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Medizin
und Wissenschaft
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Bekämpfung
der Masern und konnatalen Röteln
Die WHO legt in ihrer
Strategie den Schwerpunkt auf die Bekämpfung der Masern und des CRS.
In den Ländern, die MMR-Impfstoff verwenden, ermöglicht diese
Strategie gleichzeitig die Eindämmung von Mumps. Die gesundheitspolitische
Rahmenvereinbarung Gesundheit21, die vom Regionalkomitee für
Europa 1998 verabschiedet wurde, benennt als Ziel die Eliminierung der
einheimischen Masern und die Reduzierung des CRS auf < 1 Fall pro 100
000 Lebendgeburten für das Jahr 20101. Die Priorität liegt bei
der Masernbekämpfung, der kombinierte Ansatz ermöglicht jedoch
ein effizienteres Handeln.
In allen drei Teilregionen
ist die Anzahl der Masernerkrankungen zwischen 1999 und 2001 um 85 % zurückgegangen
(Angaben der Länder gegenüber dem WHO-Regionalbüro Europa).
Einen Überblick zur Maserninzidenz von 1998 bis 2002 in den Ländern
der Region gibt Abb. 1. In den Ländern Skandinaviens sind die Masern
seit einigen Jahren eliminiert und in mehreren Ländern aus der Teilregion
MOE (z. B. Ungarn, Tschechien, Polen) wurde über längere Zeit
< 1 Fall pro 100 000 Einwohner registriert. Größere Ausbrüche
wurden wiederholt aus Deutschland, den Niederlanden, Italien, der Schweiz
und Irland gemeldet. In mehreren Ländern, die durch hohe Inzidenzraten
(> 20 Erkrankungen pro 100 000 Einw.) auffallen, wie die Türkei,
Albanien und Moldawien, wurden Impfkampagnen mit Unterstützung der
WHO initiiert. Bei Röteln ist vor allem in Westeuropa ein Rückgang
der jährlichen Fallzahlen in den Jahren seit 1991 zu verzeichnen
(von 61 680 Erkrankungsfällen auf 5 954), in der Teilregion MOE wurden
2001 aber noch über 94 000 Fälle gemeldet und in den NUS gab
es während der zurückliegenden Jahre einen Anstieg auf über
700 000 Fälle im Jahr 2001.
Integrierte Strategie
zur Bekämpfung von Masern und Röteln Zu Situation und
notwendigen Maßnahmen in Deutschland Maßnahmen
der Infektionsüberwachung
In Deutschland sind
in den letzten Jahren auf dem Gebiet der Überwachung der Masern große
Fortschritte gemacht worden. Das bekannte laborgestützte Sentinel
der Arbeitsgemeinschaft Masern (AGM) begann 1999 mit seinen Erhebungen,
um erstmals Aussagen zur landesweiten epidemiologischen Situation bei
Masern zu ermöglichen und gleichzeitig zirkulierende Masernviren
zu charakterisieren. Über die Ergebnisse wurde sowohl im Epidemiologischen
Bulletin (s. a. Epid. Bull. 14/2001; 12/2002; 32/2002; 42/2003) wie auch
in Fachzeitschriften wiederholt berichtet. Ab 2001 wurden die Masern mit
In-Kraft-Treten des Infektionsschutzgesetzes (IfSG) meldepflichtig, d.
h. jede klinische Maserndiagnose (§ 6 IfSG) und jeder die klinische
Diagnose bestätigende Laborbefund (§ 7 IfSG) ist dem zuständigen
Gesundheitsamt namentlich zu melden. Zu jedem Einzelfall werden Angaben
zum Alter und Immunisierungsstatus des Patienten, zum Ort der Erkrankung
und zur Infektionsquelle erfasst. Die Bestätigung durch einen Laborbefund
wird vor allem bei sporadischen Fällen, bei einer Erkrankung von
Geimpften und für die ersten Fälle bei Ausbrüchen empfohlen.
Damit erfüllt Deutschland bei der Masernüberwachung die für
das Stadium II genannten Anforderungen (s. Tab. 2). In Regionen im Stadium
III der Masernbekämpfung wie den neuen Bundesländern sollten
alle Verdachtsfälle im Labor abgeklärt werden. Dabei ist es
wichtig, isolierte Viren bzw. Virus-RNA genotypisch zu charakterisieren,
um Aussagen zur Herkunft des Virus treffen zu können (einheimisch
oder importiert). Die Angaben zur Infektionsquelle sind hier ebenfalls
gefordert.
Bei der Überwachung
von Röteln und CRS besteht in Deutschland noch Nachholbedarf Erhebung der Impfraten:
Zur Überwachung gehört auch die Beobachtung der Durchimpfungsraten
- möglichst alters- und regionenspezifisch, um rechtzeitig Impflücken
erkennen und schließen zu können. Im Bedarfsfall sind dann
bestimmte Altersgruppen gezielt zu impfen. In Deutschland werden bei der
Untersuchung zum Schuleintritt Impfausweise zur Erfassung von Impfraten
kontrolliert. Dies wurde im Jahr 2001 gesetzlich verankert (§ 34
Abs. 2 IfSG). Allerdings ist dieser Kontrollzeitpunkt sehr spät,
da die Kinder entsprechend den aktuellen Empfehlungen der STIKO bis zum
Ende des 2. Lebensjahres bereits beide Dosen der MMR-Impfung erhalten
haben sollten. Eine Überprüfung im Jahr 2002 ergab, dass die
durchschnittlichen Impfraten bei Kindern mit vorgelegtem Impfausweis für
die erste Dosis Masern bei 91,3 % liegt, für die zweite Dosis bei
jedoch nur bei 33,1 %. In den neuen Bundesländern lagen die Impfraten
deutlich höher (1. Dosis 96,2 %, 2. Dosis 57,9 %). Bei Röteln
wurden für ganz Deutschland nur 87,6 % für die erste Dosis und
31,8 % für die zweite Dosis gemeldet. Diese noch verbesserungswürdigen
mittleren Raten rekrutieren sich aus regional sehr breit gestreuten Werten.
Auf Kreisebene kommen Impfraten für Masern von nur ca. 75 % bzw.
für Röteln von 70 % vor. Das bedingt die regionale Ansammlung
von emp- fänglichen Personen, die ein Potenzial für größere
Ausbrüche darstellt (s. a. Epid. Bull. 17/ 2001, 19/2002 und 05/2003). Seroprävalenzstudien:
Neben der fortwährenden Beobachtung der Impfraten kann mit Seroprävalenzstudien
aufgezeigt werden, in welchen Altersgruppen der Bevölkerung Immunitätslücken
bestehen. So können Gruppen mit erhöhtem Infektionsrisiko für
Masern und/oder Röteln identifiziert werden. Diese Informationen
können dann in Impfkampagnen gezielt und damit effektiver eingesetzt
werden. Die Stichprobenauswahl für diese Studien sollte möglichst
repräsentativ sein (für Regionen und Alterszusammensetzung)
und die Bearbeitung der Proben im Labor sollte mit standardisierten Methoden
erfolgen, um eine Vergleichbarkeit sicherzustellen. Von 1994 bis 1998
beteiligte sich Deutschland zusammen mit sechs weiteren westeuropäischen
Ländern am European Sero-Epidemiological Network (ESEN), bei dem
die serologiegestützte Überwachung vornehmlich anhand von Restseren
erfolgte. 3,4,5 Beim Vergleich der Seroprävalenzen gegenüber
Masern fiel auf, dass Deutschland nach Italien die größten
Immunitätslücken in der Altersgruppe der 2- bis 4-Jährigen
zeigte, d. h. die Gabe der ersten Dosis eines Masernimpfstoffes erfolgte
nicht zeitgerecht. Dieses Ergebnis deckt sich mit der Tatsache, dass beim
Sentinel AGM im gesamten Beobachtungszeitraum mehr als ein Viertel aller
gemeldeten Erkrankungsfälle auf diese Altersgruppe entfiel. In das Folgeprojekt
von ESEN wurden bis zu 21 Länder auch aus Ost- und Mitteleuropa einbezogen.
Deutschland ist durch das RKI vertreten, wobei das NRZ MMR im Projekt
als Referenzlabor für Masern, Mumps, Röteln fungiert. Dies beinhaltet
die Präparation und Verteilung von Serumpanels (1 Panel = 150 Seren)
an die teilnehmenden Partner sowie alle anfallenden überprüfenden
Testungen. Gegenwärtig läuft am RKI eine große Studie
zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen (KiGGS), bei der nach repräsentativen
Gesichtspunkten Daten und Seren gesammelt werden.6 In diesem Rahmen werden
u. a. erstmalig Daten zum Impfstatus mit den in den entsprechenden Seren
festgestellten Antikörperwerten verknüpft werden können. Das Labornetzwerk Im Zusammenhang mit
der Masernelimination unterstützt die WHO den Aufbau eines globalen
Measles and Rubella Laboratory Network (MRLN) ideell und materiell. Dort,
wo die Voraussetzungen für eine Masern- und Rötelndiagnostik
bisher fehlen oder unzureichend sind, werden Laborausrüstungen und
Testkits zur Verfügung gestellt und Personal wird aus- und fortgebildet.
Der vorliegende Artikel
stützt sich auf die Publikation aus dem WHO-Regionalbüro für
Europa, Kopenhagen: Strategie zur Bekämpfung von Masern und
konnatalen Röteln in der europäischen Region der WHO 2003 (s.
a. unter www.euro.who.int). Die Tabellen 1 und 2 wurden mit der freundlichen
Erlaubnis der Herausgeber daraus entnommen. Beitrag aus dem
NRZ MMR am RKI unter Mitarbeit von Dr. G. Rasch, Dr. A. Siedler, Dr. S.
Reiter, Abt. Infektionsepidemiologie des RKI, Ansprechpartnerin: Dr. A.
Tischer (E-Mail tischera@rki.de). Literatur bei den
Verfassern Epid. Bulletin, Robert Koch-Institut Nr. 10/2004 |
Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 04/2004 S. 68 - 73 |
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