zurück zur Rubrikensuche
zurück zum Inhaltsverzeichnis

Kammer-Info aktuell

Fersensporn - Neues Anwendungsgebiet für Taping?
Dieter Sielmann

Wenn es auch mal wieder unglaublich klingt, aber es sind allein in meiner Praxis bisher 26 Patienten, die sich wegen eines Fersenspornleidens zur Therapie vorstellten und die alle mit der Medi-Taping-Methode erfolgreich zu 100 Prozent keine Beschwerden mehr haben. Bei Kollegen, die die gleiche Therapieform angewendet haben, sind es über 50 Patienten bisher.

Fersensporne treten relativ häufig auf. So lässt sich bei etwa zehn Prozent der Bevölkerung ein Sporn nachweisen. Dies geschieht jedoch oft als Zufallsbefund ohne klinische Symptome und Beschwerden. Insgesamt sind Frauen häufiger als Männer betroffen. Das Durchschnittsalter der Erkrankten liegt zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr.

Der plantare Fersensporn tritt dabei häufiger auf als die Haglund-Exostose.

Haglund-Exostose: Knochenerhebung des hinteren oberen seitlichen Randes des Fersenbeins im Ansatzgebiet der Achillessehne. Häufig steht er in Verbindung mit einem entzündlichen Schleimbeutel.
Plantarer Fersensporn: Knöcherner zehenwärts gerichteter Sporn an der Innenseite der Fußsohle des Fersenbeins. Gelegentlich kommt es zur Entzündung des umliegenden Gewebes der Fußsohle.
Eine verstärkte Druckempfindlichkeit der Plantaraponeurose weist sehr oft auf eine Entzündung hin. Die Untersuchung der Wadenmuskulatur (Gastrocnemius/Soleus) zeigt beim Stehen mit durchgestreckten und gebeugten Knien oft eine reduzierte Beweglichkeit.

Bild 6 (Fotos: Dr. Sielmann)

Wenn der Ursprung der Sehne am mittleren Fersenbein wiederholt unter hoher Spannung steht (durch regelmäßiges Joggen oder Wandern beispielsweise), kann es dort zu winzigen Einrissen kommen. Sie führen dann zu Entzündungen und Gewebeveränderungen. Der Fersensporn selbst entsteht dadurch, dass der Körper an den Rissen Kalk ablagert.

Sporne entstehen durch Druck und Zug bei, Überbelastung und schlechtem Schuhwerk. Weitere auslösende Faktoren zur Entstehung eines Fersensporns sind zusätzlich Übergewicht und Belastung durch den Beruf. Besonders betroffen sind Berufe, bei denen sehr viel gestanden oder umhergelaufen wird.

Die Behandlung stützt sich bisher auf konservative Maßnahmen wie Fersenkissen, Polsterung und entzündungshemmende Medikamente. Aber auch eine Bestrahlung mit ionisierender Strahlung, z. B. Gammastrahlung, mit einer Dosis von z. B. 6 Gy, oder Operationen wurde mit mehr oder weniger Erfolg durchgeführt.

Wer je einmal Fersenschmerzen gehabt hat, weiß wie schrecklich diese sein können. Sie machen vor allem beim Aufstehen von einem Stuhl oder auch aus dem Bett starke Schmerzen, die oft bis an die Grenze des noch Erträglichen gehen können. Sie sind von einschießendem, brennendem Charakter und nehmen meistens je länger der Tag dauert, desto mehr zu. Der heftige und punktuelle Schmerz ist oftmals der einzige diagnostische Hinweis auf die Krankheit. Um die Diagnose abzusichern, müssen Röntgen- oder gegebenenfalls Ultraschall- oder Kernspinaufnahmen gemacht werden. Häufig sind Sporne auszumachen, aber auch ohne jegliche Veränderungen in den bildgebenden Verfahren wird über heftigste Schmerzen geklagt.

Bild 1

Bis hierhin ist alles bekannt gewesen. Genauso habe ich es auch gesehen, bis ich diese Krankheit begonnen habe, mit Medi-Taping zu therapieren.

Wie Sie wissen, beschäftige ich mich seit über drei Jahren sehr intensiv mit dieser neuen Therapieform. Also begann ich einfach die Sohle mit dem Tape zu bekleben, schön nach dem Motto, dort wo sich Schmerzen bemerkbar machen immer voll das Tape gedehnt auftragen. Bei einigen Patienten hatte man einigen Erfolg. Den absoluten Erfolg hatte man aber, wenn man noch zwei weitere Dinge berücksichtigte. Einmal musste man unbedingt die Wade mit in die Therapie einbeziehen, aber ebenso wichtig war die Tatsache, dass man die Blockaden der Wirbelsäule erkannte und erfolgreich mitbehandelte. Tat man dies, hatten die Patienten nach ca. vier Behandlungen überhaupt keine Beschwerden mehr. Alle berichteten schon sofort nach der ersten Behandlung eine deutliche Schmerzlinderung.

Ich habe die Beobachtung gemacht, dass diese Erkrankung durch Stress in der Wadenmuskulatur verursacht wird. Dass vor allem dieser Stress durch eine falsche Statik verursacht werden kann, wenn sich der Patient auf eine Waage stellt, sieht man, das Gewicht ist unterschiedlich auf die Beine verteilt. Blockaden können an unterschiedlichen Stellen chronische Beschwerden verursachen.

Bild 2

Alle behandelten Patienten hatten Blockaden, sei es im Atlas, Wirbelsäulenbereich oder im ISG (Iliosakralgelenk). Der Erfolg war vor allem auch von der Lösung der Blockaden mit abhängig. Ist der Körper aus seinem Gleichgewicht, ist die Belastung der Füße eine ganz andere, als wenn keine Blockade vorliegen würde. Die überlastete Muskulatur der Wade wirkt wie eine Hebelwirkung auf die Ferse, die wiederum einen vermehrten Zug auf die Plantaraponeurose ausführt (Bild 2).

Bei der Patientin handelt es sich um eine deutlich übergewichtige Frau, die seit drei Jahren unter einem Fersensporn leidet und schon, bis auf eine geplante Operation, alles probiert hat.

Bei der Untersuchung fiel auf, dass sie eine deutliche ISG-Blockade und auch ausstrahlende Schmerzen in die rechte Hüfte zu beklagen hatte. Es wurde die Blockade mithilfe der Akupunkturmassage nach Pencel und besonderen Tapes behandelt. Wie in der Abbildung zu sehen ist, wurde der ISG Bereich und die Glutealmuskulatur behandelt. Außerdem erhielt sie ein Wadentape. Schon nach einer Woche gab die Patientin an, nur wenig Schmerzen im Fuß zu verspüren. Nach vier Behandlungen war sie sowohl schmerzfrei in der Hüfte, als auch im Fuß. Aus Dankbarkeit erhielt ich die Genehmigung sie in meinem Artikel zu veröffentlichen (Bild 1 + 6).

Für mich ist es mittlerweile sehr verständlich, dass durch statische Fehlstellungen unterschiedliche Belastungen auf den Körper einwirken. Dies führt zu muskulären Überbelastungen und letztlich irgendwann einmal zum Schmerz. Löst man die Blockaden nicht, ist man auch auf Dauer nicht erfolgreich. Es ist schon erstaunlich, dass der Fersensporn so erfolgreich zu behandeln geht. Sicher wird es auch mal einen Patienten geben, dem ich den Fersensporn nicht wegtherapieren kann. Aber bis dahin bin ich glücklich darüber, so eine wahnsinnig erfolgreiche Therapie entdeckt zu haben.

Dr. Dieter Sielmann, Kurparkallee 2, 23843 Bad Oldesloe, Tel. 04531/82544, E-Mail dsielmann@foni.net

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 08/2004

S. 51 / 52