zurück zur Rubrikensuche
zurück zum Inhaltsverzeichnis

Schleswig-Holstein

Porträt:
Dr. Helmuth Vorbringer
Heinz-Peter Sonntag

Dr. Helmuth Vorbringer (Foto: hps)

Als ich 1960 meine Praxis gründete, stand ich vor der Frage: selbst röntgen oder röntgen lassen? Aus zunächst rein ökonomischen Gründen habe ich mich dann entschlossen mit niedergelassenen Fachröntgenologen zusammenzuarbeiten. Dabei entwickelte sich im Laufe der Jahre eine besonders enge, später freundschaftliche Zusammenarbeit mit einem Radiologen in der Innenstadt. Waren es zunächst rein diagnostische Standardaufnahmen und die Strumatherapie mit Radio-Jod so kam 1984 nicht nur die Computertomographie (noch vor der Uni!), sondern auch ein Partner in der Röntgenpraxis hinzu. Als der Senior ausschied, holte sich der bisherige Partner einen neuen Kollegen hinzu: Dr. Helmuth Vorbringer. Jetzt ist dieser der Dienstälteste einer ganzen Radiologen-Mannschaft.
1993 wurde das erste von jetzt drei Magnetresonanz-Tomographie-Geräten angeschafft und Dr. Vorbringer, der in seiner Jugend vor allem Mannschaftssportarten (Handball und Fußball) bevorzugt hatte, sieht sich jetzt als Teamchef, der kollegial versucht, die Arbeit nach Befähigungen aufzuteilen, die Kollegen nach ihren Begabungen einzuteilen. So sieht er beispielsweise einen großen Gewinn in der Neuroradiologie und der interventionellen Radiologie, zum Beispiel der Vertebroplastik, wobei allerdings auch ökonomische Gesichtspunkte eine Rolle spielen müssen.

Helmuth Vorbringer wurde als Sohn einer Sächsin und eines Ostpreußen 1945 aus Berlin in die äußerste Ecke des Reiches „verschleppt“: Nach Flensburg - „möglichst weit von den Russen!“ In Flensburg machte er sein Abitur und studierte dann - mit Ausnahme eines kulturellen Semesters in Wien („Für acht Schilling in die Oper“) - in Hamburg. Nach Abschluss des Studiums hat Dr. Vorbringer ein Jahr Hausärzte vertreten: „Ein Jahr der Suche“. Im Hamburger St. Georg hat dann ein röntgenologischer Oberarzt „die Saat gelegt“.

Drei Jahre auf der Radiologie in Rüsselsheim, wo er neben dem Chef und dem Oberarzt einziger Assistent war, dadurch war die Ausbildung sehr breit. Nun wieder sieben Jahre in Hamburg-Eppendorf bis zum Einstieg in das Lübecker Institut. Vorbringer lernt aber immer weiter: Vor allem nach Einführung des MRT hat er sich in San Franzisco und New York fortgebildet: „Die Butter aufs Brot!“

Als wir uns am ersten schönen Tag in diesem Sommer trafen, war Helmuth Vorbringer gerade von einem längeren Volontariat aus Stuttgart zurückgekehrt und wusste voller Begeisterung zu berichten - nicht nur von der Abteilung und ihrem engagierten Chef, sondern vor allem von dem, was er in der Kardio-MR gelernt hatte, die er jetzt gemeinsam mit einer Kardiologin der Sana-Klinik eingeführt hat.

„Sehen können, ist eine schöne Sache!“ Die Kardio-MR, von der Vorbringer den ganzen Nachmittag schwärmte, kann in besondern Fällen die Echokardiographie ersetzen, den Herzkatheter und dient zur Feststellung einer Myocarditis. Dr. Vorbringer, verheiratet mit einer Medizinisch-Technischen Angestellten und Vater von zwei Söhnen, die leider nicht Medizin studieren, bemüht sich vor allem auch in seinem diagnostischen Fach um das intensive Gespräch mit den Patienten. „Es kann nicht sein, nur Bilder zu machen.“

Nachdem der Sport abgehakt ist, verbringt Helmuth Vorbringer seine karge Freizeit mit dem Lesen von Geschichtsbüchern.

Dr. Heinz-Peter Sonntag, Niobestr. 9, 23570 Lübeck-Travemünde

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 08/2004

S. 22