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Liebe Kolleginnen und Kollegen,

zieht euch warm an!

Fast ungläubig registriert man seit Wochen, dass die morgendliche Zeitungslektüre kaum direkte Provokationen für die ärztliche Leserschaft bereithält. Andere gesellschaftliche Gruppierungen und Themen stehen derzeit im Zentrum des Interesses. Der Wunsch und Glaube allerdings, dass dieser Zustand von Dauer sein könnte, wird bitter enttäuscht werden. Spätestens, wenn klar wird, dass eine spürbare Senkung der Krankenkassenbeiträge als Kompensation zu erhöhten Zuzahlungen politisches Wunschdenken bleibt, werden interessierte Gruppen auf der Suche nach Schuldigen auch wieder die Ärzte entdecken und die nächste Stufe in der Abschaffung des freien Arztberufes einläuten. Dies liegt durchaus auch in der Logik der derzeit tonangebenden Gesundheitstheoretiker, die Krankheit und Gesundheit als naturwissenschaftliche Determinanten menschlicher Existenz betrachten. Dann wäre in der Tat eine individualisierte Medizin und duale Arzt-Patientenbeziehung nicht nur verzichtbar, sondern geradezu ein Störfaktor bei der rationalen Therapiezuweisung durch den Gesundheitstechniker.
Dass dem nicht so ist, wissen wir und die durch Krankheit betroffenen Menschen.

Trotz aller Bemühungen werden allerdings aufgrund des demographischen Wandels und des medizinischen Fortschrittes die finanziellen Ressourcen knapp bleiben. Ein Schicksal, welches wir mit allen hochentwickelten Gesundheitssystemen der westlichen Welt teilen.

Was tun?

Eine reine Umverteilung der für ärztliche Leistung verfügbaren Geldmittel, wie sie der neue EBM vorsieht, wird naturgemäß Gewinner und Verlierer kennen. Wir werden zusammen mit den Verantwortlichen darauf zu achten haben, dass existenzielle Probleme für ganze Arztgruppen, wie vielfach befürchtet, dadurch nicht entstehen.

Im Krankenhaus führt die Verschärfung der finanziellen Situation durch längst überfällige Reformen wie die Umsetzung des Arbeitszeitrechtes und Abschaffung des AiP u. a. zu Forderungen nach ärztlichem Lohnverzicht zugunsten der übrigen Beschäftigten des Krankenhauses. So jedenfalls der Tenor bei den Tarifverhandlungen für das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein durch die Verhandlungsführer von ver.di. Von einem Partner des Marburger Bundes erwarten wir eigentlich etwas anderes!

Den Zweiflern und Kritikern sei ins Stammbuch geschrieben: Die Ärztekammer steht manchmal fast alleine für zukunftssichere Arbeitsbedingungen von Ärztinnen und Ärzten in Klinik und Praxis. Aber: In der Außenwirkung und bei der ideologischen Vermittlung der Stärken und der Überlegenheit eines freien gegenüber einem staatlichen Gesundheitssystem bedürfen wir dabei der Hilfe einflussreicher und wohlmeinender gesellschaftlicher und politischer Gruppierungen. Anders geht es nicht.

Die Schularbeiten sind gemacht. Richtungweisend waren hierzu die Beschlüsse der letzten Deutschen Ärztetage zu den Themenfeldern Weiter- und Fortbildung sowie zur Berufsordnung. In der neu formulierten Musterberufsordnung liegen nach unserer Überzeugung durch die größere Realitätsnähe auch deutlich mehr Chancen als Risiken. Entscheidend ist allerdings die Umsetzung in den Alltag der ärztlichen Arbeit. Hierzu wollen wir in Schleswig- Holstein zum Informationsaustausch eine Reihe von Informationsveranstaltungen und Symposien anbieten. Auftakt ist eine Veranstaltung in der kommenden Woche: Ärzte im Wettbewerb - Chancen und Risiken in der Niederlassung am 21.08.04 im Aus- und Fortbildungszentrum der Ärztekammer Schleswig-Holstein, Esmarchstr. 4 - 6 in Bad Segeberg.

Mit Wünschen für einen erfreulichen Ausklang des wettermäßig bisher eher durchwachsenen Sommers

Ihre

Dr. med. Franz-Joseph Bartmann
Präsident
Dr. med. Cordelia Andreßen
Hauptgeschäftsführerin

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 08/2004

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