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Aktuelle Aspekte
zur Diagnostik und Therapie von Patienten mit COPD
Heinrich Worth
Ein optimiertes Management
von chronisch obstruktiver Bronchitis und Lungenemphysem (COPD) umfasst
eine adäquate Diagnostik, die Prävention sowie die medikamentöse
und nicht medikamentöse Behandlung. Wichtigste präventive Maßnahme
ist der Verzicht auf das Tabakrauchen.
In der schweregradorientierten medikamentösen Langzeittherapie werden
Bronchodilatatoren (Beta-2-Sympathomimetika, Anticholinergika, Theophyllin)
sowie bei mittelschwerer und schwerer Verlaufsform auch inhalative Glukokortikoide
eingesetzt. Da mit keinem der genannten Medikamente die Progression der
Erkrankung aufgehalten werden kann, sind nicht medikamentöse Therapieverfahren
wie körperliches Training, Patientenschulung sowie Physiotherapie
von erheblicher Bedeutung. In schweren Fällen mit chronischer Hypoxämie
hat der Einsatz der Langzeitsauerstoff-Therapie zu einer Besserung der
Prognose der betroffenen Patienten geführt.
Die schweregradorientierte
Behandlung der Exazerbation sieht eine Intensivierung der Therapie mit
Bronchodilatatoren, den Einsatz systemischer Glukokortikoide über
maximal 14 Tage sowie die Gabe von Antibiotika bei bakteriellen Bronchialinfekten
vor. Bei respiratorischer Insuffizienz sollte Sauerstoff unter Kontrolle
der arteriellen Blutgase appliziert werden, bei zusätzlich bestehender
Hyperkapnie und respiratorischer Azidose hat sich die nicht invasive Beatmung
mit positivem Druck bewährt.
Weltweit ist die COPD
gegenwärtig die vierthäufigste Todesursache. Für die nächsten
Jahrzehnte ist ein weiterer Anstieg von Prävalenz, Morbidität
und Mortalität zu erwarten, so dass die COPD im Jahre 2020 unter
den häufigsten Todesursachen auf den dritten Platz und bezüglich
der Krankheitsfolgen von Rang zwölf auf Rang fünf der 15 weltweit
häufigsten Erkrankungen vorrücken wird. Die enorme sozioökonomische
Bedeutung dieser Erkrankung wird an den hohen volkswirtschaftlichen Gesamtkosten
ersichtlich, die nach Schätzungen für Deutschland zwischen 5,93
und 8,44 Mrd. EUR liegen. Eine häufig unzureichende Diagnostik mit
den Folgen einer inadäquaten Therapie sowie neue Therapieoptionen
machten eine Neufassung der Empfehlungen zur Behandlung der COPD notwendig.
Unter COPD (chronic obstructive pulmonary disease) wird eine chronische
Lungenkrankheit mit progredienter, nach Gabe von Bronchodilatatoren und/oder
Glukokortikoiden nicht vollständig reversible Atemwegsobstruktion
auf dem Boden einer chronischen Bronchitis und/oder eines Lungenemphysems
verstanden.
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Hauptsymptome sind
chronischer Husten, Auswurf sowie Atemnot, die anfangs nur unter körperlicher
Belastung auftritt. Die funktionelle Beeinträchtigung ist durch eine
Atemwegsobstruktion und einen eingeschränkten Gasaustausch charakterisiert.
Nicht eingeschlossen in die Definition der COPD ist das Asthma bronchiale.
Die Diagnose COPD
basiert auf der Angabe charakteristischer Symptome und von Risikofaktoren
sowie auf dem lungenfunktionsanalytischen Nachweis einer nicht vollständig
reversiblen Atemwegsobstruktion. Wichtigster Risikofaktor ist das Zigarettenrauchen.
Wesentlich für diese häufig unter- bzw. fehldiagnostizierte
Erkrankung ist es, bei der Angabe von chronischem Husten und/oder Auswurf
sowie Vorliegen von Risikofaktoren (Tabelle 1) eine Lungenfunktionsprüfung
durchzuführen, auch dann, wenn die Patienten keine Atemnot verspüren.
Für die Diagnosestellung und für die Abschätzung des Schweregrades
(Tabelle 2) ist die Spirometrie die am besten validierte lungenfunktionsanalytische
Methode (Abbildung). Zur weiteren Differenzierung der Atemnot sowie zur
Differenzierung von COPD haben sich die Ganzkörperplethysmographie
und die Bestimmung der CO-Diffusionskapazität bewährt. Bei allen
Patienten mit einer ausgeprägten Belastungsdyspnoe, stark eingeschränkter
1-Sekunden-Kapazität (FEV1) oder klinischen Zeichen einer Rechtsherzbelastung
sollte eine Bestimmung der 6-Minuten-Gehstrecke und eine arterielle Blutgasanalyse
in Ruhe und gegebenenfalls unter Belastung durchgeführt werden.
Differenzialdiagnose
Die Differenzialdiagnose der COPD schließt das Asthma bronchiale,
die Bronchiektasie, die zystische Fibrose, eine Bronchialwandinstabilität,
diffuse Lungenparenchymerkrankungen mit Obstruktion, eine extrathorakale
Obstruktion sowie eine Bronchiolitis obliterans ein. Wichtig ist die Differenzierung
zwischen COPD und Asthma bronchiale, die anhand einfacher Kriterien getroffen
werden kann (Tabelle 3). Etwa 10 bis 15 % der Patienten weisen Merkmale
eines Asthma bronchiale und einer COPD auf. Diese sollten wie Asthmatiker
behandelt werden.
Therapie
Ziele eines effektiven Managements sind:
Verminderung der Progression der Erkrankung,
Symptomminderung,
Steigerung der körperlichen Belastbarkeit,
Verbesserung des Gesundheitsstatus und der Lebensqualität,
Vorbeugung und Behandlung von Exazerbationen,
Vorbeugung und Behandlung von Komplikationen,
Reduktion der Mortalität.
Der Behandlungsplan (Tabelle 4) umfasst die Prävention, die medikamentöse
Therapie, die Patientenschulung mit dem Ziel, den Patienten aktiv an der
Bewältigung seiner Krankheit zu beteiligen (ärztlich kontrollierte
Selbstmedikation), die Physiotherapie, körperliches Training, Ernährungsberatung,
apparative Behandlungsmaßnahmen und das Management akuter Verschlechterungen
(Exazerbationen).
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Prävention
Wichtigste Maßnahme ist der Verzicht auf das Tabakrauchen. Selbst
eine kurze Beratung (etwa drei Minuten) führt in 5 bis 10 % der Fälle
zur Aufgabe des Nikotinkonsums und sollte als Mindestmaßnahme bei
jedem Kontakt mit einem Raucher durchgeführt werden. Multimodale
Raucherentwöhnungsprogramme mit Verhaltenstherapie, sozialer Unterstützung
und einer Pharmakotherapie zur Behandlung der Nikotinabhängigkeit
(Nikotinkaugummi, Nikotinspray, Nikotinpflaster, eventuell Bupropion)
können die Erfolgsquoten von Entwöhnungsprogrammen deutlich
steigern. Die jährliche Influenzaschutzimpfung sowie die im Abstand
von sechs Jahren zu wiederholende Pneumokokkenschutzimpfung werden für
alle COPD-Patienten empfohlen.
Langzeitbehandlung
Die Langzeitbehandlung der stabilen COPD ist durch eine schrittweise Erweiterung
der Behandlungsoptionen in Abhängigkeit vom Schweregrad der Erkrankung
gekennzeichnet (Tabelle 5). Die Pharmakotherapie ermöglicht eine
Linderung der Beschwerden, eine Besserung der körperlichen Leistungsfähigkeit
wie auch der Lebensqualität und/oder eine Reduktion von Exazerbationen.
Bronchodilatatoren
Beta-2-Sympathomimetika, Anticholinergika, Theophyllin sind evidenzbasiert
die Basismedikamente zur Linderung der Beschwerden (Atemnot, eingeschränkte
Belastbarkeit) bei der COPD. Die Wahl zwischen Beta-2-Sympathomimetika
und Anticholinergika hängt vom individuellen Ansprechen der Patienten
und von den unerwünschten Wirkungen ab.
Langwirksame Beta-2-Sympathomimetika
(Formoterol, Salmeterol) und das langwirksame Anticholinergikum Tiotropiumbromid
haben insbesondere auch wegen der größeren Therapietreue des
Patienten bei nur zweimal täglich erforderlich werdender Inhalation
(Salmeterol bzw. Formoterol) bzw. der nur einmal täglichen Inhalation
von Tiotropiumbromid Vorteile gegenüber den entsprechenden kurzwirksamen
Präparaten. Theophyllin ist effektiv in der Langzeittherapie, sollte
aber wegen zahlreicher Interaktionen und der relativ geringen therapeutischen
Breite als Bronchodilatator der zweiten Wahl eingesetzt werden.
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Bei ungenügendem
Effekt, bei Patienten des Schweregrades II mit einer Einschränkung
der FEV1 unter 50 % des Sollwertes und gehäuft auftretenden Exazerbationen
ist ein Therapieversuch mit inhalativen Glukokortikoiden indiziert. Eine
Dauerbehandlung mit inhalativen Glukokortikoiden sollte nur bei COPD-Patienten
mit Besserung von Kenngrößen der Lungenfunktion und/oder der
Symptomatik unter dieser Behandlung durchgeführt werden. Eine Langzeittherapie
mit systemischen Glukokortikoiden ist zu vermeiden.
Bei allen inhalativ
verabreichten Bronchodilatatoren müssen die Inhalationstechnik mit
dem Patienten eingeübt und der Therapieverlauf überprüft
werden. Bei fehlendem Ansprechen auf Bronchodilatatoren sollte die Zuverlässigkeit
der Medikamenteneinnahme unter Einschluss der Inhalationstechnik geprüft
werden.
Bei unzureichender Inhalationstechnik, auch nach einem entsprechenden
Training, ist die Auswahl eines anderen
Applikationssystems, gegebenenfalls der Einsatz einer Inhalationshilfe
sowie die Anwendung eines Verneblers zu prüfen. Gelingt eine effektive
Inhalation auch mit Hilfe von Verneblern nicht, können Beta-2-Sympathomimetika
auch oral eingesetzt werden.
Kombination von
Bronchodilatatoren
Evidenzbasiert führt die Kombination von Beta-2-Sympathomimetika
und Anticholinergika gegenüber den Einzelsubstanzen zu einem additiven
bronchodilatatorischen Effekt. Die zusätzliche Gabe von Theophyllin
kann zu einer weiteren Besserung der Lungenfunktion beitragen.
Glukokortikoide
Glukokortikoide werden in der Behandlung der COPD in großem Umfang
eingesetzt. Ihre Wirksamkeit ist aber nur für die Behandlung der
Exazerbationen gut belegt.
Inhalative Glukokortikoide
Sie sind nur für die Schweregrade II und III indiziert bei:
1. Respondern (10 bis 15 % der COPD-Patienten) mit Anstieg der FEV1 gegenüber
dem Ausgangswert 1. > 15 % und > 200
ml und/oder
2. wenn die klinische Symptomatik oder die Lungenfunktion sich innerhalb
von drei Monaten bessern.
2. Kombination aus langwirksamen Beta-2-Sympathomimetika
und Glukokortikoiden
2. Die Kombination aus einem langwirksamen
Beta-2-Sympathomimetikum und einem inhalativen
2. Glukokortikoid kann bei Patienten eingesetzt
werden, bei denen beide Komponenten indiziert sind.
2. Sie haben somit auch nach den Ergebnissen
zweier randomisierter, kontrollierter Studien bei
2.
Patienten mit mittelschwerer und schwerer COPD und einer FEV1 unter
50 % ihres Sollwertes ihren 2. Haupteinsatzbereich.
Mukopharmaka
Der Einsatz von N-Acetylcystein, Ambroxol, Cineol bzw. Myrtol orientiert
sich an dem subjektiven Therapieerfolg und sollte kritisch gestellt werden.
Die Substanzen können auch zur Exazerbationsprophylaxe eingesetzt
werden.
Antitussiva
Bei quälendem trockenem Husten im Rahmen von Exazerbationen sind
Codeinderivate und synthetische Antitussiva in ausreichend hoher Dosierung
(60 mg Codein pro Dosis) hilfreich, falls keine Hyperkapnie vorliegt und
keine Atemdepression droht.
Substitutionstherapie bei Alpha-1-Protease-Inhibitor-Mangel
Bei Patienten mit angeborenem Alpha-1-Protease-Inhibitor(-1-PI)-Mangel
entwickelt sich häufig, insbesondere bei chronischem Tabakkonsum,
frühzeitig ein Lungenemphysem. Durch eine Substitutionsbehandlung
mit wöchentlicher intravenöser Applikation von Prolastin HS
in einer Dosis von 60 mg/kg Körpergewicht ist eine Verlangsamung
der progredienten Ausbildung des Lungenemphysems für Patienten mit
homozygotem Alpha-1-PI-Mangel (< 35 % des Normwertes), mit mittelgradiger
Funktionseinschränkung (30 % S < FEV1 < 65 % S) und ausgeprägter
jährlicher Reduktion der FEV1 (FEV1/Jahr > 50 ml) belegt.
Nicht medikamentöse
Therapie
Körperliches
Training
Eine Steigerung
der Belastbarkeit und eine Zunahme der Lebensqualität sowie eine
Abnahme der Dyspnoe werden insbesondere bei Trainingsprogrammen mit einer
Dauer von vier bis zehn Wochen mit einer hohen Trainingsintensität
nahe der anaeroben Schwelle erzielt. Eine Bewegungstherapie mit symptomlimitiertem
Gehen über mindestens 20 Minuten am Tage kann als einfache Möglichkeit
eines Trainings empfohlen werden. Wesentlich ist die Fortsetzung der Bewegungstherapie
nach Beendigung einer intensiven stationären Rehabilitation im ambulanten
Bereich, etwa durch Heimtraining (Treppensteigen, Gehtraining) in Verbindung
mit der Teilnahme an ambulanten Lungensportgruppen.
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Physiotherapie
Wesentliche Elemente der Physiotherapie sind:
Senkung der Atemarbeit: Lippenbremse, kleine Geräte mit einer
exspiratorisch wirksamen Stenose.
Atemerleichternde Körperstellungen bei schwerer Atemnot: Kutschersitz,
Anlehnen an eine Wand.
Verbesserung der Sekretelimination: Lagerungsdrainage, effektive
Hustentechniken und die Mobilisation des Sekrets mittels Thoraxwandperkussion
und Geräten mit exspiratorischen Oszillationen (Flutter, RC-Cornet).
Patientenschulung
Die Patientenschulung kann bei COPD-Patienten die Effizienz der Selbstmedikation
steigern und zu einer Reduktion von Exazerbationen führen. Sie ist
ein wichtiges Therapieelement für alle Schweregrade der Erkrankung
und sollte mit einem strukturierten evaluierten Programm in kleinen Gruppen
von vier bis acht Teilnehmern durchgeführt werden.
Rehabilitation
Hauptziele der Rehabilitation sind die Linderung der physischen und psychischen
Beeinträchtigung des Patienten, die Steigerung der Lebensqualität
mit Wiederherstellung der bestmöglichen Leistungsfähigkeit sowie
die Förderung der sozialen Reintegration. Um diese Ziele zu erreichen,
bedarf es eines interdisziplinären Ansatzes unter Einbeziehung von
Ärzten, Psychologen, Physiotherapeuten und Ernährungsberatern.
Die Rehabilitation kann stationär, teilstationär und/oder wohnortnah
ambulant durchgeführt werden.
Langzeitbehandlung
mit Sauerstoff
Bei chronischer Hypoxämie (arterieller Sauerstoffpartialdruck - PaO2
- < 55 mmHg) führt eine Sauerstoffanwendung über mindestens
16 Stunden pro Tag zu einer Besserung der Prognose, bei Patienten mit
COPD und Cor pulmonale bereits bei einem PaO2 < 60 mmHg.
Indikationsstellung, Auswahl der entsprechenden Systeme (Konzentrator,
Flüssigsauerstoff-Systeme) sollte entsprechend den Leitlinien zur
Langzeitsauerstoff-Therapie erfolgen.
Heimbeatmung
Eine Entlastung der Atemmuskulatur durch die intermittierende (nächtliche)
nicht invasive Heimbeatmung über Nasen- oder Nasen-Mund-Masken ist
bei ventilatorischer Insuffizienz indiziert, wenn alle konservativen Behandlungsmöglichkeiten
ausgeschöpft sind und der Patient weiterhin hyperkapnisch ist.
Operative
Therapieverfahren
Bullektomie
Bei großen Bullae, die mehr als ein Drittel eines Lungenflügels
einnehmen und das benachbarte Lungenparenchym komprimieren, ist eine Bullektomie
zu erwägen.
Lungenvolumenreduktion
Die Auswahl der Patienten mit ausgeprägtem Lungenemphysem sowie die
Durchführung der Resektion sollte spezialisierten Zentren vorbehalten
bleiben. Bei stark emphysematös veränderten Lungenarealen, vor
allem in den Oberfeldern, kann der Eingriff zu einer besseren Belastbarkeit
der Patienten führen.
Management der
Exazerbation
Unter einer Exazerbation der COPD wird eine akute Verschlechterung mit
Zunahme von Symptomen (Atemnot, Husten, Auswurf, thorakale Beklemmung,
selten Fieber) verstanden, die eine Änderung der Behandlung erforderlich
macht. Häufig treten Exazerbationen in den Stadien II und III der
COPD auf, oft während der kalten Jahreszeit.
Häufigste Ursache
der Exazerbation sind virale und/oder bakterielle Atemwegsinfektionen.
Differenzialdiagnostisch abzugrenzen sind Pneumonien, Herzinsuffizienz,
Pneumothorax, Pleuraergüsse, Lungenembolie oder ein Thoraxtrauma.
In Abhängigkeit vom Schweregrad sind die Patienten ambulant, stationär
oder intensivmedizinisch zu behandeln.
Die medikamentöse
Therapie (Tabelle 6) umfasst eine Intensivierung der Bronchodilatatoren
mit initial ein bis zwei Hüben eines kurz wirksamen Beta-2-Sympathomimetikums
und zwei Hüben eines kurzwirksamen Anticholinergikums, die in Abständen
von zehn bis 15 Minuten wiederholt werden können. Bei unzureichender
Besserung können 1,0 bis 2,5 mg eines Beta-2-Sympathomimetikums und
0,5 mg Ipratropiumbromid in einen Vernebler gefüllt werden. Hiervon
sollte der Patient mindestens zehn Atemzüge alle zehn bis 15 Minuten
inhalieren. Alternativ können Beta-2-Sympathomimetika auch intravenös
oder subkutan injiziert werden.
Als weitere Maßnahme
können systemische Steroide in einer Dosis von 20 bis 40 mg Prednisolonäquivalent
pro Tag eingesetzt werden, wobei eine Behandlungsdauer von 14 Tagen nicht
überschritten werden sollte. Eine längere Behandlungsdauer führt
nicht zu einer höheren Effizienz, erhöht aber das Risiko unerwünschter
Effekte.
Theophyllin kann als
second line-Medikation mit einer Initialdosis von 200 mg oder
einer kontinuierlichen Infusion mit 0,5 mg/kg/Stunde eingesetzt werden.
Bei bestehender Vorbehandlung mit Theophyllin sollte auf eine Bolusgabe
verzichtet werden. Um unerwünschte Wirkungen des Theophyllins zu
vermeiden, sind die Theophyllin-Serumspiegel engmaschig zu kontrollieren.
Antibiotika
Wenn ein
bakterieller Infekt, erkennbar an einer gelb-grünen Verfärbung
des Sputums, vorliegt, kommen in Abhängigkeit von der lokalen Resistenzlage
in erster Linie Aminopenicilline (gegebenenfalls plus Betalactamase-Inhibitoren),
Oralcephalosporine oder neuere Makrolide in Betracht. Bei hochgradiger
Obstruktion (FEV1 < 30 % des Sollwertes) und gehäuft auftretenden
Exazerbationen ist häufiger mit Problemkeimen - Pseudomonas aeruginosa
und anderen gramnegativen Enterobakterien - zu rechnen. Die kalkulierte
antibiotische Therapie sollte diese Keime primär berücksichtigen.
Die Therapiedauer der antibiotischen Behandlung liegt in der Regel bei
fünf bis sieben, in schweren Fällen bei zehn Tagen. Bei Misserfolg
sollte eine mikrobiologische Diagnostik nach zwei- bis dreitägiger
Antibiotikapause durchgeführt werden.
Weitere Maßnahmen
Bei Rechtsherzinsuffizienz im Rahmen einer Exazerbation kann initial ein
Schleifendiuretikum, zum Beispiel 40 mg Furosemid intravenös, eingesetzt
werden. Bei immobilisierten Patienten, bei Polyglobulie, Dehydration,
bei chronisch venöser Insuffizienz und/oder thromboembolischen Erkrankungen
ist eine Heparinprophylaxe indiziert. Bestehen lobäre Atelektasen
oder eine ausgeprägte Sekretretention, kann die bronchoskopische
Absaugung neben Lagerungsdrainagen hilfreich sein. Bei respiratorischer
Insuffizienz ist die Sauerstoffgabe über eine Nasensonde bzw. Atemmaske
sofort einzuleiten. Ziel der Sauerstofftherapie ist eine adäquate
Oxygenierung mit arteriellen PO2-Werten von mehr als 60 mmHg bzw. eine
O2-Sättigung von mehr als 90 %. Eine Kontrolle zur Beurteilung des
Erfolgs und einer unter O2-Gabe auftretenden CO2-Retention kann bereits
nach 20 Minuten durchgeführt werden und sollte im Verlauf überprüft
werden.
Bei Exazerbationen
mit respiratorischer Insuffizienz ist die Beatmung unter folgenden Bedingungen
indiziert:
bei unbekannten COPD-Patienten:
bei PaO2 < 60 mmHg und PaCO2 > 50 mmHg unter O2 -Zufuhr und pH <
7,35;
bei bekannter respiratorischer Insuffizienz:
bei PaO2 < 50 mmHg, PaCO2 > 70 mmHg und pH < 7,35.
Nicht invasive
Beatmung mit positivem Druck (NIPPV)
Die NIPPV führt zu einer Reduktion der respiratorischen Azidose,
zu einem Abfall des PaCO2 sowie zu einer Abnahme der Atemnot durch Entlastung
der Atemmuskulatur und hat sich in den letzten Jahren als wesentliche
Hilfe in der Behandlung der schweren respiratorischen Insuffizienz erwiesen,
die auch außerhalb von pneumologischen Fachkliniken durchgeführt
werden kann. Sie ersetzt in 75 bis 80 % der Fälle die Intubation.
Invasive Beatmung
Sie ist bei COPD-Patienten mit schwerer respiratorischer Insuffizienz
dann indiziert, wenn diese Patienten für eine nicht invasive Beatmung
ungeeignet sind oder die nicht invasive Beatmung innerhalb von zwei Stunden
nicht zu einer Besserung führt.
Optimierte Betreuung
Das optimierte Management der COPD muss die Komorbidität des Patienten
und die Auswirkungen der COPD auf andere Organsysteme mit Beeinträchtigung
der Psyche (Depression), des Herz-Kreislauf-Systems, der Muskulatur, des
Ernährungszustandes und des Knochengerüstes berücksichtigen.
Zur Optimierung des Behandlungserfolges ist ein Netzwerk kompetenter Betreuer
anzustreben. Hierzu gehören Hausarzt wie Facharzt, Akutkrankenhaus
und Rehabilitationsklinik, Physiotherapeut und Übungsleiter einer
ambulanten Lungensportgruppe sowie gelegentlich auch Sozialpädagogen
und Psychologen.
Literatur beim Verfasser
oder im Internet www.blaek.de (Ärzteblatt/Literaturhinweise)
Prof. Dr. Heinrich
Worth, Klinikum Fürth, Jakob-Henle-Straße 1, 90766 Fürth
Mit freundlicher Nachdruckgenehmigung des Bayerischen Ärzteblattes
1/2004
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