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Schleswig-Holstein
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Pflegefachtagung
in Flensburg
Um die kommenden Herausforderungen in der Pflege und Betreuung älterer Menschen meistern zu können, halten viele einen radikalen Kurswechsel in der deutschen Pflegeversicherung für notwendig. Auf einer Fachtagung des Diakonischen Werkes Schleswig-Holstein und des Deutschen Evangelischen Verbandes für Altenarbeit (Devap) am 28. und 29. September in Flensburg wurde deutlich: Der Politik trauen nur wenige diesen Kurswechsel zu. Politiker werden
eher versuchen, den Beitragssatz konstant zu halten und am Leistungskatalog
zu basteln, sagte zum Beispiel Volkswirtin Jasmin Häcker in
Flensburg. Die Mitarbeiterin des Freiburger Professors Bernd Raffelhüschen
machte den über 100 Teilnehmern deutlich, dass kommende Generationen
zunehmend mit den heute verursachten Pflegekosten belastet werden, wenn
nicht schnell gegengesteuert wird. Für Raffelhüschen und Häcker
bedeutet das: weg vom Umlageverfahren, Aufbau eines Kapitalstocks, deutlich
höhere Kosten für die Beitragszahler. Die Wortmeldungen der
Teilnehmer nach Häckers Vortrag zeigten jedoch, dass kaum jemand
an die Umsetzung so harter Einschnitte glaubt. Begründung: Die meisten
Politiker hätten Angst, dafür bei der nächsten Wahl abgestraft
zu werden. Schleswig-Holsteins
Landespastorin Petra Thobaben stellte klar, dass bei allen notwendigen
Kurskorrekturen die Beitragszahler nicht zu stark belastet werden dürfen.
Es kommt darauf an, dass die Übergänge für die Betroffenen
ertragbar bleiben, sagte Thobaben. Nach ihrer Beobachtung wird im
Pflegebereich auffällig viel über die Finanzierung gesprochen.
Sie gab aber zu bedenken: Solidarität muss sich auch beim bürgerschaftlichen
Engagement zeigen. Der Devap-Vorsitzende
Dr. Karl Heinz Bierlein wünschte sich in Flensburg mehr Aufgeschlossenheit
der Deutschen für technische Hilfsmittel in der Pflege. Viele in
den USA selbstverständliche Hilfsmittel könnten nach seiner
Beobachtung auch bei uns den Betroffenen und den Pflegekräften den
Alltag erleichtern. In Deutschland wird immer gleich das Schreckgespenst
von Pflegerobotern bemüht, kritisierte Bierlein. Zugleich regte
er Pflegeanbieter zum Umdenken bei der Kundenorientierung an. Bierlein
rechnet künftig mit einem steigenden Qualitätsbewusstsein der
Betroffenen. Anbieter sollten sich darauf mit stärkerer Kundenorientierung
und Differenzierung einstellen, mahnte der Devap-Vorsitzende. Einzelne Anbieter
bestätigten Bierleins Beobachtungen und haben längst Konsequenzen
daraus gezogen. Friedrich Trapp, Geschäftsführer der Martin-Luther-Stiftung
in Hanau, berichtete in Flensburg von einer steigenden Nachfrage nach
differenzierten Betreuungsangeboten. Zum Beispiel nach Hausgemeinschaften,
in denen Demenzkranke gemeinsam leben. Außer von Pflegekräften
werden sie in diesen Gemeinschaften auch von einer Präsenzkraft unterstützt,
die Funktionen wie früher eine Hausdame übernimmt. Die
Präsenzkraft hilft den Bewohnern, Normalität und Kontinuität
im Alltag herzustellen und schenkt ihnen Vertrauen und Sicherheit,
sagte Trapp. Ein weiteres Modell aus Hessen, das Trapp kurz vorstellte:
Pflegebedürftige können wählen, ob sie nur bestimmte Grundleistungen
in einer Wohnanlage wie etwa Pflege und Betreuung bei Erkrankung nutzen
oder gegen einen Aufpreis auch etwa die Kurzzeitpflege. Unabhängig
von der Wahl steht für alle Bewohner rund um die Uhr ein Notruf zur
Verfügung. Einen Königsweg
in der Betreuung pflegebedürftiger Menschen gebe es nicht, gab Trapp
zu bedenken. Die Träger seien aufgefordert, sich laufend zu fragen,
ob und wie sie ihre Angebote anpassen und neue Bausteine hinzufügen
könnten. Anregungen dazu erhielten die Teilnehmer am zweiten Veranstaltungstag
auf den Exkursionen in die Pflegeeinrichtung Vesterdalen im dänischen
Broager sowie im Senior Residens, einer dänischen Einrichtung im
deutschen Tarp. Dirk Schnack, Postfach 12 04, 24589 Nortorf |
Schleswig-Holsteinisches
S. 18 / 19 |
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