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Nachrichten in Kürze

Leserbrief von Dr. Reimar D. Vogt zu Seite 3, SHÄ 11/2003

 
Dr. Vogt (Foto: Privat)  

Mit großer Freude habe ich bei der Lektüre der Ausgabe 12/03 des Schleswig-Holsteinischen Ärzteblattes die Leserbriefe der Kollegen Schmolling und
Zielinski gelesen: Es gibt also noch andere Kollegen mit Wut im Bauch, die ihren Frust auch verbalisieren!

Wie - frage ich mich - wenn nicht als eine völlige Insuffizienz kann man das Agieren der Standesorganisationen angesichts der neuerlichen Belastungen der Ärzteschaft durch die „Reformen“ des Gesundheitsmodernisierungsgesetzes interpretieren? Sicherlich bedarf es eines enormen Realitätsverlustes, sich selbst ob dieser Einschnitte als „Erfolgsunternehmen“ zu bezeichnen! Kennen Sie einen anderen Berufsstand, der sich seit dem 01.01.2004 einen „Korruptionsbeauftragten“ leistet? Kennen Sie einen anderen Berufsstand, der dermaßen von Politik und Standesorganisationen gegängelt wird? Kennen Sie einen anderen Berufsstand, der so wenig von seiner eigenen Standesorganisation nach außen hin vertreten und verteidigt wird wie die Ärzteschaft?

Egal, ob wir von der Praxisgebühr, von der Zwangsfortbildung, von Budgets, von K.O.-Listen, von schwachsinnigen ICD10-Codierungen, vom „Arzt im Praktikum“, von Krebsregister, von DMPs ... (Liste beliebig erweiterbar) ... reden, weder Ärztekammer noch KV noch Berufsverbände haben hier auch nur ansatzweise eine nennenswerte Verbesserung der Arbeitsbedingungen für die Ärzteschaft erreicht!

Kein Wunder, dass der Ärzteschaft der Nachwuchs wegbleibt: Welcher qualifizierte junge Mensch hat ob dieser ungeheuerlichen Arbeitsbedingungen denn noch Lust, sich für eine ärztliche Tätigkeit am Patienten zu entscheiden?

Reden Sie sich nicht mit Hinweis auf umgesetzte Bundesentscheidungen heraus! Auch mir ist während meiner Tätigkeit als Abgeordneter der KVSH schmerzlich bewusst geworden, dass Deutschland ein zentralistisch organisierter Staat geworden ist, in dem Theoretiker und Berufsflüchtlinge am grünen Tisch Entscheidungen treffen, die der Praktiker vor Ort auszubaden hat. Und trotzdem gäbe es genügend Beispiele von Kollegen, die sich gegen alle Widerstände hinweg gegen die Obrigkeiten aufgelehnt und Erfolg gehabt haben. Nur: Vergeblich sucht man ein Vorstandsmitglied der Ärztekammer in dieser schmalen Liste an Kollegen vom Schlage eines Herrn Priesack oder Jaeger!

Wäre es angesichts dieses dramatischen Wandels des ärztlichen Berufsbildes nicht auch ehrlich, den ärztlichen Berufsstand nicht mehr als „freien“ Beruf zu bezeichnen? Und wozu brauchen wir dann eigentlich eine Ärztekammer, wenn ohnehin die Entscheidungen in Berlin getroffen werden?

Dr. Reimar D. Vogt, Dohrnstraße 11, 25764 Wesselburen

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 02/2004

S.11 / 12