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Personalia
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Menschlich
und berufspolitisch ein großes Vorbild
Ingeborg Retzlaff
hat 1966 im Alter von 37 Jahren die Gruppe Lübeck im Deutschen Ärztinnenbund
gegründet. Sie war eine charismatische Persönlichkeit und eine
Mentorin für viele Ärztinnen in der Berufspolitik: Dazu zählen
sich auch die nur vier Wochen nach Ingeborg Retzlaff verstorbene Dr. Ursula
Auerswald, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer sowie Präsidentin
der Ärztekammer Bremen, sowie Dr. Astrid Bühren, Nachfolgerin
im Amt der Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes (DÄB)
und im Vorstand der Bundesärztekammer. Ingeborg Retzlaff
war eine außergewöhnliche und sehr moderne Ärztin: selbstständig
im Beruf wie im privaten und öffentlichen Leben, Pionierin als erste
Präsidentin einer bundesdeutschen Ärztekammer, erste Ärztin
im Vorstand der Bundesärztekammer und als Gründerin einer Ärztinnengruppe.
Im DÄB hat sie die Vorstandsarbeit für junge Kolleginnen geöffnet,
in dem sie die satzungsgemäße Erweiterung des Vorstandes um
ein Mitglied aus dem Jungen Forum durchsetzte. Sie schrieb berufspolitische
Geschichte, als sie während ihrer Präsidentinnenschaft im DÄB
(1989-1993) Vorsitzende des § 218-Ausschusses der Bundesärztekammer
und des Deutschen Ärztetages 1990/1991 war und gemeinsam mit Rita
Süßmuth Partei übergreifend den § 218-Kompromiss
zwischen Ost und West erreichte. Diese Regelung hat bis heute Bestand,
auch wenn es als Wermutstropfen empfunden wird, dass 1992 das Bundesverfassungsgericht
Abtreibungen als rechtswidrig einstufte und nur die Abtreibung in den
ersten 12 Schwangerschaftswochen nach Pflichtberatung für nicht strafbar
ansah. Auch viele Ärztinnen aus der früheren DDR erinnern sich
bewundernd daran. Der DÄB plädiert dafür, dass dieser praktikable
Kompromiss weiter bestehen möge. Auch in den elf Jahren
nach Eintritt ihrer schweren Krankheit verfolgte Ingeborg Retzlaff interessiert
alle Vorgänge im DÄB und nahm auch viele Hindernisse auf sich,
um an den wissenschaftlichen Kongressen teilnehmen zu können. Als
auf dem 105. Deutschen Ärztetag in Rostock das Thema: Ärztinnen,
eine Zukunftsperspektive für die Medizin auf der Tagesordnung stand,
war sie ganz selbstverständlich dabei. Nachdem sie vier Wochen
zuvor in bemerkenswerter Frische an der Feier zu ihrem 75. Geburtstag
in der Ärztekammer Schleswig-Holstein teilgenommen hatte, kam ihr
Tod jetzt plötzlich und unerwartet. Ingeborg Retzlaff
war eine besondere Persönlichkeit und eine Vorkämpferin als
Ärztin in ärztlichen Gremien, von 1982 bis 1993 erste Präsidentin
einer Landesärztekammer und von 1989 bis 1993 gleichzeitig Präsidentin
des Deutschen Ärztinnenbundes. Unter anderem war sie Mitglied im
PPP-Ausschuss (Psychiatrie-Psychotherapie-Psychohygiene) und Vorsitzende
des Ausschusses der Bundesärztekammer zum Thema: Sexueller Missbrauch
von Kindern und Jugendlichen. Weitere Themen, die ihr am Herzen lagen,
waren ethische Fragen zur extrakorporalen Befruchtung und die Embryonenforschung,
die auch heute noch aktuell sind. Für ihre Verdienste
erhielt sie 1995 die Paracelsus Medaille der Deutschen Ärzteschaft
und 1999 das Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Das Wirken von Ingeborg
Retzlaff wird im Deutschen Ärztinnenbund unvergessen bleiben. In
der 80-jährigen Geschichte des DÄB nimmt sie eine herausragende
Position ein. Wir trauern um sie:
Astrid Bühren, Karin Bucher, Dagmar-E. Dennin, Doris Hartwig-Bade,
Maria Koch-Dörfler, Hiltrud Trautwein, Marianne Schrader. Prof. Dr. Marianne Schrader, Klinik für Plastische Chirurgie, UK S-H, Campus Lübeck, Ratzeburger Allee 160, 23538 Lübeck |
Schleswig-Holsteinisches
S. 16 |
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