellers auf den verderblichen Einfluss der kontrollierenden und fordernden Mutter zurück, die zur Schuldigen der Todeskrankheit erklärt wird. Diese Behauptungen lassen sich nicht beweisen. Vermutungen Alice Millers werden dogmatisch und ohne Skepsis vorgebracht: Was das schwere Asthma Prousts verursachte, war die Verpflichtung zur totalen Dankbarkeit und die Unmöglichkeit, der mütterlichen Kontrolle und Einengung Widerstand zu leisten. Monoton wird wiederholt, wie viel Böses uns in der Kindheit durch unsere Eltern widerfahren sei. Natürlich kommt in der Kindheit sexueller, tätlicher oder verbaler Abusus durch die Eltern vor, man muss jedoch verantwortungsvoll und sensibel mit diesem Thema umgehen. Sigmund Freud wird von Alice Miller wiederholt scharf angegriffen, weil er in einer späteren Phase seiner Theorie erkannte, dass wirklicher Missbrauch in der Kindheit nicht selten schwer von den Fantasien der Patienten zu trennen ist. Die Autorin verallgemeinert und wittert hinter jedem Symptom des Erwachsenen eine frühe Misshandlung in der Kindheit. Das ist gefährlich und führt oft zu nicht haltbaren Beschuldigungen der Eltern und zu bedauerlichem Familienzwist. Mit keinem Wort erwähnt Alice Miller die möglichen Nebenwirkungen ihrer Psychotherapie. Nichts an ihren Deutungen von Krankheiten ist beweisbar. In weiteren Teilen des Buches werden stereotyp Schuldzuweisungen an die Eltern wiederholt: So sei ein Pankreaskarzinom eine Folge der psychischen Ausbeutung durch den Vater, die Anorexia nervosa wird natürlich durch die Kälte der Mutter bewirkt. Auch weitere Kasuistiken bleiben vollkommen spekulativ. Da das Buch in dem bekannten Suhrkamp-Verlag erscheint, fragt sich der Rezensent, warum nicht ein hilfreicher Lektor einen mäßigenden Einfluss auf die fantastischen und nicht belegbaren Hypothesen ausgeübt hat. Offenbar hofft aber der Verlag auf einen neuen Bestsellererfolg seiner Autorin, die eine beachtliche und gläubige Anhängerschaft besitzt. Die unbeweisbaren Deutungen, Spekulationen und Verdächtigungen des vorliegenden Buches erklären leider erneut, wie schnell das an sich berechtigte Anliegen einer psychosomatischen und ganzheitlichen Medizin in Misskredit zu bringen ist. Rezensent: Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt, Jaegerallee 7, 24159 Kiel
Informationen für Patientinnen und deren Angehörige zum Thema Eierstockkrebs gibt es nicht in dem Umfang wie für manch andere populärere Krebsarten. Schon deshalb ist diese Broschüre ein Gewinn. Besonders hervorzuheben ist jedoch der Ansatz, die betroffenen Frauen zu Wort kommen zu lassen. 100 Frauen mit Eierstockkrebs und abgeschlossener Behandlung sind interviewt worden und konnten Fragen stellen, die sie bewegt haben oder noch immer bewegen, für die jedoch in der Alltagsroutine des Krankenhauses den Ärzten manchmal die Zeit und den Patientinnen auch manchmal der Mut fehlt. Aus allen gestellten Fragen sind wiederum 100 Fragen nach Sachgebieten wie Allgemeines, Entstehung, Diagnose, Therapie usw. zusammengestellt worden. Die Fragen werden in der Regel eindeutig, so umfassend wie in diesem Rahmen möglich, und meist sehr verständlich beantwortet. So manches Fremdwort wäre allerdings verzichtbar gewesen und z. B. bei Frage 55 nach Schutzimpfungen wäre die Nennung von Diphtherie im Zusammenhang mit Tetanus sowie für Frauen ab 60 auch ein Hinweis auf die Nützlichkeit von Schutzimpfungen gegen schwere Grippe (Influenza) wünschenswert gewesen. Dies sind jedoch Feinheiten, die der ansprechenden und informativen Broschüre keinen Abbruch tun. Positiv hervorzuheben ist darüber hinaus das Glossar mit wichtigen medizinischen Fachausdrücken und ganz besonders auch das Stichwortverzeichnis, das eine schnelle Information zu Einzelfragen ermöglicht. Ebenso sind die Hinweise auf andere Informationsschriften und weiterführende Literatur sowie die Adressensammlung gewiss hilfreich. Insgesamt ist diese Broschüre eine Bereicherung auf dem Markt der Patienteninformationen. Rezensentin: Dr. phil. Elfi Rudolph, Landesvereinigung für Gesundheitsförderung, Flämische Str. 6-10, 24103 Kiel
Kurze Inhaltsangabe:
Das Buch als solches ist bereits eine Kooperation: Sechs Autorinnen aus
drei Kassenärztlichen Vereinigungen (KV), der Kassenärztlichen
Bundesvereinigung und dem ZI haben dieses Buch geschrieben und/oder zusammengestellt.
Es beschreibt die Kooperation zwischen Ärzten/Psychotherapeuten,
den Kooperationsstellen der KVen und den Selbsthilfegruppen. Es werden
die Kooperationsbeteiligten und deren Organisationsformen beschrieben
sowie die Frage beantwortet, warum gerade die ärztliche Selbstverwaltung
als Träger der Kooperationseinrichtungen geeignet ist. Es werden
erfolgreich erprobte Modelle aufgezeigt und es wird die Zusammenarbeit
mit den ärztlichen Qualitätszirkeln dargelegt. Ferner werden
die Vorteile und der Nutzen der Zusammenarbeit zwischen Ärzten, Psychotherapeuten
und der Selbsthilfe aus der Sicht der Kooperationsberaterinnen beleuchtet
und die Bedingungen für die tägliche Praxis. Interessenten finden
Hinweise auf die notwendigen Rahmenbedingungen sowie konkrete Arbeitsbedingungen.
Rezensent: Dr. Heinz-Peter Sonntag, Niobestr. 9, 23570 Lübeck-Travemünde
Dieses Arbeitsbuch
beschreitet einen interessanten methodischen Weg und bereitet mit 25 umfassenden
Praxisfällen auf die praktische und die mündliche Prüfung
in den Bereichen Medizin und Laborkunde vor. Friedrich Kiehl Verlag, Pfaustr. 13, 67063 Ludwigshafen
Kurze Inhaltsangabe: Abriss der gesamten Thematik des chirurgischen Fachgebietes in 22 Kapiteln mit kurzen prägnanten Stichpunkten. Es besteht eine nach Organen- bzw. Organsystemen aufgeteilte konsequente Gliederung der Kapitel mit: Anatomie, Pathophysiologie, morphologischer Pathologie, Klinik, Prinzipien und Indikation der chirurgischen Therapie einschließlich alternativer Verfahren, OP-Vorbereitung, operative Technik, OP-Technik und ihrer Komplikationen. Kritische Bewertung:
Die aktualisierte Auflage entspricht dem Facharztniveau auf dem neuesten
Stand. Umfassende, aber knapp gefasste Darstellung. Differente Vorgehensweisen
z. B. Stentimplantationen bei Aortenaneurysmata werden kurz und kritisch
erwähnt. Empfehlung: Das Buch kann für die Vorbereitung für die Facharztprüfung empfohlen werden. Darüber hinaus hat das Buch auch als Repititorium (z. B. TNM-Stadien) seinen Wert für jeden Chirurgen. Rezensent: Prof. Dr. Peter Kujath, Klinik für Chirurgie, UK S-H, Campus Lübeck, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck |
Schleswig-Holsteinisches S. 4, 42, 43, 64, 65 |
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