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Medizin und Wissenschaft

Krätzmilbenbefall Schleswig-Holsteinischer Einrichtungen des Gesundheitswesens - ein Problem?
Michael Hilbert

Wer in den letzten Wochen und Monaten Tageszeitungen in Schleswig-Holstein gelesen hat, wird die im Titel gestellte Frage möglicherweise mit „Ja“ beantworten können.

Elektromikroskopische Aufnahme von Krätzmilben in der obersten Hautschicht
(Foto: HERMAL Kurt Herrmann GmbH & Co [www.hautstadt.de])

Eigentlich handelt es sich bei Krätze nicht um eine Krankheit im engeren Sinn, sondern um einen Milbenbefall des Menschen. Krätze kann bei Berufstätigen eine Berufskrankheit mit der Berufskrankheitenziffer 3102 sein. Krätze fällt in eine Berufskrankheitengruppe mit dem in diesem Fall irreführenden Namen: „Von Tieren auf Menschen übertragbare Krankheiten“. Denn die Krätzmilbe, die den Menschen befällt und die die unangenehme Klinik zur Folge hat wird von Mensch zu Mensch übertragen und nicht vom Tier auf den Menschen. Diese Einsortierung des Krätzmilbenbefalls bei Berufstätigen erfolgte aus formalen Gründen unter die Berufskrankheitenziffer 3102 und führt daher immer wieder zu Diskussionen mit Kolleginnen und Kollegen.

Werden Beschäftigte z. B. in Krankenhäusern oder Altenpflegeheimen von Krätzmilben befallen, dann besteht der begründete Verdacht, dass es sich hier um eine meldepflichtige Berufskrankheit handelt. Dies hat Konsequenzen für Kolleginnen und Kollegen und für Unternehmer, denn

  • Jeder Arzt, Zahnarzt (§ 202 SGB VII) und jeder Unternehmer (§ 193 SGB VII), der den begründeten Verdacht hat, dass bei versicherten Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern eine Berufskrankheit (in diesem Fall Krätze mit der Ziffer 3102) besteht, haben dies dem zuständigen Unfallversicherungsträger oder der für den medizinischen Arbeitsschutz zuständigen Stelle (in Schleswig-Holstein sind dies die Gewerbeärzte im Landesgesundheitsamt Schleswig-Holstein in Kiel) in der für die Anzeige von Berufskrankheiten vorgeschriebenen Form unverzüglich anzuzeigen.

In Alten- und Pflegeheimen ist die Anzahl der mit Krätzmilben infizierten Beschäftigten in den letzten Jahren angestiegen. Lag die Zahl der gemeldeten Fälle parasitärer Erkrankungen - fast ausschließlich Krätze - 1996 noch bei 61, waren es im Jahre 2001 490 angezeigte Fälle.
Die Ursache liegt nach Ansicht von Experten nicht an mangelnder Hygiene, sondern in der Unkenntnis über effektive Bekämpfungsmaßnahmen.

Krätze wird auch schon mal als Hautekzem missgedeutet. Bei der Erkrankung bohren Krätzmilben winzige Gänge in die oberen Hautschichten meist der Fingerzwischenräume, der Hand- und Fußgelenke sowie des Genitalbereichs und legen dort ihre Eier ab.

Veranstaltungshinweis:

„Krätzmilben in Einrichtungen des Gesundheitswesens Schleswig-Holstein“

02.06.2004, 15:00 - 19:15 Uhr

Veranstalter: Akademie für medizinische Fort- und Weiterbildung


Nähere Informationen finden Sie in der Rubrik Fortbildung

Wird nicht korrekt behandelt, kann sich Krätze rasch ausbreiten. Die Übertragung auf andere Personen wird durch engen Körperkontakt gefördert.

Pflegepersonal und Ärzte in Alten- und Pfegeheimen können daher besonders gefährdet sein.
Einige Erfahrungen aus der Praxis des Gewerbearztes im Umgang mit Krätze sind:

  • Berufskrankheitenanzeigen wurden nur zu einem geringen Anteil - gemessen an der Anzahl der tatsächlich Betroffenen - erstattet; das heißt, dass sich in Einzelfällen hinter einer Berufskrankheitenanzeige, die den Gewerbearzt erreichte, dreißig infizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter desselben Alten- und Pflegeheimes verbargen (Dunkelziffer), bei denen keine Berufskrankheit angezeigt worden war. Geschätzt sind die tatsächlichen Zahlen der mit Scabies „infizierten“ Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern in diesem Arbeitsbereich vermutlich höher, als durch Berufskrankheitenanzeigen offenkundig werden.
  • Fehlende Sachinformationen bei Heimleitungen, Pflegedienstleitungen, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, aber auch bei Hautärzten und vor allem bei Haus- und Betriebsärzten - alle diese benannten Gruppen sind im konkreten Fall mit der Situation, mit der Erkennung, der Diagnosestellung, dem Management, der Therapie und dem praktischen Handeln in Ausnahmefällen nicht überfordert.

Aus diesen Gründen ist es vorgekommen, dass die Krätzmilbeninfektion aus unterschiedlichsten Gründen unnötig lange unterhalten wurde - in Extremfällen dauerte es über zwölf Monate und länger, bis z. B. ein Altenheim oder Bereiche größer und moderner Krankenhäuser in Schleswig-Holstein wieder krätzefrei waren.

Um einen Beitrag zur Verringerung der festgestellten Informations- und Wissensdefizite zu leisten gibt die für den 2. Juni 2004 geplante Fortbildungsveranstaltung praktische Informationen zu folgenden Punkten:

  • Management des Krätzmilbenbefalls z. B. in Altenheimen
  • Leistungen des Unfallversicherungsträgers
  • Diagnose und Therapie
  • Gewerbeärztliche Erfahrungen/Berufskrankheit Nr. 3102
  • Krätzmilbe (sarcoptes scabiei hominis)
  • Hilfsangebote des Gesundheitsamtes

Dr. Michael Hilbert, Landesamt für Gesundheit und Arbeitssicherheit, Adolf-Westphal-Straße 4, 24143 Kiel

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 04/2004

S. 67 / 68