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Neues
in der Migränetherapie
Kopfattacke
Holger Neye
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(Foto:
BilderBox)
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Die Behandlung
der Migräne erfordert eine eindeutige Diagnose und ein definiertes
Vorgehen bei der Medikation, wie es sich in den Therapieempfehlungen der
Deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft wiederfindet. Über
neue Therapieansätze bei der Prophylaxe der Migräne, der Behandlung
der menstruellen Migräne und bei Kindern informierte Dr. Volker Pfaffenrath,
Neurologe und Kopfschmerzspezialist, auf einem Workshop Pharmakotherapieberatung
in Hamburg.
Die Migräne ist charakterisiert durch einen 4 - 72 Stunden anhaltenden,
meist einseitigen, pulsatilen Kopfschmerz, der durch Bewegung verstärkt
wird. Dazu kommt mindestens ein weiteres Symptom wie Übelkeit oder
Erbrechen, Photo- oder Phonophobie. Bei 10 - 15 % der Patienten können
Aurasymptome der Migräneattacke vorausgehen. Ein isolierter Migräneanfall
macht den Betroffenen noch nicht zum Migränepatienten; erst häufiger
auftretenden Attacken (1 - 5 pro Monat) rechtfertigen eine entsprechende
Migränebehandlung. Durchschnittlich 10 % der Migräniker leiden
an mindestens 3 - 5 Attacken/Monat an Migräne.
Neurophysiologisch liegt der Migräne eine cortikale Übererregbarkeit
zugrunde, ein im Hirnstamm lokalisierter Migränegenerator
scheint die Attacken auszulösen. Akute Migräneattacken werden
nach dem Schema der Deutschen Migräne und Kopfschmerzgesellschaft
(DMKG) behandelt, das mit einer Kombination eines Prokinetikums wie Domperidon
oder Metoclopramid mit 1 g ASS oder Paracetamol oder nicht-retardiertem
Ibuprofen (400 mg) beginnt. Bei schweren Attacken wird mit einem Triptan
behandelt. Ergotamine spielen eine untergeordnete Rolle, abgesehen davon,
dass seit dem 1. Juli 2003 nur noch zwei Ergotaminpräparate zur Akutbehandlung
der Migräne in Deutschland verfügbar sind. Wenn der Patient
gut auf diese Präparate anspricht, sieht Dr. Pfaffenrath keinen Grund,
auf ein Triptan umzusteigen.
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Biov.
% |
tmax(h) |
HWZ
(h) |
Dosis
oral (mg) |
andere
Applikationen |
| Almotriptan |
70 |
1,5-3,0 |
3,5 |
12,5 |
|
| Eletriptan |
50 |
2,8 |
4 |
40 |
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| Sumatriptan |
14 |
2,5 |
2 |
50-100 |
Suppositorien,
Nasenspray
Autoinjektor |
| Zolmitriptan |
41 |
2,5 |
2,5 |
2,5 |
Schmelztablette |
| Naratriptan |
60 |
2-3 |
6 |
2,5 |
|
| Rizatriptan |
40 |
1,0 |
3 |
10 |
Schmelztablette |
| Frovatriptan |
25 |
2-3 |
26 |
2,5 |
|
Alle
Triptane bedienen sich als Serotoninrezeptor-Agonisten (5HT1B/1D) desselben
Wirkmechanismus, sie unterscheiden sich allerdings durch ihre pharmakokinetischen
Parameter (Tab. 1). Für eine erfolgreiche Therapie sollte bei der
Behandlung von drei Attacken bei zweien innerhalb von zwei Stunden eine
ausreichende Schmerzreduktion oder Kopfschmerzfreiheit erreicht werden.
Wenn zwei verschiedene Triptane nicht wirken, macht es keinen Sinn, ein
drittes auszuprobieren.
Die Behandlung der menstruellen Migräne und die Behandlung der Migräne
bei Kindern gehört, so der Vortragende, in die Hände von Spezialisten.
Bei der menstruellen Migräne könnten Triptane auch prophylaktisch
helfen. Eine Alternative kann darin bestehen, ein Einphasen-Pillenpräparat
durchzunehmen oder auf eine Dreimonatsspritze auszuweichen. Migräne
bei Kindern ist durch eine andere Symptomatik gekennzeichnet, gastrointestinale
Symptome stehen im Vordergrund oder können sogar allein auftreten.
In der Regel sind die Attacken kürzer, was ein schnelles Ansprechen
der Medikation erfordert. Imigran Nasenspray ist für die Behandlung
ab 12 Jahren zugelassen.
Eine Prophylaxe der Migräne kann bei mehr als drei Anfällen
pro Monat oder häufiger Triptananwendung indiziert sein. Hier empfiehlt
es sich besonders, ein Kopfschmerztagebuch zu führen, wie es beispielsweise
auf der Internetseite der DMKG (www.dmkg.de) angeboten wird. Die neusten
Empfehlungen für die Migräneprophylaxe weichen von den zuletzt
veröffentlichten Vorgaben der DMKG leicht ab. Dr. Pfaffenrath empfiehlt
Metoprolol einschleichend mit einer Enddosis von 150 mg (Frauen) oder
200 mg (Männer) oder Flunarizin 10 mg/d (Männer) oder 5 mg/d
(Frauen 50 - 70 kg, sonst 5 mg alle zwei Tage) einzusetzen. Valproat oder
Naproxen gelten nur noch als Mittel der zweiten Wahl.
Mit freundlicher
Nachdruckgenehmigung des Niedersächsischen Ärzteblattes 12/2003
Dr.
Holger Neye, Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen, Berliner
Allee 22, 30175 Hannover
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt
02/2004
S.63 / 64
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