zurück zur Rubrikensuche
zurück zum Inhaltsverzeichnis

Schleswig-Holstein

Leistungstransparenz von Krankenhäusern
Zahlen - Daten - Fakten

Die Recherche unter der Internetadresse www.healthgrades.com gehört für viele Patienten in den USA zur Vorbereitung auf einen Klinikaufenthalt dazu. Für jede gewünschte Erkrankung und Region ist dort aufgelistet, ob die Arbeit einer Klinik in den vergangenen Jahren mit fünf („best“) oder nur einem Stern („poor“) bewertet wurde. Die Patienten erfahren, ob ein Haus für ihre Erkrankung zu den Kliniken mit hoher oder niedriger Eingriffszahl gehört oder ob es gar nicht erfasst ist.

Die Internetrecherche vor einem Klinikaufenthalt würden sich auch viele deutsche Versicherte wünschen, wie eine Umfrage der AOK Niedersachsen unter Patienten in Hannover ergab. Jeder zweite würde es begrüßen, wenn Kliniken solche Daten im Internet zur Verfügung stellen würden und er diese Daten recherchieren könnte. Noch lieber wäre den Patienten, wenn sie diese Informationen im Wartezimmer der Arztpraxis durch eine Auslage erhalten würden. Außerdem wünschen sich viele, dass ihr Hausarzt sie auf Basis der Qualitätsberichte ausgewählter Kliniken berät.

Die Ergebnisse der Umfrage bestätigen auch die Erfahrungen der AOK Schleswig-Holstein. „Der Trend zur Eigeninitiative ist da“, sagte Pressesprecher Dieter Konietzko. Viele Versicherte wünschten sich ein optimiertes Auskunfts- und Beratungssystem für den stationären Bereich - analog zum Arztfindex für die niedergelassenen Ärzte. Konietzko sieht aber auch noch eine zweite Gruppe von Patienten, die eher dem Rat des Hauarztes, als der eigenen Recherche vertraut.

Dieter Konietzko (Foto: Privat)

Doch viele Kliniken tun sich heute noch schwer mit der Auswahl der Daten, die sie dem Patienten zur Verfügung stellen. Eine Ausnahme sind die Krankenhäuser des Helios-Konzerns, die alle einen Jahresbericht veröffentlichen und im Abschnitt „Zahlen-Daten-Fakten“ auch über Fallzahlen und Sterblichkeit jeder Erkrankung informieren. „Solche Zahlen gehören auf den Tisch“, meint Dr. Thomas Mansky. Der Abteilungsleiter für medizinische Entwicklung im Helios-Konzern hält die Transparenz für wichtig, um bei den Patienten Vertrauen aufbauen zu können. Zugleich sieht er in der Transparenz ein Marketinginstrument für die Kliniken. „In Fachkreisen sind unsere Statistiken schon bekannt und auch unter Patienten wird sich die Transparenz früher oder später herumsprechen“, meint Mansky. Außerdem helfen diese Zahlen nach Erfahrungen Manskys, sich den eigenen Defiziten zu stellen und daran zu arbeiten. Die gleiche Auffassung vertritt Dr. Gunda Ohm von der Hanseatischen Krankenkasse (HEK). Sie begrüßt die Transparenz bei Helios, sagt aber auch: „Viele Kliniken zeigen daran wenig Interesse.“ Für sie ist die Zurückhaltung der Krankenhäuser unverständlich: „Wer von der Qualität der eigenen Arbeit überzeugt ist, sollte auch Interesse daran haben, dies öffentlich darzustellen.“

Eine Umfrage der AOK Niedersachsen in Hannover zeigt, dass Patienten sich Informationen von und über Krankenhäuser wünschen. 41 Prozent der Befragten gab an, sich schon einmal gezielt über Kliniken bzw. Klinikleistungen informiert zu haben. Das Krankenhaus selbst steht dabei als Informationsquelle allerdings erst an dritter Stelle, nach dem Hausarzt und der Familie bzw. Freunden. Weiteres Ergebnis der Umfrage: Die von vielen Ärzten gefürchtete Mortalitätsrate spielt für die Patienten nur eine untergeordnete Rolle. Neben dem Schwerpunkt des Hauses ist den Patienten die Häufigkeit der erbrachten Leistung am wichtigsten. Die Sterblichkeit interessiert die Patienten erst an neunter Stelle. Wert legen die Patienten laut Umfrage auf Verständlichkeit, auf tabellarische Übersichten und Informationen, die auf die einzelnen Fachabteilungen heruntergebrochen sind.
Demnächst aber werden sie vom Gesetzgeber in die Pflicht genommen. Ab 2005 müssen Kliniken regelmäßig in einem Qualitätsbericht Auskunft zu bestimmten Leistungsmerkmalen in ihrem Haus geben - allerdings ohne Sterblichkeitsraten. (di)


Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt 11/2004

S. 19 / 20