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Medizin und Wissenschaft

Interdisziplinäres Forum „Fortschritt und Fortbildung in der Medizin“ 2004
Fortbildung vom Feinsten

Edda Oppermann

Präsident der Bundesärztekammer: Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe bei der Begrüßung

Welche neuen Fortschritte gibt es in der Medizin? Was ist hiervon für die praktische Medizin wichtig? Was muss dringend über die Fortbildung an die Ärzte weitergegeben werden? Das sind zentrale Fragen, die im Januar auf dem 28. Interdisziplinären Forum „Fortschritt und Fortbildung in der Medizin“ der Bundesärztekammer in Köln diskutiert wurden.

Programm:
-Neuromuskuläre Erkrankungen
-Schlafmedizin
-Leichenschau
-Neuerungen in der Reanimation
-Der alte Mensch und sein Bewegungsapparat
-Allergien (u. a. Neurodermitis, Asthma bronchiale)
-Moderne Wege zu einer individualisierten Arzneimitteltherapie
-Muskelerkrankungen: Behandlung verbessert

Das „Forum“ ist der zentrale Fortbildungskongress der Bundesärztekammer. Erwartet werden immer namhafte Experten aus allen Bereichen der Medizin, die über den aktuellen Wissensstand berichten und mit den etwa 400 Tagungsteilnehmern über die Fortschritte in den verschiedenen Fachgebieten der Medizin diskutieren.

Vielzahl von Muskelerkrankungen
Es beginnt schleichend mit einer Schwäche in den Händen oder Füßen. Später greift die Schwäche auch auf andere Muskelgruppen über. Die Rede ist von der amyotrophen Lateralsklerose (ALS), einer fortschreitenden degenerativen Erkrankung der motorischen Nervenzellen, an der etwa 6 000 Menschen in Deutschland leiden. Die Patienten sterben im Durchschnitt drei Jahre nach dem Beginn der Erkrankung, weil die Atemmuskulatur versagt. Inzwischen gibt es jedoch erste Substanzen, die eine gewisse Lebensverlängerung bewirken. „Die symptomatische Behandlung ist in den letzten zehn Jahren erheblich verbessert worden“, erklärte Prof. Dr. Reinhard Dengler von der Neurologischen Klinik der Medizinischen Hochschule Hannover. Die ALS gehört zu den neuromuskulären Erkrankungen, von denen bis zu 200 000 Menschen in Deutschland betroffen sind.

Vater des Forums: Trotz fortgeschrittenen Alters immer mit Diskussionsbeiträgen dabei: Dr. Erwin Odenbach, ehemaliger Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer (Fotos: rat)

Zwar sind bei der Erforschung von Ursachen und Entwicklung neuromuskulärer Erkrankungen in den letzten 20 Jahren eindrucksvolle Fortschritte erzielt worden, die Behandlungsmöglichkeiten sind aber meist noch sehr begrenzt. Um die Lebenserwartung und Lebensqualität zu verbessern, steht deshalb die Behandlung der Symptome im Vordergrund. Derzeit sorgen bundesweit 26 so genannte neuromuskuläre Zentren für die Betroffenen. Niedergelassene Ärzte sind bei der Diagnosestellung und der Behandlung von neuromuskulären Erkrankungen in der Regel darauf angewiesen, mit solchen Spezialisten zusammenzuarbeiten. „Die größeren ALS-Zentren sind sehr erfahren in der Behandlung von Krämpfen, Spastik, Schluckstörungen, verschiedenen Formen von Schmerz, unangenehmen Symptomen wie pathologischem Lachen und Weinen, wie auch von psychischer Verstimmtheit“, sagte Prof. Dengler.

Fortschritte hat es auch bei den spinalen Muskelatrophien (Muskelschwund im Rücken-/Wirbelsäulenbereich) im Kindes- und Jugendalter gegeben. Bei dieser Verlaufsform zeigen sich die Symptome bereits kurz nach der Geburt. Erste Anzeichen sind Probleme beim Kopfheben, unzulängliche Sitzbereitschaft, Schwäche und Bewegungsarmut. Etwa ein Drittel der Mütter gibt sogar an, dass die Kindsbewegungen während der Schwangerschaft vermindert waren. Eine Heilung dieser Krankheit ist allerdings bis heute nicht möglich. Umso wichtiger ist deshalb die zeitgerechte Behandlung der Symptome und der Einsatz von Rehabilitationsmaßnahmen, welche unter Umständen geeignet sind, die motorische Funktion und damit die Lebensqualität der Patienten entscheidend zu verbessern.


Spannende Diskussionen: Das Podium zum Thema „Neuromuskuläre Erkrankungen“ mit Moderator Prof. Dr. Dieter Pongratz, München, (3. von links), und unter dem Themenvorsitz von Prof. Dr. Peter Scriba, München, früher Lübeck, (3. von rechts), musste viele Fragen aus dem Zuhörerkreis beantworten.

Experten empfehlen einen „Schlaftag“ pro Woche
Menschen mit ausreichendem Schlaf bleiben länger gesund und sind leistungsfähiger. Neueren Untersuchungen zufolge haben schlafgestörte Personen dagegen ein fünffach höheres Risiko, innerhalb eines Jahres einen schweren Unfall in Haushalt, Beruf oder Verkehr zu erleiden als Menschen mit gesundem Schlaf. „Damit schützt ungestörter Schlaf die Gesundheit und verbessert entscheidend die Lebensqualität“, erklärte Prof. Dr. Göran Hajak, Leitender Oberarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universitätsklinik Regensburg.

Schleswig-Holstein gut vertreten: Ralf Büchner, Klanxbüll, Gloria-Linda Lawrenz, Alt Duvenstedt, und Dr. Wilken Boie, Handewitt

Nach einer Umfrage der Universität Regensburg schlafen die Bundesbürger im Durchschnitt 7 ¼ Stunden allerdings nur pro Nacht, etwa eine Stunde kürzer als die meisten eigentlich möchten. „Schlaf ist heutzutage weniger Genuss als notwendiges Übel und wird gekürzt, soweit das kräftemäßig möglich ist“, erläuterte Prof. Hajak. Deshalb empfiehlt er einen „Schlaftag“, den sich jeder bei Bedarf einmal in der Woche gönnen sollte.

Möglicherweise sind gerade diejenigen im Vorteil, die sich wieder ihrer frühen Kindheit erinnerten und wie ein Säugling kurze Schlafphasen einlegen. 22 % der Deutschen gelingt es tatsächlich mindestens zweimal pro Woche tagsüber zu schlafen. „Wer in der Lage ist, den nachts verlorenen Schlaf tagsüber durch kurze Nickerchen nachzuholen, wird auftretende Anforderungen besser bestehen“, versicherte Prof. Hajak. Sehr sinnvoll seien mittags eine „Siesta“ oder kurze Ruhepausen während der Arbeitszeit. „Ein kurzer Mittagsschlaf über maximal eine halbe Stunde kräftigt Seele und Körper“, so Prof. Hajak.

Erhebliche Probleme, verlorenen Schlaf nachzuholen, haben Patienten, die an einer Insomnie mit Ein- oder Durchschlafstörungen über eine längere Zeit erkrankt sind. Auch übermäßige Tagesschläfrigkeit, die so genannte Hypersomnie, ist eine ernste Schlafstörung. Die häufigste hypersomnische Erkrankung ist das Schlafapnoe-Syndrom, Schnarchen mit Atemstillständen. Das führe zu Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen oder Hirninfarkten und damit zum vorzeitigen Tod. „Eigentherapie ist hier Fehl am Platz, hier muss der Fachmann helfen“, betonte Prof. Hajak.

Schlafbeschwerden sind nach körperlichen Erkrankungen und Schmerzen der dritthäufigste Anlass für einen Arztbesuch. Die Weltgesundheitsorganisation stellt Schlafstörungen auf eine Stufe mit koronarer Herzkrankheit, Diabetes mellitus oder Lungenkrebs.

Angesichts der fatalen Folgen sollte jeder Patient mit einer ausgeprägten Tagesschläfrigkeit oder dauerhaft gestörtem Schlaf einen schlafmedizinisch erfahrenen Arzt konsultieren. In Deutschland steht den Patienten inzwischen ein Netz von mehr als 200 schlafmedizinischen Zentren zur Verfügung. „Diese Kompetenzzentren bieten mit ihren Schlaflaboren die Abklärung und Therapie von Schlafstörungen nach dem modernsten Stand der Schlafforschung und Schlafmedizin an“, sagte Prof. Hajak.

Leichenschau: Einheitliche gesetzliche Vorschriften nötig

Zum ersten Mal dabei: Dr. Cordelia Andreßen, Hauptgeschäftsführerin der Ärztekammer Schleswig-Holstein, rechts Prof. Dr. Christoph Fuchs, Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer

Über 1 000 Tötungsdelikte werden jährlich als solche nicht erkannt. Darauf wies Prof. Dr. Burkhard Madea, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Rheinischen Friedrich-Wilhelm-Universität in Bonn, hin. „Die Häufigkeit falsch eingeschätzter Todesursachen auf der Todesbescheinigung liegt zwischen 20 und 50 %“, kritisierte Prof. Madea. Die Ursache für diese Misere sei nicht zuletzt die konkurrierende Gesetzgebungskompetenz der Bundesländer, die nach wie vor die Regeln des Leichenschau- und Obduktionswesens allein bestimmten. Experten schätzen, dass ca. 30 % der Klinikärzte auch bei Gewalteinwirkung, Vergiftung, Suizid oder ärztlichem Eingriff einen natürlichen Tod ankreuzten.

„Künftige Reformbemühungen sollten sicherstellen, dass der medizinisch unklare Todesfall unabhängig von Ermittlungen der Polizei und Staatsanwaltschaft einer medizinischen Klärung durch Verwaltungsobduktionen zugeführt wird“, forderte Prof. Madea. Nur so könnten die Differenzen zwischen Kriminalpolizei und Ärzten verhindert werden.
Prof. Dr. Klaus-Steffen Saternus, Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Göttingen, wies darauf hin, dass nach den Bestattungsgesetzen aller Bundesländer nicht zwischen akutem und erwartetem Tod unterschieden, sondern das unverzügliche Erscheinen des Arztes verlangt werde. Bei jedem Todesfall habe eine „äußere Leichenschau“ durch einen approbierten Arzt stattzufinden. „Die Feststellung eines natürlichen Todes setzt in jedem Fall die Durchführung der Leichenschau an der vollständig entkleideten Leiche voraus“.

Reanimationsquote nur bei etwa 10 %

„Eingerahmt“: Dr. Justina Engelbrecht, Dezernentin der Bundesärztekammer und verantwortlich für die Organisation des Forums, vorne links Prof. Dr. Heyo Eckel, rechts Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe

In Deutschland sterben jährlich mehr als 100 000 Menschen unter den Zeichen des plötzlichen Herztodes. Viele dieser Patienten könnten durch zeit- und fachgerechte Reanimation gerettet werden. Doch die Quote von Wiederbelebungen liegt in Deutschland nur zwischen 7 und 11 %. „Trotz erheblicher Fortschritte im Bereich der wissenschaftlichen Erkenntnisse sind die Reanimationsquoten in den letzten Jahren nicht wesentlich gestiegen“, erklärte Prof. Dr. Peter Sefrin, Leiter der Sektion für Notfallmedizin an der Universität Würzburg. Aus den USA seien dagegen Wiederbelebungsquoten von 30 bis 40 % nach Kreislaufstillstand bekannt. Gerade durch den schnellen Einsatz von Defibrillatoren kann bei Herz-Kreislaufstillstand durch Kammerflimmern die Überlebensrate erhöht werden. „Jede Minute kostet bis zu 10 % der Überlebenschancen“, sagte Prof. Sefrin.
Aus ärztlicher Sicht sollten aber nicht nur Frühdefibrillations-Programme angeboten werden. Vielmehr müssten vermehrt Initiativen ergriffen werden, Kenntnisse und Fertigkeiten zur Basis-Herz-Lungen-Wiederbelebung schon in der Schule zu erwerben und lebenslang aufzufrischen, forderte Prof. Sefrin. Schließlich kämen 70 % der plötzlichen Herzstillstände im häuslichen Bereich vor. Ausreichende erste Hilfe bis zum Eintreffen des Notarztes könnte in solchen Fällen die Erfolgschancen einer Reanimation schon erheblich steigern.

Gut besucht war das 28. Interdisziplinäre Forum der Bundesärztekammer am 08.01.2004 in Köln

Sport im höheren Lebensalter vermindert Sturzgefahr
Sport und Fitness tun gut und halten gesund - unabhängig vom Lebensalter. „Der Körper behält bis ins hohe Alter die Fähigkeit, sich in einem begrenzten Rahmen höheren Leistungsansprüchen anzupassen“, erklärte der Berliner Anästhesiologe Prof. Dr. Walter Schaffartzik. Klinische und epidemiologische Studien haben gezeigt, dass körperliche Bewegung die Gangsicherheit erhöht und die Knochendichte positiv beeinflusst. Dies ist umso wichtiger, als dass Osteoporose, Arthrosen und Frakturen zu den häufigsten Erkrankungen im höheren Alter gehören. Als geeignete Sportarten für ältere Menschen nannte Prof. Schaffartzik Walking und Jogging.

Erkrankungen des Bewegungsapparats belasten alte Menschen subjektiv am stärksten. „Chronische Schmerzen und die Einschränkung der Mobilität beeinträchtigen sowohl die Alltagsbewältigung als auch die Teilnahme am sozialen Leben und können die Lebensqualität erheblich reduzieren“, sagte Prof. Dr. Wolfgang Hoffmann, Epidemiologe und Versorgungsforscher der Universität Greifswald. Etwa 30 % der Frauen und 10 % der Männer über 50 leiden an einer Osteoporose. Rund ein Drittel der über 65-Jährigen stürzen mindestens einmal im Jahr. Die Rate steigt mit zunehmendem Alter. So liegt sie bei den 80 bis 89-Jährigen bei 40 bis 50 % und bei den 90 bis 99-Jährigen deutlich höher. Die meisten Stürze sind durch mehrere Faktoren bedingt und nicht nur die Folge einer Krankheit oder einer Funktionsstörung. „Ursache für Frakturen sind vor allem die Kombination von Sturz- krankheit und Osteoporose. Daher müssen beide Krankheiten früh entdeckt und behandelt werden“, betonte Prof. Dr. Ludger Pientka, Direktor der Medizinisch-Geriatrischen Klinik an der Universitätsklinik in Bochum.

Um einer Fraktur vorzubeugen, empfiehlt Pientka die ausreichende Aufnahme von Calcium und Vitamin D sowie verschiedene Formen des Bewegungstrainings. Dass Bewegungstherapie allein zur Vermeidung von Stürzen beiträgt, ist bislang allerdings nur für Hochrisikogruppen - also Personen über 80 Jahren oder mit mehreren Sturzrisikofaktoren - erwiesen. „Effektiver sind Interventionen, die mehrere Risikofaktoren berücksichtigen“, sagte Prof. Pientka. Als Beispiele führte er Reaktionstraining, Medikamentenanpassung sowie Balance-, Kraft- und Gehtraining zur Mobilitätsverbesserung. Auch könne das häusliche Umfeld optimiert werden: festes Schuhwerk, gute Beleuchtung und die Entfernung von Stolperfallen könnten dazu beitragen, Stürze zu vermeiden.

Nur 10 % der Allergiker werden adäquat versorgt
„Allergien sind keine Bagatellerkrankungen. Trotzdem werden nur 10 % der Allergie kranken Menschen in Deutschland adäquat versorgt“. Dies erklärte Prof. Dr. Alexander Kapp, Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Medizinischen Hochschule in Hannover. „Es sind vor allem gesundheitspolitische Zwänge, die trotz besten Wissens und Wollens auch speziell weitergebildeter Ärzte eine sachgerechte Diagnostik und Therapie von Allergien häufig erschweren oder unmöglich machen“, sagte Prof. Kapp. Gerade auf diesem Gebiet wirke sich die Dauerbudgetierung der vergangenen zehn Jahre verheerend aus. „Man darf nicht außer Acht lassen, dass allergische Erkrankungen chronisch werden können und die Lebensqualität der Patienten erheblich beeinträchtigen, wie dies besonders für die Neurodermitis zutrifft. Im schlimmsten Fall können Allergien, gerade Insektengift- oder Nahrungsmittelallergien, tödlich enden“, sagte Prof. Kapp.

Unter den allergischen Erkrankungen ist das Asthma bronchiale mit einem Anteil von etwa 10 % in den Industrienationen die häufigste chronische Krankheit im Kindes- und Jugendlichenalter. Auch bei Erwachsenen gehört die Erkrankung zu den häufigsten Beschwerden. Während aber viele allergische Erkrankungen in den letzten Jahrzehnten dramatisch zugenommen haben, entwickelt sich die Behandlung von Asthma-Patienten zur „Erfolgsgeschichte“. „Die Zahl der Sterbefälle durch die Volkskrankheit Asthma ist in den letzten 20 Jahren besonders bei der Gruppe der Patienten zwischen dem 1. und 35. Lebensjahr deutlich zurückgegangen“, erklärte Prof. Dr. Gerhard Schultze-
Werninghaus, Internist für Lungen- und Bronchialheilkunde an den Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmannsheil-Universitätsklinik in Bochum. Die Prognose habe sich zunehmend verbessert.

Moderne EDV-Systeme bei Arznei-Verordnung unverzichtbar
In Deutschland kommen etwa 3 bis 5 % der Patienten wegen unerwünschter Arzneimittelwirkungen ins Krankenhaus. In den USA sind Arznei-Nebenwirkungen sogar die sechsthäufigste Todesursache bei Krankenhauspatienten; mehr Menschen sterben dort durch Medikationsfehler als durch Arbeitsunfälle. Deshalb ist gerade auf dem Gebiet der Pharmakologie regelmäßige Fortbildung unabdingbar. „Kenntnisse der Klinischen Pharmakologie, die vom Arzt immer wieder aufgefrischt werden müssen, sind die Grundlage für eine wirksame und sichere Arzneitherapie“, betonte Prof. Dr. Bruno Müller-Oerlinghausen, Vorsitzender der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ).

Gefahr eines „Ärzte-TÜVs“ vorerst gebannt
„Das Forum ist in seiner Art einzigartig in der medizinischen Fortbildung, weil es kaum eine Veranstaltung gibt, die in einer solchen Dichte Fach übergreifend Einblick in die neuesten Erkenntnisse der medizinischen Forschung gewährt“, sagte Prof. Dr. Heyo Eckel, Vorsitzender des Deutschen Senats für ärztliche Fortbildung, zum Auftakt des 28. Interdisziplinären Forums der Bundesärztekammer in Köln. Fortbildung sei ein unverzichtbarer Teil der ärztlichen Berufsausübung und werde von den Ärzten auch intensiv betrieben, wie sich u. a. an den steigenden Teilnehmerzahlen der Fortbildungsmaßnahmen der Ärztekammern zeige.

Bisher habe es also nicht am Fortbildungsengagement der Ärzte gemangelt, sondern am sichtbaren Nachweis der Fortbildung. Das habe sich mit der Einführung des freiwilligen Fortbildungszertifikates der Ärztekammern vor vier Jahren geändert. „Mit dem Zertifikat kann der Arzt gegenüber den Patienten dokumentieren, dass er regelmäßig an Fortbildungsmaßnahmen teilgenommen hat“, erläuterte Prof. Eckel. Auch könne der Arzt das Zertifikat im Wartezimmer aushängen oder die entsprechenden Angaben auf seinen Internet-Seiten bekannt machen. Zudem könnten sich Patienten bei den Ärztekammern oder Kassenärztlichen Vereinigungen informieren, ob ein solches Zertifikat vorliege.

Die Bedeutung des Ärztekammer-Zertifikats sei auch vom Gesetzgeber anerkannt worden. Die im GKV-Modernisierungsgesetz vorgesehene „Pflicht zur fachlichen Fortbildung (§ 95 d)“ sehe vor, dass der Nachweis über die Fortbildung durch den Erwerb des Fortbildungszertifikats bei der Ärztekammer erbracht wird. „Die ärztlichen Körperschaften selbst definieren die Inhalte und das Verfahren der Fortbildungspflicht der Ärzte. Damit ist die Gefahr eines willkürlichen „Ärzte-TÜVs“ vorerst gebannt“, sagte Prof. Eckel.

Die AkdÄ informiere die Ärzteschaft vielfältig und aktuell über rationale Arzneitherapie und Arzneimittelsicherheit. Mit ihren evidenzbasierten Therapieempfehlungen zu wichtigen Indikationen in der hausärztlichen Praxis leiste sie zugleich auch einen unverzichtbaren Beitrag zur ärztlichen Fortbildung. Mit ihrer Veranstaltung auf dem Forum wolle die Arzneimittelkommission aber auch deutlich machen, dass weitere moderne Hilfsmittel nötig sind, um dem Anspruch einer möglichst individualisierten Arzneitherapie gerecht werden zu können. „Ärzte sind auf moderne EDV-Systeme bei der Auswahl von Medikamenten angewiesen. Denn die Menge der vorhandenen und auch für den Einzelfall relevanten ausgewählten Daten ist einfach zu groß, als dass ein Arzt in der Praxis sie aufgrund seines Studiums oder des Nachschlagens in Büchern und Tabellenwerk alle gegenwärtig haben könnte“, sagte Professor Müller-Oerlinghausen.

Dr. Edda Oppermann, Ärztekammer Schleswig-Holstein, Bismarckallee 8 - 12, 23795 Bad Segeberg

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 02/2004

S.37 - 41