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Rezensionen
„Maschinengewehre hinter der Front“
Zur Geschichte der deutschen Militärpsychiatrie
Bibliographische Angaben: Peter Reidesser, Axel Verderber, Frankfurt am Main, Mabuse,
2. Auflage, 2004, 247 Seiten, 24 EUR, ISBN 3-935964-52-8

Kurze Inhaltsangabe: Einer kurzen Übersicht über die Entstehung des Sanitätswesens und der Militärpsychiatrie folgt eine kritische Darstellung der deutschen Militärpsychiatrie in den Weltkriegen und der Zeit dazwischen. Jeweils ein Kapitel über die Zusammenarbeit von Psychiatern und Militärjustiz sowie die Aufarbeitung nach 1945 runden das Bild ab.

Kritische Bewertung: Beeindruckend der Fleiß, mit dem viele bedrückende Einzelheiten einschließlich der Quellen- und Literaturangaben zusammengetragen worden sind. Erschreckend die Kluft zwischen dem Eid des Hippokrates und dem tatsächlichen Handeln der Militärärzte, legitimiert und angestiftet von den „Lehren“ maßgeblicher Universitätspsychiater. Die Aufarbeitung des militärpsychiatrischen Geschehens, insbesondere auch die häufig völlig ungestörte Fortsetzung der beruflichen Karrieren maßgeblicher „Täter“ nach 1945 passen nahtlos in den auch sonst häufig festzustellenden Umgang mit der nationalsozialistischen Vergangenheit in der Bundesrepublik.

Sonstiges: Schade nur, dass der Eindruck, der auch schon im Titel des Buches zu Tage tretenden Einseitigkeit dem richtigen Anliegen schadet. Natürlich ist die Militärpsychiatrie nur im Rahmen der Psychiatrie insgesamt zu bewerten. So wäre eine begleitende Darstellung der „zivilen“ Psychiatrie gegebenenfalls auch des Auslands zu beurteilen, um eine Einordnung des Handelns der Militärpsychiater zu erlauben.

Empfehlung: Geschichte insgesamt, ganz besonders aber die Zeitgeschichte, ist nie frei von Subjektivität derer, die sie darstellen. Unter Berücksichtigung dieser Binsenweisheit bekommt der Leser exemplarisch anhand der Militärpsychiatrie vermittelt, wie sehr Ärzte Werkzeuge des Systems werden können - und dies nicht nur im Nationalsozialismus, sondern auch im deutschen Kaiserreich. Sich das bewusst zu machen, ist auch heute wichtig.

Rezensent: Dr. Karl-Werner Ratschko, Havkamp 23, 23795 Bad Segberg

Fufu ist keine Götterspeise
Bibliographische Angaben: Dieter Jacobi, Erlebnisse einer deutschen Arztfamilie in einem Buschkrankenhaus in Westafrika, Westkreuz-Verlag, Berlin/Bonn, ISBN 3-929592-68-1, 15 EUR

Der Untertitel ist bereits der Inhalt, trotzdem: „Fufu“ ist das Hauptnahrungsmittel der schwarzen Bevölkerung in Ghana und Togo an der afrikanischen Westküste, am Golf von Benin. Es wird aus gestampften Wurzeln der Yamswurzel gekocht, besteht fast nur aus Stärke und ist so vom Ernährungswert sehr einseitig. Es ist nicht unbedingt schmackhaft und das Stampfen der Frauen zur Herstellung hört man fast ständig in Togo. Hierher zog Dr. Jacobi mit Frau (Kinderärztin) und zwei Vorschulsöhnen, nachdem er seinen chirurgischen Chefarztposten in Mölln aufgegeben hatte. Bis 1983 war er dann Chef und Chirurg an einem konfessionellen Buschkrankenhaus - eben in Togo nahe Lomé.

Kurze Inhaltsangabe: Der Kollege Jacobi ist bis heute in der Entwicklungshilfe tätig und beschrieb jetzt auf 246 Seiten diese ersten vier Jahre. Er nimmt den Leser wie seine Familie mit nach Westafrika. In amüsanter Weise schildert er Privates und Berufliches. Er erzählt von dem gesellschaftlichen Kontakt zu den Kollegen aus Europa und Schwarzafrika. Er erzählt von den alltäglichen großen und kleinen Problemen und dem Leben einer europäischen Familie im Busch, wobei auch seine Ehefrau als Ärztin an diesem Haus tätig ist. Dr. Jacobi berichtet sehr ehrlich und launig. Durch das ganze Buch aber zieht sich eine gewisse Resignation, bedingt durch die Unzuverlässigkeit, die Unpünktlichkeit und den ungeheuren Fatalismus der einheimischen Bevölkerung. Seine Frustration und sein Ärger beziehen sich aber nicht nur auf die Togoer, sondern auch auf die für die Entwicklungshilfe zuständigen Personen und Institutionen in der Heimat. Man erfährt die ungeheure Armut des größten Teils der Bevölkerung - demgegenüber eine Prunksucht der Oberschicht, die beispielsweise für die Tagung der afrikanischen Regierungschefs ein Luxushotel erbauen ließ.

Empfehlung: Empfohlen sei dieses broschierte Buch allen Interessenten afrikanischen Lebens und afrikanischer Probleme - medizinisch wie ethnologisch. Interessenten auch am Leben europäischer Entwicklungshelfer. Eine Lesefreude am Leben der Jacobis in Togo teilzunehmen.

Rezensent: Dr. Heinz-Peter Sonntag, Niobestr. 9, 23570 Lübeck-Travemünde

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 06/2004

S. 20, 23