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Liebe
Kolleginnen und Kollegen,
der Spätherbst
wird scheinbar heißer als vermutet, angekündigt und erwartet.
Die Kassenbeiträge werden natürlich nicht sinken, jedenfalls
nicht in dem Maße, dass hieraus die viel beschworenen Impulse für
den Wirtschaftsstandort Deutschland durch Senkung der Lohnnebenkosten
zu erwarten wären. Auch wird der einzelne Versicherte nicht annähernd
eine Kompensation für die seit diesem Jahr erheblich gewachsenen
Zuzahlungen erwarten können. Ganz im Gegenteil gehen realistische
Prognosen von einer weiteren und kontinuierlichen Steigerung der für
Gesundheitsleistungen aufzubringenden Kosten aus.
Die hohe Verschuldung der Krankenkassen bildet eine sich immer weiter
öffnende Schere zu der chronischen Unterfinanzierung des Gesundheitswesens.
Dies ist seit Jahren bekannt, wird aber in der Öffentlichkeit kaum
registriert, weil massenhafter Verlust von Arbeitsplätzen, Insolvenzen
scheinbar mächtiger und prosperierender Firmenkonsortien verständlicherweise
die Schlagzeilen beherrschen und der physische und psychische Druck der
im Gesundheitswesen Beschäftigten sich vergleichsweise als geringeres
Problem darstellt. Dies nicht nur, weil die Arbeitsplätze im Gesundheitswesen
trotz Stellenabbau und Arbeitsverdichtung global gesehen nicht gefährdet
scheinen, sondern vielmehr für die Zukunft eher ein Mangel an Arbeitskräften
vorausgesagt wird.
Zumindest im Krankenhaus scheint allerdings in diesem Herbst jetzt ein
Punkt erreicht, der nicht nur in einzelnen Bereichen, sondern flächendeckend
die Alternative zwischen drohender Insolvenz oder massivem Lohnverzicht
der Beschäftigten stellt.
Die Schere zwischen Grundlohnsummensteigerung und Tarifsteigerung beträgt
in den alten Bundesländern seit 1995 inzwischen 25 Prozent. Dies
führt dazu, dass bei immer mehr Krankenhausträgern über
den Austritt aus dem Arbeitgeberverband und die Bildung eines Unternehmensverbandes
Krankenhäuser ernsthaft nachgedacht bzw. schon zur Realisierung geschritten
wird.
Aufforderungen zum Verzicht auf Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld und Bereitschaftsdienstvergütungen
werden nicht mehr als freiwilliger Beitrag zum Erhalt des eigenen Arbeitsplatzes,
sondern vielmehr als ultimative Forderung zum ansonsten notwendigen Insolvenzantrag
an die Belegschaft herangetragen.
Im niedergelassenen Bereich bestehen in großen Arztgruppen erhebliche
Existenzängste in Verbindung mit der vorgesehenen Einführung
des EBM 2000 plus. Da es sich schlicht und ergreifend um die Umverteilung
einer gleich bleibenden Geldmenge handelt, wird es hier darauf ankommen,
die Veränderungen so zu gestalten, dass sie nachvollziehbar sind
und keine Arztgruppe in ihrer Einkommenssituation wesentlich schlechter
stellen.
Vor allem die jüngst getroffene Entscheidung, den festen Punktwert
innerhalb der Regelleistungsvolumina erst zum dritten Quartal 2005 einzusetzen,
verstärkt die Zweifel vieler Kolleginnen und Kollegen an dem Willen
zu der dazu notwendigen Transparenz. Konflikte sind dadurch vorprogrammiert.
Konflikte, die potenziell zu einer nachhaltigen Disbalance im Kollektivvertragssystem
führen könnten. Dies darf nicht passieren und deshalb sind alle,
die Einfluss auf die Entwicklung nehmen können, aufgerufen, die Einführung
des EBM 2000 plus nicht zum Super-Gau für die Ärzteschaft werden
zu lassen.
Ihre
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Dr.
med. Franz-Joseph Bartmann
Präsident |
Dr.
med. Cordelia Andreßen
Hauptgeschäftsführerin |
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt
11/2004
S. 3
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