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Dr.
Klaus Bittmann
KV-Chef unter Beschuss
Dirk Schnack
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| Dr. Klaus Bittmann
(Foto: di) |
Ende September überraschte
die Lübecker Staatsanwaltschaft die Öffentlichkeit mit einer
Pressemitteilung: Sie hatte gegen Schleswig-Holsteins KV-Vorsitzenden
Dr. Klaus Bittmann Anklage wegen des Verdachts auf Bestechlichkeit, Untreue
und Betrug in Zusammenhang mit der Abrechnung von Laborleistungen erhoben.
Bittmann und zwei weitere Ärzte aus Schleswig-Holstein, gegen die
Anklage erhoben wurde, sollen seit 1999 Zell-Untersuchungen eines Plöner
Labors als Analysen eines Geesthachter Labors bzw. als persönlich
erbrachte Leistungen ausgegeben und abgerechnet haben. Der Schaden wurde
auf 400 000 EUR beziffert. Außerdem wurde Bittmann vorgehalten,
er habe die Leistungen des Plöner Labors günstiger erhalten
als Kollegen. Bittmann bestreitet die Vorwürfe und erhielt in den
folgenden Tagen breite Unterstützung aus der schleswig-holsteinischen
Ärzteschaft. In der jüngsten Abgeordnetenversammlung (AV) der
Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) am 6. Oktober
verabschiedeten die Abgeordneten einstimmig eine Resolution, in der sie
Bittmann ihr Vertrauen aussprachen und ihn aufforderten, im Amt zu bleiben.
Zugleich baten sie ihn, auch seine Kandidatur für die anstehenden
Wahlen zum hauptamtlichen Vorstand am 10. November aufrecht zu erhalten.
Um den Vorwurf des Amtsmissbrauchs zu untersuchen, setzte die AV auf persönlichen
Wunsch Bittmanns einen 5-köpfigen Untersuchungsausschuss ein, der
mit einem Vertreter der Ärztekammer, einem externen Juristen, dem
Vorsitzenden des Gynäkologenverbandes und zwei Abgeordneten besetzt
wurde. Im Anschluss an diesen Vertrauensbeweis stellte sich Bittmann den
Fragen des Schleswig-Holsteinischen Ärzteblattes.
SHÄ:
Herr Bittmann, die AV hat Sie gerade zum Weitermachen aufgefordert - verbunden
mit der Hoffnung, dass Sie am 10. November erneut kandidieren. Welche
Konsequenzen ziehen Sie aus dieser Aufforderung?
Bittmann:
Es war für mich die Voraussetzung, um die Amtsperiode bis zum Jahresende
durchzuhalten. Die Belastungen waren für meine Familie, für
die KV, für die Ärzteschaft im ganzen Land und für mich
selbst in den letzten Tagen sehr hoch. Ich habe mehrfach einen Rücktritt
erwogen, auch um den Ruf der Ärzteschaft in der Öffentlichkeit
nicht zu beschädigen.
SHÄ:
Warum haben Sie sich entschlossen, trotz der schweren Anschuldigungen
und Belastungen weiterzumachen?
Bittmann:
Zum einen wegen der überwältigenden Solidarität, nicht
nur aus dem KV-Vorstand und der Abgeordnetenversammlung. Ich habe zahlreiche
Briefe von Ärzten bekommen, die mich zum Weitermachen aufgefordert
haben. Ihr Tenor war immer ähnlich: Man hat mich nicht in dieses
Amt gewählt, um jetzt einzuknicken. Zum anderen, weil ein Rücktritt
zum jetzigen Zeitpunkt ein falsches Signal wäre. Die Öffentlichkeit
könnte daraus zumindest ein Teilschuld-Eingeständnis hineininterpretieren.
SHÄ:
Heißt das, dass Sie definitiv auch am 10. November zur Wahl antreten
werden - die gerichtliche Klärung wird bis dahin ja noch nicht erfolgt
sein?
Bittmann:
Das ist noch keine definitive Entscheidung. Nach jetzigem Stand der Dinge
aber werde ich antreten - es sei denn, der von der AV eingesetzte Ausschuss
sieht Anhaltspunkte, die die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft erhärten
oder bestätigen. Die Ärzte müssen darauf vertrauen können,
dass ich als KV-Vorsitzender unbelastet arbeiten kann.
SHÄ:
Sie legen damit Ihre berufspolitische Zukunft in die Hände dieses
Gremiums ...
Bittmann:
Ja, ganz bewusst. Ich habe diesen Ausschuss vorgeschlagen, weil ich glaube,
dass ein so schwerwiegender Vorwurf wie Amtsmissbrauch voll und ganz ausgeräumt
werden muss. Möglichst schneller, als das Gericht dies schaffen kann.
SHÄ:
Selbst wenn der Ausschuss keine Anhaltspunkte für Amtsmissbrauch
findet - die Anklage der Staatsanwaltschaft steht. Die muss doch über
einen fundierten Verdacht verfügen. Wie erklären Sie den Ärzten,
dass dieser Verdacht aus Ihrer Sicht unbegründet ist?
Bittmann:
Der Staatsanwalt ist im Rahmen der Ermittlungen gegen das Geesthachter
Labor auf meinen Namen gestoßen, weil meine Praxis seit Jahrzehnten
mit einem Plöner Labor zusammenarbeitet. In diesem Labor lasse ich
vormustern und färben - wie andere Ärzte auch. Als das Plöner
Labor 1999 von Geesthacht übernommen wurde, ist an dieser Zusammenarbeit
nichts geändert worden. Dafür habe ich keinen Grund gesehen,
weil ich das dort beschäftigte Personal als qualifiziert einstufe,
weil nicht über veränderte Konditionen gesprochen wurde, weil
andere Ärzte genauso Leistungen an das Labor delegiert haben und
weil vom Verdacht gegen das Geesthachter Labor damals noch nichts bekannt
war.
SHÄ:
Seit wann wissen Sie von den Ermittlungen gegen ihre Person?
Bittmann:
Seit im Frühjahr
Ermittler meine Praxis, meine Privaträume und die KV zeitgleich durchsucht
haben. Die Staatsanwaltschaft hat uns damals angeboten, die Aktion vorerst
nicht an die Öffentlichkeit zu bringen. Ich bin bis zur Anklage stets
davon ausgegangen, dass sich der Verdacht gegen mich in Luft auflösen
wird.
SHÄ:
Wie lassen sich solche unterschiedlichen Auffassungen erklären?
Bittmann:
Die Staatsanwaltschaft geht von anderen Voraussetzungen als die KV aus,
was den Status des Plöner Labors und die Delegation von Leistungen
angeht. Diese Ungereimtheiten müssen glasklar ausgeräumt werden,
damit Ärzte wissen, woran sie sind. Ich bin ja nicht der einzige
Arzt, der Leistungen an dieses Labor delegiert hat.
SHÄ:
Bleibt der Vorwurf, sie hätten die Leistungen zu anderen Konditionen
erhalten ...
Bittmann:
Über die Konditionen, die Dritte untereinander aushandeln, kann,
will und darf ich keine Kenntnis haben. Noch einmal: An den Konditionen
zwischen meiner Praxis und dem Plöner Labor hat sich durch die Übernahme
nichts verändert. Man kann von einem KV-Vorsitzenden nicht erwarten,
dass er in jeder Geschäftsbeziehung seiner Praxis fragt, ob andere
vielleicht mehr bezahlen müssen und dann Preise zu seinen Ungunsten
abändert.
SHÄ:
Wie geht es jetzt weiter?
Bittmann:
Ich kann jetzt erst einmal nichts weiter tun. Das Gericht hat die Klage
bis zum heutigen Tage noch nicht angenommen, ich gehe aber davon aus,
dass es zur Verhandlung kommen wird. Wichtig ist erst einmal, dass der
KV-Vorstand wieder unbelastet Sacharbeit leisten kann und durch den eingesetzten
Ausschuss von einer Last befreit wurde. Die Ärzte dürfen nicht
das Gefühl bekommen, dass wegen der Anklage im KV-Vorstand befangen
gearbeitet wird.
Dirk Schnack, Postfach
12 04, 24589 Nortorf
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