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Schleswig-Holstein
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Professor
Raffelhüschen in Kiel Über 200 Gäste kamen zur Veranstaltung am 20. Oktober ins Steigenberger Conti Hansa nach Kiel, als Prof. Dr. Bernd Raffelhüschen, Finanzwissenschaftler und Mitglied der Rürup-Kommission, über Konsequenzen des demographischen Wandels, Bürgerversicherung und Kopfpauschale berichtete und den interessierten Zuhörern anschließend eine Diskussion bot. Initiiert wurde die Veranstaltung von Dr. Edda Oppermann, Ärztin in der Geschäftsführung der Ärztekammer Schleswig-Holstein in ihrer Funktion als Vorsitzende der Informationsstelle für Heilberufe (IdH).
Prof. Dr. Raffelhüschen kam zu dem Ergebnis, dass nicht nur der demographische Wandel allein dem Gesundheitswesen schade. Auf der einen Seite gibt es in der Krankenversicherung nachwachsend immer weniger Beitragszahler. Darüber hinaus gibt es das Nachhaltigkeitsproblem, welches aussagt, dass trotz zu weniger Beitragszahler die Leistungen bezahlt werden, sie steigen sogar an, je älter der Mensch wird. Je älter man wird, desto mehr nimmt man die Krankenversicherung in Anspruch. Die Nachhhaltigkeitslücke in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) steht ohne Kostendruck bei 84 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), mit einem Kostendruck steigt der Wert auf 232 Prozent des BIP. Die Politik hat natürlich Schwierigkeiten den Beitragszahlern aufgrund dieses Problems mit Beitragssteigerungen zu begegnen, da sie ihre Versprechen, die Beiträge zu senken, schon nicht halten konnte, so Raffelhüschen. So kam man in der
Politik zu zwei Reformoptionen: der Bürgerversicherung und der Kopfpauschale.
Beide Varianten wurden von Raffelhüschen kritisch bewertet.
Bei der Kopfpauschale
gibt es gleiche Prämien für alle Bürger(innen). Hier können
auf der politischen Ebene jedoch nur dann Befürworter gefunden werden,
wenn ein sozialer Ausgleich für Einkommensschwache und gleichzeitig
noch Steuersenkungen realisiert werden können - alles zusammen de
facto unmöglich. Die Wahrscheinlichkeit
der Einführung einer Bürgerversicherung sei sehr klein, da es
im Bundestag immer eine Mehrheit gegen diese gäbe. Selbstständige
und Beamte als neue Einzahler füllen zwar im ersten Moment
die Kassen, weil sie in der Regel ein relativ junges Alter haben. Doch
die große Einstellungswelle der Beamten in den 70er Jahren und die
daraus resultierende große Zahl derer sei schlecht für die
Gesamtbilanz, da hier auch Beamtenfrauen und -kinder mitversichert seien
und nichts in die Kassen zahlen würden. Mit der Bürgerversicherung
würde das Nachhaltigkeitsproblem nicht gelöst, weil man letztlich
keine zusätzlichen Einnahmen hätte. Versicherungsmathematisch
das höchste Risiko haben übrigens die nur bei uns im Norden
zu findenden Pastorenwitwen! Notwendig, so Raffelhüschen,
ist vorrangig eine Ausgabenstrukturreform der GKV. Er erläuterte
die so genannte Freiburger Agenda zur GKV, in der Vorschläge zu einer
solchen Strukturreform zusammengefasst sind: 1. Vermeidung eines
zusätzlichen Kostendrucks im stationären Bereich durch ordnungs-
und wettbewerbspolitische Maßnahmen. Prof. Raffelhüschen,
der auch in Norwegen arbeitet, wurde in einer anschließenden Diskussion
gefragt, ob man sich denn von dem norwegischen Gesundheitssystem etwas
abgucken könnte. Die Norweger sind das Kuwait Europas,
wertete Raffelhüschen, Norwegen hat viel Geld und kann sich
sein Gesundheitswesen leisten, es ist nicht vergleichbar mit dem der Deutschen. Locker, aber überzeugend
und logisch aufgebaut präsentierte Raffelhüschen seinem Publikum
die trockenen Zahlen und Statistiken und zog die Zuhörer in seinen
Bann. Ein Abend, der sich gelohnt hat. Sylvia Hajduk, Ärztekammer Schleswig-Holstein, Bismarckallee 8-12, 23795 Bad Segeberg |
Schleswig-Holsteinisches
S. 23 / 24 |
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