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Ansteckung
durch infektiöses Aerosol
Legionellose
Bei der
Legionellose handelt es sich um eine Atemwegserkrankung, die durch Bakterien
der Gattung Legionella hervorgerufen wird. Man unterscheidet zwei Erkrankungsformen:
Das Pontiac-Fieber, welches einem Influenza ähn-lichen Infekt gleicht
und hauptsächlich durch Fieber, Husten und Muskelschmerzen charakterisiert
ist, sowie die meist schwerer verlaufende Legionärskrankheit, die
mit einer Pneumonie einhergeht. Im nachfolgenden Bericht wird unter Legionellose
eine durch Legionellen verursachte Erkrankung gemäß der RKI-Falldefinition
verstanden.
Sofern nicht anders erwähnt, wird nicht zwischen Pontiac-Fieber und
der Legionärskrankheit unterschieden.
Auf der Basis der Meldedaten nach dem Infektionsschutzgesetz ergibt sich
für das Jahr 2002 folgende Einschätzung der Legionellose in
Deutschland:
Epidemiologie:
Insgesamt wurden dem Robert Koch-Institut 413 Fälle gemäß
Referenzdefinition (klinisch-labordiagnostisch bzw. klinisch-epidemiologisch
bestätigte Fälle) übermittelt. Dies entspricht bundesweit
einer Inzidenz von 0,5 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner. Gegenüber
dem Vorjahr (329 Fälle, 0,4 Erkr. pro 100 000 Einw.) ergab sich somit
eine Zunahme von 25,5 %. Es wird eingeschätzt, dass diese Zunahme
nicht einem tatsächlichen Erkrankungsanstieg entspricht. Der Anstieg
dürfte eher auf eine verbesserte Meldung bzw. Erfassung von diagnostizierten
Erkrankungsfällen zurückzuführen sein. Weiterhin repräsentieren
die übermittelten Fälle nach allen Erkenntnissen nur einen Bruchteil
der tatsächlich aufgetretenen Erkrankungen. Die anzunehmende hohe
Untererfassung kommt dadurch zustande, dass nicht alle Legionellosen auch
als solche erkannt werden (ganz besonders im Fall der leichteren Verlaufsform,
des Pontiac-Fiebers) und dass bei Pneumonien zu selten eine spezifische
Erregerdiagnostik durchgeführt wird.
Legionellose
- Übersicht
Legionellen sind im Wasser weit verbreitete
Umweltkeime, die sich in Amöben und anderen Einzellern vermehren.
Gegenwärtig sind etwa 50 Spezies mit mehr als 70 Serogruppen
bekannt. Die wichtigste Art ist Legionella pneumophila mit zzt. 16
Serogruppen (Sg). In natürlichen Gewässern kommen Legionellen
nur in geringen Mengen vor; hingegen finden sie in künstlichen,
vom Menschen geschaffenen Wassersystemen bei Temperaturen zwischen
25 °C und 50 °C günstige Bedingungen für ihre Vermehrung.
Insbesondere große Warmwassersysteme mit umfangreichen Rohrsystemen,
wie sie beispielsweise in Hotels, Krankenhäusern oder anderen
Großeinrichtungen zu finden sind, sind besonders anfällig
für Kontaminationen. Das betrifft vor allem ältere und schlecht
gewartete Leitungssysteme. Ebenso kann eine stagnierende Wasserzirkulation
zu erhöhten Keimzahlen im Wasser führen. Eine Beachtung
der geltenden technischen Empfehlungen für Trinkwassererwärmungs-
und Leitungsanlagen (DVGW ArbeitsblattW551/W552) minimiert das Risiko
aber weitgehend.
Die Ansteckung erfolgt in der Regel durch die Inhalation eines infektiösen
Aerosols, d. h. durch das Einatmen einer Mischung aus Luft und feinsten
Wassertröpfchen, welche Legionellen enthalten. Darüber hinaus
können die Erreger auch durch (Mikro-)Aspiration - also durch
die direkte Aufnahme von kontaminiertem Wasser über die Atemwege
- in die Lunge gelangen. Als vorrangige Infektionsquellen sind Leitungssysteme
zur Warmwasserverteilung (z. B. Duschen oder andere sanitäre
Einrichtungen) und Kühltürme von lüftungstechnischen
Anlagen zu nennen. Die entscheidenden Faktoren sind dabei die Temperatur
des Wassers, seine Verweildauer im System, welche die Vermehrung der
Legionellen beeinflussen sowie das Entstehen von Aerosolen, das die
Verbreitung und Infektion fördert. Eine direkte Übertragung
von Mensch zu Mensch gilt als ausgeschlossen. Infektionsquellen können
sowohl im häuslichen als auch im beruflichen Umfeld existieren.
Erkrankungen können aber auch während eines Krankenhausaufenthaltes
erworben werden (nosokomiale Infektion) oder mit einer Reise und den
damit verbundenen Hotelaufenthalten assoziiert sein. Gemessen an der
weiten Verbreitung der Keime kommen Erkrankungen beim Menschen aber
vergleichsweise selten vor. Die pathogene Wirkung hängt neben
der bakteriellen Belastung des Wassers, der Art der Exposition und
der Virulenz des Stammes auch von den natürlichen Abwehrkräften
der Betroffenen ab. Erkrankungen treten fast ausschließlich
bei Erwachsenen auf. Männer sind wesentlich häufiger betroffen
als Frauen. Spezielle Risikogruppen sind immunsupprimierte Menschen,
Personen mit chronischen Lungenkrankheiten sowie ältere Menschen,
bei denen oft Vorschädigungen oder spezifische Grundleiden z.
B. Diabetes vorliegen. Je nach gesundheitlicher Konstitution kann
die Letalität dabei bis zu 15 % betragen. Darüber hinaus
birgt auch Tabak- und Alkoholmissbrauch ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.
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Aus den
genannten Gründen gibt es nur wenig verlässliche Zahlen zur
tatsächlichen Erkrankungshäufigkeit. Auch aufgrund klinischer
Studien können die Zahlen nur hochgerechnet werden: Verschiedene
internationale und nationale Studien zeigten, dass etwa 3,4 % bis 7 %
der ambulant erworbenen Pneumonien auf die Legionärskrankheit zurückzuführen
sind, was in Deutschland bei einer vorsichtigen Schätzung mindestens
6 000 Fällen pro Jahr entsprechen dürfte. Das Problem der Untererfassung
ist auch aus anderen europäischen Ländern bekannt.
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| Mikroskopaufnahme
von Legionellen |
Aufgrund
einer verbesserten Surveillance in vielen europäischen Ländern
lässt sich aber seit 1993 europaweit eine stetige Zunahme der Erkrankungszahlen
feststellen, so stieg die Inzidenz von durchschnittlich 0,41 Erkrankungen
pro 100 000 Einwohner im Jahr 1993 auf 1,02 Erkrankungen pro 100 000 Einwohner
im Jahr 2002, wobei allerdings beträchtliche Unterschiede zwischen
den einzelnen Ländern bestehen. Mit einer Inzidenz von 0,5 Erkrankungen
pro 100 000 Einwohner liegt Deutschland nach wie vor unter dem europäischen
Durchschnitt.
Wie im Vorjahr konnte eine gewisse Zunahme der Erkrankungszahlen in den
Sommer- und Herbstmonaten festgestellt werden, was wahrscheinlich zum
Teil auf eine vermehrte Auslandsreiseaktivität und die damit verbundenen
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Hotelaufenthalte
zurückzuführen ist. Über den Anteil reiseassoziierter Fälle
innerhalb Deutschlands kann derzeit keine Aussage getroffen werden; es
ist aber davon auszugehen, dass ein Teil der Erkrankungsfälle auf
Hotelaufenthalte innerhalb Deutschlands zurückzuführen ist.
Die Alters- und Geschlechtsverteilung der übermittelten Fälle
zeigt erwartungsgemäß ein ähnliches Bild wie im Vorjahr:
Erkrankungen traten hauptsächlich bei Erwachsenen - insbesondere
älteren Menschen - auf, während Kinder und Jugendliche kaum
betroffen waren. Das Durchschnittsalter lag bei 56,3 Jahren (Median 57
Jahre, Spannweite 2 - 92 Jahre). Hierdurch wird belegt, dass ein fortgeschrittenes
Alter möglicherweise in Verbindung mit einer bereits bestehenden
Immunschwäche oder anderen Grunderkrankungen einen Risikofaktor für
Legionellen-Erkrankungen darstellt. Männer (n = 263) erkrankten dabei
im Vergleich zu Frauen (n = 150) etwa doppelt so häufig (0,65 : 0,35
Erkr. pro 100 000 Einw.). Die Ursache für diesen geschlechtsspezifischen
Unterschied ist bislang nicht genau geklärt.
In stationärer Behandlung befanden sich 326 (78,9 %) der 413 Erkrankten.
Schwere Erkrankungen, bei denen eine Pneumonie diagnostiziert wurde (Legionärskrankheit),
lagen in 288 Fällen vor (69,7 %). Männer waren dabei mit 191
Fällen wiederum häufiger betroffen als Frauen (91 Fälle).
Bei 28 Patienten (20 Männer, acht Frauen) war der Verlauf der Legionärskrankheit
so schwer, dass sie daran starben. Dies entspricht einer Letalität
von 9,7 %. Das Durchschnittsalter der Verstorbenen lag bei 64,3 Jahren
(Median 63,5 Jahre, Spannweite 40 - 82 Jahre).
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| Legionellen |
Bei 125
Fällen (30,3 %) war keine Pneumonie festgestellt bzw. übermittelt
worden. Diese Erkrankungsfälle waren daher dem klinischen Bild eines
Pontiac-Fiebers zuzuordnen. Bei 78 dieser Erkrankungsfälle war jedoch
eine stationäre Behandlung angegeben und gleichzeitig wurden sechs
Todesfälle registriert. Da Pontiac-Fieber aber im Gegensatz zur Legionärskrankheit
durch einen vergleichsweise leichten Krankheitsverlauf ohne Todesfolge
gekennzeichnet ist, könnte es sich bei diesen Meldungen um Fehler
bei der Dateneingabe bzw. eine inkomplette Erhebung der Daten gehandelt
haben. Es ist zu vermuten, dass eine Pneumonie und damit das klinische
Bild der Legionärskrankheit vorgelegen hat, dieses Symptom jedoch
bei der Übermittlung nicht angegeben wurde. Um eine korrekte Unterscheidung
der beiden Krankheitsbilder zu gewährleisten, wird daher auf die
Notwendigkeit hingewiesen, bei einer labordiagnostisch bestätigten
Legionellen-Infektion die Erkrankungssymptome und insbesondere das Vorliegen
bzw. den Ausschluss einer Pneumonie zu ermitteln.
Diagnostische
Verfahren:
Zum Nachweis einer Legionellen-Infektion stehen verschiedene Methoden
zur Verfügung. Die Isolierung des Erregers mittels Kultur aus respiratorischen
Sekreten ist dabei als Goldstandard anzusehen, sie erlaubt es, alle Legionella-Spezies
zu identifizieren. Zudem können mit Hilfe molekularer Typisierungsmethoden
Stämme von Patienten mit solchen aus der Umwelt verglichen werden,
was für die Abklärung von möglichen Infektionsquellen von
epidemiologischer Bedeutung ist. Als weitere diagnostische Verfahren stehen
verschiedene serologische Tests (z. B. indirekter Immunfluoreszenztest)
sowie direkte Antigennachweise zur Verfügung, wobei insbesondere
der Antigennachweis aus dem Urin in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung
gewonnen hat. Der Urin-Antigentest erlaubt im Gegensatz zur Serologie
eine frühzeitige und schnelle Diagnose und hat außerdem den
Vorteil, dass das benötigte Untersuchungsmaterial leicht erhältlich
ist. Jedoch weisen die derzeit auf dem Markt erhältlichen kommerziellen
Testkits überwiegend Legionella pneumophila Sg 1 nach und sind für
andere Serogruppen bzw. Spezies nur wenig sensitiv.
Wie bereits im Vorjahr war der Nachweis von Legionella-Antigenen im Urin
die am häufigsten verwendete Untersuchungsmethode. Der Antikörper-Nachweis
folgte wiederum an 2. Stelle. Der Nachweis mittels Kultur nahm hingegen
eine vergleichsweise untergeordnete Stellung ein und ist gegenüber
dem Vorjahr (14,2 %) noch weiter gesunken. Dies ist insofern bedauerlich,
als gerade dem kulturellen Nachweis und den damit verbundenen molekularen
Typisierungsmöglichkeiten eine besondere Bedeutung zukommt. An dieser
Stelle wird daher darauf hingewiesen, dass bei einem Verdacht auf Legionellose,
besonders wenn es sich um Krankenhauspatienten, Menschen mit spezifischen
Grundleiden oder um reiseassoziierte Erkrankungsfälle handelt, eine
Kultur angestrebt werden sollte!
Spezies
und Serogruppen der Erreger:
Von den 413 übermittelten Fällen lag bei 84 (20,3 %) keine Speziesangabe
vor. In 329 Fällen (79,7 %) waren Angaben zum Erreger vorhanden.
Davon konnten 283 Fälle (86 %) Legionella pneumophila zugeordnet
werden, 46 (14 %) entfielen auf andere Spezies. Von den 283 Legionella
pneumophila-Fällen hatten 106 (32,2 %) Serogruppe 1, 28 (8,5 %) eine
andere Serogruppe und 149 (45,3 %) waren ohne Angaben zur Serogruppe.
Von den 53 durch einen kulturellen Nachweis bestätigten Fällen
konnten 41 (77,3 %) als Legionella pneumophila identifiziert werden. Davon
entfielen 18 auf Sg 1, zwei auf Sg 2 und einer auf Sg 4. In 20 der durch
Kultur nachgewiesenen Fällen war die Serogruppe hingegen nicht angegeben
worden. In vier Fällen wurde die Erkrankung durch eine andere Spezies
als Legionella pneumophila verursacht und in acht Fällen waren diesbezüglich
keine Angaben verfügbar.
Reiseassoziierte
Legionellose:
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| Mikroskopaufnahmen
von Legionellen |
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Besondere
Bedeutung kommt Legionellosen im Rahmen reiseassoziierter Erkrankungen
zu, denn nicht selten werden Infektionen während einer Reise und
den damit verbundenen Aufenthalten in Hotels oder anderen Unterkünften
erworben. Da solche Fälle auf eine bestehende Infektionsgefahr hinweisen,
sollte die Infektionsquelle immer ermittelt und entsprechende Gegenmaßnahmen
eingeleitet werden. Die Erkennung von Infektionsquellen wird jedoch durch
die zunehmende Mobilität der Bevölkerung erschwert, denn bei
einer Inkubationszeit zwischen zwei und zehn Tagen erkranken Urlauber
oftmals erst nach Rückkehr in ihre Heimatländer. Erkrankungen
mit einem gemeinsamen Infektionsort können daher auf verschiedene
Regionen bzw. Länder verteilt sein. Die Zuordnung solcher Einzelfälle
zu einer
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gemeinsamen
Infektionsquelle und damit das Erkennen von entsprechenden Infektionsgefahren
ist das Ziel des
europäischen Netzwerks zur Surveillance von reiseassoziierten
Legionella-Infektionen (European Working Group for Legionella-Infections,
Ewgli am Communicable Disease Surveillance Centre, CDSC, London) kurz
EWGLI-NET genannt. Das Netzwerk analysiert die Daten aus 36 europäischen
Teilnehmerländern und koordiniert den internationalen Datenaustausch
zwischen dem Land mit der vermuteten Infektionsquelle und den Ländern,
in denen die Erkrankungen diagnostiziert bzw. gemeldet wurden. Durch einen
intensiven Informationsaustausch wird eine schnelle und gezielte Intervention
durch die jeweils zuständigen Gesundheitsbehörden vor Ort ermöglicht,
so dass weitere Fälle vermieden werden können. Im Jahr 2002
wurden von 21 Ländern insgesamt 675 Fälle von Legionärskrankheit
an das Netzwerk gemeldet. Darunter befanden sich 94 Häufungen d.
h. zwei oder mehr Fälle, die auf eine gemeinsame Infektionsquelle
zurückzuführen waren. Allein 26 dieser Cluster hätten ohne
das Netzwerk nicht identifiziert werden können, da es sich in diesen
Fällen um multinationale Cluster handelte, bei denen in einzelnen
Teilnehmerländern jeweils nur ein Erkrankter bekannt wurde.
Gemäß der EWGLI-Falldefinition liegt eine reiseassoziierte
Erkrankung vor, wenn sich ein Patient im Rahmen einer Reise innerhalb
der Inkubationszeit von zwei bis zehn Tagen im In- oder Ausland aufgehalten
hat und eine oder mehrere Nächte in Hotels, Apartmentanlagen, auf
Kreuzfahrtschiffen oder Campingplätzen etc. (jedoch nicht in Privatwohnungen)
verbracht hat und an einer klinisch bzw. radiologisch gesicherten Pneumonie
erkrankt ist, bei der labordiagnostisch Legionellen als Erreger nachgewiesen
wurden. Erkrankungen an Pontiac-Fieber werden von EWGLINET nicht erfasst.
In Deutschland war rund ein Viertel der Erkrankungsfälle (sowohl
Legionärskrankheit als auch Pontiac-Fieber) mit einem Auslandsaufenthalt
assoziiert. Dabei erfolgten die Infektionen hauptsächlich im europäischen
Ausland (91,3 %), die drei am häufigsten genannten Länder waren
die Türkei, Italien und Spanien. Dabei ist jedoch anzumerken, dass
diese Mittelmeerländer nicht unbedingt ein erhöhtes Risiko aufweisen
(z. B. aufgrund der vorherrschenden klimatischen Bedingungen oder generell
schlechter hygienischer Standards in Hotel- und Ferienanlagen), vielmehr
spiegelt sich in dieser Liste die Beliebtheit dieser Länder als Urlaubsziel
wider. Sie werden von deutschen Touristen entsprechend häufig bereist.
Für die 286 Fälle, bei denen Deutschland als Infektionsland
übermittelt wurde, kann gegenwärtig nicht abgeschätzt werden,
welcher Anteil dabei auf Reisen innerhalb Deutschlands zurückzuführen
ist, da diesbezüglich keine auswertbaren Angaben vorliegen. Im Rahmen
einer umfassenden Surveillance sind jedoch nicht nur die reiseassoziierten
Fälle im Ausland von Bedeutung. Von gleichem Interesse sind auch
reiseassoziierte oder andere mit einer Gemeinschaftsunterkunft assoziierte
Fälle innerhalb Deutschlands. Daher werden die Labore bzw. Ärzte
gebeten, bei diagnostizierten Legionellen-Infektionen möglichst auch
eine Anamnese über den Aufenthalt im Inkubationszeitraum (sowohl
für das Inland als auch für das Ausland) zu erheben und dem
Gesundheitsamt mitzuteilen.
Meldungen
an EWGLINET:
Bei 64 der 92 auslandsassoziierten Erkrankungsfällen handelte es
um die Legionärskrankheit (mit nachgewiesener Pneumonie). Davon wurden
48 (75 %) an das Netzwerk gemeldet. 16 Fälle wurden nicht an EWGLINET
weitergeleitet, da sich die Erkrankten ausschließlich in privaten
Unterkünften bei Freunden oder Verwandten aufgehalten hatten oder
aber die notwendigen Angaben zur Reise (Urlaubsort, Hotelname) nicht mehr
ermittelbar waren. Durch seine Beteiligung an EWGLINET konnte Deutschland
im vergangenen Jahr zur Erkennung von insgesamt acht Clustern beitragen.
Häufungen:
Im Jahr 2002 wurden drei Häufungen mit insgesamt zehn Erkrankungsfällen
übermittelt. Bei einer Häufung handelte es sich um zwei Fälle,
die sich die Erkrankung möglicherweise durch Nutzung einer gemeinsamen
Dusche an ihrem Arbeitsplatz zugezogen hatten. Eine weitere Häufung
betraf zwei Erkrankte, bei denen die Infektion im Rahmen eines Auslandsaufenthaltes
(Algerien) vermutet wurde, wobei allerdings die Angaben zum genauen Erkrankungszeitraum
nicht mehr ermittelt werden konnten. Darüber hinaus wurde eine weitere,
ebenfalls reiseassoziierte Häufung mit insgesamt sechs Erkrankungsfällen
übermittelt. Hierbei handelte es sich um Teilnehmer einer Reisegruppe,
die sich in einem Hotel in Slowenien infiziert hatten. Die zuständigen
Gesundheitsbehörden in Slowenien waren seinerzeit unverzüglich
über EWGLINET informiert worden. Die im fraglichen Hotel eingeleiteten
Wasseruntersuchungen ergaben einen positiven Legionellenbefund. Die molekulare
Feintypisierung eines Patientenisolates und der Wasserisolate aus dem
Hotel zeigte eine Übereinstimmung. Das Hotel wurde daraufhin vorübergehend
geschlossen und umfassende Sanierungsmaßnahmen zum Schutz vor weiteren
Erkrankungsfällen veranlasst.
Prävention:
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| Legionellen |
Legionellen-Infektionen
erfolgen nicht durch eine Übertragung von Mensch zu Mensch, sondern
ausschließlich aus der Umwelt. Daher sollte bei labordiagnostisch
bestätigten Erkrankungen prinzipiell immer versucht werden, den Infektionsweg
aufzuklären, um so die Infektionsquelle zu bestimmen. Mit Blick auf
die Risikogruppen sollte neben Hotels und anderen Reiseunterkünften
vor allem auch auf mögliche Infektionsherde in Krankenhäusern
und Pflegeheimen geachtet werden. Gerade in diesen Einrichtungen besteht
eine besondere Gefährdung aufgrund möglicherweise vorhandener
Grunderkrankungen bei den Patienten bzw. Heimbewohnern. Nur durch das
schnelle Auffinden der Infektionsquelle und das Ergreifen geeigneter Gegenmaßnahmen
ist es möglich, weitere Erkrankungsfälle zu verhindern. Wie
notwendig die epidemiologische Untersuchung von Erkrankungshäufungen
und die Aufklärung von Infektionsursachen ist, zeigen auch die kürzlich
aufgetretenen Erkrankungen in einem Krankenhaus in Brandenburg. Den lokalen
Gesundheitsbehörden kommt bei Legionellose-Häufungen große
Bedeutung zu, denn sie können durch möglichst umfassende Ermittlungen
zur Exposition, fachliche Beratung und das Veranlassen entsprechender
Maßnahmen vor Ort wesentlich zum Schutz der Bevölkerung beitragen.
Legionellose:
Beispiel eines Erkrankungsfalles mit der Klärung der Infektionsquelle
Am Freitagnachmittag, 1. August 2003, ging beim Gesundheitsamt Ulm im
Landratsamt Alb-Donau-Kreis eine Meldung über den Nachweis einer
Legionella spp. durch das Institut für Mikrobiologie und Hygiene
des Universitätsklinikums Ulm ein. Recherchen in dem Universitätsklinikum,
aus dem die Einsendung erfolgt war, ergaben, dass die 39-jährige
Patientin am 31.07.03 mit hohem Fieber in das Klinikum eingewiesen worden
war und seitens des Klinikums aufgrund des positiven Antigennachweises
bezüglich Legionellen im Urin und gleichfalls positiver Legionellen-PCR
in der bronchoalveolären Lavage in Verbindung mit einer Thoraxübersichtsaufnahme
die Diagnose einer Legionellen-Pneumonie beidseits gestellt worden war.
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| Röntgenbild
einer von Legionellen befallenen Lunge |
Als mögliche
Quellen der Infektion wurden der Privathaushalt sowie ein Sportheim auf
der Schwäbischen Alb angegeben, welches die später Erkrankte
in der Zeit vom 18. bis 20.07.03 im Rahmen eines privaten Zeltlagers gemeinsam
mit weiteren 50 Personen besucht hatte. Die Erkrankte und etwa 25 weitere
Personen hatten am 19. und 20.07.03 direkt in dem Sportheim übernachtet
und dort die vorhandenen sanitären Anlagen benutzt. Nach der Heimkehr
traten ab dem 24.07.03 die ersten Symptome wie Mattigkeit und leichtes
Fieber auf. Bis zum 31.07.03 verschlechterte sich der Zustand der Erkrankten
so sehr, dass durch den Hausarzt eine Einweisung in das Klinikum erfolgte.
Das Nachbargesundheitsamt, in dessen Zuständigkeitsbezirk das Sportheim
liegt, wurde informiert und es wurden - da eine Infektion über benutzte
Duschen als wahrscheinlichste Infektionsmöglichkeit anzusehen war
- entsprechende Untersuchungen vereinbart. Die Duschen des Sportheimes
und des Privathaushaltes der Erkrankten wurden parallel beprobt. Im Privathaushalt
waren in der Hausinstallation keine Legionellen nachzuweisen. In dem Duschkopf
einer Einzeldusche des Sportheimes (sog. Schiedsrichterdusche),
welche von der Patientin benutzt worden war, wurde mit 15 500 KBE Legionellen
pro 100 ml eine extrem hohe Kontamination festgestellt, die mit hoher
Wahrscheinlichkeit als Ausgangspunkt der Infektion anzusehen ist. Aufgrund
der festgestellten Kontamination wurden unverzügliche Maßnahmen
wie ein Duschverbot und eine Desinfektion in die Wege geleitet.
Bei den weiteren 25 Personen, welche z. T. die gleichen sanitären
Anlagen wie die Erkrankte genutzt hatten, wurden keine Erkrankungszeichen
festgestellt. Ergänzend ist von Interesse, dass bei der Erkrankten
als Risikofaktor ein Tabakkonsum von täglich bis zu 40 Zigaretten
bestand. Sie befand sich bis zum 12.08.2003 in stationärer Behandlung
und wurde dann bei Fortsetzung einer antibiotischen Therapie in die hausärztliche
Betreuung entlassen.
Seitens des Gesundheitsamtes wird eingeschätzt, dass es in diesem
Fall aufgrund des erfolgreichen Zusammenwirkens aller Beteiligten gelungen
ist, die potenzielle Infektionsquelle rasch zu lokalisieren und dadurch
weitere Infektionen zu vermeiden.
Epid.
Bulletin, Robert Koch-Institut, Nr. 45/2003
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt
02/2004
S.51 - 56
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