|
Schleswig-Holstein
|
|||
|
Privat-
und Familienarchive von Ärzten Biographien schreibt er nicht, aber die gesammelten Werke von Medizinern sind bei Prof. Dr. Peter Voswinckel in den richtigen Händen: Der Medizinhistoriker aus Lübeck bietet eine in Deutschland wohl einmalige Dienstleistung an: Er sichtet, erschließt, dokumentiert und archiviert Privat- und Familienarchive von Ärzten. Als Zielgruppe für
seine Dienstleistung sieht Voswinckel in erster Linie Angehörige
von verstorbenen Medizinern, aber auch Ruheständler, die ihr eigenes
Werk nicht selbst aufarbeiten wollen. Sein Spektrum umfasst u. a. Recherchen,
biographische Auskünfte, Hilfestellung bei der Familienforschung
sowie Redigieren, Schreiben und Lektorieren.
Voswinckel, der zuvor
zwölf Jahre lang an der Medizinischen Universität Lübeck
geforscht hatte, ist seit einem halben Jahr selbstständig. Sein Büro
für Geschichte und Schreibwerk (Tel. 0451/44515) nennt er Monumenta
Asservanda (Erinnerungsstücke, aufzubewahren). Auf die Geschäftsidee
war er gekommen, weil Angehörige von verstorbenen Medizinern oft
nicht wissen, was sie mit den zahlreichen Unterlagen im Arbeitszimmer
des Arztes anfangen sollen. Ich ordne und bewerte das und bringe
das in gebundene Form, erklärt Voswinckel. Zum Teil werden
ihm prall gefüllte Arbeitszimmer überlassen, manchmal aber auch
einfach nur Kartons voller Unterlagen übergeben. Darin können
sich Briefe in deutscher Schrift, heute nicht mehr übliche Diplome,
Veröffentlichungen oder Aufzeichnungen des Arztes aus vergangenen
Jahrzehnten befinden. Nach der ersten Sichtung ist von Voswinckel sowohl
handwerkliche Arbeit als auch sein Wissen als Medizinhistoriker gefragt.
Denn die Recherche
und Einordnung bestimmter Themen aus dem Medizinbereich aus zurückliegenden
Jahrzehnten ist bei manchen Aufträgen sinnvoll und erwünscht,
um späteren Lesern das Verständnis zu erleichtern. Schlichte
Handwerkskunst ist dagegen gefragt, wenn er die Unterlagen auf ein einheitliches
Format bringt, um sie anschließend binden zu lassen. Außerdem
werden die Unterlagen chronologisch geordnet und ein umfangreiches Namensverzeichnis
erstellt. So kommen leicht Nachschlagewerke von mehr als 600 Seiten zusammen,
die viel über das Berufsleben und die beruflichen Begleiter des Arztes
verraten. Eine der ersten, die
sich in Schleswig-Holstein für Voswinckels Dienstleistung interessierte,
war Prof. Dr. Frowine Leyh-Griesser aus Lübeck. Für sie archivierte
Voswinckel zunächst ihre zahlreichen Veröffentlichungen und
Sonderdrucke in einem übersichtlichen Buch. Die Professorin stellte
Kopien davon der Lübecker Universität zur Verfügung, was
nachfolgenden Generationen Recherchen deutlich erleichtern kann.
Dann sichtete Voswinckel die Lebenserinnerungen des 2001 verstorbenen
Prof. Dr. Gerd Griesser. Dessen Aufzeichnungen dürften für Schleswig-Holsteiner
ebenfalls interessant sein: Griesser war von 1979 bis 1985 Präsident
der Kieler Christian-Albrechts-Universität sowie Ehrensenator der
Medizinischen Universität Lübeck, seine persönlichen Erinnerungen
umfassen mehrere Jahrzehnte regionaler Medizingeschichte. Voswinckel ist sicher, dass es in Schleswig-Holstein weitere solcher Nachlässe gibt, die je nach Wunsch nur für die Familie oder für öffentliche Bibliotheken wertvoll sein könnten. Das Honorar für seine Tätigkeit richtet Voswinckel am Umfang, Schwierigkeitsgrad und den geleisteten Vorarbeiten aus. (di) |
Schleswig-Holsteinisches
S. 20 / 21 |
||