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Schleswig-Holstein

GKV Plus in Schleswig-Holstein
Kostenerstattung „mit Charme“

Die Ärztegenossenschaft Schleswig-Holstein will die skeptisch-abwartende Haltung vieler Ärzte zur Kostenerstattung ändern. Das GKV Plus-Programm soll die Wende bringen. In diesem Monat laufen zentrale Informationsveranstaltungen.

„Das Modell hat einen gewissen Charme.“ Das sagt nicht etwa GKV Plus-Initiator Dr. Klaus Bittmann, sondern ein Krankenkassenchef aus Schleswig-Holstein. Namentlich will er damit zwar nicht zitiert werden. Doch die Aussage zeigt, dass die anfangs eher negative Haltung der Kassen sich langsam ändern könnte.

Bislang hatten viele Ärzte Versuche, ihre Patienten von der Kostenerstattung zu überzeugen, schon deshalb unterlassen, weil sie erwarteten, dass es den Patienten bei der vorgeschriebenen Krankenkassenberatung ohnehin wieder ausgeredet wird. Das ist nach Gesprächen Bittmanns zumindest nicht mehr bei allen Kassen der Fall. Damit hätte Bittmann eine der vielen Hürden auf dem Weg zur Kostenerstattung ausgeräumt - aber längst nicht alle. Entscheidend wird die Akzeptanz der Ärzte und deren Bereitschaft sein, ihre Patienten von dem Modell zu überzeugen. Deshalb hat die Genossenschaft in den vergangenen Wochen seit der Generalversammlung in Rendsburg emsig an Informationsbroschüren für Praxen und Patienten gearbeitet.

Hauptargument der Genossenschaft ist die verbesserte Versorgung für Patienten im GKV Plus-Programm, da sie im Kostenerstattungssystem keine Leistungseinschränkungen hinnehmen müssen. Bittmann hat in der Vergangenheit bei vielen GKV-Patienten ein „Misstrauen, weil an ihnen gespart wird“, beobachtet. Denn im Sachleistungssystem muss nach seiner Darstellung auf das absolut Notwendige begrenzt werden, es drohe eine „stille Rationierung“ sinnvoller Leistungen wie etwa EKG-, Blut-, oder Sonographieuntersuchungen. Mit GKV Plus dagegen winkt den Patienten „die ärztliche Leistung, die für die Gesundheit wichtig und sinnvoll ist“, wie es in der Broschüre heißt. Zugleich darf das Vertrauensverhältnis nicht durch überhöhte Rechnungen zerstört werden. Die Genossen wollen das Problem lösen, indem sie mit EDV-Unterstützung einen GOÄ-Wert errechnen lassen, der der EBM-Summe entspricht. An diesen Wert sollen sich die Abrechner halten, damit die Patienten nicht zu stark zur Kasse gebeten werden. Den Patienten verspricht die Genossenschaft: „Die Honorarabrechnung nach amtlicher Gebührenordnung bleibt fair und wird so moderat gestaltet, dass Ihnen zusätzliche Kosten erspart bleiben.“

Außerdem wirbt die Genossenschaft mit der erhöhten Transparenz im GKV Plus-Programm. Durch die direkte Rechnungslegung erhalten Patienten Einblick in die abgerechneten Leistungen und deren tatsächliche Preise. Hinzu kommt ein besserer Service. Die GKV Plus-Patienten sollen etwa von kürzeren Wartezeiten und schnelleren Terminvergaben profitieren.

Trotz dieser Vorteile weiß Bittmann, dass die Ärzte sich schwer tun werden, Patienten auf breiter Front für GKV Plus zu gewinnen. Er appelliert aber, es zumindest bei den aufgeschlosseneren Patienten zu versuchen. „Wer nicht mitmacht, hat auch kein Recht, sich über das Sachleistungsprinzip zu beklagen“, sagt Bittmann. In der Schwestergenossenschaft Nordwest (Niedersachsen/Bremen) zeigte sein Appell bereits Wirkung. Deren Generalversammlung am 30. Juni sprach sich einstimmig dafür aus, das Modell aus Schleswig-Holstein auch in ihrer Region umzusetzen. Der Genossenschaftsvorsitzende Dr. Rainer Wohltmann hält es für realistisch, dass sich mittelfristig zehn Prozent der Patienten für die Kostenerstattung entscheiden. (di)

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 08/2004

S. 27