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Schleswig-Holstein
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Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen Sind 1,7 Millionen Arztbesuche in Deutschland überflüssig? Eine repräsentative Umfrage der DAK (Deutsche Angestellten-Krankenkasse) zeigt, dass so viele Patienten im Jahr nur deshalb in die Praxen kommen, weil sie ihrem Arbeitgeber ein ärztliches Attest vorlegen müssen.
Der Arzt soll
Zeit für die wirklich Kranken haben. Die knappen Ressourcen werden
bei 1,7 Millionen rein attestbedingter Arztbesuche nicht sinnvoll genutzt,
sagte DAK-Landesgeschäftsführer Walter Olgemöller. Die
DAK hatte die Umfrageergebnisse zur Präsentation ihres Gesundheitsberichtes
für Schleswig-Holstein am 24. Juni in Kiel vorgelegt. Zum Verhalten
bei vermeintlichen Bagatellkrankheiten, also bei einer Krankheitsdauer
von drei Tagen oder kürzer, hatte die Angestelltenkasse in einer
repräsentativen Umfrage mehr als 1 000 Arbeitnehmer befragt. Danach
hatte jeder fünfte Arbeitnehmer, der bis zu drei Tage krankgeschrieben
war, den Arzt nur wegen des Attests aufgesucht. Diese Ergebnisse rechnete
die DAK hoch und kam auf 1,7 Millionen medizinisch nicht notwendige Arztbesuche. Die DAK führt
dieses Verhalten auf ein tief ausgeprägtes Misstrauen bei den Personalchefs
zurück. Diese vermuten bei Kurzzeit-Erkrankten schnell Missbrauch
und verlangen von ihren Beschäftigten deshalb sehr früh ein
ärztliches Attest. Jeder dritte befragte Arbeitnehmer hatte angegeben,
sogar schon ab dem ersten Krankheitstag ein Attest vorlegen zu müssen.
Mehr als die Hälfte meinten, dass dies ab dem zweiten oder dritten
Tag erforderlich sei. Der Gesetzgeber schreibt das Attest aber erst
ab dem vierten Krankheitstag vor, klärte die DAK auf. Zugleich sieht die
DAK in den Umfrageergebnissen Hinweise darauf, dass Beschäftigte
länger als nötig krankgeschrieben werden. So hat die Kasse in
der Umfrage erfahren, dass viele Ärzte angeblich grundsätzlich
bis zum Wochenende krankschreiben - unabhängig davon, ob ihr Patient
am Montag oder am Mittwoch in die Praxis kommt. Die DAK appellierte deshalb
an die Mediziner, sich stärker mit den individuellen Arbeitsbelastungen
des Krankgeschriebenen auseinander zu setzen. Allerdings räumte die
Kasse auch fließende Übergänge zwischen arbeitsfähig
und arbeitsunfähig ein. Ob ein Arbeitnehmer trotz leichter Beschwerden
zum Arzt gehe, hänge oft auch von der Arbeitsumgebung ab. Die
wirksamsten Präventionsmaßnahmen gegen Kurzzeit-Erkrankungen
sind gute Arbeitsbedingungen, ausreichende Handlungsspielräume und
Mitsprachemöglichkeiten für die Beschäftigten, positives
Führungsverhalten und ein gutes Betriebsklima, sagte Olgemöller.
Zur allgemeinen Entwicklung
des Krankenstandes in Schleswig-Holstein: Laut Gesundheitsreport waren
die Männer im Norden im Durchschnitt 11,8 Tage und die Frauen 12,8
Tage arbeitsunfähig erkrankt, wobei die durchschnittliche Dauer (11,4
Tage) und Häufigkeit der Krankschreibungen (106,6 Fälle auf
100 Mitglieder im Jahr) gegenüber dem Vorjahr fast unverändert
blieben. 41 Prozent des gesamten Krankenstandes ist auf langfristige Krankheitsfälle von mehr als sechs Wochen zurückzuführen. Die Branche Gesundheitswesen war auch im vergangenen Jahr wieder in der Spitzengruppe mit dem höchsten Krankenstand in Schleswig-Holstein. Die niedrigsten Krankenstände wiesen die Branchen Datenverarbeitung und Rechtsberatung auf. Die meisten Krankschreibungen verursachen Krankheiten des Muskel-Skelett-Systems und des Bindegewebes (24 Prozent aller Krankheitstage), gefolgt von Verletzungen und Vergiftungen (15 Prozent) und Krankheiten des Atmungssystems (14 Prozent). (di) |
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 08/2004 S. 26 |
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