Das
Elend der ärztlichen Kunst.
Eine andere Geschichte der Medizin.
Bibliographische Angaben: Bernhard Kathan, Kulturverlag Kadmos,
Berlin 2003, 17,50 EUR, Seiten 304, ISBN 3827002419 |
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Die so viel beschworene Beziehung zwischen Arzt und Patient kann
es aufgrund von extremer Arbeitsteilung und Spezialisierung nicht geben.
Wie sollte ein Patient sprechen können, wenn es keine Zeit für
eine Erzählung gibt, behauptet der österreichische Sozialwissenschaftler
Kathan. Der Autor kritisiert an der heutigen Medizin eine grundlegende
Verschiebung der Aufmerksamkeit vom Patienten zur Krankheit. In der Folge
wird das, was der Patient weiß, spricht oder spürt, unverlässlich;
Verlässlichkeit garantiert einzig das Instrument oder die Maschine.
Je mehr Geräte sich zwischen Arzt und den Patienten schieben, umso
mehr verliert das Gespräch zwischen ihnen an Bedeutung. Patienten,
fährt Kathan fort, werden zu oft bei der Anamnese unterbrochen und
zu wenig an medizinischen Entscheidungen beteiligt. Der sachliche
Blick auf den menschlichen Körper, den wir bereits aus der Anatomie
kennen, behauptet sich auch in der Klinik gegenüber dem lebenden
Menschen. Der Autor will die kühle medizinische Objektivität
durch einfühlsame ärztliche Nähe ersetzen.
Dabei wird vergessen, dass ohne Objektivierung weder Diagnostik noch Therapie
möglich ist. Mit seiner Ablehnung sachlicher Distanz gerät Kathan
z. B. beim Thema gynäkologischer Diagnostik in einen Selbstwiderspruch,
da Objektivität eine Voraussetzung für intime Untersuchungen
ist. Das Buch kommt in den Verdacht der Technikfeindlichkeit, wenn es
heißt: Das Unbehagen gegenüber der modernen Medizin bezieht
sich fast ausschließlich auf den intensiven Einsatz technischer
Mittel, auf eine Medizin der Apparate. Wahr ist, dass medizinische
Technik vielen Patienten helfen kann, dass allerdings eine kritischere
Indikation und Interpretation bildgebender Verfahren und des Labors wünschenswert
sind. Die Sicht von Kathans Medizinkritik ist einseitig: Alle wichtigen
Erfindungen der modernen Medizin, alle Strukturen, die sich herausgebildet
haben, finden dort ihren gemeinsamen Nenner, wo es um die Vermeidung von
Nähe zum Kranken geht. Die Erfolge der modernen Medizin sind nur
denkbar, weil sie diese Nähe systematisch vermied und vermeidet.
Diese Erfolge will aber der Patient nicht missen, er wünscht allerdings
gleichfalls, dass er während der Visite sprechen darf, der Arzt zuhört
und seine Sorgen versteht. Es scheint dem Rezensenten, dass die Alternative
des Autors: entweder objektive naturwissenschaftliche oder menschlich-verstehende
Medizin so nicht haltbar ist. Es darf nicht um ein Entweder-oder, sondern
um ein Sowohl-als-auch gehen. Sowohl krankheitszentrierte Medizin mit
klarer Diagnostik und Therapie als auch Patienten zentrierte Medizin mit
Empathie und Einbeziehung des Kranken sind notwendig. Das ist allerdings
leichter gesagt als getan, denn der Autor könnte den Rezensenten
skeptisch fragen, ob eine solche Patienten zentrierte Medizin bei der
ärztlichen Absorption durch Techniken und innovative Interventionen,
bei dem Durchschleusen der Kranken in Kliniken und vielen hoch spezialisierten
Praxen, bei zunehmendem ökonomischem Druck überhaupt möglich
ist. Darüber wäre zu diskutieren. Zu wenig würdigt das
Buch die zentrale Rolle eines guten Hausarztes, der auch heute seine Patienten
ganzheitlich betreut und mit ihrem sozialen und familiären Hintergrund
vertraut ist.
Rezensent: Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt, Jägerallee 7,
24159 Kiel
Orthopädie
und Traumatologie
Bibliographische Angaben: Herausgeber Hippe/Plötz/Thiemel,
Thieme Verlag, Stuttgart/New York 2003, ISBN 3-13-124421-6, 867 Seiten,
viele teils zweifarbige Abbildungen und Tabellen, 199 EUR |
Kurze
Inhaltsangabe: Umfangreiche Darstellungen von Erkrankungen und Verletzungen
der Bewegungsorgane. Der 1. Teil ist systematisch gegliedert und beschreibt
umfassend die Erkrankungsarten, von angeborenen und erworbenen Störungen,
neuromuskulären Krankheiten, bis hin zu Tumoren und Infektionen.
Der 2. Teil ist topographisch gegliedert und stellt Darstellungen von
Krankheitsbildern, Verletzungen, konservativen und operativen Behandlungsverfahren
dar.
Kritische Bewertung: Bei der Auswahl der Behandlungsverfahren der
Muskel- und Gelenkerkrankungen ist manchmal die deutliche subjektive Sicht
der Autoren und Herausgeber zu erkennen. Die Gewichtung der verschiedenen
Abschnitte entspricht nicht ihrer klinischen Bedeutung, gibt insgesamt
aber eine umfassende Übersicht.
Empfehlung: Das Buch führt in dankenswerter Weise die Tradition
des von Lange begründeten Münchner Lehrbuchs für Orthopädie
fort. Das Buch bietet eine sehr gute Übersicht über die Breite
von orthopädischen und traumatologischen Erkrankungen, besonders
zum Nachschlagen für denjenigen, der sich nicht täglich und
regelmäßig mit dieser Erkrankungsgruppe befasst. Auch zur Begleitung
der Facharztweiterbildung und Vorbereitung auf die Prüfung ist dieses
Buch sicherlich sehr gut geeignet.
Rezensent: Prof. Dr. Joachim Hassenpflug, Klinik für Orthopädie,
UKSH, Campus Kiel, Michaelisstr. 1, 24105 Kiel
Sportverletzungen
Bibliographische Angaben: Uwe Wegner, Schlütersche GmbH
& Co. KG, Hannover, 2. Auflage, 154 Seiten, 2003, 29,90 EUR, ISBN
3-87706-632-1 |
Kurze
Inhaltsangabe:
Nach einem einführenden Teil über allgemeine Behandlungsmethoden
werden Verletzungen nach Körperabschnitten und in alphabetischer
Reihenfolge dargestellt. Häufige, bei Sport vorkommende Verletzungen
werden nach Symptomen, Ursachen und möglicher Therapie vorgestellt.
Das beinhaltet in den meisten Fällen auch Möglichkeiten der
Erstversorgung, der Nachversorgung und der Vorbeugung.
Kritische Bewertung: Die Vorstellung der Verletzungen nach Körperabschnitten
und die alphabetische Reihenfolge ermöglichen ein schnelles Eingrenzen
möglicher Verletzungsarten. Wenngleich auch nicht alle Verletzungsarten
und -muster in diesem Buch vorgestellt werden können, so wird das
vorliegende Buch doch vor allen Dingen denjenigen weiterhelfen, die weder
aus dem orthopädischen Bereich noch sportmedizinisch weitergebildet
sind. Eine Überprüfung der gemachten Aussagen ist leider in
keinem Fall möglich, da der Autor es nicht für nötig befunden
hat, entsprechende Untersuchungen oder Autoren zu zitieren. So werden
auf knapp 1,5 Seiten lediglich einige Bücher als weiterführende
Literatur aufgeführt, ohne direkten Bezug zum Inhalt des vorliegenden
Buches. Das bedeutet, dass man letztendlich dem Erfahrungsschatz und den
Aussagen des Autoren vertrauen muss.
Empfehlung: Für den Einsteiger ist dieses Buch sicherlich
eine gute Wahl, um ausgehend von der Verletzungsregion, eine schnelle
Übersicht über mögliche Ursachen und evtl. Therapien zu
bekommen. Diejenigen jedoch, die Wert auf nachprüfbare Fakten legen
und sich nicht auf die Erfahrungswerte des Autoren verlassen möchten,
werden mit diesem Buch nicht glücklich werden.
Rezensent: Dr. Michael Siewers, Institut für Sportmedizin,
UKSH, Campus Kiel, Olshausenstr. 40, 24098 Kiel
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Schleswig-Holsteinisches
Ärzteblatt
01/2004
S. 16, 21, 65
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