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Rezensionen
Pharmakologie und Toxikologie
Arzneimittelwirkungen verstehen - Medikamente gezielt einsetzen
Bibliographische Angaben: Heinz Lüllmann, Klaus Mohr, Martin Wehling, Thieme Verlag, Stuttgart 2003, 595 Seiten mit 259 meist farbigen Abbildungen, ISBN 3-13-368515-5, 59,95 EUR


Ein lange bewährtes, nun bereits in 15. Auflage erschienenes Buch über Arzneimitteltherapie für Ärzte und Medizinstudenten ist in unserer Zeit aus mehreren Gründen besonders willkommen. Die Fortschritte der Pharmakologie sind groß, aber Medikamente sind ein zweischneidiges Schwert. Aufgrund einer Meta-Analyse wurden 1994 in den USA 106 000 tödliche medikamentöse Nebenwirkungen geschätzt. Derartige iatrogene Schäden zu reduzieren, trägt das Buch von Lüllmann, Mohr und Wehling wesentlich bei. Gegenwärtig werden
90 % deutscher medizinischer Fortbildungen von der pharmazeutischen Industrie „gesponsert“. Deshalb ist in der Ära eines solchen medizinisch-industriellen Komplexes eine objektive Information notwendig. Die „Rote Liste“ des Bundesverbandes der pharmazeutischen Industrie für das Jahr 2002 enthält 12 499 Präparate. Diese Masse ist unübersehbar, und nur ein Teil der in der Roten Liste versammelten Arzneimittel ist nach einer Prüfung zugelassen. Umso wichtiger wird es, wirksame und unwirksame Medikamente zu unterscheiden. Dazu verhilft das vorliegende Buch und senkt so die Kosten der Medizin. Sein didaktisches Konzept ist klar und übersichtlich. Bei der Darstellung der Wirkstoffe, z. B. der ACE-Hemmer, Bronchodilatatoren, Antihypertonika, nichtsteroidalen Antirheumatika, Parkinsonmittel und Antidepressiva, lernen wir, wie die einzelnen Medikamente in die gestörten biologischen Mechanismen eingreifen. Der Arzt bekommt durch die Lektüre ein geschärftes Bewusstsein davon, was ein Therapeut eigentlich tut, wenn er ein effektives Rezept schreibt: er vollzieht einen komplexen Eingriff in den erkrankten Organismus. Zahlreiche hervorragende Abbildungen veranschaulichen die pathogenetischen Zusammenhänge. Das Buch leistet Studenten und Ärzten Beistand, pharmakologisches Denken zu lernen, das von den Eigenschaften, Wirkungen, möglichen Nebenwirkungen und Interaktionen der Arzneimittel ausgeht. Pharmakologie, die das Spektrum eines Medikamentes genau erläutert, lehrt mehr Respekt vor ihm. Wir werden dann auch das Nutzen-Risiko-Verhältnis häufiger berücksichtigen. Zusätzlich enthält das Werk wertvolle Abschnitte über zusammenfassende therapeutische Aspekte, z. B. über Schmerzbehandlung, die Therapie der Herzinsuffizienz, Osteoporose, der chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten, der Arthritis und Arthrosen. Wer die „Pharmakologie und Toxikologie“ studiert hat, wird nicht zu viele Arzneimittel verordnen und nicht zu schnell auf neue Medikamente übergehen, die der letzte Firmenvertreter oder die letzte Industrie organisierte Veranstaltung empfohlen hat. Als mit Cerivastatin 1997 das sechste Statin auf den Markt kam, wäre z. B. zu beachten gewesen, dass gegenüber jedem neuen Pharmakon, auch wenn es einer bekannten Klasse angehört, große Vorsicht angebracht ist. Unabhängige medizinische Fortbildung ist ein Gebot der Stunde. Das Buch von Lüllmann, Mohr und Wehling ist eine große Hilfe für eine abwägende, kritische und dem Patienten nützende Arzneimitteltherapie.

Rezensent: Prof. Dr. Karlheinz Engelhardt, Jägerallee 7, 24159 Kiel

Praktische Echokardiographie
Bibliographische Angaben: M. Kunert und L. J. Ulbricht, Deutscher Ärzte-Verlag Köln, 2002, Lehrbuch 204 S. und CD-ROM mit Videobeispielen, 74,95 EUR, ISBN 3-7691-0416-1

Kurze Inhaltsangabe: Die ersten Kapitel beschäftigen sich mit den physikalischen Grundlagen der Farbdopplerchokardiographie (FDE) und der Einweisung in die Gerätefunktion. Es folgt die Vorstellung der echokardiographischen Standarduntersuchung. Bevor im Folgenden die einzelnen Krankheitsbilder systematisch vorgestellt werden, ist ein Kapitel eingeschoben, in dem die FDE im klinischen Kontext, d. h. symptomorientiert betrachete und bewertet wird. So werden Symptome wie Thoraxschmerz, Dyspnoe, Synkopen, Fieber und Schock differenzialdiagnostisch aus dem Blickwinkel der FDE analysiert. Eigene Kapitel sind der Stressechokardiographie und dem TEE gewidmet. Die Videosequenzen der CD-ROM sind alphabetisch geordnet und zeigen anschaulich die relevanten Befunde.
Kritische Bewertung: Die Autoren lassen ihre Erfahrungen als klinisch tätige Kardiologen in den Text einfließen und erläutern Therapie oder Laborwerte. Hierdurch ufern die Texte in einigen Passagen etwas zu sehr aus und entfernen sich von den Fragestellungen der FDE. Wünschenswert wären hier sicherlich eher Hinweise auf typische „pitfalls“ der FDE und der TEE.
Empfehlung: Ein durchaus empfehlenswertes praxisorientiertes Echokardiographielehrbuch mit relativ langen Textpassagen, guter Zuordnung zu klinischen Fragestellungen und anschaulichen Videosequenzen zu unterschiedlichen Krankheitsbildern.
Rezensentin: Dr. Marina Gebhard, Segeberger Kliniken GmbH, Am Kurpark 1, 23795 Bad Segeberg

Schleswig-Holsteinisches

Ärzteblatt 11/2003

S. 2, 69