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Schleswig-Holstein

Belegkliniken
Furcht um Existenz

Belegkliniken fürchten zunehmend um ihre Existenz - und beklagen eine fehlende Lobby. Weder von Krankenkassen noch von Politikern ist Unterstützung zu erwarten, obwohl die Einrichtungen Sektor übergreifend und meist effizient arbeiten. Folge: Je stärker die niedergelassenen Ärzte ihre vergleichsweise günstigen belegärztlichen Leistungen zurückfahren, um so mehr teure stationäre Aufnahmen sind notwendig.

Helios Agnes Karll Krankenhaus (Fotos: di)

Für eine ganze Reihe von Belegkrankenhäusern in Deutschland befürchtet Ekkehard Zimmer mittelfristig das Aus. Der Geschäftsführer des Helios Agnes Karll Krankenhauses in Bad Schwartau sieht seit einiger Zeit ein deutlich schwierigeres Umfeld für Beleghäuser als noch vor einigen Jahren. Grund: Die Bedingungen für niedergelassene Ärzte, belegärztlich tätig zu werden, sind in seinen Augen aus verschiedenen Gründen unattraktiver geworden. Die Zahlen des Helios Agnes Karll Krankenhauses belegen, dass zumindest dort viele Ärzte ihre belegärztlichen Leistungen zurückfahren - zu Lasten steigender stationärer Aufnahmen. Von 5 450 Fällen im Jahr 2001 wird die Fallzahl im laufenden Jahr auf voraussichtlich 4 500 zurückgehen. Zimmer ist sich sicher, dass sein Haus kein Einzelfall ist - und dass nicht alle Beleghäuser diese Entwicklung überleben werden.
Die Bad Schwartauer Klinik mit 50 Mitarbeitern, 76 Planbetten und drei Operationssälen kommt ohne angestellte Mediziner aus. Sie verlässt sich ganz auf belegärztliche Leistungen von 35 niedergelassenen Ärzten aus elf Fachrichtungen. Kehrseite dieser Spezialisierung: Wenn es wegen belegärztlicher Leistungen Probleme mit Krankenkassen und MDK (Medizinischer Dienst der Krankenversicherung) gibt, bekommt das Haus dies finanziell zu spüren. Nur zwei Beispiele:

  • Ekkehard Zimmer
    Ambulante Operationen: Diese von den Kassen geförderten Eingriffe sind per Gesetz nur Krankenhäusern mit Hauptabteilungen erlaubt, nicht aber Belegkliniken. Wenn Kassen nach Eingriffen in Beleghäusern feststellen, dass diese nach ihrer Meinung auch ambulant möglich gewesen wären, zahlen sie nicht. Während der niedergelassene Arzt seine Leistung über die KV abrechnen kann, bleibt das Beleghaus auf seinen Kosten sitzen - pro Jahr passiert dies allein in der Bad Schwartauer Klinik viele hundert Mal. Zimmer beziffert die Kosten für nicht bezahlte ambulante Operationen auf jährlich 175 000 EUR. Verhindern lassen sich diese Grenzfälle nach Meinung Zimmers kaum, da die behandelnden Ärzte vorher nicht immer abschätzen können, ob ein ambulanter Eingriff möglich ist.
  • MDK-Prüfungen: Bei einigen hundert Fällen im Jahr schließt der Medizinische Dienst auf Fehlbelegung, meist wegen angeblich unzureichender Dokumentation. Die Dokumentation ist Sache der behandelnden Ärzte. Zimmer kann nachvollziehen, dass die weniger genau dokumentieren, als dies zwischen einweisendem Arzt und Krankenhaus der Fall ist, denn: „Die Belegärzte kennen ihre Patienten und begründen sich selbst als zugleich in der Klinik behandelndem Arzt doch nicht ihre eigene Einweisung. Es ist nachvollziehbar, dass es deshalb leichter zu Lücken kommen kann.“ Diese Lücken bescheren seinem Haus im Jahr weitere 175.000 EUR an Einnahmeausfällen. Denn auch hier gilt: Die Belegärzte rechnen mit der KV ab, das Beleghaus bekommt keine Erstattung.

Wenn Belegkliniken wegen solcher Probleme in Existenznöte kommen, gibt Zimmer zu bedenken, erleidet die gesamte Volkswirtschaft Nachteile. Denn als Folge müssten Ärzte wieder verstärkt stationär einweisen und damit dem Gesundheitswesen deutlich höhere Kosten verursachen. (di)


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 11/2004

S. 21 / 22